Wissenschaft aktuell
PUTZ 4/00
Generalsekretär
Die Hochschulrektorenkonferenz bekommt einen neuen Generalsekretär. Es handelt sich dabei um Dr. Jürgen Heß, den derzeitigen Kanzler der Universität Freiburg. Sein Amtsantritt erfolgt voraussichtlich im Spätsommer dieses Jahres. Der 55jährige Jurist wird damit Nachfolger des im Januar zum Staatssekretär beim Berli1er Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur ernannten Dr. Josef Lange.
PUTZ
Präsident
Am 5. April dieses Jahres war es so weit: Prof. Ernst Sigmund erhielt aus den Händen on Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Hackel in Potsdam Ernennungsurkunde zum Präsidenten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.
Nachdem ‚er am 10. Februar
seine
2000 vom Senat der Hochschule auf Vorschlag des Bran
denburgischen
Landeshochschulrates gewählt wurde, amtiert er nun für sechs Jahre. Sigmund leitete bereits vom
| Februar 1996 bis 2000 als | Rektor die Cottbuser Univer
sität. PUTZ
Vizepräsidenten
| Seit kurzem stehen nun auch
die Vizepräsidenten der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus fest. Der Senat der Einrichtung wählte
| im April Prof. Dr. Inken Baller,
| Prof. Dr. Gerhard Lappus und
Prof. Dr. Michael Schmidt in ihre Funktionen. Baller ist Vizepräsidentin für Lehre und Studium, Lappus widmet sich dem Forschungsbereich und Schmidt dem Bereich Internationale Beziehungen, insbesondere Mittel- und Osteuropa. Die Amtszeit aller drei Wissenschaftler dauert drei Jahre.
PUTZ
Außergewöhnlich
Pavel Florenskij und seine Ideen
Er sei zur Unzeit geboren worden, schrieb Pavel Florenskij(1882 bis 1937) in einem seiner letzten Briefe aus dem Lager auf den Solovki-Inseln im Weißen Meer. In 150 Jahren hätten seine Möglichkeiten wohl besser genutzt werden können. Mit ungläubigem Staunen werde man einst feststellen, dass da einer gelebt habe, der in seiner„altmodischen Sprache“ schon dasselbe gesagt habe, was man eben erst als allerneuestes Ergebnis erkannt zu haben glaubte...
Unter dem programmatischen Titel„Pavel Florenskij— Tradition und Moderne“ fand im April dieses Jahres an der Universität Potsdam ein internationales Symposium statt, das dem Leben und Wirken des russischen Religionsphilosophen gewidmet war. Florenskij, der die Tradition als materielles System der Sprache und nicht als ideelles System der Inhalte verteidigte, der quasi mit avantgardistischen Argumenten für die Tradition kämpfte, erwies sich als spannender und aktueller Forschungsgegenstand.
Schnell zeigte sich, dass die Wissenschaft seit dem Florenskij-Symposium im italienischen Bergamo 1988 einen beachtlichen Zuwachs an gesicherten Kenntnissen verzeichnen kann. Florenskijs theologische Texte, seine Überlegungen zu Rationalität und Metaphysik sowie die Beiträge zu Sprachphilosophie, Ästhetik und Symboltheorie boten Anlass zu reger, teilweise recht kontroverser Diskussion. Spiegelten seine Ideen doch in ihrer thematischen Spannbreite und Extravaganz ganze„Blütenstände von Fragen“ wider, die wohl jede Zeit neu beantworten muss.
Die Biographie des Naturwissenschaftlers, Schriftstellers und Geistlichen Florenskij, der unter Stalin verhaftet und 1937 hingerichtet wurde, ist gleichermaßen typisch wie außergewöhnlich. Diese schillernde, in sich kontroverse Persönlich
keit, in der sich prismatisch Individualität und Epoche so eigentümlich brechen, faszinierte die Zuhörer, blieb jedoch auch rätselhaft und sperrte sich gegen vordergründige Deutungsversuche. Das betrifft etwa die Relation zwischen„eifersüchtiger Freundschaft“ und Homosexualität, Florenskijs Haltung zum Judentum oder zur Diktatur Stalins.
Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Geistlicher: Pavel Florenskij Foto: zg.
Der Reiz der Auseinandersetzung mit Florenskij und seinem Werk heute liegt in jener „Verzettelung“(die seine Zeitgenossen ihm immer wieder vorwarfen:| Florenskiji ent: wickelte kein in sich geschlossenes System, keine authentische Ganzheitlichkeit. Sein gedankliches Gewebe hat die Struktur eines Netzes mit vielen einzelnen Gedankenknoten, das auch für seinen Ur; heber unverhofft neue Wege und Verknüpfungen eröffnet. Möglicherweise ist Florenskij früher angekommen, als er es selber vorausahnen konnte... Dr. Angela Huber/ Institut für Slavistik
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Übergreifender Dialog
Die Zeitschrift für Religionsund Geistesgeschichte (ZRGG) wurde 1948 gegründet. Sitz der Redaktion ist heute die Universität Potsdam. Die wissenschaftliche Vierteljahreszeitschrift versteht sich als ein Ort für den fächerübergreifenden Dialog in Religions-, Geistes- und Kulturwissenschaft. ag Anlegen kistädes; Brücken zwischen unterschiedlichen Ansätzen und Methoden, Fach- und Wissensgebieten zu schlagen. Das Heft des Jahrganges 2000 ist gerade erschienen. Es enthält unter anderem Beiträge über New Age und Esoterik, die Haltung von katholischer Bevölkerung und Kirche zur|„Reichspogrom: nacht“ oder die Transzendenz religiöser Grenzen. Ein anderer Beitrag befasst sich mit dem letzten flavischen Kaiser Domitian und dessen Rolle bei der Christenverfolgung. Rezensionen vervollständigen das aktuelle Heft der ZRFF. Neuerdings besteht auch die Möglichkeit, die Hefte im Internet unter http://www.unipotsdam.de/u/mmz/ZRGG. htm abzurufen.
PUTZ
Zeitschrift für Religionsund Geistesgeschichte, Hrsg.: Joachim H. Knoll, Julius H. Schoeps und Christoph Schulte.
Das aktuelle Heft ist im Buchhandel oder direkt über den Verlag Brill, P.O. Box 9000, 2300 PA Leiden, The Netherlands erhältlich. Das Einzelheft kostet 35,00 Euro.
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