Heft 
(1.1.2019) 05
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PUTZ 5/00

Titel!

Wie weiter Rektor Loschelder?

Diskussion über die Strukturen der Universität

Profilschärfung und Schwer­punktbildung, das sind die wesentlichen Aufgaben, die der Wissenschaftsrat der Universität Potsdam in Auf­trag gegeben hat. Die An­fang dieses Jahres vorgeleg­ten Ergebnisse der Begut­achtung von vier Fakultäten zwingen die Universität Potsdam zu einer Struktur­debatte. Im Rektorat und in den Fakultäten fanden be­reits eine Vielzahl von Dis­kussionen statt. Über den Stand der Strukturdiskus­sion unterhielten sich die PUTZ-Redakteurinnen Janny Glaesmer und Dr. Bar­bara Eckardt mit dem Rek­tor, Prof. Dr. Wolfgang Lo­schelder.

Wie ist der Stand der Dis­kussionen um das Wissen­schaftsratsgutachten? Loschelder: Wir haben uns für ein Verfahren entschieden, das allen Beteiligten ermöglicht, in den. Prozess der Entschei: dungsfindung eigene Vorstel­lungen einzubringen. Was den Stand der Dinge angeht, so ha­ben wir in einer ersten Runde die Fakultäten gebeten, zum Gutachten Stellung zu neh­men und Vorstellungen skiz­zenhaft zu formulieren. Ansch­ließend haben wir in einer zweiten Runde konkretisierte Prüfaufträge zu jenen Punkten erteilt, die uns noch nicht hin­reichend beantwortet schie­nen. Im nächsten Schritt wird das Rektorat eigene Positionen entwickeln und künftige Schwerpunkte benennen. Auf dieser Grundlage muss dann weiter mit den Fakultäten ver­handelt werden.

Ist absehbar, dass aufgrund der Profilschärfung Studi­engänge geschlossen werden müssen?

Loschelder: Ich gehe davon aus, dass Studiengänge ge­schlossen werden, denn unab­hängig von den Empfehlungen des Wissenschaftsrats haben uns die sich ständig verschlech­ternden Rahmenbedingungen,

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insbesondere die finanziellen und stellenmäßigen, an einen Punkt gebracht, an dem wir nicht mehr linear weiter her­unterkürzen können. Würden wir dies tun, landeten wir in al­len Bereichen im Mittelmaß. Wir sind demnach bestrebt, in den künftigen Exzellenzberei­chen Mittel zu konzentrieren, die in anderen Bereichen abge­zogen werden müssen.

Welche Studiengänge stehen auf der Streichliste?

Loschelder: Die Diskussion ist noch nicht an diesem Punkt.

Fotos: Archiv

Zunächst müssen hier natür­lich die Fakultäten ihre Vor­stellungen äußern. Es wäre un­fair, an den Fakultäten vorbei, eine solche Liste zu benennen. Aber jeder, der das Gutachten genau liest, kann ableiten, wel­che Studiengänge ernsthaft ge­prüft werden.

Welche Konsequenzen hätte die Schlie­

Studierenden, die jetzt einen bestimmten Studiengang bele­gen, müssen unter angemesse­nen Bedingungen ihr Studium beenden können. Und auch die an der Universität tätigen Wissenschaftlerinnen und Wis­senschaftler haben einen An­spruch auf WEeiterbeschäfti­gung, schließlich haben die meisten im Regelfall ei: nen unbefri­steten Ar­beitsvertrag. Es kann aber Fälle geben, wo eine frei wer­dende Professur nicht wieder­besetzt wird und sich die Frage stellt, was mit den Mitarbei­tern wird. Hier müssen Einzel­fallentscheidungen gefällt wer­den. Dabei ist es unser Ziel, so man uns lässt, keine fristlosen Kündigungen auszusprechen, sondern sozialverträgliche Lö­sungen zu finden.

Welche Erwartungen knüp­fen Sie im weiteren Verfah­ren an das brandenburgische Wissenschaftsministerium? Loschelder: Zum einen for­dere ich mit Blick auf das Vo­tum des Wissenschaftsrats, dass alle frei werdenden Ressourcen zur Schärfung der Profile in der Universität bleiben sollen. Ohne jemandem etwas zu un­terstellen, liegt natürlich der Gedanke nahe, dass das Mini­sterium angesichts der massi­ven Sparzwänge von der Moti­vation geleitet ist, an dieser oder jener Stelle Einsparungen vorzunehmen. Zum anderen wird es sicher auch inhaltlich Interessenge­gensätze ge­

Sung von Ich gehe davon aus, Per; über die Studiengän- n|? offen gespro­gen? dass Studiengänge chen werden Loschelder:© Muss. Ich Man muss sich I eschlossen werden. denke aber;

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sein: Es wäre eine Illusion zu glauben, dass bei Schließung eines Studienganges sofort umfangreiche personelle und finanzielle Mittel frei werden. Das sind Prozesse, die Zeit in Anspruch nehmen, denn die

dass bei der Beantwortung der wissen­schaftlichen Fragen die Uni­versität vermutlich zu den sachgerechteren Lösungen kommen wird. Im übrigen be­rufe ich mich auf die Aussagen im Hochschulgesetz, das die

Prozesse müssen auf breiter Basıs gestaltet werden.

Hochschulen in ihrer Autono mie stärkt. Darüber hinaus ha ben wir sowohl das Wort de Ministers wie des Staatsse kretärs, dass wir über die Zu kunft der Universität in eige ner Verantwortung befinde: müssen.

Ich erwarte vom Ministeriun weiterhin, dass es mit uns übe die Frage voı Umbaukorri doren, in stel lenmäßige wie in finanzi eller Hinsicht Auch: werden... Ge

spräche über eine vertraglich«

spricht.

Vereinbarung stattfinden. Vor einer solchen Vereinbarung er hoffen wir uns Planungssicher heit von Seiten des Landes Wir bieten dafür klar definiert Angebote in Lehre, Forschun; und Dienstleistung sowie eil modernes Universitätsprofil Es muss darüber hinaus disku tiert werden, wie das weiter: Verfahren des Umbauprozes ses gestaltet werden soll un« wie wir von unsachgemäßeı Eingriffen, etwa aus der Haus haltsperspektive, freigestellt werden.

Inzwischen liegt auch das Gut­achten für die drei Berliner Universitäten vor.

Wie stellen Sie sich vor die­

sem Hintergrund die Zu­

sammenarbeit mit Berlin

vor?

Loschelder: Ich hoffe, dass

der Diskussionsprozess zwi­Fortsetzung folgt auf Seite 5