PUTZ 5/00
Titel!
Wie weiter Rektor Loschelder?
Diskussion über die Strukturen der Universität
Profilschärfung und Schwerpunktbildung, das sind die wesentlichen Aufgaben, die der Wissenschaftsrat der Universität Potsdam in Auftrag gegeben hat. Die Anfang dieses Jahres vorgelegten Ergebnisse der Begutachtung von vier Fakultäten zwingen die Universität Potsdam zu einer Strukturdebatte. Im Rektorat und in den Fakultäten fanden bereits eine Vielzahl von Diskussionen statt. Über den Stand der Strukturdiskussion unterhielten sich die PUTZ-Redakteurinnen Janny Glaesmer und Dr. Barbara Eckardt mit dem Rektor, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder.
Wie ist der Stand der Diskussionen um das Wissenschaftsratsgutachten? Loschelder: Wir haben uns für ein Verfahren entschieden, das allen Beteiligten ermöglicht, in den. Prozess der Entschei: dungsfindung eigene Vorstellungen einzubringen. Was den Stand der Dinge angeht, so haben wir in einer ersten Runde die Fakultäten gebeten, zum Gutachten Stellung zu nehmen und Vorstellungen skizzenhaft zu formulieren. Anschließend haben wir in einer zweiten Runde konkretisierte Prüfaufträge zu jenen Punkten erteilt, die uns noch nicht hinreichend beantwortet schienen. Im nächsten Schritt wird das Rektorat eigene Positionen entwickeln und künftige Schwerpunkte benennen. Auf dieser Grundlage muss dann weiter mit den Fakultäten verhandelt werden.
Ist absehbar, dass aufgrund der Profilschärfung Studiengänge geschlossen werden müssen?
Loschelder: Ich gehe davon aus, dass Studiengänge geschlossen werden, denn unabhängig von den Empfehlungen des Wissenschaftsrats haben uns die sich ständig verschlechternden Rahmenbedingungen,
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insbesondere die finanziellen und stellenmäßigen, an einen Punkt gebracht, an dem wir nicht mehr linear weiter herunterkürzen können. Würden wir dies tun, landeten wir in allen Bereichen im Mittelmaß. Wir sind demnach bestrebt, in den künftigen Exzellenzbereichen Mittel zu konzentrieren, die in anderen Bereichen abgezogen werden müssen.
Welche Studiengänge stehen auf der Streichliste?
Loschelder: Die Diskussion ist noch nicht an diesem Punkt.
Fotos: Archiv
Zunächst müssen hier natürlich die Fakultäten ihre Vorstellungen äußern. Es wäre unfair, an den Fakultäten vorbei, eine solche Liste zu benennen. Aber jeder, der das Gutachten genau liest, kann ableiten, welche Studiengänge ernsthaft geprüft werden.
Welche Konsequenzen hätte die Schlie
Studierenden, die jetzt einen bestimmten Studiengang belegen, müssen unter angemessenen Bedingungen ihr Studium beenden können. Und auch die an der Universität tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben einen Anspruch auf WEeiterbeschäftigung, schließlich haben die meisten im Regelfall ei: nen unbefristeten Arbeitsvertrag. Es kann aber Fälle geben, wo eine frei werdende Professur nicht wiederbesetzt wird und sich die Frage stellt, was mit den Mitarbeitern wird. Hier müssen Einzelfallentscheidungen gefällt werden. Dabei ist es unser Ziel, so man uns lässt, keine fristlosen Kündigungen auszusprechen, sondern sozialverträgliche Lösungen zu finden.
Welche Erwartungen knüpfen Sie im weiteren Verfahren an das brandenburgische Wissenschaftsministerium? Loschelder: Zum einen fordere ich mit Blick auf das Votum des Wissenschaftsrats, dass alle frei werdenden Ressourcen zur Schärfung der Profile in der Universität bleiben sollen. Ohne jemandem etwas zu unterstellen, liegt natürlich der Gedanke nahe, dass das Ministerium angesichts der massiven Sparzwänge von der Motivation geleitet ist, an dieser oder jener Stelle Einsparungen vorzunehmen. Zum anderen wird es sicher auch inhaltlich Interessengegensätze ge
Sung von Ich gehe davon aus, Per; über die Studiengän- n|? offen gesprogen? dass Studiengänge chen werden Loschelder:© Muss. Ich Man muss sich I eschlossen werden. denke aber;
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sein: Es wäre eine Illusion zu glauben, dass bei Schließung eines Studienganges sofort umfangreiche personelle und finanzielle Mittel frei werden. Das sind Prozesse, die Zeit in Anspruch nehmen, denn die
dass bei der Beantwortung der wissenschaftlichen Fragen die Universität vermutlich zu den sachgerechteren Lösungen kommen wird. Im übrigen berufe ich mich auf die Aussagen im Hochschulgesetz, das die
„Prozesse müssen auf breiter Basıs gestaltet werden.“
Hochschulen in ihrer Autono mie stärkt. Darüber hinaus ha ben wir sowohl das Wort de Ministers wie des Staatsse kretärs, dass wir über die Zu kunft der Universität in eige ner Verantwortung befinde: müssen.
Ich erwarte vom Ministeriun weiterhin, dass es mit uns übe die Frage voı Umbaukorri doren, in stel lenmäßige wie in finanzi eller Hinsicht Auch: werden... Ge
spräche über eine vertraglich«
spricht.
Vereinbarung stattfinden. Vor einer solchen Vereinbarung er hoffen wir uns Planungssicher heit von Seiten des Landes Wir bieten dafür klar definiert‘ Angebote in Lehre, Forschun; und Dienstleistung sowie eil modernes Universitätsprofil Es muss darüber hinaus disku tiert werden, wie das weiter: Verfahren des Umbauprozes ses gestaltet werden soll un« wie wir von unsachgemäßeı Eingriffen, etwa aus der Haus haltsperspektive, freigestellt werden.
Inzwischen liegt auch das Gutachten für die drei Berliner Universitäten vor.
Wie stellen Sie sich vor die
sem Hintergrund die Zu
sammenarbeit mit Berlin
vor?
Loschelder: Ich hoffe, dass
der Diskussionsprozess zwiFortsetzung folgt auf Seite 5