Heft 
(1.1.2019) 05
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Wissenschaft aktuell

Immer nur Stückwerktechnik

Beate Jessel über ökologische Landschaftsplanung

Untrennbar mit dem menschlichen Leben verbun­den- auf komplexe Gebilde nicht ganzheitlich anwend­bar; als Wissenschaft auf eine umfassende Grundlagener­fassung angewiesen- in der Anwendung durch zeitliche und finanzielle Rahmenbe­

dingungen eingeschränkt und immer mit Wertent­scheidungen verknüpft:

Diese Gegensätze zogen sich wie ein roter Faden durch die Antrittsvorlesung von Beate Jessel.Können wir Ökologisch planen, fragte die Professorin am Institut für Geoökologie an der Uni­versität Potsdam.

Dabei war es nicht ihr Ziel, diese Widersprüche aufzulö­sen. Vielmehr ging es Beate Jessel darum, den schwierigen Spagat zwischen ökologischer Wissenschaft und Ökologisch orientierter Planung deutlich zu machen. Zu zeigen, was Planung leisten kann, aber auch, wo die. Grenzen ‚einer Planung liegen, die sich auf landschaftsökologische Grund­lagen bezieht.

An Schnittstelle

Die ökologischen Wissenschaf­ten beschäftigen sich mit ei­nem breiten Arbeitsfeld, ange­fangen. von den Beziehungen einzelner Organismen zur Außenwelt über verschiedene Landschaftsräume bis hin zur Humanökologie, die das menschliche und gesellschaftli­che Handeln im: Raum'er­forscht. An der Schnittstelle zwischen den Landschafts­Ökosystemen und dem Gesell­schaft-Umwelt-System ordnet Beate Jessel die Landschafts­Planung,die gedankliche Vorwegnahme künftigen Han­delns in Landschaftsräumen, ein.

Während die ökologische Wis­senschaft darauf ausgerichtet ist, Erkenntnis zu sammeln, geht es in der Planung in erster Linie darum, Entscheidungen zu treffen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Wissen­

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schaft und Planung liegt zu­dem darin, dass menschliche Wertvorstellungen in die Pla­nungsentscheidungen ein­fließen.Etwa die Entschei­dung, gerade einen bestimm­ten Biotoptyp oder eine be­stimmte Zielart zu erhalten in Brandenburg etwa die Großtrappe.

Beispiel Lüneburger Heide

Dass die ökologischen Wissen­schaften Maßnahmen zum Er­reichen eines Ziels, nicht aber das Ziel selbst liefern können,

Prof. Dr. Beate Jessel: Umwelt kann man nicht ganzheitlich planen. Foto: Archiv

machte Beate Jessel am Bei­spiel der Lüneburger Heide klar. Während diese Landschaft heute oft als der Prototyp einer vielfältigen, eigenartigen und vor allem ‚schönen Landschaft und damit als erhaltenswert betrachtet wird, ist die Gegend vom Standpunkt der ökolo­gischen Wissenschaft aus gese­hen die Folge einer jahrhun­dertelangen Ressourcenaus­beutung. Permanente Stof­fentnahme und damit einher­gehende Verschlechterung der Bodenqualität haben dazu ge­führt, dass es sich eigentlich um eingestörtes Ökosystem handelt.

Sukzessive Planung Sobald die Beziehung des

Menschen zu seiner Umwelt betroffen ist, folgt der Um­gang mit ihr nicht immer ra­tionalen Gründen. Auffor­stungsmaßnahmen beispiels­weise werden zur Zeit stark subventioniert sind also öko­reizvoll. Trotzdem sich manche Land­

nomisch trennen wirte nur ungern von Äckern, die bereits seit Generationen in der Familie bewirtschaftet wer­den. Andererseits deuten Um­fragen darauf hin, dass im bay­rischen Allgäu und in den Mit­telgebirgen in den nächsten sechs Jahren fast jeder zweite Hof aufgegeben werden wird. Dann ist die Landschaftspla­nung gefragt. Beate Jessel warnte davor zu glauben, dass man die Umwelt ganzheitlich planen kann. Am Beispiel des Donaumoos zeigte sie, wie das systematische Durchplanen ganzer Landschaftsräume scheiterte. Nachdem der Mensch das Moor trockenge­legt, besiedelt und bewirt­schafter: hatte, traten immer ncue Probleme auf, wie ein weiteres Absinken des Grund­wasserspiegels, Erosion oder Spätfrostgefährdung. Immer neue planerische Maßnahmen wurden nötig.

Kleine Schritte

Statt einer solchen determini­stischen Planung empfichlt Be­ate Jessel, nachvollziehbare Teilziele zu entwickeln, zum Beispiel hinsichtlich Land­schaftsnutzung, Erholungs­funktion und Artenschutz. Diese sollen dann in ihrer Pri­orität geordnet und innerhalb vorgegebener Spielräume er­reicht werden.

Der sogenannte Landschafts­planer sollte sich darüber im Klaren sein, so Beate Jessel, dass...Handeln in Landschaf­ten immer nur Stückwerktech­nik

sein kann. Das heißt ein Vor­gehen in kleinen Schritten, das in beständiger Rückkoppelung mit den eingetretenen Verän­derungen und dem Prinzip der laufenden Fehlerkorrektur ein­hergeht. urs

Erfolgreiche Kooperation

Erfolgreich abgeschlossen wurde ein zweijähriges Ko operationsprojekt zwischen dem Interdisziplinären For schungszentrum Dünne Or ganische und Biochemisch Schichten der WUniversitä Potsdam und dem Institu für Hochmolekulare Verbin dungen St. Petersburg, Rus sland. Es setzte eine zehn jährige Zusammenarbei fort, die seit 1996 von de Deutschen Forschungsge meinschaft gefördert wird. Das Projekt auf dem Gebie der Polymerphysik beschäf tigte sich mit der Frage, wi: die chemische Struktur be stimmter Polymere mit de ren räumlicher Anordnun; in Lösung zusammenhängt Dank eines an der Uni Pots dam entwickelten neuen sungsmittels konnten di« Materialien zu geordneten Filmen mit besonderen opti schen Eigenschaften verar beitet werden. Solche Film: kommen als Ausgangsmate rialien für die Herstellun; von Leuchtdioden oder La serdioden infrage.

Das Projekt ermöglicht Wissenschaftlern der Un Potsdam Zugang zu einzig artigen Messgeräten. Auf deı anderen Seite konnte damit die Arbeitsfähigkeit eines lei stungsstarken Physiklabor: in St. Petersburg abgesicher!

werden, fasst Burkhard Schulz, verantwortlicher Leiter des Projektes auf

deutscher Seite, zusammen. urs

Wir sind nicht

nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. Moliere

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