Heft 
(1.1.2019) 05
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| Wissenschaft aktuell

PUTZ 5/00

Flüchtige, kaum greifbare Wesen

Zur Messung der Teuerung- Eine internationale Fachtagung

Inflation und Preisentwick­ung interessieren nicht nur |Bürger und Politiker, son­dern auch ganz wesentlich | Volkswirtschaftler und Stati­stiker. Geht es doch darum, geeignete Methoden für eine | unverfälschte Messung der Teuerung zu finden und ein­

Die schon Jahrzehnte andau­"ernde Diskussion zu diesem

entwicklung messen, heißt die | Preisveränderungen separat und unabhängig von anderen | wirtschaftlichen Faktoren zu | erheben. Wir können im Ein­zelfall von Teuerung streng ge­| nommen nur sprechen, wenn verteuerte Ware oder | Dienstleistung qualitativ noch

| die

| genau die gleiche ist wie vor | der Preiserhöhung. Jeder Ver­braucher weiß aber, dass sich das verteuerte Produkt gern als Innovation verkleidet. Die | Preisveränderung tritt in der ] Praxis selten. in. reiner ‚Form auf, sie ist eng verflochten mit anderen Vorgängen wie Ände­| rungen von Mode und Ge­brauchswert, von Ansprüchen und Umsätzen. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben der Statistik, die reine Verbraucher­preisentwicklung von verteu­ernder Qualitätsverbesserung zu trennen, aber auch von Ver­änderungen der Verbrauchs­struktur oder der Erhöhung der Lebenshaltungskosten.

Preise sind sehr flüchtige; kaum greifbare Wesen. Heute kaufen wir das Stück Butter im Tante-Emma-Laden, morgen im Supermarkt, übermorgen folgen wir einem Sonderange­bot, und dann wieder gehen wir zum Bauern auf den Markt. Die Preise schwanken gewaltig. Aber was heißt dann Teuerung? Und so geht es bei Tausenden von Waren und Dienstleistungen. Die Statistik hat einige Zeit-Schneisen in diesen Datendschungel ge­schlagen, an denen sie für re­präsentative Waren die Teue­rung oder Preissenkung misst, was dann mit ausgeklügelten

Methoden zu einem Verbrau­cherpreisindex aggregiert wird. In Deutschland hat man seit über 100 Jahren) seit xden Preis-Pionieren Hermann Paa­sche(1874) und Ernst Louis Etienne Laspeyres(1871), Er: folg und viel Routine im Mes­sen der Preisentwicklung ge­wonnen, auch wenn hier noch viele Fragen offen bleiben.

Dagegen ist in Osteuropa die praktische Preisstatistik noch Neuland. Im Bereich Statistik und Ökonometrie der Univer­sität Potsdam wird daher über Preismessung und Preisent­wicklung in Russland gearbei­tet. Dort gab es bis 1990 noch

Verbraucherpreisindex in Russland Veränderungen zum Vormonat in Prozent

0+ 01/96

07/97

01/97

07/96

07/99

01/98 07/98 01/99

Quelle: Daten des Staatlichen Komitees für Statistik der Russischen Föderation(GOSKOMST AT)

In der Abbildung sind die monatlichen Änderungen der Verbraucherpreise in Russland in der zweiten Hälfte der 90-er Jahre dargestellt. Die schon er­reichte Stabilisierung aufnur rund zwei Prozent Steigerung pro Monat wurde durch die Finanzkrise nach August 1998 wieder zunichte gemacht. Bei diesen Berechnungen mussten in Russland wichtige Erscheinungen wie Schwarzmarktpreise, Tauschhandel, Eigenproduktion und Schattenwirt­

schaft noch unberücksichtigt bleiben.

Quelle: Daten des Staatlichen Komitees für Statistik der Russischen Födera­

tion(GOSKOMSTAT)

keine eigentliche Preisstatistik. Ein Prinzip der sowjetischen Innenpolitik war die vorgebli­che absolute Preiskonstanz für Verbrauchsgüter. So findet der Reisende noch heute in älteren langlebigen Verbrauchsgütern aus sowjetischer Zeit den Preis gleichsam für die Ewigkeit ein­gestanzt. Tatsächlich auftre­tende Teuerung wurde von der sowjetischen Statistik, die sich als Propagandainstrument der Partei verstand, verschleiert und auf keinen Fall publiziert oder gar öffentlich analysiert. So kam auf die neue russische Statistik gleich eine doppelte schwer zu bewältigende Aufgabe zu: er­stens die Schaffung eines über das riesige Land hinweg funk­tionierenden Preiserhebungsap­parates und zweitens die realisti­sche Messung einer ungewöhn­lichen Preisexplosion nach 1990 in einer total umbrechenden Wirtschaft und für eine völlig neue Verbrauchsstruktur.

Prof. Dr. Hans Gerhard Strohe/ Wirtschaftswissen­schaften

Am 22. und 23. Juni 2000 findet zum ThemaZur Mes­sung der Teuerung eine in­ternationale Fachtagung an der Universität Potsdam statt. Sie beginnt am 22. Juni um 9.00 Uhr und findet im Uni­versitätskomplex Babelsberg, August-Bebel-Straße 89, Haus}, Raum 231 statt.

Schülerolympiade

Schwitzen war angesagt, als sich Mitte Mai für drei Tage 144 Schüler an der Uni Potsdam zur Landesolympiade in den Naturwissenschaften trafen. Die 48 Mädchen und 96 Jun­gen der Klassenstufen sieben bis zwölf qualifizierten sich für den Landeswettbewerb über ein zweistufiges Auswahlverfahren. In den Fächern Chemie, Physik und Biologie mussten sowohl praktische als auch theoretische

Kenntnisse nachgewiesen wer­den, ehe die Besten ihre Aus; zeichnungen erhielten. Die Vor­bereitung und Durchführung der Olympiade lag in den Hän­den des Brandenburgischen Landesvereins zur Förderung mathematisch-naturwissen­schaftlich-technisch interessier­ter Schüler e.V.(BliS) und der Mathematisch-Naturwissen­schaftlichen Fakultät der Uni Potsdam. B.E./Foto: Fritze

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