| Wissenschaft aktuell
PUTZ 5/00
Flüchtige, kaum greifbare Wesen
Zur Messung der Teuerung- Eine internationale Fachtagung
Inflation und Preisentwickung interessieren nicht nur |Bürger und Politiker, sondern auch ganz wesentlich | Volkswirtschaftler und Statistiker. Geht es doch darum, geeignete Methoden für eine | unverfälschte Messung der Teuerung zu finden und ein
Die schon Jahrzehnte andau"ernde Diskussion zu diesem
entwicklung messen, heißt die | Preisveränderungen separat und unabhängig von anderen | wirtschaftlichen Faktoren zu | erheben. Wir können im Einzelfall von Teuerung streng ge| nommen nur sprechen, wenn verteuerte Ware oder | Dienstleistung qualitativ noch
| die
| genau die gleiche ist wie vor | der Preiserhöhung. Jeder Verbraucher weiß aber, dass sich das verteuerte Produkt gern als Innovation verkleidet. Die | Preisveränderung tritt in der ] Praxis selten. in. reiner ‚Form auf, sie ist eng verflochten mit anderen Vorgängen wie Ände| rungen von Mode und Gebrauchswert, von Ansprüchen und Umsätzen. Es ist eine der schwierigsten Aufgaben der Statistik, die reine Verbraucherpreisentwicklung von verteuernder Qualitätsverbesserung zu trennen, aber auch von Veränderungen der Verbrauchsstruktur oder der Erhöhung der Lebenshaltungskosten.
Preise sind sehr flüchtige; kaum greifbare Wesen. Heute kaufen wir das Stück Butter im Tante-Emma-Laden, morgen im Supermarkt, übermorgen folgen wir einem Sonderangebot, und dann wieder gehen wir zum Bauern auf den Markt. Die Preise schwanken gewaltig. Aber was heißt dann Teuerung? Und so geht es bei Tausenden von Waren und Dienstleistungen. Die Statistik hat einige Zeit-Schneisen in diesen Datendschungel geschlagen, an denen sie für repräsentative Waren die Teuerung oder Preissenkung misst, was dann mit ausgeklügelten
Methoden zu einem Verbraucherpreisindex aggregiert wird. In Deutschland hat man seit über 100 Jahren) seit xden Preis-Pionieren Hermann Paasche(1874) und Ernst Louis Etienne Laspeyres(1871), Er: folg und viel Routine im Messen der Preisentwicklung gewonnen, auch wenn hier noch viele Fragen offen bleiben.
Dagegen ist in Osteuropa die praktische Preisstatistik noch Neuland. Im Bereich Statistik und Ökonometrie der Universität Potsdam wird daher über Preismessung und Preisentwicklung in Russland gearbeitet. Dort gab es bis 1990 noch
Verbraucherpreisindex in Russland Veränderungen zum Vormonat in Prozent
0+ 01/96
07/97
01/97
07/96
07/99
01/98 07/98 01/99
Quelle: Daten des Staatlichen Komitees für Statistik der Russischen Föderation(GOSKOMST AT)
In der Abbildung sind die monatlichen Änderungen der Verbraucherpreise in Russland in der zweiten Hälfte der 90-er Jahre dargestellt. Die schon erreichte Stabilisierung auf„nur“ rund zwei Prozent Steigerung pro Monat wurde durch die Finanzkrise nach August 1998 wieder zunichte gemacht. Bei diesen Berechnungen mussten in Russland wichtige Erscheinungen wie Schwarzmarktpreise, Tauschhandel, Eigenproduktion und Schattenwirt
schaft noch unberücksichtigt bleiben.
Quelle: Daten des Staatlichen Komitees für Statistik der Russischen Födera
tion(GOSKOMSTAT)
keine eigentliche Preisstatistik. Ein Prinzip der sowjetischen Innenpolitik war die vorgebliche absolute Preiskonstanz für Verbrauchsgüter. So findet der Reisende noch heute in älteren langlebigen Verbrauchsgütern aus sowjetischer Zeit den Preis gleichsam für die Ewigkeit eingestanzt. Tatsächlich auftretende Teuerung wurde von der sowjetischen Statistik, die sich als Propagandainstrument der Partei verstand, verschleiert und auf keinen Fall publiziert oder gar öffentlich analysiert. So kam auf die neue russische Statistik gleich eine doppelte schwer zu bewältigende Aufgabe zu: erstens die Schaffung eines über das riesige Land hinweg funktionierenden Preiserhebungsapparates und zweitens die realistische Messung einer ungewöhnlichen Preisexplosion nach 1990 in einer total umbrechenden Wirtschaft und für eine völlig neue Verbrauchsstruktur.
Prof. Dr. Hans Gerhard Strohe/ Wirtschaftswissenschaften
Am 22. und 23. Juni 2000 findet zum Thema„Zur Messung der Teuerung“ eine internationale Fachtagung an der Universität Potsdam statt. Sie beginnt am 22. Juni um 9.00 Uhr und findet im Universitätskomplex Babelsberg, August-Bebel-Straße 89, Haus}, Raum 231 statt.
Schülerolympiade
Schwitzen war angesagt, als sich Mitte Mai für drei Tage 144 Schüler an der Uni Potsdam zur Landesolympiade in den Naturwissenschaften trafen. Die 48 Mädchen und 96 Jungen der Klassenstufen sieben bis zwölf qualifizierten sich für den Landeswettbewerb über ein zweistufiges Auswahlverfahren. In den Fächern Chemie, Physik und Biologie mussten sowohl praktische als auch theoretische
Kenntnisse nachgewiesen werden, ehe die Besten ihre Aus; zeichnungen erhielten. Die Vorbereitung und Durchführung der Olympiade lag in den Händen des Brandenburgischen Landesvereins zur Förderung mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch interessierter Schüler e.V.(BliS) und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Potsdam. B.E./Foto: Fritze
nn