Heft 
(1.1.2019) 05
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Wissenschaft aktuell!

Spaß bestimmt die Regeln

Sport jenseits von Verbänden und Organisationen

Feste Trainingsprogramme, aufreibende Wettkämpfe, steter Leistungsdruck sind ihre Sache nicht. Die Rede ist von denen, die große Hal­len und Stadien eher meiden und doch munter Sport trei­ben. Aber eben anders als im herkömmlichen Verein. Mit den sogenannten informel­len Sportengagements hat sich jetzt Dr. Stephan Tel­schow aus dem Institut für Sportwissenschaft der Uni Potsdam wissenschaftlich beschäftigt. Er wollte er­gründen, worin die Unter­schiede zum vereinsorgani­sierten Sport bestehen und was den Reiz gerade dieses Metiers ausmacht.

Telschow hat bei insgesamt 45 Jugendlichen im Alter zwi­schen 13 und 20 Jahren nach­gefragt. Die ausführlichen In­terviews konzentrieren sich da­bei auf die Sportpraktiken und -biographien sowie auf die Einordnung der Aktivitäten in die alltägliche Lebensführung. Alle in die Untersuchung Ein­bezogenen widmen|. sich Trendsportarten. Sie spielen Streetball und Beachvolleyball, begeistern sich für Inline-Ska­ting und Skateboarding. Re­cherchiert hat der Wissen­schaftler im ganzen Land Brandenburg.Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, aber doch typisch für den Osten Deutschlands, sagt er im nachhinein.

Phänomen Trendsport Als wesentlichen Vorzug infor­meller Sportengagements nen­nen die Jugendlichen die vor­handene Flexibilität. Sie gewin­nen nach ihrer Ansicht Spiel­räume, können den Sport nicht nur schlechthin treiben, son­dern ihn leben. Und es gibt keine zeitlichen Zwänge. Ver­lieren sie die subjektiven Be­weggründe für das Engage­ment, hören sie damit auf. Trendsportarten üben dem­nach zunächst eine gewisse Sogwirkung aus, stellen jedoch ein zeitlich begrenztes Phäno­

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men dar und unterliegen rapi­den Veränderungen. Dennoch: Der Spaß steht bei den Akteu­ren ganz oben. Während nach Erkenntnissen Telschows Ver­einsmitglieder als Gründe für das organisierte Training oft auch den Wunsch der Eltern nach sinnvoller Beschäftigung ihrer Kinder angeben, habe er bei den Befragungen der Trendsportler anderes erfahren. Das muss ich einfach machen, es ist wie eine Droge für mich, lautet nur eines der Beispiele. Der Uni-Mitarbeiter verweist auf weitere Vorteile jener Sportengagements.Sie kön­nen mit ganz verschiedenen Orientierungen und Erwartun­gen organisiert werden, kon­statiert er.Die vertrauensba­sierten Gruppenstrukturen sor­gen zudem für wenige Kon­fliktsituationen und führen nur selten zu Hierarchien.

Keine Notlösung

Eine große Rolle spielen auch die existierenden Freiräume, durch den eigenen Stil an In­dividualität zu gewinnen. Die

Reiz, meint der Uni-Wissen­schaftler. Für ihn gibt es auch die dem Trendsport oft zuge­ordnete Medienhörigkeit nicht.Die industriell vorge­fertigten Muster werden krea­tiv und variantenreich abgeän­dert, lehnt er den Vorwurf ab.

In der Untersuchung zeigt sich eine ambivalente Haltung der Jugendlichen zu den Sportver­einen. Die Gründe dafür hän­gen offensichtlich mit Vorer­lebnissen zusammen. Gab es dort Misserfolge, ist heute die Ablehnung groß. Andererseits scheinen jedoch auch manche Jungen und Mädchen auf ge­machten Erfahrungen, etwa bei Trainingsmethoden, aufzu­bauen. Viele von ihnen sind sogar noch im Verein organi­siert und üben den Trendsport parallel dazu aus.

Telschow weiß um die dort existierenden Potenzen für die Entwicklung der Persönlich­keiten. Deshalb plädiert er ve­hement für die Förderung der informellen Sportengage­ments. Mit Nachdruck richtet

Bis zu 15 Prozent der Jugendlichen betreiben intensiv informellen Sport. Das Kegt deutlich unter der Mitgliedschaftsquote der Sportvereine. Foto: Telschow

jungen Leute nutzen die Chance, sich über den Sport kreativ. zu entfalten. Für sie, unterstreicht Telschow, stelle das Öffentliche Sporttreiben durchaus keine Notlösung dar. Ganz im Gegenteil.Den in­formellen Sportengagements messen die Jugendlichen einen nicht zu unterschätzenden Stellenwert bei. Sie unterliegen bewusst ihrem besonderen

sich der Kenner des Problems an zwei Adressen: die Kommu­nen, die die örtlichen Bedin­gungen dafür verbessern soll­ten, und die Vereine. Denn hier sollte man nach seiner Auffassung endlich über den Tellerrand schauen.Die Ju­gendlichen brauchen Unter­stützung, so sein Fazit.Das müssen sich beide Seiten auf die Fahnen schreiben. P.G.

Förderpreise

Der Landesverband Berlin der gewerblichen Berufsgenossen­schaften vergibt Förderpreise auf dem Gebiet der Arbeitssi­cherheit und des Gesundheits schutzes. Verlicehen werden die Anerkennungen im Gesamt­wert von 20.000 DM für wis­senschaftliche Arbeiten, die ei­nen hohen Praxisbezug auf­weisen. Um die Prämierung können sich Absolventen und Studierende der. Unis und Fachhochschulen in den Län­dern Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bewerben. Alle Unterlagen müssen bis zum 31. August dieses Jahres eingereicht sein Landesverband Berlin, Mecklenburg­

gewerbl:;­

beim Brandenburg, Vorpommern der chen Berufsgenossenschafte (Prof. Dr. Günter Hanschke), Fregestrasse 44, 12161 Berlin. Mehr Infos erteilt Harald Rie­del unter Tel. 030/85781160.

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Prüfungen

Im Prüfungsjahr 1999 wurde nach Angaben des Landesam­tes für Datenverarbeitung und Statistik Brandenburg 3051 Abschlussprüfungen vor den Prüfungsämtern der Hoch­schulen und den drei Lan­desprüfungsämtern abgelegt. 3027 Abschlussprüfungen gin­gen dabei erfolgreich aus. Al­lein 60 Prozent wurden nach dem ersten Hochschulstudium bestanden. Alle anderen Ex­amen erfolgten nach weiter­führenden Studien.

Den überwiegenden Anteil al­ler geglückten Prüfungen, 41 Prozent, machten Prüfungen in einem Fach der KRechts-, Wirtschafts- und Sozialwissen­schaften aus. Genau 23 Pro­zent wurden in einem Fach der Sprach- und Kulturwissen­schaften und 14 Prozent in ei­ner Ingenieurwissenschaft be­standen. PUTZ

Universitätszeitung PUTZ online unter: http://www. uni-potsdam.de/ u/putz/index.htm