Wissenschaft aktuell
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Uhren ticken anders
Ländlicher Jugendsport mit Defiziten
Für die allermeisten Jugendlichen— auch in ländlichen Regionen— gehört der Sport zu den alltäglichen Selbstverständlichkeiten. Sich am Sport zu beteiligen, ist zu einer jugendspezifischen Altersnorm geworden. Wer sich im Sport nicht engagiert, läuft Gefahr, zum Außenseiter zu werden.
Dies ist das zentrale Ergebnis eines Forschungsprojekts, das vom Arbeitsbereich Sportsoziologie an der Universität Potsdam in Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, mit dem Landessportbund Brandenburg ‚und der Brandenburgischen Sportjugend durchgeführt wurde. 2.400 Schüler im Alter | zwischen 12 und 19 Jahren | antworteten auf Fragen der Wissenschaftler. Sie alle kamen "aus den Landkreisen MärkischOderland, Uckermark und Barnim.
Annähernd drei Viertel von ihnen treiben demnach mehrmals in der Woche Sport. Lediglich 13 Prozent stufen sich als Gelegenheitssportler ein. Die Nichtsportler bleiben Ausnahmefälle. Immerhin jeder fünfte Jugendliche bezeichnet das Sporttreiben als seine wichtigste Freizeitaktivität, will auf„seinen“ Sport unter keinen Umständen verzichten.
Der Sportverein Sportvereine gehören neben der Freiwilligen Feuerwehr und dem Jugendclub zu den wenigen Freizeiteinrichtungen, die den Jugendlichen in ländlichen Gemeinden überhaupt zugänglich sind. 40 Prozent der Jugendlichen sind derzeit Mitglied eines Sportvereins. Der Sportverein steht damit unter den organisierten Gesellungsformen der Jugendlichen an der Spitze. Zum Vergleich: sieben Prozent gehören einer kirchlichen, ein Prozent einer politischen Jugend8ruppe an.
In kleinen Gemeinden findet jedoch nur jeder zweite Ju
gendliche einen Sportverein an seinem Wohnort vor. Wer sich dennoch am vereinsorganisierten Sport beteiligen möchte, muss weite Wege und Fahrtkosten in Kauf nehmen, um Sportvereine in Nachbarorten zu erreichen. Vor allem die Eltern werden„eingespannt“, um die Transportprobleme zu lösen.
Aber auf dem Land fehlen nicht nur Sportvereine. Viele Sportvereine verzichten offenbar auch auf eine Jugendarbeit. Immerhin jeder fünfte Sport
gements von Jugendlichen in ländlichen Regionen“ enthält nicht nur sport- und jugendpolitisch brisante Daten. Er schließt zugleich mit Empfehlungen und Vorschlägen zur Förderung einer sportbezogenen Jugendarbeit. Sie ranken sich um drei zentrale Thesen: Zum einen geht es dabei darum, dass die Sportvereine den Selbstanspruch der Sportorganisationen ernstnehmen und so etwas wie eine„sportliche Grundversorgung“ auf dem Land sicherstellen müs
Auch auf dem Lande ist König Fußball beliebt. Hier ist allerdings das Spiel ums runde Leder oft das einzige Angebot ansässiger Sportvereine. Die
Mädchen haben damit nicht selten ein Problem.
verein in kleineren, ländlichen Gemeinden hat keine männlichen, sogar jeder zweite Sportvereine führt keine weiblichen Jugendlichen als Mitglieder. Also: Auch wenn Sportvereine mancherorts in der Gemeinde existieren, möglicherweise sind es Vereine ohne Jugendliche! Hinzu kommt, dass sich die in ländlichen Regionen dominierenden Kleinstvereine auf wenige Sportarten konzentrieren. In weit mehr als der Hälfte der ländlichen Sportvereine wird Fußball gespielt. Damit haben es vor allem Mädchen schwer, das Richtige zu finden. Man orientiert sich offenbar weit mehr an den Jungen als an ihnen.
Nachholebedarf
Der jetzt von Jürgen Baur und Ulrike Burrmann vorgelegte Bericht über„Die Sportenga
Foto: Archiv
sen. Sie dürfen ihre Jugendarbeit nicht nur auf die männlichen Jugendlichen als Nachwuchssportler konzentrieren. Vielmehr müssen Chancengleichheiten hergestellt werden. Eine forcierte Förderung der„Mädchenarbeit“ sei gerade in ländlichen Sportvereinen dringend geboten. Die Wissenschaftler betonen die pädagogische Qualität der vereinsorganisierten Jugendarbeit. Deshalb fehlt auch nicht der Hinweis auf den Anspruch auf staatliche Förderung im Sinne des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Damit könne nach ihrer Ansicht die staatliche Jugendpolitik einen wesentlichen Beitrag zum Abbau von Benachteiligungen junger Menschen im ländlichen Raum leisten.
Stephan Telschow/Institut für Sportwissenschaft
Für attraktivere Mathematik
Einen Wettbewerb unter dem Titel„Perspektiven der Mathematik an der Schnittstelle von Schule und Universität“ hat die VolkswagenStiftung ins Leben gerufen. Angesprochen sind Universitäten und Fachhochschulen.
Hintergrund der Aktion bilden die im internationalen Vergleich nur durchschnittlichen Leistungen im Fach sowie das geringe Interesse an der Disziplin bei jungen Leuten in Schule und Hochschule. Jetzt will man deshalb Initiativen fördern, die die Attraktivität der Mathematik und das Bewusstsein für ihre Bedeutung fördern. Die genauen Ausschreibebedingungen und Modalitäten der Antragstellung sind im Internet unter http: //www.volkswagenstiftung.de erhältlich. Anträge können noch bis zum 04; Juli 2000 gestellt werden. Fragen zum Wettbewerb beantwortet Dr. Claudia Nitsch von der VolkswagenStiftung unter Tel. 0511/8381217 oder per E-Mail: nitsch@volkswagenstiftung.de
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Südafrika z Leben im..
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„Khayelitsha“ bedeutet„Neue Heimat“ und ist eine der größten Township in der westlichen KapProvinz: Knapp eine Million Menschen leben hier dicht gedrängt in Wellblechhütten. Auswärtige Firmen laden ihren giftigen Industriemüll auf illegalen Deponien mitten in Wohngebieten ab.
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