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(1.1.2019) 06
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Geschenkte Bücher

Eine Einrichtung, die forscht, kann mit den Büchern sicherlich noch et­was anfangen, dachte sich Dr. Zbigniew Wilkiewicz, der als Leiter die Biblio­theksbestände des Gesam­teuropäischen Studienwerks Vlotho e.V. seine Bestände reduzieren muss.

Also rief er slavistische Insti­tute an und erzählte von den acht bis zehn Regalmetern schöner Literatur, Analysen und Darstellungen aus und zur Sowjetunion nach dem Krieg. An der Universität Potsdam fand er bei Prof. Dr. Norbert Franz sofort ein offenes Ohr. Kurzerhand fuhr der Wissen­schaftler gemeinsam mit dem Fachschaftssprecher Danny Nehl ins Weserbergland, um schließlich mehr als 600 Bücher nach Potsdam mitzu­nehmen.Die meisten sind sehr nützlich, einige sind echte Raritäten, andere tatsächlich nur für hartgesottene Forscher interessant, die selbst Kalte­Krieg-Romane noch mit Verg­nügen lesen, lautet das fachli­che Urteil des Philologen. Ei­nige Bücher stammen aus westdeutscher Produktion der 60-er und 70-er Jahre, sind nicht mehr im Handel erhält­lich und ergänzen also die Uni-Bestände ideal. Nach der Bestandsaufnahme sollen die Dubletten an die Studierenden verteilt werden.

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Der Friede oder der Frieden

Drei Jahre Grammatisches Telefon

Im Juni dieses Jahres blickt die Sprachberatungsstelle am In­stitut für Germanistik auf eine dreijährige Tätigkeit zurück. Bekannter geworden ist sie als Grammatisches Telefon Pots­dam und erlangte große Wirkung in der Öffentlichkeit. Die beiden Mitarbeiterinnen Dr. Barbara Seelig und Dr. Birgit Wolf haben bisher etwa 7.000 telefonische Anfragen beant­wortet, über 200 Seminare in Berlin und dem ganzen Land Brandenburg durchgeführt sowie eine große Zahl von Tex­

ten aufgesetzt oder redigiert.

Die Beratungsstelle versteht sich als Serviceeinrichtung für die Öffentlichkeit, gleichzeitig aber als integraler Bestandteil der Professur Deutsche Spra­che der Gegenwart. Studie­rende können Praktika absol­vieren, Daten für Seminarar­beiten abrufen oder sich an der Auswertung von Daten beteili­gen.

fach gut und die andere schlecht genannt werden kann. Häufig werden dann gleich weitere Probleme ausgepackt, man fragt, was man immer schon einmal über seine Spra­che wissen wollte.

Eine Besonderheit der Potsda­mer Beratungsstelle ist, dass sämtliche Anfragen mit Ant­wort und, soweit verfügbar,

Auch nach drei Jahren gibt es beim Grammatischen Telefon Potsdam keinen Mangel an Anfragen. Dr. Birgit Wolf konnte schon oft strittige Fälle klären. Foto: Fritze

Wer beim Grammatischen Te­lefon anfragt, möchte meist klipp und klar wissen, wie man etwas gut und richtig aus­drückt. Die Beratung versucht in den meisten Fällen, einfache normative Festlegungen zu vermeiden. Fragt jemand bei­spielsweise, ob man besser der Friede oder der Frieden sagt, wird ihm erklärt, dass die erste Form die ältere ist und warum man künftig eher mit der Frie­den zu rechnen hat. Er soll wissen, dass seine Frage oft ge­stellt wird und Ausdruck eines Wandels ist, der sich bei einer ganzen Klasse von Substanti­ven vollzieht. Viele Frager be­ruhigt cs, wenn sie merken, dass die eine Form nicht. ein­

Angaben über Alter und Her­kunft der Fragenden fein klas­sifiziert in einer Datenbank ge­speichert werden. Eine. syste­matische Bearbeitung dieser Daten wird möglich, wenn sie einen Umfang mit statistischer Aussagekraft erreicht haben. Schon jetzt lassen sich aber ei­nige Trends ablesen, vor allem einer, der die neue Orthogra­phie betrifft.

Am Anfang sah alles nach ei­nem stabilen Verhältnis von Fragen zu einzelnen Bereichen aus, nämlich zur Grammatik (ein Viertel), zur Morphologie und den Fremdwörtern(eben­fails ein Viertel), zur. Ortho: graphie(ein Drittel). und. ei­nem Rest zur Wortgeschichte,

Aussprache vergangenen

Zeichensetzung, usw. Seit dem Jahr nimmt die Zahl der An fragen stark zu, vor allem we gen der Orthographiereform Alle Bereiche wachsen in de Nachfragezahl kontinuierlich dieser wächst sprunghaft. Vo: Januar bis Mitte Mai 2000 gab es weit über tausend Anruf Zwei von drei Anfragen be

zogen die Orthc

graphie. Hier sind die Date

sich auf nicht nur von wissenschaftli chem, sondern auch von un mittelbar praktischem Inteı esse. Man kann den Frage sehr genau entnehmen, an wel chen Stellen die Neuregelun zu einer allgemeinen Verunsi cherung beim Schreiben un Lesen geführt hat.

Die tung soll in der jetzigen, erfol

Potsdamer Sprachbera greichen Form so lange wi möglich weitergeführt werden Dabei liegt ihre Zukunft wol bei einer Verbindung vo Sprachberatung mit dem Ge brauch neuer Medien. Längs kann natürlich über alle Kanäl angefragt werden. Geplant is aber die Verankerung des Pro jekts im_Förderprogramr Medien in der Bil dung, das vom Bundesmini sterium für Bildung und Foı schung aufgelegt wird. Die vorhandenen Daten neu gestellten Fragen solle Einzelpersonen und Institu tionen zur systematischen Re cherche

Neue

wie all

verfügbar gemach werden, und sie sollen in Form von Gesamtseminaren und in haltlich ausgewiesenen Semin armodulen zunächst der uni versitären Lehre, später einer weiteren Öffentlichkeit zugute kommen.

Prof. Dr. Peter Eisenberg/ Institut für Germanistik

Die Sprachberatung des Grammatischen Telefons Potsdam ist erreichbar: montags bis freitags

10.00 bis 12.00 Uhr

Tel.: 0331/977-2424