_ Absolventen
Nicht unter Wert verkaufen
Mit einer„Ehemaligen“ im Gespräch
Zu Hause zu sitzen und darauf zu warten, dass ihr etwas in den Schoß fällt, ist nicht Silke Liebers Ding. Schon während ihres Lehramtsstudiums an der Universität Potsdam probierte sie sich in vielen Bereichen aus, als Übungsleiterin und Kampfrichterin in der Leichtathletik, als Kellnerin, als Sprach| lehrerin, als studentische | Hilfskraft. Seit 1999 arbeitet die 28-Jährige bei Council on International Educa| tional Exchange(CIEE) e.V. in Berlin. Mit der„Ehemaligen“ Silke Lieber unterhielt sich PUTZ-Redakteurin Dr. | Barbara Eckardt.
— Sie gehören zu den mehr als 8500 Mitarbeitern in 30 Ländern, die im Rahmen von CIEE im internationalen
Bildungsaustausch tätig = sind. Liest man Ihren Le| benslauf, erscheint es so, als ob Sie Ihren Traumberuf be| reits gefunden hätten. ] Lieber: Na fast. Ich ı nicht, ob es so etwas wie einen
Traumberuf eigentlich gibt. Gerade als Absolvent muss man lernen, sich auf dem Arbeitsmarkt zurechtzufinden, sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen und sich nicht unter Wert zu verkaufen. Wichtig ist, für sich selbst herauszufinden, in welche Richtung man | gehen möchte. Aber es ist schon richtig, dass mir die Arbeit sehr viel Spaß macht und _ ich das internationale Flair von Council, die ständigen Kon— takte zu Studierenden und die Idee des weltweiten Bildungsaustausches sehr zu schätzen weiß. Für mich bedeutet das aber auch, eine interessante Alternative zur„Lehrerlaufbahn“ zu haben. Ich hatte einfach Glück, dass ich bei meiner ersten Bewerbung noch in der Examenszeit eine Zusage erhalten habe. Traumhaft war für mich zweifelsohne, dass ich ausgerechnet bei der Organisation die Chance für den Berufseinstieg erhielt, über den ich drei Jahre zuvor meinen Som
weiß
merjobaufenthalt in den USA organisierte.
Während Ihres Studiums an der Universität Potsdam waren Sie unter anderem Tutorin und Sprachlehrassistentin, Leiterin der Lokalen Erasmus-Initiative der Uni, arbeiteten am Tandem-Programm und an der Nachkontakte-Zeitung„exchange“ des Akademischen Auslandsamtes mit. Was bewog Sie dazu, sich außerhalb des eigentlichen Studiums so vielseitig zu engagieren?
Lieber: Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich nie rastlos zu Hause sitzen kann, gab es dafür verschiedene Gründe. Prägend war für mich die Teilnahme am Erasmus-Studienprogramm 1993/94, das mir einen erlebnisreichen Aufenthalt in der Republik Irland ermöglichte. Inspiriert durch die herzliche Aufnahme der Iren, die vielen kleinen„Societies< am University College in Dublin, die die sogenannten„Freshers“ unter anderem mit einer Eröffnungswoche, Tutorien, Feiern begrüßten und in denen man für die verschiedensten Interessen Gleichgesinnte fand, wollte ich Ähnliches auch an der Universität Potsdam unterstützen. Gerade die ausländischen Studierenden haben es oft schwer, sich in einer für sie ungewohnt bürokratischen Umgebung zurechtzufinden, Bekanntschaften zu schließen und sich den UniAlltag allein zu organisieren. Ich wollte dazu beitragen, dass die ausländischen Studierenden an der Uni Potsdam mit eben solchen Eindrücken in ihre Heimatländer zurückkehren. Zudem bot sich dadurch auch immer die Gelegenheit, andere interessante Menschen aus den verschiedensten Kulturen kennen zu lernen. Ein paar Kontakte sind bis heute geblieben.
Warum suchen Sie immer wieder den Kontakt zu Menschen aus anderen Kulturkreisen? Können Sie sich
vorstellen, selbst längere Zeit im Ausland zu leben?
Lieber: Der persönliche Austausch mit anderen Menschen, egal ob in- oder ausländischen, ist mir sehr wichtig. Er macht das Leben spannender und erJebnisreicher, lernt man doch immer andere Perspektiven, Sichtweisen kennen und entwickelt sich dadurch weiter. Aktivitäten in der Gruppe ma
Mag internationales Flair: Silke
Lieber Foto: privat chen viel mehr Spaß, als wenn man allein zu Hause versauert. Reisen ist eines meiner größten Hobbys. In den Semesterferien zog es mich immer wieder in die Ferne. Ich könnte mir auf alle Fälle vorstellen, für längere Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten. Voraussetzung wäre allerdings, dass man dort auch eine nicht ganz artfremde Beschäftigung finden könnte. Ich möchte aus diesem Grunde auch noch meinen Abschluss in Deutsch als Fremdsprache beenden, um später zum Beispiel in Kanada, den USA oder in Irland unterrichten zu können.
Als Absolventin schauen Sie nun auf die Zeit Ihres Studiums an der Universität Potsdam zurück. Neben vielen angenehmen Erlebnissen und Erfahrungen gab es sicher auch Dinge, die Sie kritisch beurteilen.
Lieber: Es gibt sehr vieles, an das ich mich mit Freude erinnere. ‚Aber nach zum Teil quälender und harter Prüfungszeit und einigen Jahren
PUTZ 6/00
an der Uni Potsdam, in der sichiderJeine(oder die andere auch stark engagiert hatte, wurde uns das Zeugnis, das als Einzelblatt völlig unansehnlich ist und belanglos wirkt, in meinem Falle zwei Monate nach der letzten Prüfung, in einem beim Landesprüfungsamt abgegebenen und selbst frankierten A4-Umschlag mit der regulären Post einfach(nach Hause geschickt. Es fehlt einfach der würdige Rahmen, der Anerkennung verleihende freundliche Händedruck und somit der offizielle Abschluss eines ja nicht ganz unwichtigen Lebensabschnittes, der einem auch ein wenig das Gefühl vermittelt, etwas geschafft zu haben. Ich denke, dass es auch nicht zuletzt für viele Eltern wichtig wäre, bei so einer Abschlussfeier dabei zu sein, um zu sehen, dass die Tochter oder der Sohn etwas erreicht hat. Sollten finanzielle Dinge bei einer offiziellen Verabschiedung das Problem sein, so könnten sicherlich ohne größeren Aufwand alle Absolventen eines Jahres eingeladen, deren Namen verlesen und Zeugnisse symbolisch überreicht werden. Das wäre zu solch regelmäßig wiederkehrenden Anlässen wie dem Sommerfest oder zu den Fakultätsfesten sicherlich problemlos möglich. Selbst die Namen der Abiturienten der Stadt werden alljährlich in Tageszeitungen veröffentlicht. Auch könnten die Absolventen der Universität im Rahmen von Absolventenforen beziehungsweise Alumni-Clubs ihre in der Prüfungszeit gesammelten Erfahrungen an künftige Absolventen weitergeben und Tipps, Hinweise zu Bewerbungsgesprächen,-verfahren oder auch zum Berufseinstieg geben.
Vielen Dank für spräch.
Silke Lieber ist erreichbar über: Tel.: 030/28485936 oder per E-Mail:
slieber@councilexchanges.de
das Ge
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