Heft 
(1.1.2019) 06
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_ Absolventen

Nicht unter Wert verkaufen

Mit einerEhemaligen im Gespräch

Zu Hause zu sitzen und dar­auf zu warten, dass ihr etwas in den Schoß fällt, ist nicht Silke Liebers Ding. Schon während ihres Lehramtsstu­diums an der Universität Potsdam probierte sie sich in vielen Bereichen aus, als Übungsleiterin und Kampf­richterin in der Leichtathle­tik, als Kellnerin, als Sprach­| lehrerin, als studentische | Hilfskraft. Seit 1999 arbei­tet die 28-Jährige bei Coun­cil on International Educa­| tional Exchange(CIEE) e.V. in Berlin. Mit derEhemali­gen Silke Lieber unterhielt sich PUTZ-Redakteurin Dr. | Barbara Eckardt.

Sie gehören zu den mehr als 8500 Mitarbeitern in 30 Län­dern, die im Rahmen von CIEE im internationalen

Bildungsaustausch tätig = sind. Liest man Ihren Le­| benslauf, erscheint es so, als ob Sie Ihren Traumberuf be­| reits gefunden hätten. ] Lieber: Na fast. Ich ı nicht, ob es so etwas wie einen

Traumberuf eigentlich gibt. Gerade als Absolvent muss man lernen, sich auf dem Ar­beitsmarkt zurechtzufinden, sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen und sich nicht un­ter Wert zu verkaufen. Wichtig ist, für sich selbst herauszufin­den, in welche Richtung man | gehen möchte. Aber es ist schon richtig, dass mir die Ar­beit sehr viel Spaß macht und _ ich das internationale Flair von Council, die ständigen Kon­ takte zu Studierenden und die Idee des weltweiten Bildungs­austausches sehr zu schätzen weiß. Für mich bedeutet das aber auch, eine interessante Al­ternative zurLehrerlaufbahn zu haben. Ich hatte einfach Glück, dass ich bei meiner er­sten Bewerbung noch in der Examenszeit eine Zusage er­halten habe. Traumhaft war für mich zweifelsohne, dass ich ausgerechnet bei der Organisa­tion die Chance für den Beruf­seinstieg erhielt, über den ich drei Jahre zuvor meinen Som­

weiß

merjobaufenthalt in den USA organisierte.

Während Ihres Studiums an der Universität Potsdam wa­ren Sie unter anderem Tuto­rin und Sprachlehrassisten­tin, Leiterin der Lokalen Erasmus-Initiative der Uni, arbeiteten am Tandem-Pro­gramm und an der Nachkon­takte-Zeitungexchange des Akademischen Ausland­samtes mit. Was bewog Sie dazu, sich außerhalb des ei­gentlichen Studiums so viel­seitig zu engagieren?

Lieber: Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich nie rast­los zu Hause sitzen kann, gab es dafür verschiedene Gründe. Prägend war für mich die Teil­nahme am Erasmus-Studien­programm 1993/94, das mir einen erlebnisreichen Aufent­halt in der Republik Irland er­möglichte. Inspiriert durch die herzliche Aufnahme der Iren, die vielen kleinenSocieties< am University College in Dub­lin, die die sogenanntenFres­hers unter anderem mit einer Eröffnungswoche, Tutorien, Feiern begrüßten und in denen man für die verschiedensten Interessen Gleichgesinnte fand, wollte ich Ähnliches auch an der Universität Potsdam unterstützen. Gerade die aus­ländischen Studierenden ha­ben es oft schwer, sich in einer für sie ungewohnt bürokrati­schen Umgebung zurechtzu­finden, Bekanntschaften zu schließen und sich den Uni­Alltag allein zu organisieren. Ich wollte dazu beitragen, dass die ausländischen Studieren­den an der Uni Potsdam mit eben solchen Eindrücken in ihre Heimatländer zurückkeh­ren. Zudem bot sich dadurch auch immer die Gelegenheit, andere interessante Menschen aus den verschiedensten Kultu­ren kennen zu lernen. Ein paar Kontakte sind bis heute geblie­ben.

Warum suchen Sie immer wieder den Kontakt zu Men­schen aus anderen Kultur­kreisen? Können Sie sich

vorstellen, selbst längere Zeit im Ausland zu leben?

Lieber: Der persönliche Aus­tausch mit anderen Menschen, egal ob in- oder ausländischen, ist mir sehr wichtig. Er macht das Leben spannender und er­Jebnisreicher, lernt man doch immer andere Perspektiven, Sichtweisen kennen und ent­wickelt sich dadurch weiter. Aktivitäten in der Gruppe ma­

Mag internationales Flair: Silke

Lieber Foto: privat chen viel mehr Spaß, als wenn man allein zu Hause versauert. Reisen ist eines meiner größten Hobbys. In den Semesterferien zog es mich immer wieder in die Ferne. Ich könnte mir auf alle Fälle vorstellen, für längere Zeit im Ausland zu leben und zu arbeiten. Voraussetzung wäre allerdings, dass man dort auch eine nicht ganz artfremde Beschäftigung finden könnte. Ich möchte aus diesem Grunde auch noch meinen Ab­schluss in Deutsch als Fremd­sprache beenden, um später zum Beispiel in Kanada, den USA oder in Irland unterrich­ten zu können.

Als Absolventin schauen Sie nun auf die Zeit Ihres Studi­ums an der Universität Pots­dam zurück. Neben vielen angenehmen Erlebnissen und Erfahrungen gab es si­cher auch Dinge, die Sie kri­tisch beurteilen.

Lieber: Es gibt sehr vieles, an das ich mich mit Freude erin­nere. ‚Aber nach zum Teil quälender und harter Prü­fungszeit und einigen Jahren

PUTZ 6/00

an der Uni Potsdam, in der sichiderJeine(oder die andere auch stark engagiert hatte, wurde uns das Zeugnis, das als Einzelblatt völlig unansehnlich ist und belanglos wirkt, in mei­nem Falle zwei Monate nach der letzten Prüfung, in einem beim Landesprüfungsamt ab­gegebenen und selbst frankier­ten A4-Umschlag mit der re­gulären Post einfach(nach Hause geschickt. Es fehlt ein­fach der würdige Rahmen, der Anerkennung verleihende freundliche Händedruck und somit der offizielle Abschluss eines ja nicht ganz unwichti­gen Lebensabschnittes, der ei­nem auch ein wenig das Gefühl vermittelt, etwas geschafft zu haben. Ich denke, dass es auch nicht zuletzt für viele Eltern wichtig wäre, bei so einer Ab­schlussfeier dabei zu sein, um zu sehen, dass die Tochter oder der Sohn etwas erreicht hat. Sollten finanzielle Dinge bei einer offiziellen Verab­schiedung das Problem sein, so könnten sicherlich ohne größeren Aufwand alle Absol­venten eines Jahres eingeladen, deren Namen verlesen und Zeugnisse symbolisch über­reicht werden. Das wäre zu solch regelmäßig wiederkeh­renden Anlässen wie dem Sommerfest oder zu den Fa­kultätsfesten sicherlich pro­blemlos möglich. Selbst die Namen der Abiturienten der Stadt werden alljährlich in Ta­geszeitungen veröffentlicht. Auch könnten die Absolventen der Universität im Rahmen von Absolventenforen bezie­hungsweise Alumni-Clubs ihre in der Prüfungszeit gesammel­ten Erfahrungen an künftige Absolventen weitergeben und Tipps, Hinweise zu Bewer­bungsgesprächen,-verfahren oder auch zum Berufseinstieg geben.

Vielen Dank für spräch.

Silke Lieber ist erreichbar über: Tel.: 030/28485936 oder per E-Mail:

slieber@councilexchanges.de

das Ge­

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