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Wissenschaft aktuell
PUTZ 6/00
Rassismus in Deutschland
Forschungskreis Vereinte Nationen tagte
Hoyerswerda, Rostock, Mölln oder Berlin scheinen auf den ersten Blick voneinverschieden. Und
| doch haben die Städte etwas _ Gemeinsames. Sie stehen für ı fremdenfeindliche Gewalttaten, antisemitische Aktionen
Diskriminierung“, so
und rassisch motivierte Übergriffe, die vor gar nicht so langer Zeit insbesondere gegen Asylbewerber und andere Ausländer passierten. Mit der Situation hat sich jetzt auch Dr. Norman Weiß aus dem MenschenRechtsZentrum der Uni Potsdam wissenschaftlich beschäftigt. Er wollte wissen, wie es um die Bekämpfung des Rassisnus in Deutschland vor dem Hintergrund der Arbeit des UN-Menschenrechtsausschusses gegen Rassendiskriminierung(CERD) steht.
„Die Bekämpfung rassischer seine zuförderst Behörden
Feststellung,„ist
yache nationaler
| und gegebenenfalls der Ge| richte“. Internationale Orga_ nisationen bildeten mit ihrer Arbeit lediglich den Hintergrund für nationales Handeln. Dennoch verweist er auf die im Abstand von vier Jahren
dem CERD vorgelegten Staatenberichte der Bundesrepublik Deutschland. Der von 1996 beispielsweise gehe auch auf die Ursachen fremdenfeindlicher Gewalt ein. Demnach sind es kaum rassische, fremdenfeindliche oder rechtsextremistische Motive allein, die den einzelnen Taten zugrunde liegen. Vielmehr handelt es sich um ein Bündel von Ursachen. Wirtschaftliche und familiäre Schwierigkeiten gehören dazu, aber auch ein niedriges Bildungsniveau.
„Rassistische Ausschreitungen“, konstatiert Weiß,„werden häufig als handfeste AusPrägungen eines gesellschaftlichen Klimas aufgefasst“. Dies Unterstreiche auch die Tatsache, dass man im Rahmen der Debatte über die Neufassung
des Grundrechts auf Asyl(Artikel 16a Grundgesetz) die Täter von Hoyerswerda und die braven Bürger, die ihnen die Steine reichten, polemisch als Umsetzer der Asylpolitik der Bundesrepublik bezeichnete.
Der Potsdamer Wissenschaftler plädiert für zwei Hauptstrategien zur Bekämpfung rassisch begründeter Diskriminierungen: eine tatsächliche straf: rechtliche Verfolgung der Täter und wirkungsvolle Bildungs- und Erziehungsmaßnahmen. Nur so könne eine Menschenrechtskultur entstehen, in der diese Anfeindungen nicht mehr existierten. Der Uni-Mitarbeiter setzt beim zweiten Aspekt nicht nur auf Schule, Berufsschule und Hochschule, sondern zugleich auf die Fortbildung von Polizisten, Justizvollzugsangestellten oder anderen sogenannten Hoheitsträgern. Programme dafür werden seit langem auch von den Vereinten Nationen
und dem—UN-Menschenrechtsausschuss gegen Rassendiskriminierung gefordert.
Jene Auffassung unterstrich Weiß im übrigen erst kürzlich während der 1. Fachkonferenz des Forschungskreises Vereinte Nationen‘ anıder Uni; versität Potsdam, zu der rund 50° Teilnehmer FausSdemä In: und Ausland kamen. Der Forschungskreis ist im Dezember vergangenen Jahres mit dem Ziel gegründet worden, die bisher in vielfältige EinzelForschungsprojekte Zzersplitterte deutsche UN-Forschung aus ihrem Schattendasein zu holen. Ins Leben gerufen haben das Gremium Prof. Dr. Eckart Klein, Leiter des MenschenRechtsZentrums der Uni Potsdam, Prof. Dr. Klaus Hüfner, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, und Dr. Helmut Volger, Herausgeber des„Lexikon(s) der Vereinten Nationen“.
P.G.
Mahnfeuer vor dem Mehrfamilienhaus in Solingen, in dem 1993 fünf tür
kische Frauen und Kinder ermordet wurden.
Foto: Repro
Veranstaltungskalender der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam.de/u/kalender.htm
Projekte
Die: Körber-Stiftung in Hamburg will auch in diesem Jahr den deutsch-türkischen Wissenschaftsaustausch unterstützen und hat 100.000 DM für Projekte ausgeschrieben. Das Programm, das sich insbesondere an den wissenschaftlichen Nachwuchs richtet, berücksichtigt Vorhaben aller Fachrichtungen. Die Fördersumme pro Projekt beträgt bis zu 10.000 DM. Interessenten können ihre Anträge an die Körber-Stiftung, Deutsch-türkischer Wissenschaftsaustausch, Kurt-A.Körber-Chaussee 10, 21033 Hamburg schicken. Einsendeschluss ist der 31. Oktober 2000. Weitere Infos gibt es im Internet unter der Adresse http://www.wissen schaftsaustausch.de oder per E-Mail: tuerkei@stiftung.koerber. de PUTZ
Stipendien
Auch in diesem Jahr vergibt die Alexander von Humboldt-Stiftung wieder Stipendien für deutsche Nachwuchswissenschaftler. Im Rahmen” des seit 1979 existierenden Feodor LynenStipendienprogramms werden damit in der Regel einjährige Forschungsaufenthalte im Ausland ermöglicht, die jedoch in Ausnahmefällen auch Verlängerungen er
fahren. Bewerben können sich promovierte Nachwuchswissenschaftler aller
Fachrichtungen, die nicht älter als 38 Jahre sind. Entsprechende Anträge sind jederzeit möglich.
Informationen zum Programm und Bewerbungsunterlagen können über das Internet(http://www. humboldt-foundation.de) abgerufen werden. Weitere Auskünfte erteilt die Auswahlabteilung der AvH: Alexander von Humboldt-Stiftung, Auswahlabteilung, JeanPaul-Str. 12, 53173 Bonn, Tel: 0228-833-0, Fax: 0228-833-212, E-Mail: select@avh.de PUTZ
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