Heft 
(1.1.2019) 06
Einzelbild herunterladen

| ander

Wissenschaft aktuell

PUTZ 6/00

Rassismus in Deutschland

Forschungskreis Vereinte Nationen tagte

Hoyerswerda, Rostock, Mölln oder Berlin scheinen auf den ersten Blick vonein­verschieden. Und

| doch haben die Städte etwas _ Gemeinsames. Sie stehen für ı fremdenfeindliche Gewaltta­ten, antisemitische Aktionen

Diskriminierung, so

und rassisch motivierte Übergriffe, die vor gar nicht so langer Zeit insbesondere gegen Asylbewerber und an­dere Ausländer passierten. Mit der Situation hat sich jetzt auch Dr. Norman Weiß aus dem MenschenRechts­Zentrum der Uni Potsdam wissenschaftlich beschäftigt. Er wollte wissen, wie es um die Bekämpfung des Rassis­nus in Deutschland vor dem Hintergrund der Arbeit des UN-Menschenrechtsaus­schusses gegen Rassendiskri­minierung(CERD) steht.

Die Bekämpfung rassischer seine zuförderst Behörden

Feststellung,ist

yache nationaler

| und gegebenenfalls der Ge­| richte. Internationale Orga­_ nisationen bildeten mit ihrer Arbeit lediglich den Hinter­grund für nationales Handeln. Dennoch verweist er auf die im Abstand von vier Jahren

dem CERD vorgelegten Staa­tenberichte der Bundesrepu­blik Deutschland. Der von 1996 beispielsweise gehe auch auf die Ursachen fremden­feindlicher Gewalt ein. Dem­nach sind es kaum rassische, fremdenfeindliche oder rechts­extremistische Motive allein, die den einzelnen Taten zu­grunde liegen. Vielmehr han­delt es sich um ein Bündel von Ursachen. Wirtschaftliche und familiäre Schwierigkeiten gehören dazu, aber auch ein niedriges Bildungsniveau.

Rassistische Ausschreitun­gen, konstatiert Weiß,wer­den häufig als handfeste Aus­Prägungen eines gesellschaftli­chen Klimas aufgefasst. Dies Unterstreiche auch die Tatsa­che, dass man im Rahmen der Debatte über die Neufassung

des Grundrechts auf Asyl(Ar­tikel 16a Grundgesetz) die Täter von Hoyerswerda und die braven Bürger, die ihnen die Steine reichten, polemisch als Umsetzer der Asylpolitik der Bundesrepublik bezeich­nete.

Der Potsdamer Wissenschaftler plädiert für zwei Hauptstrate­gien zur Bekämpfung rassisch begründeter Diskriminierun­gen: eine tatsächliche straf: rechtliche Verfolgung der Tä­ter und wirkungsvolle Bil­dungs- und Erziehungsmaß­nahmen. Nur so könne eine Menschenrechtskultur entste­hen, in der diese Anfeindun­gen nicht mehr existierten. Der Uni-Mitarbeiter setzt beim zweiten Aspekt nicht nur auf Schule, Berufsschule und Hochschule, sondern zugleich auf die Fortbildung von Poli­zisten, Justizvollzugsangestell­ten oder anderen sogenannten Hoheitsträgern. Programme dafür werden seit langem auch von den Vereinten Nationen

und demUN-Menschen­rechtsausschuss gegen Rassen­diskriminierung gefordert.

Jene Auffassung unterstrich Weiß im übrigen erst kürzlich während der 1. Fachkonferenz des Forschungskreises Ver­einte Nationen anıder Uni; versität Potsdam, zu der rund 50° Teilnehmer FausSdemä In: und Ausland kamen. Der For­schungskreis ist im Dezember vergangenen Jahres mit dem Ziel gegründet worden, die bisher in vielfältige Einzel­Forschungsprojekte Zzersplit­terte deutsche UN-Forschung aus ihrem Schattendasein zu holen. Ins Leben gerufen ha­ben das Gremium Prof. Dr. Eckart Klein, Leiter des Men­schenRechtsZentrums der Uni Potsdam, Prof. Dr. Klaus Hüf­ner, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, und Dr. Helmut Volger, Herausge­ber desLexikon(s) der Ver­einten Nationen.

P.G.

Mahnfeuer vor dem Mehrfamilienhaus in Solingen, in dem 1993 fünf tür­

kische Frauen und Kinder ermordet wurden.

Foto: Repro

Veranstaltungskalender der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam.de/u/kalender.htm

Projekte

Die: Körber-Stiftung in Hamburg will auch in die­sem Jahr den deutsch-türki­schen Wissenschaftsaus­tausch unterstützen und hat 100.000 DM für Projekte ausgeschrieben. Das Pro­gramm, das sich insbeson­dere an den wissenschaftli­chen Nachwuchs richtet, berücksichtigt Vorhaben al­ler Fachrichtungen. Die För­dersumme pro Projekt be­trägt bis zu 10.000 DM. In­teressenten können ihre An­träge an die Körber-Stiftung, Deutsch-türkischer Wissen­schaftsaustausch, Kurt-A.­Körber-Chaussee 10, 21033 Hamburg schicken. Einsen­deschluss ist der 31. Oktober 2000. Weitere Infos gibt es im Internet unter der Adresse http://www.wissen schaftsaustausch.de oder per E-Mail: tuerkei@stiftung.ko­erber. de PUTZ

Stipendien

Auch in diesem Jahr vergibt die Alexander von Hum­boldt-Stiftung wieder Sti­pendien für deutsche Nach­wuchswissenschaftler. Im Rahmen des seit 1979 exi­stierenden Feodor Lynen­Stipendienprogramms wer­den damit in der Regel ein­jährige Forschungsaufent­halte im Ausland ermöglicht, die jedoch in Ausnahmefäl­len auch Verlängerungen er­

fahren. Bewerben können sich promovierte Nach­wuchswissenschaftler aller

Fachrichtungen, die nicht äl­ter als 38 Jahre sind. Ent­sprechende Anträge sind je­derzeit möglich.

Informationen zum Pro­gramm und Bewerbungsun­terlagen können über das In­ternet(http://www. hum­boldt-foundation.de) abge­rufen werden. Weitere Aus­künfte erteilt die Auswahlab­teilung der AvH: Alexander von Humboldt-Stiftung, Auswahlabteilung, Jean­Paul-Str. 12, 53173 Bonn, Tel: 0228-833-0, Fax: 0228-833-212, E-Mail: sel­ect@avh.de PUTZ

1