Heft 
(1.1.2019) 06
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 6/00

Sportvereine Ostdeutschlands

Freiwilliges Engagement auch nachWende

Das Themaehrenamtli­ches,bürgerschaftliches oderfreiwilliges Engage­

ment hat politische Hoch­konjunktur. Seit neuestem wird es sogar von den Regie­rungschefs Gerhard Schrö­der oder Tony Blair zur Chefsache erklärt. Der Deutsche Bundestag hat Ende des letzten Jahres eine Enquete-KommissionZu­

Engagements eingesetzt. Diese aktuelle politische Dis­kussion rückt wiederum

auch jene traditionellen Or­ganisationen in Deutschland in den Blick, die in der Ver­gangenheit ebenso wie heute durch dasehrenamtliche Engagement ihrer Mitglie­der leben: die Sportvereine. Vor diesem Hintergrund ge­winnen die ersten Ergebnisse einer repräsentativen Bevölke­rungs- und Mitgliederbefra­gung über die Sportvereine in Ostdeutschland nicht nur sportpolitische, sondern darü­ber hinaus auch gesellschafts­politische Brisanz. Durchge­führt haben die Untersuchung Mitarbeiter vom Arbeitsbe­reich Sportsoziologie/Sport­anthropologie am Institut für Sportwissenschaft der Univer­sität Potsdam. Ihre Befunde aus der Untersuchung, die das Bundesinstitut für Sportwis­senschaft(BISp) und das NOK Deutschland förderte, sprechen für sich. Demnach sind über vier Prozent der Ostdeutschen im Alter von über 18 Jahren in Sportverei­nen inÄmtern engagiert. Das bedeutet, jedes dritte Sportvereinsmitglied besitzt eine Vereinsfunktion. Das En­gagement in formalen Ämtern mache allerdings nach Ansicht der Wissenschaftler nur einen vergleichsweise geringen An­teil des gesamten freiwilligen Engagements in den ostdeut­schen Sportvereinen aus. Die Vereine, so deren Erkenntnis, verfügen über einen hohen Anteil an Mitgliedern, die re­gelmäßig auf einer informellen Ebene freiwillig mitarbeiten.

kunft des Bürgerschaftlichen|

Insgesamt gaben 83,2 Prozent aller Sportvereinsmitglieder an, sich freiwillig und regel­mäßig in ihrem Sportverein zu engagieren. Das heißt laut Un­tersuchung, fast 1.200.000 Ostdeutsche im Alter von über 18 Jahren wirken freiwillig in den Sportvereinen.

Keine Krise

Von einerKrise des Ehren­amts in den ostdeutschen Sportvereinen, betonen die Uni-Mitarbeiter, kann keine Rede sein. Zwar lägen keine Daten darüber vor, wie hoch das Engagement in den ehe­maligen Sportgemeinschaften

Ämter in den Sportgemein­schaften der DDR und rund 90 Prozent waren schon Mit­glied in den früheren Sportge­meinschaften. Diealten und dieneuen Funktionsträger setzen sich damit aus Mitglie­dern zusammen, deren langjährige Sportvereinskarrie­ren weit vor derWende be­gonnen haben.

Treue gehalten

Die Sportwissenschaftler kon­statieren in diesem Zusam­menhang, ‚dass sich diese Funktionsträger aufgrund ih­rer langjährigen Erfahrungen dem Sport undihren Sport­

Fast 15 Prozent aller Ostdeutschen sind Mitglied in einem Sportverein. Foto: zg.

gemeinschaften/Sportverei­

nen besonders stark verbunden

der DDR war. Aber auch ohne Zeitreihenvergleiche scheine die Aussage angebracht, dass es den ostdeutschen Sportverei­nen offenbar in hohem Maße gelingt, ihre Mitglieder zum Engagement anzuregen. Frei­willig tätige Sportvereinsmit­glieder seien zwar immer ein Knappes Gut, zumindest in den ostdeutschen Sportverei­nen gäbe es jedoch keine An­zeichen dafür, dass dieses ent­scheidendeGut verfalle. Fast 50 Prozent der heutigen Funk­tionsträger in ostdeutschen Sportvereinen hatten nach neuesten Erkenntnissen bereits

fühlen. Deren Engagement ba­siere auf langer Vertrautheit mit dem Metier. Bei derNeu­gründung der ostdeutschen Sportvereine im Zuge, der Wende habe zwar ein Insti­tutionentransfer auf der Ebene der staatlichen Sportpolitik und Sportadministration und auf der Ebene der ‚Sportver­bände stattgefunden. Die Ent­wicklung der Sportvereine aber lag in den Händen ostdeut­scher Akteure. Und deren En­scheint ungebro­

P.G.

gagement chen.

Tagung Talent im Sport

Talent im Sport lautet das Thema des vom 07. bis 09. September 2000 an der Uni Potsdam stattfindenden 4. Gemeinsamen Symposiums der dvs-Sektionen Biome­chanik, Sportmotorik sowie Trainingswissenschaft mit dem Kölner Bundesinstitut für Sportwissenschaft und der Alma mater.

Erwartet werden dazu rund 250 Teilnehmer aus der ge­samten Bundesrepublik und dem Ausland. In den Vorträ­gen und Arbeitskreisen will man einen Überblick über den wissenschaftlichen Stand der Forschung auf dem Ge­biet der Talentproblematik, über sportpsychologische so­wie-soziologische Aspekte oder beispielsweise auch Er­kenntnisse zur Diagnostik und Förderung von Hoch­begabung geben. Auf der Tagesordnung stehen weiter Fragen der Talentförderung an sportbetonten Schulen wie auch Ausführungen zur Belastbarkeit von Jugendli­chen in den einzelnen Sport­arten aus sportmedizinischer und biomechanischer Sicht. Zum Programm gehören darüber hinaus Darlegungen zur Trainierbarkeit von Kin­dern und Jugendlichen unter den Bedingungen des Nach­wuchsleistungssports und ein offenes Podiumsgespräch über die Perspektiven der wissenschaftlichen Talentfor­

schung beziehungsweise praktischer Talentförderung. PUTZ

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aussieht.

Boris Pasternak

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