Wissenschaft aktuell
PUTZ 6/00
Sportvereine Ostdeutschlands
Freiwilliges Engagement auch nach„Wende“
Das Thema„ehrenamtliches“,„bürgerschaftliches“ oder„freiwilliges Engage
ment“ hat politische Hochkonjunktur. Seit neuestem wird es sogar von den Regierungschefs Gerhard Schröder oder Tony Blair zur „Chefsache“ erklärt. Der Deutsche Bundestag hat Ende des letzten Jahres eine Enquete-Kommission„Zu
Engagements“ eingesetzt. Diese aktuelle politische Diskussion rückt wiederum
auch jene traditionellen Organisationen in Deutschland in den Blick, die in der Vergangenheit ebenso wie heute durch das„ehrenamtliche“ Engagement ihrer Mitglieder leben: die Sportvereine. Vor diesem Hintergrund gewinnen die ersten Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungs- und Mitgliederbefragung über die Sportvereine in Ostdeutschland nicht nur sportpolitische, sondern darüber hinaus auch gesellschaftspolitische Brisanz. Durchgeführt haben die Untersuchung Mitarbeiter vom Arbeitsbereich Sportsoziologie/Sportanthropologie am Institut für Sportwissenschaft der Universität Potsdam. Ihre Befunde aus der Untersuchung, die das Bundesinstitut für Sportwissenschaft(BISp) und das NOK Deutschland förderte, sprechen für sich. Demnach sind über vier Prozent der Ostdeutschen im Alter von über 18 Jahren in Sportvereinen in„Ämtern“ engagiert. Das bedeutet, jedes dritte Sportvereinsmitglied besitzt eine Vereinsfunktion. Das Engagement in formalen Ämtern mache allerdings nach Ansicht der Wissenschaftler nur einen vergleichsweise geringen Anteil des gesamten freiwilligen Engagements in den ostdeutschen Sportvereinen aus. Die Vereine, so deren Erkenntnis, verfügen über einen hohen Anteil an Mitgliedern, die regelmäßig auf einer informellen Ebene freiwillig mitarbeiten.
kunft des Bürgerschaftlichen|
Insgesamt gaben 83,2 Prozent aller Sportvereinsmitglieder an, sich freiwillig und regelmäßig in ihrem Sportverein zu engagieren. Das heißt laut Untersuchung, fast 1.200.000 Ostdeutsche im Alter von über 18 Jahren wirken freiwillig in den Sportvereinen.
Keine Krise
Von einer„Krise des Ehrenamts“ in den ostdeutschen Sportvereinen, betonen die Uni-Mitarbeiter, kann keine Rede sein. Zwar lägen keine Daten darüber vor, wie hoch das Engagement in den ehemaligen Sportgemeinschaften
Ämter in den Sportgemeinschaften der DDR und rund 90 Prozent waren schon Mitglied in den früheren Sportgemeinschaften. Die„alten“ und die„neuen“ Funktionsträger setzen sich damit aus Mitgliedern zusammen, deren langjährige Sportvereinskarrieren weit vor der„Wende“ begonnen haben.
Treue gehalten
Die Sportwissenschaftler konstatieren in diesem Zusammenhang, ‚dass sich diese Funktionsträger aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen dem Sport und„ihren“ Sport
Fast 15 Prozent aller Ostdeutschen sind Mitglied in einem Sportverein. Foto: zg.
gemeinschaften/Sportverei
nen besonders stark verbunden
der DDR war. Aber auch ohne Zeitreihenvergleiche scheine die Aussage angebracht, dass es den ostdeutschen Sportvereinen offenbar in hohem Maße gelingt, ihre Mitglieder zum Engagement anzuregen. Freiwillig tätige Sportvereinsmitglieder seien zwar immer ein „Knappes Gut“, zumindest in den ostdeutschen Sportvereinen gäbe es jedoch keine Anzeichen dafür, dass dieses entscheidende„Gut“ verfalle. Fast 50 Prozent der heutigen Funktionsträger in ostdeutschen Sportvereinen hatten nach neuesten Erkenntnissen bereits
fühlen. Deren Engagement basiere auf langer Vertrautheit mit dem Metier. Bei der„Neugründung“ der ostdeutschen Sportvereine im Zuge, der „Wende“ habe zwar ein Institutionentransfer auf der Ebene der staatlichen Sportpolitik und Sportadministration und auf der Ebene der ‚Sportverbände stattgefunden. Die Entwicklung der Sportvereine aber lag in den Händen ostdeutscher Akteure. Und deren Enscheint ungebro
P.G.
gagement chen.
Tagung Talent im Sport
„Talent im Sport“ lautet das Thema des vom 07. bis 09. September 2000 an der Uni Potsdam stattfindenden 4. Gemeinsamen Symposiums der dvs-Sektionen Biomechanik, Sportmotorik sowie Trainingswissenschaft mit dem Kölner Bundesinstitut für Sportwissenschaft und der Alma mater.
Erwartet werden dazu rund 250 Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik und dem Ausland. In den Vorträgen und Arbeitskreisen will man einen Überblick über den wissenschaftlichen Stand der Forschung auf dem Gebiet der Talentproblematik, über sportpsychologische sowie-soziologische Aspekte oder beispielsweise auch Erkenntnisse zur Diagnostik und Förderung von Hochbegabung geben. Auf der Tagesordnung stehen weiter Fragen der Talentförderung an sportbetonten Schulen wie auch Ausführungen zur Belastbarkeit von Jugendlichen in den einzelnen Sportarten aus sportmedizinischer und biomechanischer Sicht. Zum Programm gehören darüber hinaus Darlegungen zur Trainierbarkeit von Kindern und Jugendlichen unter den Bedingungen des Nachwuchsleistungssports und ein offenes Podiumsgespräch über die Perspektiven der wissenschaftlichen Talentfor
schung beziehungsweise praktischer Talentförderung. PUTZ
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aussieht.
Boris Pasternak
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