PUTZ 8/00
Studienreform- kein Zauberwort
An der Uni Potsdam sind die Weichen gestellt
Das deutsche Hochschulsystem befindet sich im Umbruch. Jeder Wandel bedeutet zum Teil Einschnitte in Althergebrachtes, das Aufbrechen veralteter Strukturen und traditioneller Privilegien.
Auch die Universität Potsdam (UP) bleibt von der Entwicklung nicht verschont. Hier wie anderswo geht es um die Einführung neuer Studiengänge mit zeitgemäßen Abschlüssen, die Schaffung neuer Studienstrukturen, einer breiteren Internationalisierung des Lehrbetriebes oder auch um die Beförderung einer effektiven Lehrevaluation.
PUTZ wollte wissen, wo die Hochschule bei der Bewältigung der veränderten Herausforderungen der Gegenwart steht.
Petra Görlich sprach darüber mit der für Studium und Lehre zuständigen Vizepräsidentin Prof. Dr. Gabriele Blell.
Der Begriff der Studienreform ist in aller Munde. Wie steht es darum an der Uni Potsdam?
Blell: Spätestens als 1997 Kultusministerkonferenz(KMK) und Hochschulrektorenkonferenz(HRK) Beschlüsse erließen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Studienstandortes Deutschlands erhöhen sollen, begann auch die Universität Potsdam, über Studienreform nachzudenken. Mit allen Pros und Cons, wie ich glaube- nicht etwa nur als vermeintliches „Zauberwort“, das alle Probleme löst. Einen Schwerpunkt dabei stellt die Bachelor(BA)und die Master(MA)Ausbildung dar.
Beide Abschlüsse spielen an der Einrichtung eine immer größere Rolle. Worauf orientiert man hier?
Blell: An der Uni ist dazu ein Eckpunktepapier erarbeitet worden. Es beschreibt deutlich, unter welchen Voraussetzungen
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BA- sowie MA-Studiengänge an der Universität Potsdam genehmigt werden, auch wenn hier vieles nicht zu Ende gedacht ist. Konsens wurde zum Beispiel dahingehend erreicht, dass bei Einführung eines BAStudienganges der entsprechende vertiefende MA-Studiengang angeboten werden sollte. MA
noch
Studiengänge dagegen können
auch ohne BA angeboten werden. Das trägt aus unserer Sicht nicht unwesentlich dazu bei, uns
als Universität von den
Fachhochschulen abzugrenzen.
Eine Kardinalfrage stellt in diesem Zusammenhang das
Problem dar, ob langfristig alle Diplom- oder Magisterstudiengänge zu‘ BA- MAStudiengängen werden sollten. Die Meinungen dazu gehen auseinander, auch wenn KMK und HRK die Weichen dafür bejahend gestellt haben. Ich selbst halte eine Parallelität für durchaus sinnvoll. Auch in traditionellen Studiengängen können Schlüsselqualifikationen vermittelt werden. Wichtig ist aus meiner Sicht dabei eine vernünftige Modularisierung, die genügend Raum für ganz unterschiedliche Ausbildungstraditionen gibt.
oder
Einige Studiengänge mit MAund BA-Abschlüssen gibt es bereits an der Uni Potsdam. Wie verlief die Einführung?
Blell: Eigentlich müssen diese neuen Studiengänge vor ihrem
Beginn akkreditiert, das heißt auf der Grundlage von Mindeststandards begutachtet werden. Geschehen ist dies bisher so nicht, weil die Bedingungen dazu zum Teil fehlten. Bei den Modellstudiengängen„Polymer Science“ und„Europäische Medienwissenschaften“ erfolgte die Akkreditierung im Prinzip im Zuge der Zulassung als Modellversuche bei der Bund-Länder-Kommission. Die übrigen müssen jetzt im Nachhinein durch diese „Prozedur“. Wir Ministerium aufgefordert, die Akkreditierung der bisher befristet genehmigten BA/MAStudiengänge bis 2002 abzuschließen. Eine landesweite Akkreditierungsagentur für dieses Verfahren existiert jedoch
sind vom
noch nicht.
Deshalb hat das Rektorat beschlossen, mit der Akkreditierung unterschiedliche Agenturen zu beauftragen. Einige Fakultäten legen darüber hinaus ebenfalls Wert darauf, interna
tional akkreditieren zu lassen. Dann aber werden sie sich finanziell beteiligen müssen.
Anders wird es nicht gehen.
Sie betonen, auch die althergebrachten Abschlüsse erhalten zu wollen. Worin liegen eigentlich ihre Nachteile?
Blell: Zum Beispiel in einer geringeren Flexibilität für die Studierenden. BA- und MAStudiengänge strukturieren sich in Lehr- und Lernmodule, die es unter anderem erlauben, sich diese auch an anderen Unis „einzukaufen“. Das soll später sogar europaweit funktionieren. Früher oder später werden sich überall Module durchsetzen. Das bedeutet, uns steht ein langwieriger Prozess bevor, in dem künftig auch die Lehrerausbildung nicht ausgenommen sein wird. Berliner Senatsverwaltung und Brandenburger Ministerien streben eine verstärkte Modularisierung und damit Annäherung zwischen Berlin und Potsdam im Bereich der Lehrerbildung an. In Berlin
eine
bestehen deshalb zum Beispiel schon zwei Arbeitsgemeinschaf ten, Brandenburzzer mitarbeiten, je Arbeits. gruppe zur Modularisierung«er Fachdidaktiken und der Er ziehungswissenschaften. Pro. blem dabei ist beispielsweise, dass das Berliner Modell nicht unbedingt mit dem Potsdarner kompatibel ist.
in denen eine
Die Installierung von Nodulen, also Lehrinhalten it abgegrenzten inhaltlichen und funktionalen Zielstellungen, hängt eng mit Leistun zspunktesystemen zusamm°n, Wie weit haben sie sich an der Uni etabliert?
Blell: Bei den neuen Studi ngängen sind sie ein Muss. At um den Gang ins Ausland zu erleichtern und umgekelırt Doch grundsätzlich gibt es atıch hier noch Entscheidungsbed rt. Denn es bieten sich verschied ne Systeme an. Zu klären ist zım Beispiel die Frage, welche Leistungspunktesysteme welcher Lehrveranstaltung zugeordnet werden. Man kann das lir car machen. Aus meiner Sicht würde eine vollständige lineare Zucrd nung Stimuli für ein kreat ves Studium mit höherer Aktiv tät jedoch reduzieren. Insofern Ist auch dieses Problem nicht ganz einfach zu lösen. Am schwierig sten ist allerdings der Prozes des Umdenkens, denn die Über legungen dafür beginnen n cht mehr bei den traditione len Semesterwochenstunden, SON dern gehen in Richtung Arbeitsaufwand. Was ist in der zur Verfügung stehenden Zei machbar? Das gilt es beispiel“ weise bei der Ausarbeitung von Studienordnungen zu beachten.
Die Uni Potsdam arbeitet daran, verstärkt mit benach barten Hochschulen zu ko operieren und gemeinsam Studiengänge auf den Weg Z bringen. Wie weit sind wir d
Blell: Die Universität Potsdam ist kooperationsbereit, Muss J“
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