Heft 
(1.1.2019) 08
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PUTZ 8/00

Studienreform- kein Zauberwort

An der Uni Potsdam sind die Weichen gestellt

Das deutsche Hochschulsys­tem befindet sich im Umbruch. Jeder Wandel bedeutet zum Teil Einschnitte in Althergebrachtes, das Aufbrechen veralteter Struk­turen und traditioneller Privilegien.

Auch die Universität Potsdam (UP) bleibt von der Entwicklung nicht verschont. Hier wie anderswo geht es um die Einführung neuer Studiengänge mit zeit­gemäßen Abschlüssen, die Schaffung neuer Studien­strukturen, einer breiteren Internationalisierung des Lehrbetriebes oder auch um die Beförderung einer effek­tiven Lehrevaluation.

PUTZ wollte wissen, wo die Hochschule bei der Bewäl­tigung der veränderten Her­ausforderungen der Gegen­wart steht.

Petra Görlich sprach darüber mit der für Studium und Lehre zuständigen Vizepräsi­dentin Prof. Dr. Gabriele Blell.

Der Begriff der Studienreform ist in aller Munde. Wie steht es darum an der Uni Potsdam?

Blell: Spätestens als 1997 Kultusministerkonferenz(KMK) und Hochschulrektorenkon­ferenz(HRK) Beschlüsse erließen, die die Wettbewerbs­fähigkeit des Studienstandortes Deutschlands erhöhen sollen, begann auch die Universität Potsdam, über Studienreform nachzudenken. Mit allen Pros und Cons, wie ich glaube- nicht etwa nur als vermeintliches Zauberwort, das alle Pro­bleme löst. Einen Schwerpunkt dabei stellt die Bachelor(BA)­und die Master(MA)­Ausbildung dar.

Beide Abschlüsse spielen an der Einrichtung eine immer größere Rolle. Worauf orien­tiert man hier?

Blell: An der Uni ist dazu ein Eckpunktepapier erarbeitet wor­den. Es beschreibt deutlich, unter welchen Voraussetzungen

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BA- sowie MA-Studiengänge an der Universität Potsdam geneh­migt werden, auch wenn hier vieles nicht zu Ende gedacht ist. Konsens wurde zum Beispiel dahingehend erreicht, dass bei Einführung eines BA­Studienganges der entsprechen­de vertiefende MA-Studiengang angeboten werden sollte. MA­

noch

Studiengänge dagegen können

auch ohne BA angeboten wer­den. Das trägt aus unserer Sicht nicht unwesentlich dazu bei, uns

als Universität von den

Fachhochschulen abzugrenzen.

Eine Kardinalfrage stellt in diesem Zusammenhang das

Problem dar, ob langfristig alle Diplom- oder Magisterstudien­gänge zu BA- MA­Studiengängen werden sollten. Die Meinungen dazu gehen auseinander, auch wenn KMK und HRK die Weichen dafür bejahend gestellt haben. Ich selbst halte eine Parallelität für durchaus sinnvoll. Auch in tradi­tionellen Studiengängen können Schlüsselqualifikationen vermit­telt werden. Wichtig ist aus meiner Sicht dabei eine vernünf­tige Modularisierung, die genü­gend Raum für ganz unter­schiedliche Ausbildungstradi­tionen gibt.

oder

Einige Studiengänge mit MA­und BA-Abschlüssen gibt es bereits an der Uni Potsdam. Wie verlief die Einführung?

Blell: Eigentlich müssen diese neuen Studiengänge vor ihrem

Beginn akkreditiert, das heißt auf der Grundlage von Mindeststandards begutachtet werden. Geschehen ist dies bis­her so nicht, weil die Bedingun­gen dazu zum Teil fehlten. Bei den ModellstudiengängenPo­lymer Science undEuropä­ische Medienwissenschaften erfolgte die Akkreditierung im Prinzip im Zuge der Zulassung als Modellversuche bei der Bund-Länder-Kommission. Die übrigen müssen jetzt im Nachhinein durch diese Prozedur. Wir Ministerium aufgefordert, die Akkreditierung der bisher befris­tet genehmigten BA/MA­Studiengänge bis 2002 abzuschließen. Eine landesweite Akkreditierungsagentur für dieses Verfahren existiert jedoch

sind vom

noch nicht.

Deshalb hat das Rektorat beschlossen, mit der Akkredi­tierung unterschiedliche Agen­turen zu beauftragen. Einige Fakultäten legen darüber hinaus ebenfalls Wert darauf, interna­

tional akkreditieren zu lassen. Dann aber werden sie sich finanziell beteiligen müssen.

Anders wird es nicht gehen.

Sie betonen, auch die altherge­brachten Abschlüsse erhalten zu wollen. Worin liegen eigentlich ihre Nachteile?

Blell: Zum Beispiel in einer geringeren Flexibilität für die Studierenden. BA- und MA­Studiengänge strukturieren sich in Lehr- und Lernmodule, die es unter anderem erlauben, sich diese auch an anderen Unis einzukaufen. Das soll später sogar europaweit funktionieren. Früher oder später werden sich überall Module durchsetzen. Das bedeutet, uns steht ein lang­wieriger Prozess bevor, in dem künftig auch die Lehrerausbil­dung nicht ausgenommen sein wird. Berliner Senatsverwaltung und Brandenburger Ministerien streben eine verstärkte Modula­risierung und damit Annäherung zwischen Berlin und Potsdam im Bereich der Lehrerbildung an. In Berlin

eine

bestehen deshalb zum Beispiel schon zwei Arbeitsgemeinschaf ten, Brandenburzzer mitarbeiten, je Arbeits. gruppe zur Modularisierung«er Fachdidaktiken und der Er ziehungswissenschaften. Pro. blem dabei ist beispielsweise, dass das Berliner Modell nicht unbedingt mit dem Potsdarner kompatibel ist.

in denen eine

Die Installierung von No­dulen, also Lehrinhalten it abgegrenzten inhaltlichen und funktionalen Zielstellungen, hängt eng mit Leistun zs­punktesystemen zusamm°n, Wie weit haben sie sich an der Uni etabliert?

Blell: Bei den neuen Studigängen sind sie ein Muss. At um den Gang ins Ausland zu erleichtern und umgekelırt Doch grundsätzlich gibt es atıch hier noch Entscheidungsbed rt. Denn es bieten sich verschied ne Systeme an. Zu klären ist zım Beispiel die Frage, welche Leistungspunktesysteme welcher Lehrveranstaltung zugeordnet werden. Man kann das lir car machen. Aus meiner Sicht würde eine vollständige lineare Zucrd nung Stimuli für ein kreat ves Studium mit höherer Aktiv tät jedoch reduzieren. Insofern Ist auch dieses Problem nicht ganz einfach zu lösen. Am schwierig sten ist allerdings der Prozes des Umdenkens, denn die Über legungen dafür beginnen n cht mehr bei den traditione len Semesterwochenstunden, SON dern gehen in Richtung Arbeitsaufwand. Was ist in der zur Verfügung stehenden Zei machbar? Das gilt es beispiel weise bei der Ausarbeitung von Studienordnungen zu beachten.

Die Uni Potsdam arbeitet daran, verstärkt mit benach barten Hochschulen zu ko operieren und gemeinsam Studiengänge auf den Weg Z bringen. Wie weit sind wir d

Blell: Die Universität Potsdam ist kooperationsbereit, Muss J

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