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Gute oder schlechte Lehre?
Objektivierbare Kriterien für Veranstaltungskritiken nötig
Seit Jahren wird auch an der Universität Potsdam dem Problem Lehrevaluation Aufmerksamkeit geschenkt. Nach der Erprobung einer ersten Fragebogenversion an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät, an der im Sommersemester 1997 allein 1.750 Studierende und praktisch die gesamte Fakultät teilgenommen hatten, besteht seit dem Sommersemester 1998 für die Lehrenden aller Fakultäten der Universität die Gelegenheit, bei der Servicestelle für Evaluation Fragebögen für die Bewertung ihrer Lehrveranstaltungen durch Studierende anzufordern und auswerten zu lassen.
Diese Gelegenheit wurde seitdem reichlich genutzt. Die Anzahl der_ausgewerteten Bögen stieg stetig an. Über das Instrument der studentischen Veranstaltungskritik sollen dabei Lehrende und Studierende ein “Feedback” darüber erhalten, wie die Qualität der besuchten Lehrveranstaltung eingeschätzt wird. Zu den erfragten Inhalten zählen die Erwartungen, die aus Teilnehmersicht an den Besuch der Veranstaltung geknüpft werden, und ob diese erfüllt werden. Es wird um Informationen darüber gebeten, inwieweit das Verhalten der Lehrenden und Studierenden zum Gelingen der Veranstaltung beiträgt: Ob beispielsweise Interesse am Stoff gezeigt wird, eine Struktur der Lehrveranstaltung erkennbar ist, ob die Lernanforderungen klar werden, ob die Studierenden engagiert und gut vorbereitet sind, wie der Nutzen für das Studium und die spätere berufliche Praxis bewertet wird. In einer abschließenden Frage werden die Studierenden auch um eine Gesamteinschätzung der Lehrveranstaltung gebeten.
Da das wichtigste Ziel der studentischen Veranstaltungskritik in der Optimierung des Lehrund Lernprozesses gesehen wird, werden die Ergebnisse der Lehrveranstaltungskritik bisher nur an die jeweilige Lehrver
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anstaltung rückgemeldet. Um innerhalb der betreffenden Lehrveranstaltungen die angestrebte Diskussion der Ergebnisse zu ermöglichen, gibt die Arbeitsgruppe die Ergebnisse binnen kürzester Frist bekannt. Auf direkte Vergleiche oder gar “Professorenrankings” verzichtete man bewusst. Zudem wäre die Ausarbeitung eines Rankingverfahrens, das basalen methodischen Anforderungen Rechnung trägt, nötig.
Faktoren für Bewertung
Als interessant erwiesen sich die für das Urteil der Studierenden ausschlaggebenden Maßstäbe über gute oder schlechte Lehre. Um sie genau festzustellen, fand eine Analyse der seit dem Sommersemester 1998 angefallenen 13.720 Veranstaltungskritiken statt. Getrennt nach den Veranstaltungsformen Vorlesung und Seminar/Übung sollte geklärt werden, von welchen Faktoren die Gesamtbewertung einer Veranstaltung abhängt und welche Faktoren zur Erklärung der Gesamtbewertung beitragen.
den, die Veranstaltung das Interesse am Fach insgesamt fördert, der Dozent persönlich interessiert als stets ansprechbar oder auch distanziert wirkt und Weiteres.
sowie
Bei den Vorlesungen ergibt sich ein vergleichbares Bild: Platz eins belegt die Einschätzung, ob der Dozent den Stoff der Vorlesung interessant vorträgt, gefolgt von der Frage nach der Erwartungsbilanz und der Einschätzung, ob die Vorlesung das Interesse am Fach insgesamt fördert. Auf den Plätzen vier und fünf folgen Einschätzungen, ob eine klare Vorlesungsstruktur erkennbar ist und der Dozent ansprechbar oder auch distanziert wirkt.
die
“Erwartung” und“Interesse” stellen demnach offenbar wichtige Bewertungskategorien dar. Solche Faktoren lassen sich allerdings nur schwer objektivieren und in verbindliche Qualitätsstandards für gute Lehre übersetzen. Allerdings erweisen sich auch Faktoren als relevant, die von den Lehrenden und Fächern durchaus gut
SS 1998
WS 1998/99 I seminare/Übungen
Die Anzahl ausgewerteter Fragebögen
Das wichtigste Ergebnis: Das Gesamturteil beruhte stark auf subjektiv gefärbten Urteilskomponenten. Am erklärungskräftigsten war bei den Seminaren, inwieweit die an das Seminar gerichteten Erwartungen als erfüllt angesehen wer
SS 1999
ist stetig angestiegen.
WS 1999/00 88 2000
Vorlesungen
Abb.: zg.
verbessert werden könnten. Dazu gehören sicherlich die Fragen nach der Struktur der Veranstaltung oder dem Vortragsstil der Lehrenden.
Darüber,; ob... sich. auf. der Grundlage von Lehrveranstal
tungsbeurteilungen Kennziffern für gute Lehre entwickeln lassen, wird man sicherlich trefflich streiten können. Eine Minimalforderung dürfte die Forderung nach objektivierbaren Kriterien sein. Ob insbesondere Kategorie Interesses, die sich in vorliegen der Analyse als so zentral herausgestellt hat, dieser Anforderung gerecht kann, sicherlich zu diskutieren.
dle
des persönlichen
werden wäre
Fächervergleiche und Rankings Bieten Studierendenbefragungen eine tragfähige Basis!ür Fächervergleiche und Rankings? Offensichtlich“ja” und“nein” Für“ja” spricht, dass unter E'nsatz aufwendiger, aber in den Sozialwissenschaften verfügbarer(!) statistischer Techniken Rankings erstellt werden können, die von den Fächern durchaus verantwortbare Bewer tungskomponenten zur Grundlage haben. Allerdings stel’'en solche Analysen auch Anfor derungen an die Fülle de erforderlichen Datenmaterials und folglich den Umfang«des Erhebungsinstruments. Für “nein” spricht hingegen der in der Praxis doch einigermaf’en begrenzte Spielraum.
Mit den studentischen Veranstaltungskritiken ist das Potsdamer Modell der Lehrevaluation jedoch noch nicht erschöpfend beschrieben. Weitere Säulen stellen die zen‘ tralen Studierendenbefragunge" sowie externe KEvaluationen durch fachnahe Gutachter dar.
Uwe Engel/ehemals Uni Potsdam, Philipp Pohlen/
/Servicestelle für Evaluation