Titel
PUTZ 8/00
Qualität weiter auf Prüfstand
Zur Zukunft der Servicestelle für Lehrevaluation
Trotz des Weggangs von Prof. Dr. Uwe Engel nach Bremen, der in den vergangenen Jahren die Lehrevaluation betrieben hat, sollen diese wichtigen Untersuchungen zur Qualität der Lehre an der Uni Potsdam weiter geführt werden.
Geändert hat sich jedoch das “Wie”. Das Rektorat hat bereits neue Weichen gestellt, in dem auch die Organisationsform neu diskutiert wurde.
So wurde die eigens dafür eingerichtete Servicestelle direkt dem Rektorat, insbesondere der zuständigen Vizepräsidentin für ehre und Studium, Prof. Dr. abriele Blell, zugeordnet.
Für die fachliche und inhaltliche Beratung sowie die Weiterentwicklung des Evaluationsinstrumentariums stehen Marianne Horstkemper, Professur für Schulpädagogik/Empirische Unterrichtsforschung, Martin Wilkens, Professur für Theoretische Physik/Quan
sowie
tenoptik zur Verfügung. Organisatorisch und konzeptionell wird die Servicestelle nun vom Controlling, Dr. Frank Witte und Dr. Birgit Nelte, betreut.
Die organisatorische Einbindung der Servicestelle ins UniRektorat soll gewährleisten, dass deren Arbeit professionell weitergeführt wird, zumal das Potsdamer Lehrevaluationsmodell die Erprobungsphase erfolgreich absolviert hat und die Universität Potsdam hier über Erfahrungen mit einem Instrument verfügt, das es zielgerichtet einzusetzen gilt.
Die Nachfrage der Servicestelle belegt zugleich ihre Akzeptanz.
Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse soll unter anderem das Fragebogeninstrument der studentischen Veranstaltungskritik angepasst werden.
Eine Kürzung und Begrenzung auf die wirklich relevanten Punkte ist deshalb vorgesehen.
So wird einerseits die Erfassung und Auswertung der Daten erleichtert Hund andererseits voraussichtliche ein bessere Umfrage-Beteiligung erreicht.
In der fernen Zukunft ist daran gedacht, die Lehrevaluation über das Datenverarbeitungsnetz der Universität abzuwickeln, wodurch sich der Auswertungsaufwand erheblich reduzieren würde und die Ergebnisse schneller zur Verfügung stünden. Voraussetzung hierfür allerdings wäre die Einführung einer Chipkarte mit Krypto-Prozessor zur Verschlüsselung der Daten.
Schwerpunkt der Tätigkeit der Arbeitsgruppe wird nach wie vor die Verbesserung der Qualität der Lehre sein. Demzufolge ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse wertvolle Informationen für Lehrende und Studierende liefern.
Die Beteiligten am Projekt hoffen, mit der neu gefundenen
Organisationsform die bestehende Ausgangsbasis positiv fortführen zu können.
Dr. Birgit Nelte/Rektorat
Bereitgestellt Ab sofort stehen wieder Fragebögen für die Evaluation von Lehrveranstaltungen im Wintersemester zur Verfügung. Bestellt werden können sie getrennt nach Vorlesungen und Seminaren/Übungen sowie gemäß der Anzahl der Veranstaltungsteilnehmer beider(Arbeitsgruppe“Qualität der Lehre(Well 1977:3323 oder EMail: pohlenz@rz.uni-potsdam.de). Als Erhebungszeitraum sollte vorrangig die Zeit vom 04. bis 15. Dezember 2000 gelten. Die Auswertungen erfolgen schnellstmöglich, so dass die Ergebnisse noch vor Ende der Vorlesungszeit vorliegen. PUTZ
Lehrevaluation erregt an so manchen Hochschulen die Gemüter, so auch an der Uni Potsdam. Dass sie höchst notwendig ist, scheint dabei kaum strittig. Doch beim “Wie” scheiden sich die Geister. Die Sache hat es in sich. Das erkannte auch die Hochschulgruppe Liberaler Campus(LiCa) und startete vor einigen Monaten einfach cine eigene Aktion.
Den Anstoß dazu gab damals Verfahren der nach
das gängige Lehrevaluation, das Ansicht der Studierenden Schwachstellen aufwies. Man Mmonierte— so jedenfalls die Stimmen der studentischen Kritiker- entstehende Datenfredhöfe, die zu lange Dauer zwischen Erhebung und AusWertung sowie eine ungenü
"Bienchen für Profs” Aktion des Liberalen Campus
gende Veröffentlichung der Ergebnisse.
Mit der LiCa-Aktion“Bienchen für Profs” sollte gezeigt werden, dass es auch anders geht. Von vornherein allerdings machte die aus rund 20 Mitgliedern bestehende Gruppe Abstriche. In die Untersuchung bezogen die Studis nur die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche sowie die Juristische Fakultät ein. Und: Man verabschiedete sich sehr schnell von der Idee; Repräsentatives bieten Zu wollen.“Unser Ziel war es, eın Stimmungsbild zu zeichnen und auf einige Kritikpunkte hinzuweisen”, sagt heute Peter Glaeser, LiCa-Vorsitzender.
Lediglich sechs Fragen wurden schließlich zur Beurteilung von Lehrveranstaltungen gestellt. In Schulnoten von eins bis sechs
“Zzensierten AdieStudierenden unter anderem, ob ihr Dozent pünktlich erscheint, Klausuren schnell genug auswertet, seinen Lehrstoff verständlich und interessant vermittelt. Über 600 ausgefüllte Zettel lagen zum Schluss auf dem Tisch.“Mit dieser Resonanz haben wir gar nicht gerechnet”, gesteht Glaeser im Nachhinein.“Unser Ziel war es, an den vier Tagen insgesamt 500 Bögen einzusammeln.” Ausgegeben hatte man sie zuvor bei den gerade laufenden großen Lehrveranstaltungen und in den beiden Babelsberger Mensen.
Das Ergebnis verblüffte selbst die Optimisteni unter den Initiatoren der Aktion. Denn die befragten Studis machten mit viel Sachlichkeit und Ausgewogenheit” mit, so Glaeser. Erreicht habe man nach seiner Einschätzung zumindest eine Sensibilisierung für das Thema. Mehr sei nicht geplant gewesen.
“Wir wollten zeigen, dass Transparenz möglich ist und wo absolute Schwachpunkte vorhanden sind”, meint der JuraStudent.“Natürlich war es auch keine wissenschaftlich einwandfreie Umfrage. Dazu fehlten ganz wichtige Kriterien, die jedoch den Rahmen unserer Möglichkeiten gesprengt hätten.” Laut LiCa hat übrigens beim Professoren-Ranking“keiner wirklich schlecht abgeschnitten”. Die Gesamtnoten‘ nach Fachbereichen lagen im Mittelfeld. Bei den Wirtschaftswissenschaften erhielten demnach die Professoren im Durchschnitt eine 2,81, bei Juraseine: 2,73 und in‘ den‘: Politik- und Verwaltungswissenschaften eine 2,53. Die Einzelergebnisse erfuhren die Professoren‘ in einem persönlichen‘ Brief,:sie standen‘ aber auch‘ samt Verleihung der drei Bienchen für die Besten im Internet.
P.G6.
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