UNI aktuell
PUTZ 9/00
Seit dem 18. Oktober dieses | Jahres hat Brandenburg eine {neue Wissenschaftsministerin. | Vor der 49jährigen Mathe| matikprofessorin Johanna | Wanka, die Wolfgang Hackel |ablöste, stehen nun große | Herausforderungen. Denn die finanzielle Absicherung der Hochschullandschaft im Brandenburgischen gestaltet sich schwierig. Mit der Politikerin, die sich schon seit der Wende insbesondere für den Ausbau von Hochschulen und Universitäten in den neuen Bundesländern engagiert, sprach PUTZ-Redakteurin Petra Görlich.
Erst kürzlich ins Amt gekommen, werden Sie sich sicher schon einen ersten Überblick über die schwierige Finanzlage in Ihrem Ressort verschafft haben. Der Rektor der Universität Potsdam hat Ihnen gerade kürzlich in einem Schreiben auch die katastrophale Situation der Universität geschildert. Demnach sieht die Hochschule im Jahr 2001 einer Deckungslücke von etwa sechs Millionen DM entgegen. Sehen Sie eine Möglichkeit, dieses Desaster noch zu verhindern?
Wanka: Der Doppelhaushalt für die Jahre 2000/2001 ist vom Brandenburger Landtag im Sommer 2000 beschlossen worden. Die Finanzierung des Haushalts für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Jahr 2001, und damit‘ auch der Universität Potsdam, unterliegt dennoch einer Reihe von Unwägbarkeiten. Genaues werden wir voraussichtlich erst im Laufe des Jahres 2001 wissen. Dies liegt an einer Globalen Minderausgabe, die den gesamten Landeshaushalt betrifft und deren konkrete Auswirkungen auf den Einzelplan 06, also den des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, jetzt noch nicht bekannt sind.
Die Universität Potsdam gehört zu den globalisierten Einrichtungen, das heißt, ihr wird ein
Gesamtbudget pauschal zugewiesen. Diese Globalisierung stärkt die Eigenverantwortung der Hochschulen. Sie eröffnet die Möglichkeit, Haushaltsrisiken entgegenzusteuern, durch Maßnahmen wie Erhöhung der Einnahmen, Wertschöpfung aus Personalmitteln, temporärem Freihalten von Stellen, befristeten Besetzungen und Verschiebungen zwischen Verwaltungs- und Investitionsausgaben. Die globalisierten Einrichtungen haben auch die Möglichkeit, Rücklagen zu bilden. Bei der anteiligen KErwirtschaftung der Globalen Minderausgaben im Landeshaushalt für das Jahr 2000 wurde bei den globalisierten Einrichtungen ein geringerer Prozentsatz an Einsparsumme angesetzt.
Es gibt also noch einen Reihe von Fragen hinsichtlich der tatsächlichen Haushaltsentwick
lung.
Das Wissenschaftsministerium hat im laufenden Haushaltsjahr einige Engpässe überwinden können, beispielsweise bei Ersteinrichtungen an der Universität Potsdam. Dennoch befinden sich die Hochschulen in einer angespannten Haushaltslage, die sich in den kommenden Jahren noch zuspitzen könnte, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Ich betrachte dies als Ansporn, gemeinsam mit den Hochschulen für Investitionen in Wissenschaft und Forschung nachdrücklich zu werben. Außerdem wollen wir versuchen, im Hochschulbereich noch stärker Bundesmittel einzuset
zen.
Sicher erwarten Sie bei Ihren Bemühungen, die Haushaltssituation zu entkrampfen, auch Initiativen und Kreativität von den Hochschulen. Sie plädieren schließlich dafür, im abgesteckten Rahmen das Machbare zu tun. Woran denken Sie dabei konkret?
Wanka: Initiativen und Kreativität der Universität erwarte ich sowohl in der
Verwaltung als auch im Wissenschaftsbereich. Ziele und Aktivitäten müssen sich daran ausrichten, was geleistet werden muss, kann und soll. Neben einer intelligenten Bewirtschaftung der Haushaltsmittel zählen dazu die Organisation, insbesondere in der Verwaltung, aber vor allem die Profil- und Schwerpunktbildung, die Bündelung und Konzentration der Ressour
Setzt auf Profil- und Schwerpunkt
bildung: Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka Foto: Fritze
cen auf die leistungsfähigen und entwicklungswürdigen, zukunftsfähigen und innovativen Wissenschaftsbereiche sowie die Kooperation mit anderen Hochschulen, ausseruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Dazu gehören Angebote in der Fort- und Weiterbildung. Sowohl international ausgerichtete Angebote als auch der Einsatz neuer Medien werden dabei eine große Rolle spielen. In diesem Zusammenhang wird darüber zu befinden sein, welche neuen Aktivitäten vorgesehen und welche nicht zur Weiterführung gedacht sind.
Entscheidend wird sein, dass sich die Universität auch in einer angespannten Haushaltslage in einem kooperativen und aufeinander bezogenen Hochschul-, Wissenschafts- und Wirtschaftssystem eine kompakte und kooperative Struktur gibt. Sie muss dabei neue Modelle entwickeln und praktizieren. Als
Für mehr Investitionen in Wissenschaft und Forschung
Wissenschaftsministerin Johanna Wanka im Gespräch
meine Aufgabe sehe ich es unter anderem an, dafür die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.
An der Uni Potsdam findet spätestens seit dem Gutachten des Wissenschaftsrates eine breite Diskussion zur weiteren Entwicklung der Universität und zur Profilschärfung statt. Wie werden Sie diesen Prozess begleiten?
Wanka: Ich gehe davon aus, dass die Universität Potsdam demnächst wie angekündigt zum Abschluss ihrer Struktur- und Ausstattungsplanung kommt. Die Stellungnahmen des Wissenschaftsrates zu strukturellen Fragen sind nach den mir vorliegenden Informationen Gegenstand der dabei geführten Diskussion und der zu erwartenden Ergebnisse.
Mein Haus wird dazu eine Position erarbeiten, die sowohl die Autonomie der Hochschule als auch die wissenschaftspolitische Verantwortung der Landesregierung und des Hauses einbezieht. Wichtig ist, dass strukturelle Maßnahmen jetzt beschlossen werden, um in einer absehbaren Zeit strukturell wie finanziell wirken zu können.
In der Vergangenheit, aber auch gegenwärtig sind beziehungsweise waren in der Politik immer wieder Stimmen zu vernehmen, die der Universität Potsdam als Ganzes oder in Teilen ihre Daseinsberechtigung absprechen. Welche Position beziehen Sie dazu?
Wanka: Die Universität Potsdam spielt für das Land und die gesamte Region eine maßgebliche Rolle. Dies gilt für die Ausbildung von Studierenden und wissenschaftlichem Nachwuchs, die Forschung- auch in den ausseruniversitären Einrichtungen- und für die Strukturentwicklung in Wirtschaft und Kultur. Ich stelle sie nicht in Frage.
Vielen Dank für das Gespräch. 7