Heft 
(1.1.2019) 09
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UNI aktuell

PUTZ 9/00

Seit dem 18. Oktober dieses | Jahres hat Brandenburg eine {neue Wissenschaftsministerin. | Vor der 49jährigen Mathe­| matikprofessorin Johanna | Wanka, die Wolfgang Hackel |ablöste, stehen nun große | Herausforderungen. Denn die finanzielle Absicherung der Hochschullandschaft im Bran­denburgischen gestaltet sich schwierig. Mit der Politikerin, die sich schon seit der Wende insbesondere für den Ausbau von Hochschulen und Uni­versitäten in den neuen Bun­desländern engagiert, sprach PUTZ-Redakteurin Petra Görlich.

Erst kürzlich ins Amt gekom­men, werden Sie sich sicher schon einen ersten Überblick über die schwierige Finanzlage in Ihrem Ressort verschafft haben. Der Rektor der Uni­versität Potsdam hat Ihnen gerade kürzlich in einem Schreiben auch die katas­trophale Situation der Uni­versität geschildert. Demnach sieht die Hochschule im Jahr 2001 einer Deckungslücke von etwa sechs Millionen DM entgegen. Sehen Sie eine Möglichkeit, dieses Desaster noch zu verhindern?

Wanka: Der Doppelhaushalt für die Jahre 2000/2001 ist vom Brandenburger Landtag im Sommer 2000 beschlossen wor­den. Die Finanzierung des Haushalts für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Jahr 2001, und damit auch der Universität Potsdam, unterliegt dennoch einer Reihe von Unwägbarkeiten. Genaues wer­den wir voraussichtlich erst im Laufe des Jahres 2001 wissen. Dies liegt an einer Globalen Minderausgabe, die den ge­samten Landeshaushalt betrifft und deren konkrete Auswirkun­gen auf den Einzelplan 06, also den des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, jetzt noch nicht bekannt sind.

Die Universität Potsdam gehört zu den globalisierten Einrich­tungen, das heißt, ihr wird ein

Gesamtbudget pauschal zuge­wiesen. Diese Globalisierung stärkt die Eigenverantwortung der Hochschulen. Sie eröffnet die Möglichkeit, Haushalts­risiken entgegenzusteuern, durch Maßnahmen wie Erhöhung der Einnahmen, Wertschöpfung aus Personal­mitteln, temporärem Freihalten von Stellen, befristeten Beset­zungen und Verschiebungen zwischen Verwaltungs- und Investitionsausgaben. Die glo­balisierten Einrichtungen haben auch die Möglichkeit, Rück­lagen zu bilden. Bei der anteili­gen KErwirtschaftung der Globalen Minderausgaben im Landeshaushalt für das Jahr 2000 wurde bei den globa­lisierten Einrichtungen ein geringerer Prozentsatz an Einsparsumme angesetzt.

Es gibt also noch einen Reihe von Fragen hinsichtlich der tat­sächlichen Haushaltsentwick­

lung.

Das Wissenschaftsministerium hat im laufenden Haushaltsjahr einige Engpässe überwinden können, beispielsweise bei Erst­einrichtungen an der Universität Potsdam. Dennoch befinden sich die Hochschulen in einer angespannten Haushaltslage, die sich in den kommenden Jahren noch zuspitzen könnte, dessen bin ich mir durchaus bewusst. Ich betrachte dies als Ansporn, gemeinsam mit den Hoch­schulen für Investitionen in Wissenschaft und Forschung nachdrücklich zu werben. Außerdem wollen wir versuchen, im Hochschulbereich noch stärker Bundesmittel einzuset­

zen.

Sicher erwarten Sie bei Ihren Bemühungen, die Haushalts­situation zu entkrampfen, auch Initiativen und Kreati­vität von den Hochschulen. Sie plädieren schließlich dafür, im abgesteckten Rahmen das Machbare zu tun. Woran denken Sie dabei konkret?

Wanka: Initiativen und Kreativität der Universität erwarte ich sowohl in der

Verwaltung als auch im Wissen­schaftsbereich. Ziele und Aktivitäten müssen sich daran ausrichten, was geleistet werden muss, kann und soll. Neben einer intelligenten Bewirtschaf­tung der Haushaltsmittel zählen dazu die Organisation, insbeson­dere in der Verwaltung, aber vor allem die Profil- und Schwer­punktbildung, die Bündelung und Konzentration der Ressour­

Setzt auf Profil- und Schwerpunkt­

bildung: Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka Foto: Fritze

cen auf die leistungsfähigen und entwicklungswürdigen, zukunfts­fähigen und innovativen Wissenschaftsbereiche sowie die Kooperation mit anderen Hoch­schulen, ausseruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Dazu gehören Angebote in der Fort- und Weiterbildung. Sowohl interna­tional ausgerichtete Angebote als auch der Einsatz neuer Medien werden dabei eine große Rolle spielen. In diesem Zusammenhang wird darüber zu befinden sein, welche neuen Aktivitäten vorgesehen und welche nicht zur Weiterführung gedacht sind.

Entscheidend wird sein, dass sich die Universität auch in einer angespannten Haushaltslage in einem kooperativen und aufeinander bezogenen Hoch­schul-, Wissenschafts- und Wirt­schaftssystem eine kompakte und kooperative Struktur gibt. Sie muss dabei neue Modelle entwickeln und praktizieren. Als

Für mehr Investitionen in Wissenschaft und Forschung

Wissenschaftsministerin Johanna Wanka im Gespräch

meine Aufgabe sehe ich es unter anderem an, dafür die erforder­lichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

An der Uni Potsdam findet spätestens seit dem Gutachten des Wissenschaftsrates eine breite Diskussion zur weiteren Entwicklung der Universität und zur Profilschärfung statt. Wie werden Sie diesen Prozess begleiten?

Wanka: Ich gehe davon aus, dass die Universität Potsdam dem­nächst wie angekündigt zum Abschluss ihrer Struktur- und Ausstattungsplanung kommt. Die Stellungnahmen des Wissenschaftsrates zu struk­turellen Fragen sind nach den mir vorliegenden Informationen Gegenstand der dabei geführten Diskussion und der zu erwartenden Ergebnisse.

Mein Haus wird dazu eine Position erarbeiten, die sowohl die Autonomie der Hochschule als auch die wissenschaftspoliti­sche Verantwortung der Landes­regierung und des Hauses ein­bezieht. Wichtig ist, dass struk­turelle Maßnahmen jetzt beschlossen werden, um in einer absehbaren Zeit strukturell wie finanziell wirken zu können.

In der Vergangenheit, aber auch gegenwärtig sind bezie­hungsweise waren in der Politik immer wieder Stimmen zu vernehmen, die der Uni­versität Potsdam als Ganzes oder in Teilen ihre Daseins­berechtigung absprechen. Welche Position beziehen Sie dazu?

Wanka: Die Universität Potsdam spielt für das Land und die gesamte Region eine maß­gebliche Rolle. Dies gilt für die Ausbildung von Studierenden und wissenschaftlichem Nach­wuchs, die Forschung- auch in den ausseruniversitären Einrich­tungen- und für die Struktur­entwicklung in Wirtschaft und Kultur. Ich stelle sie nicht in Frage.

Vielen Dank für das Gespräch. 7