Heft 
(1.1.2019) 09
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PUTZ 9/00

Die Geschichte Preußens wird aus Anlass des Jubiläums von den Ländern Berlin und Brandenburg in zwei zentralen Ausstellungen in Charlotten­burg und Potsdam sowie in zahlreichen Projekten museal Ahufbereitet. Im Schloss Reck­Yıhn wird die Ausstellung fürs Volk ­Eberhard von Fochow im Aufbruch Preu­ßens zu sehen sein.

Prof. Dr. Hanno Schmitt und Dr. Frank Tosch vom Institut für Pädagogik der Universität Potsdam ist es gemeinsam mit dem FördervereinHistorisches Reckahn gelungen, eine Pro­jektförderung von Bund, Land und Landkreis Potsdam­Mittelmark im Finanzierungs­volumen von 2,5 Millionen DM zu erlangen. Im Mittelpunkt steht die Sanierung des Rochowschen Schlosses in Reckahn als künftiges Haus der brandenburgisch-preußischen ABildungsgeschichte und die dor­tige Einrichtung einer Dauer­

erk Friedrich Eberhard von Rochows.

Das südlich der Stadt Branden­burg/Havel gelegene Reckahn ist untrennbar mit dem Wirken es märkischen Adelsgeschlechts erer von Rochow, besonders ıit Friedrich Eberhard von ochow(1734-1805) verbun­en. Noch heute besticht den esucher die Geschlossenheit er historischen Anlage von chloss und Park, Barockkirche nd dem von Rochow 1773 rrichteten Schulhaus, in dem ich seit 1992 auf Initiative des eckahner Lehrers Otto ünther Beckmann ein Schul­museum befindet. Die jetzigen emühungen verfolgen das Ziel, ie künftige Ausstellung im chloss in die Einzigartigkeit jeses geschichtsträchtigen En­embles in Reckahn einzubetten nd für eine museal interessierte Öffentlichkeit dauerhaft zugäng­ich zu machen.

it der gemeinsam von Hanno chmitt und Frank Tosch verant­orteten Idee, Konzeption und

ausstellung über Leben und,

Vernunft fürs Volk

Pädagogen präsentieren Bildungsgeschichte im Schloss Reckahn

wissenschaftlichen Beratung der Ausstellung wird zunächst ver­sucht, die Architektur des Schlosses selbst als originale Lebens- und Wirkungsstätte von Rochow für den Besucher in den Mittelpunkt zu rücken. Die sechs Ausstellungsräume werden thematisch gestaltet. Hierfür konnte der Museumsgestalter Gerd Frey und sein Team zur Mitarbeit gewonnen werden.

Der Besucher wird in den Gartensaal, den Hauptraum des Schlosses, treten und hier mit Friedrich Eberhard von Rochow als Patron, Domherr, Agrar­reformer, pädagogischer Aufklä­

Berliner Aufklärungsgesellschaft, seine Ideen in Wort, Schrift und Tat praxiswirksam zu verbreiten. In einem dritten musealen Raum wird Rochow unter anderem als Domherr und Mitbegründer des ersten preußischen Landschul­lehrerseminars in Halberstadt und als enger Freund des Fürsten von Anhalt-Dessau, Leopold Friedrich Franz(1740­1817), thematisiert. Dabei wer­den in der Ausstellung originale Objekte im Umfeld des Dessauer Philanthropins den epochemachenden Neuansatz aufgeklärter Reformpädagogik im ausgehenden 18. Jahrhun­dert markieren.

Das 50 km vor den Toren Berlins gelegene Schloss Reckahn soll sich über das Preußenjahr 2001 hinaus zu einem Anziehungspunkt in der bundesdeutschen

Museumslandschaft entwickeln.

rer und Philanthrop in musealer Inszenierung konfrontiert. Dafür stehen zahlreiche Expo­nate zur Verfügung.

In einem zweiten Saal steht das agrarreformerische Wirken Rochows im Mittelpunkt. Hier wird der wirtschaftliche Erfolg von Rochow in Zusammenhang mit seinem aufklärerischen Denken und Handeln in Bezie­hung gesetzt. An keiner Stelle wird deutlicher, wie sehr Rochow gegen Unwissenheit, Aberglaube und Dummheit der ländlichen Bevölkerung an­kämpfte und selbst mit prakti­schem Beispiel zur Beförderung der Vernunft voranging. Als erster Direktor der Märkischen Ökonomischen Gesellschaft zu Potsdam gelang es Rochow, unter anderem im Verein mit namhaften Vertretern der

Foto: zg.

In einem vierten und fünften Raum wird Reckahn alspäda­gogisches Mekka des 18. Jahrhundertsentdeckt. Die museale Konzeption will hier vor allem die Besucherströme, nach 1773 kamen in 20 Jahren mehr als 1200 Neugierige nach Reckahn, museal aufbereiten. Dabei können nur wenige Namen aus der langen Liste der gesellschaftlichen und päda­gogischen Prominenz des späten 18. Jahrhunderts in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Das von Lehrer Bruns eigenhändig geführteVerzeich­nis der Besucher der Reckahn­schen Schule wird im Original gezeigt. Die Schule in Reckahn wird alsMuster aller Land­schulen für die preußische Volksschulentwicklung im 19. Jahrhundert charakterisiert und dabei vor allem die Bedeutung

des RochowschenKinderfreun­des gewürdigt. Kein anderes Lesebuch hat bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nahezu eine Millionenauflage erreicht und dadurch vor allem die preußi­sche Volksschulentwicklung nachhaltig beeinflusst.

In einem sechsten Ausstellungs­raum wagen die Organisatoren ein Experiment und versuchen, die historische Brücke über die Gegenwart in eineZukunfts­werkstatt zu schlagen. Hier soll Rochows bildungspolitische und pädagogische Bedeutung für aktuelle und künftige Forderun­gen von Schulreform und päda­gogischer Schulentwicklung be­fragt werden.

Eröffnungstermin ist der 22.

Juni 2001. Für die Fertigstellung der Museumsräume ist die

Brandenburgische Schlösser GmbH verantwortlich.

Hanno Schmitt, Frank Tosch, Antje Sippach

Weitere Informationen gibt es bei Antje Sippach, Förder­verein Historisches Reckahn e.V., Tel.: 0170/ 31 77 429; E-Mail: schloss.reckahn@gmx.de

Hanno Schmitt hat

eine

Professur für

Historische

Pädagogik,

Geschichte der Pädagogik,

Geschichte des

Erziehungs­

und Bildungswesens am Institut für Pädagogik der Universität Potsdam inne.

3 Frank Tosch ist )romovierter | wissenschaftli­cher Mitarbeiter an der Professur für Historische Pädagogik, Geschichte der Pädagogik, Geschichte des Erzichungs- um Bildungswesens im Institut für Pädagogik der Universität Potsdam.

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