Heft 
(1.1.2019) 09
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Titel

PUTZ 9/00

50 manche Tugend vergessen

Was sich für Uni-Angehörige mit Preußen verbindet

Dur Volker Pohl, Dezernent für Betriebstech­nik, Bauangelegenheiten und Hausverwaltung

Ich weiß die historischen Ereig­nisse, die mit Preußen verbun­den. werden; natürlich: ent­sprechend zu werten. Die mil­itärischen Auswüchse sind pro­blematisch, sie wirken teilweise negativ und bis in unsere Zeit hinein. Andererseits beeindruck­en mich auch die Leistungen, die in Wirtschaft und Wissenschaft vollbracht wurden. Des Weite­ren hat mich eine gewisse Exaktheit im Handeln, die ich zu den preußischen Tugenden zähle, immer beeindruckt. Für mich war sie immer ein wichtiger Orientierungspunkt, insbeson­Bereich der Verwal­

dere im tung.

19 DE Thilo Köhn, 8 Bereichsleitung ZEIK Preußen ist ein historischer Begriff, der je nach betrach­tetem geschichtlichen Abschnitt sehr unterschiedliche Sachver­halte beschreibt und in rund acht Jahrhunderten mannigfache edeutungen hatte. Mit dem Aufstieg zur europäischen Großmacht besonders unter Friedrich II. bekam der Begriff Preußen eine völlig neue Dimension. Die damaligen Zeitgenossen versuchten, sich den rasanten Aufstieg durch die Charaktereigenschaften der Bewohner Preußens sowie der herrschenden Dynastie zu er­klären: bedingungsloser Gehor­

sam, Disziplin und Unterord­nung, aber auch Mut vor Königsthronen und Zivilcourage für Gerechtigkeit und Toleranz, Perfektion und Gründlichkeit, Treue, Selbstzucht, Pflicht­gefühl. So manche Tugend also, die uns heute- über die his­torische Dimension des Begriffs hinaus- etwas wert sein sollte.

Prof. Dr. 8 Ss Roland> Ober- S hänsli;

Dekan der Mathematisch­Naturwissenschaftlichen Fakultät

Da werde ich alsolvonPUTIZ nach meinemPreussenbild gefragt. Das sei interessant zu erfahren, wie ein Schweizer; sollte es heißen ein Ausländer, ­einer ohne Leitkultur?-, darüber denkt.Ich ging in mich. Habe ich ein Preussenbild? Preussen gibt's ja schon lange nicht mehr. Ist es wirklich relevant, in der postwende Gesellschaft, als einer der am Aufbau einer jungen Uni-versität beteiligt ist, ein Preussenbild zu haben oder zu entwickeln?

Kurz, ich habe kein Preussenbild und ich beste­he hier auf der Schreibweise wie wir sie pflegen, mit zwei s, schon lange. Dennoch gingen mir zu Preussen einige Gedanken durch den Kopf. Preussen: Souveräne/Kriegsherren/ Despoten mitWelten hunger und der dazu notwendigen Offenheit und Toleranz ob diese beiden Ausdrücke von heute schon damals so ver­standen wurden? Preussen: ja Principaute ‚in Neuen: burgschen herrlicher Blick über den. See und auf, die Voralpen. Da kam doch auch Marat her, der später in Paris von sich reden machte.Nein, ich habe keinPreussenbild, ich lebe in einer postrevolutionären, demokrati-schen Gesellschaft.

Nr ofrla Mantei, Geschichte/Politikwissen­schaften/Medienwissenschaften Mit Preußen verbinde ich vor allem Traditionsbewusstsein, Treue, Ordnung und Militär. Also eine gewisse Starre, ein unbedingtes Festhalten an be­stimmten Prinzipien. Viclleicht kommt daher auch die reser­vierte Haltung gegenüber pro­gressiven Entwicklungen. Auf alle Fälle ist es Preußen und eben nicht Bayern, wodurch das

Deutschlandbild im Ausland beeinflusst wird. Auch der riesige Verwaltungs-. und

Beamtenapparat, den Deutsch­land besitzt, hat in Preußen seine Wurzeln.

Klaus

Br er

strich,

Büro für Akademische An­gelegenheiten

Mein Preußen-Bild ist eher etwas diffus. Als alter Brandenburg-Tourist ver­

binde ich damit in erster Linie schon Militär und Garnisonen, den Alten Fritzen sowie natür­lich die herrlichen Schlösser und Gärten im Umland. Ich sehe Preußen also mehr vom geo­graphischen, sprich_land­schaftlichen Aspekt her. Vom Militärischen her gesehen, ist es natürlich nicht weit zum typisch preußischen(deutschen) Ord­nungssinn, der ja durchaus auch seine positiven Seiten hat und den sich gerade die Politiker etwas mehr zu eigen machen sollten.

Gründung des

Mythos Preußen

Jubiläen sind immer auch An­lässe für Ausstellungen, Festver­anstaltungen, Andenkenpro­duktionen und nicht zuletzt Publikationen. Zu Büchern die zum 300. Ge­burtstag des preußischen Staates 2001 erscheinen, gehört der bereits herausgekommene Band

den ersten

Preußen- Geschichte eines Mythos. Dieser Bild-Text­Band ist nicht nur für den

KennerfderäMaterie feine facet­tenreiche Darstellung preußi­scher Geschichte, sondern bietet auch dem interessierten Laien wichtige Einblicke. Herausgeber Prof. Dr. Julius H. Schoeps und elf weitere Autoren, darunter neun Wissenschaftler aus der |

| Julius HL. Schoeps

Preußen

[Sesehlente aine

Universität Potsdam, zeichnen mit ihren Beiträgen das Bild preußischer Historie von den Anfängen 1701 bis zur Auf­lösung des Staates 1947. In der Bewertung steht Preußen nicht selten für Extreme wie Aufklä­rung, Absolutismus, Militaris­mus, Minderheitenschutz, Dis­ziplin und Untertanengeist. Mit ihrer differenzierten Herange­hensweise kommen die Verfasser dem Mythos Preußen in seiner Widersprüchlichkeit und Viel­schichtigkeit auf die Spur. Be­leuchtet wird die Zeit vor der preußischen Staates, die Krönung des ersten Königs in Preußen, die Ära Friedrichs II., das Zeitalter der Reformen und des Kaiserreichs bis zur Auflösung des Staates. Der Sammelband ist nicht zu­letzt aufgrund des aussagekräfti­gen Bildteils zur Lektüre zu empfehlen. Umfangreiches Ma­terial aus dem Bildarchiv des Preußischen Kulturbesitzes wur­de dafür verwendet und zumeist mit detaillierten Bildunter­schriften versehen. B.E. Julius H. Schoeps, Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (Hrsg.): Preußen- Geschichte eines Mythos, be.bra verlag berlin.brandenburg 2000, ISBN 3-89809-003-5, 59.90 DM.

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