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Titel
Preußische Toleranz und Militarismus
Konzept für Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte vorgelegt
Mit der Geschichte Brandenburgs und damit mit der Geschichte Preußens wird sich das Haus der Brandenburgisch- Preußischen Geschichte(HBPG) beschäftigen. Es soll im Kutschstall am Neuen Markt entstehen und voraussichtlich im Jahr 2002 eröffnet werden. Eine Gründungskommission hat unter dem Vorsitz von Bernhard Kroener ein Konzept für dieses Haus erarbeitet. Über das Haus, das Konzept und die Geschichte sprach Ursula
Resch-Esser mit Bernhard Kroener, Professor am Historischen Institut der
Universität Potsdam.
Herr Kroener, was verbirgt sich hinter dem Begriff“Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte”? Kroener:. Die“Idee zur Errichtung eines Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte liegt schon einige Jahre zurück und hat, wie viele zukunftsweisende Projekte, auch eine ganze Anzahl geistiger Väter und Mütter. Ziel ist es, nach der Wiederbegründung des Landes Brandenburg, die historische und kulturelle Entwicklung dieses Bundeslandes darzustellen. Das Haus soll Menschen in Brandenburg, aber auch‘ seinen Besuchern die Vielfalt der historischen Bauzeugnisse ebenso nahe bringen wie die breit gefächerte und lebendige Museumslandschaft. Anregungen zu diesem Vorhaben lieferten die bereits bestehenden oder in Gründung befindlichen Häuser in Bayern oder Baden Württemberg.
ZUusätzbereits
Warum dieses Haus, lich zu all‘ den existierenden Museen?
Kroener: Das Haus soll bewusst kein weiteres Museum sein, sondern ‚ein‘ Bürgerforum in Kombination mit einem “Schaufenster” für die Geschichte Brandenburgs, das Interesse‘ wecken‘ und““zu Diskussionen anregen soll. Das lässt sich in keinem anderen
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Museum so realisieren. Es ist vielmehr daran gedacht, auf diese Weise die unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkte und thematischen
Orientierungen der brandenburgischen Museen den Besuchern in einer Form zu präsentieren,
Leitete die Gründungskommission des Hauses der BrandenburgischPreußischen Geschichte: Professor Bernhard Kroener Foto: Fritze
die zum Nachdenken anregt und das Interesse weckt, auch diese Einrichtungen aufzusuchen.
Wie soll das konkret aussehen?
Kroener: Ein Schwerpunkt ist die Ausstellung. Sie wird sich an Stereotypen und Vorurteilen orientieren,:die man mit der brandenburgisch-preußischen Geschichte gemeinhin verbindet, um dann die historische Entwicklung in Auseinandersetzung mit dem eigenen Standort kritisch zu reflektieren. Daneben wird es ein Jahresprogramm geben mit Vorträgen, Lesungen, Musik oder Sonderausstellungen, die einzelne Aspekte der Dauerausstellung aufgreifen oder weitere Detailinformationen liefern.
Sie sprachen von Vorurteilen und Stereotypen zum Thema Preußen. Welche davon sind
aus Ihrer Sicht am weitesten verbreitet?
Kroener: Schr häufig wird heute mit dem Begriff der Preußischen Toleranz operiert. Gerade dieser Begriff muss aber bezüglich seines Entstehungskontexts kritisch hinterfragt werden. Es ist immer problematisch, wenn historische Ereignisse oder Begriffe auf aktuelle politische Situationen umgemünzt werden.
Was ist denn irreführend am
Begriff‘der preußischen Toleranz? Kroener: Die Aufnahme von
Fremden im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert war auch eine wirtschaftspolitische Entscheidung. Man nahm Bürger aus anderen Ländern auf, um die Bevölkerungsdichte zu erhöhen. Dem Land sollte eine bestimmte Gruppe von hochqualifizierten Arbeitskräften zugeführt werden, um Manufakturen und Handwerke anzusiedeln und damit den allgemeinen Wohlstand des Landes zu heben.
bestimmte
Wie war die Reaktion der Bevölkerung auf die neuen Mitbürger?
Kroener:‘. Die‘ Politik der preußischen Regierungen stieß nicht unbedingt auf Gegenliebe bei der ansässigen Bevölkerung. Es ist über eine längere Zeit zu Spannungen gekommen, bis die neuen Bewohner akzeptiert wurden. So gesehen bedarf der Begriff der Preußischen Toleranz einer differenzierten historischen Interpretation.
Ein ebenfalls weit verbreiteter Begriff ist der Preußische Militarismus,
Kroener: Ja, aber auch dieser Begriff wird häufig verwendet, ohne dass dabei sein spezifischer Entstehungskontext ausreichend berücksichtigt wird. Es ist zweifellos richtig, dass es im späten 19. Jahrhundert nach der Reichsgründung und den militärischen Erfolgen der Einigungskriege eine politische und
auch eine gesellschaftliche Überbewertung des Militärischen n Preußen, aber auch in anderen| Teilen des Deutschen Reich| gegeben hat. Dies gilt aber eigentlich nur für die Phase zwischen 1890 und dem Ende der Monarchie. Das, was nach 1918 geschehen ist, lässt sich nicht mehr ohne weiteres unter dem Begriff“Preußen” subsum mieren. Problematisch ist es auch, das Phänomen“preufiischer Militarismus” auf das 18. Jahrhundert zu übertragen. Der Einsatz des Militärs als selbstver
ständliches Stilmittel der Außenpolitik lässt sich ın Preußen‘ ebenso‘ wie in allen
anderen europäischen Staaten feststellen. Seine Bereitschaft zur Kriegsführung betrifft ein besonders markantes Beispicl, eine gesellschaftliche Militarisierung lässt sich jedoch daraus keineswegs ableiten. Es ist historisch schlichtweg falsch, ein Ahnenreihe von Friedrich den Großen über Bismarck und Hindenburg bis zu Adolf Hitler zu konstruieren.
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Zurück zur Gegenwart, genauer zur Zukunft. Wi geht es weiter mit dem Haus der Brandenburgisch-Preu
ßBischen Geschichte?
Kroener: Die Gründungskommission hat ihre Arbeit getan und Frau Ministerin Wanka ein wie wir glauben, tragfähiges Rahmenkonzept vorgelegt. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt nun“‘bein Ministerium für Wissenschaft Forschung und Kultur.
Vielen Dank für das Gespräch,
Pressemitteilungen der _ Universität Potsdam online unter:
de/u/pressmitt/index.htm