Heft 
(1.1.2019) 09
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Titel

Einflüsse aus anderen Ländern

Macht und Kunst in Brandenburg-Preußen

Der Name Preußen steht für viele als Synonym für Militarismus und machtpoli­tische Orientierung eines Staates. Aber der preußische Staat verstand sich laut Heinz

Kathe auch alsaktiver Kulturstaat, in dem die Kunst und Kultur einen

hohen Stellenwert einnahmen.

Der Aufstieg Brandenburg­Preußens bis- hin zu einer europäischen Macht begann im 17: Jahrhundert. Land bedeutete Macht und so war auch Brandenburg bestrebt, sein Territorium durch Erbgang oder durch politische Entscheidungen zu vergrößern. Für einen gewis­sen Zusammenhalt und Schutz der entfernt liegenden Ländereien benötigte man in erster Linie eine Armee, die in Preußen im Laufe, der Jahrhunderte zu einem eigenen

Machtfaktor geworden ist. Neben dem_Militärischen entwickelte sich der

Verwaltungsstaat, in dem Toleranz in Glaubensfragen groß geschrieben ‚wurde. Einwanderer, zum Beispiel Hugenotten aus Frankreich, Schweizer, Salzburger., und Böhmen, waren wesentliche Faktoren für die wirtschaftliche, und vielleicht mehr noch für die kulturelle Entwicklung Branden­burg-Preußens; Kultur war Bindeglied und Integrationsfak­tor zugleich.

Der Staat und nicht zuletzt das Herrscherhaus sahen sich als kompetente Lenker und Leiter kultureller und künstlerischer Prozesse. So sind auch die kul­turellen Institutionen, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet haben, wie Akademien, Museen, Bibliotheken, und nicht zuletzt die Denkmalpflege, Bestandteil der allgemeinen Staatsverwaltung geworden. Der Staat als Förderer und Träger der Kultur ist noch heute ein wesentliches Fundament unserer Kulturpolitik. Er steht damit im Gegensatz zuden anglo­amerikanischen Modellen, wo ın hohem Maße Vereine, Gesellschaften und Privatinitia­

tiven bei der Organisation von Kunst, Kultur, Bildung und Forschung mitwirken.

In der Kultur Brandenburgs, dem preußischen Kernland, kön­nen zwei zeitliche Bereiche, die noch heute das Bild vieler Städte, Dörfer und der Landschaft prägen, herausge­hoben werden: Es ist einmal die großartige, mittelalterliche

Gebäuden auch als Baumeister fühlte. Der König schaffte es, die besten Künstler in die Entwurfsplanung und Aus­führung einzubeziehen, man denke an Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Johann August Nahl. Wie kein anderer verstand es Friedrich der Große außerdem, die Kunst als

Wirtschaftsfaktor einzusetzen. Nach dem Siebenjährigen Krieg

Kunst und Kultur hatten in Preußen einen hohen Stellenwert. Spuren davon sind im Park von Sanssouci noch heute zu bewundern, so das Belvedere auf dem Klausberg, hier mit Blick vom Orangerieschloss.

Baukunst in Brandenburg, Frankfurt/Oder, Perleberg und weiteren Orten, die bis in die heutige Zeit überdauert hat. Die zweite große Periode bilden die künstlerisch herausragenden Schlösser und Gärten des 18. und 19. Jahrhunderts in den Städten Potsdam und Berlin. Sie wurden in dieser Zeit konse­quent zu Sommer­beziehungsweise Winterresi­denzen der Könige ausgebaut. Hervorzuheben ist die Rolle König Friedrich II., der sich vor allem beim Schloss Sanssoucı nicht nur als Bauherr, sondern wie bei vielen anderen

Foto: Preußische Schlösser und Gärten

wurden Bauleute, Kunsthand­werker, Maler und Bildhauer für das Großprojekt Neues Palais beauftragt. Auch die Regie­rungszeiten Friedrich Wilhelms III. und Friedrich Wilhelms IV. im. 19. Jahrhundert waren geprägt durch herausragende künstlerische Tätigkeiten. Besonders zwei Namen sind bedeutend, Karl Friedrich Schinkel für Baukunst, Malerei, Bühnenbild und Kunsthandwerk sowie Peter Joseph Lenne für die Gartenkunst.

Kunst in Preußen war bestimmt durch ein spezifisches Verhältnis

PUTZ 9/00 zur Macht und in dieser Ausprägung allerdings auch wieder offen für vielfältige

Einflüsse aus anderen Ländern. Spätestens hier kommt einem das Wortmultikulturell in den Sinn- A Heute zählen viele Zeugnisse der Kunstentwicklung in Preußen zum UNESCO ­Weltkulturerbe der Menschheit und finden somit internationale Anerkennung Preußen, ein Staat der 1947 aufgelöst wurde, ist und bleibt ein spannendes Thema, vielleicht auch ein Phänomen, das durch seine Janus-Köpfigkeit jede Zeit neu herausfordert.

Hans-Joachim Giersberg

Hans-Joachim Giersberg ist Generaldirektor der Stiftung Preu­fische Schlösser und Gärten Ber­lin-Brandenburg und Honorarpro­essor im Histo­rischen Institut der Universität Potsdam. Foto: Preußische Schlösser und Gärten