Titel
Einflüsse aus anderen Ländern
Macht und Kunst in Brandenburg-Preußen
Der Name Preußen steht für viele als Synonym für Militarismus und machtpolitische Orientierung eines Staates. Aber der preußische Staat verstand sich laut Heinz
Kathe auch als“aktiver Kulturstaat”, in dem die Kunst und Kultur einen
hohen Stellenwert einnahmen.
Der Aufstieg BrandenburgPreußens bis- hin zu einer europäischen Macht begann im 17: Jahrhundert. Land bedeutete Macht und so war auch Brandenburg bestrebt, sein Territorium durch Erbgang oder durch politische Entscheidungen zu vergrößern. Für einen gewissen Zusammenhalt und Schutz der entfernt liegenden Ländereien benötigte man in erster Linie eine Armee, die in Preußen im Laufe, der Jahrhunderte zu einem eigenen
Machtfaktor geworden ist. Neben dem_Militärischen entwickelte sich der
Verwaltungsstaat, in dem Toleranz in Glaubensfragen groß geschrieben ‚wurde. Einwanderer, zum Beispiel Hugenotten aus Frankreich, Schweizer, Salzburger., und Böhmen, waren wesentliche Faktoren für die wirtschaftliche, und vielleicht mehr noch für die kulturelle Entwicklung Brandenburg-Preußens; Kultur war Bindeglied und Integrationsfaktor zugleich.
Der Staat und nicht zuletzt das Herrscherhaus sahen sich als kompetente Lenker und Leiter kultureller und künstlerischer Prozesse. So sind auch die kulturellen Institutionen, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet haben, wie Akademien, Museen, Bibliotheken, und nicht zuletzt die Denkmalpflege, Bestandteil der allgemeinen Staatsverwaltung geworden. Der Staat als Förderer und Träger der Kultur ist noch heute ein wesentliches Fundament unserer Kulturpolitik. Er steht damit im Gegensatz zu‘den angloamerikanischen Modellen, wo ın hohem Maße Vereine, Gesellschaften und Privatinitia
tiven bei der Organisation von Kunst, Kultur, Bildung und Forschung mitwirken.
In der Kultur Brandenburgs, dem preußischen Kernland, können zwei zeitliche Bereiche, die noch heute das Bild vieler Städte, Dörfer und der Landschaft prägen, herausgehoben werden: Es ist einmal die großartige, mittelalterliche
Gebäuden auch als Baumeister fühlte. Der König schaffte es, die besten Künstler in die Entwurfsplanung und Ausführung einzubeziehen, man denke an Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Johann August Nahl. Wie kein anderer verstand es Friedrich der Große außerdem, die Kunst als
Wirtschaftsfaktor einzusetzen. Nach dem Siebenjährigen Krieg
Kunst und Kultur hatten in Preußen einen hohen Stellenwert. Spuren davon sind im Park von Sanssouci noch heute zu bewundern, so das Belvedere auf dem Klausberg, hier mit Blick vom Orangerieschloss.
Baukunst in Brandenburg, Frankfurt/Oder, Perleberg und weiteren Orten, die bis in die heutige Zeit überdauert hat. Die zweite große Periode bilden die künstlerisch herausragenden Schlösser und Gärten des 18. und 19. Jahrhunderts in den Städten Potsdam und Berlin. Sie wurden in dieser Zeit konsequent zu Sommerbeziehungsweise Winterresidenzen der Könige ausgebaut. Hervorzuheben ist die Rolle König Friedrich II., der sich vor allem beim Schloss Sanssoucı nicht nur als Bauherr, sondern wie bei vielen anderen
Foto: Preußische Schlösser und Gärten
wurden Bauleute, Kunsthandwerker, Maler und Bildhauer für das Großprojekt Neues Palais beauftragt. Auch die Regierungszeiten Friedrich Wilhelms III. und Friedrich Wilhelms IV. im. 19. Jahrhundert‘ waren geprägt durch herausragende künstlerische Tätigkeiten. Besonders zwei Namen sind bedeutend, Karl Friedrich Schinkel für Baukunst, Malerei, Bühnenbild und Kunsthandwerk sowie Peter Joseph Lenne für die Gartenkunst.
Kunst in Preußen war bestimmt durch ein spezifisches Verhältnis
PUTZ 9/00 zur Macht und in dieser Ausprägung allerdings auch wieder offen für vielfältige
Einflüsse aus anderen Ländern. Spätestens hier kommt einem das Wort“multikulturell” in den Sinn- A Heute zählen viele Zeugnisse der Kunstentwicklung in Preußen zum UNESCO Weltkulturerbe der Menschheit und finden somit internationale Anerkennung Preußen, ein Staat der 1947 aufgelöst wurde, ist und bleibt ein spannendes Thema, vielleicht auch ein Phänomen, das durch seine Janus-Köpfigkeit jede Zeit neu herausfordert.
Hans-Joachim Giersberg
Hans-Joachim Giersberg ist Generaldirektor der Stiftung Preufische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und Honorarproessor im Historischen Institut der Universität Potsdam. Foto: Preußische Schlösser und Gärten