PUTZ 3/01
Titel
Beim Essen schon umgedacht
Was bei Uni-Angehörigen auf den Tisch kommt
BSE, Maul- und Klauensuche — die Hiobsbotschaften wollen nicht enden. Und sie hinterlassen offensichtlich Spuren. Frühere Sorglosigkeit scheint heute einem bewussten Umdenken in Sachen Essgewohnheiten Platz zu machen. Thomas Pösl von der Pressestelle befragte UniAngehörige auf dem Campus Am Neuen Palais danach, was bei ihnen zu Hause so auf dem Speiseplan steht.
Frank Ehrlich, Koch in der Mensa Am Newen For: Palais
“Da ich aus Norddeutschland komme, weiß ich einigermaßen, was auf den Höfen passiert. Wie wir Bauern dazu bringen können, ein halbes Schwein für hundert Mark zu verkaufen, wie wir insgesamt mit Tieren umgehen, das finde ich unerhört. Landwirtschaftlich gesehen, haben wir keine andere Alternative als die, die Renate Künast vorgeschlagen hat.
Andererseits. steht für jeden Einzelnen unbedingt eine individuelle Bedürfniskorrektur in Sachen Ernährung an. Selbstverständlich spielt Essen für mich eine große Rolle, schon von Berufs wegen. Und eigentlich‘bin ich:ein‘ Lustesser, ‚der sich durchaus bewusst ist, dass er sich falsch ernährt. Ich esse‘ zu oft auf unkontrollierte Weise. Geändert aber hat sich nicht viel seit den Fleischkrisen.
Das wird erst problematisch, wenn die Milchprodukte auch davon. betroffen‘ sind. Aber erstens bin ich ohnehin nicht der große Fleischesser, ich mag dafür Süßes mehr. Und zweitens hatte ich meine‘Ernährung schon längere Zeit unter einen Ökologischen Aspekt gestellt. Ich denke, dass sich das'auch lohnt.”
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Petra Kren zien;, Leiterin Hochschulsport “Es zeigt"sich. doch‘ immer wieder, dass weniger mehr ist. Ich esse gern, nicht viel, aber dafür gut. Ich muss mich auch nicht großartig umstellen, ich lebe doch ziemlich ernährungsbewusst. Allein die Wurst fehlt seit der Fleischkrise nun völlig auf meinem Speiseplan. Da will ich doch abwarten. Aber für mich ist: das. kein Verzicht, Ich könnte glatt als Vegetarierin durchgehen, aber ich: bin‘s nicht. Die Krise ist‘ auch eine Chance umzudenken, mehr auf die eigene Ernährung zu achten, sich ‚als Verbraucher‘ neu zu definieren. Der Prokopfverbrauch ist doch sowieso viel zu hoch. Und wer gerne und viel Fleisch isst, der sollte auch dafür ezahlen.”
Foto: Fritze
Ta HeyerStuffer, Referent ba im Rektorat
“Von der Qualität her ernähre ich mich ziemlich gesund. Was allerdings fehlt, ist die‘ Regelmäßigkeit. Ich nehme mir dafür zu wenig Zeit. Wie ich leider auch viel zu wenig koche, obwohl ich’s unheimlich gerne tue. Abstrakt gesehen, ist ja die Fleischkrise und die damit verbundenen Probleme auch eine Krise der Zeit. Als rudernder Leistungssportler, der ich viele Jahre war, brauchte ich‘ viel Fleisch; war ich ein. ausgesprochener Fleischesser. Dann setzte allmählich. ein Umdenkprozess ein, meine Bedürfnisse änderten sich. Inzwischen
Foto: Fritze
lebe ich nur noch mit sehr wenig Fleisch. Aber wenn, dann immer noch mit sehr viel Genuss, auch aktuell. Allerdings bin ich spätestens seit dem Auftauchen der Maul- und Klauenseuche doch vorsichtiger geworden.”
Andreas Schackert, Jurastu dent) “Ich schaue in der Mensa zur Zeit. schon. gezielt‘ nach Alternativfleisch. Schlicht und einfach aus gesundheitlichen Gründen. ist mir. meine Ernährung wichtig. Und wenn’s
gut schmeckt, darf’s auch etwas mehr kosten. Ernährung ist für mich auch Ausdruck einer bestimmten Lebensqualität, eines gewissen Wohlbefindens. Das heißt nicht, dass es jedes Mahl ein Festmahl sein muss.
Auch wenn ich die Appelle, gänzlich auf Fleisch zu verzichten, für problematisch halte, so sehe ich doch, dass es eine der wichtigen Aufgaben des 21. Jahrhunderts ist, zwei Dinge miteinander in Einklang zu bringen. Einerseits geht es um den: verantwortungsvollen Umgang mit Tieren, die Nahrungsmittelproduktion insgesamt und andererseits darum, sich nicht nur fleischlich zu ernähren, die Nahrungskette:: für; sechs Milliarden Menschen überhaupt zu sichern.
Da: sind: gleichermaßen. die Politik wie auch die Bewusstseinsbildung jedes Einzelnen gefragt.
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