Heft 
(1.1.2019) 03
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Titel

PUTZ 3/01

Mit dem Alter wächst der Bauch

Studie zum Körperbau der Brandenburger

Gertenschlank zu sein gilt heute als Schönheitsideal, das jedoch immer weniger Men­schen erreichen. Aber beim Kampf um das vorgebliche Idealgewicht stellt sich auch die Frage:Ideal wofür?, meint Dr. Ulrike Trippo. Für das subjektive Wohlbefinden könne ein anderes Gewicht ideal sein als für den Zeitgeschmack, die Leis­tungsfähigkeit oder die soziale Akzeptanz.Wirklich aus­schlaggebend ist das Verhält­nis von Magermasse zum Fettanteil und die Fett­verteilung ‚im. Körper, erläutert Dr. Ulrike Trippo, die bei Prof. Holle Greil, Professorin für Humanbio­logie an der Universität Potsdam, nun ihre Disser­tation abgeschlossen hat.

Ein Mensch mit kräftigem Körperbau darf mehr wiegen als ein gleichgroßer Zeitgenosse, der eher schlankwüchsig ist. In einer sehr groß angelegten Studie hat Ulrike Trippo den Körperbau von 708 Branden­burger Einwohnern detailliert erfasst. Dabei konnte sie zu einer großen Gruppe von Probanden zwischen 35 und 64 Jahren Kontakt aufnehmen, die am Deutschen Institut für Ernäh­rungsforschung(DIfE) in Rehbrücke an der Langzeit­studie zu Ernährungsgewohn­heiten und Krebs teilnahmen. Die jüngeren Probanden zwis­chen. 18 und 25 Jahren fand Trippo unter den Studierenden. Alle Teilnehmer machten auch detaillierte Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten, die mit Hilfe des DIfE ausgewertet wurden.

Messmethoden

Aber wie, lässt sich. ‚ohne grösseren Eingriff herausfinden, wie viel der Körpermasse aus Muskeln, Knochen oder Fett besteht? Trippo arbeitete mit zwei Methoden; einmal der Messung der Hautfaltendicke inklusive des Unterhautfett­gewebes an elf ausgewählten Körperstellen und zum zweiten mit der bioelektrischen Impe­

danzanalyse. Aus derSpeckfal­ten-Messung oder besser ge­sagt aus der Messung der Haut­faltendicke läßt sich der Gesamt­körperfettanteil berechnen. Bei der bioelektrischen Impedanz­analyse wird ein sehr schwacher Strom durch den Körper gelei­tet. Da Fett- und Magermasse unterschiedlich leitfähig sind, kann ihr Verhältnis durch diese Messung ebenfalls ermittelt wer­den. Trippo fand jedoch, dass die Messung der Hautfalten bei sorgfältiger Durchführung aus­sagekräftiger ist.

Mehr Fett bei Frauen

Dass Menschen mit zunehmen­dem ‚Alter ‚auch an Gewicht zunehmen, ist bekannt. Diese Studie zeigt nun jedoch erst­mals, wie stark im Mittel das Gewicht steigt und wo sich bevorzugt die hinzugekomme­nen Pfunde anlagern: Breite und Tiefe des Brustkorbs sowie der Umfang des Bauches nahmen enorm ‚zu. Der Umfang von Armen und Beinen dagegen änderte sich nur wenig.

Wir haben allen Teilnehmern anschließend die Besonderheiten ihres Körperbaus erklärt und auch ihre Ernährungsgewohn­heiten mit ihnen, besprochen, erzählt Trippo. Und da war manche sehr schlanke junge Frau schon entsetzt, dass von ihren 50 kg Gewicht 30 Prozent Fett sind. Aber dieser im Vergleich zu Männern höhere Fettanteil ist normal bei Frauen, und wenn sie zu dünn sind, geht das eher auf Kosten der Muskulatur und damit. der, ‚Kraft: als ‚zu Ungunsten der Fettschicht. Manchen Menschen hat es vielleicht. sogar. konkret ‚ge­holfen, etwas mehr über ihren Körpertyp zu erfahren, erinnert sich die Biologin. Ein extrem schlanker Student erzählte ihr zum Beispiel, dass er trotz inten­siven Trainings kaum Musku­latur ansetzen würde und sich überlege, nun zu Anabolika zu greifen. Trippo riet ihm, seinen naturgegebenen schmalen Körperbau zu akzeptieren. Vor kurzem berichteten die lokalen Zeitungen, dass genau dieser junge Mann dem Modedesigner

Wolfgang Joop aufgefallen sei und nun als Model arbeite.

Übergewicht steigt

Überraschend war, wie stark mit dem Alter bei Männern wie Frauen die Tendenz zu Übergewicht steigt. Während aus der Gruppe der Studieren­den nur ein junger Mann als

Mit Hilfe der Messung der Hautfaltendicke an Bauch, Rücken oder anderswo

Solche Fettzellen setzen deutlich mehr schädliche Stoffwechsel­produkte frei als Fettzellen an Beinen oder Hüften, so dass ein androides Fettverteilungsmuster zu Fettstoffwechselstörungen beiträgt und das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht. Die typisch weiblichen, gut gepolsterten Hüften und Oberschenkel sind

höchstens eine ästhetische

Lässt sich auf den Gesamtkörperfettanteil schließen.

fettsüchtig eingeordnet wurde, war es bei den Männern und Frauen zwischen 55 und 64 fast jeder vierte. Normalgewichtig sind von den Frauen dieser Altersgruppe nur noch knapp 35 Prozent,; yon..den. Männern sogar bloß 24 Prozent.

Während die Männer aber etwa ab dem 55. Lebensjahr leicht abnehmen, steigt das Gewicht yon. Fraucn bis zum 65. Lebensjahr. Problematisch dabei ist, dass sich nach den Wechsel­jahren auch bei den Frauen die eher apfelförmigeandroide Fettverteilung abzeichnet, die bei Männern so respektlos als Bierbauch bezeichnet wird. Um 18,6 Zentimeter nimmt der Taillenumfang. im Schnitt zu, wenn man ‚die Gruppe der Studentinnen mit der Gruppe der. älteren Frauen vergleicht.

Foto: Fritze

Problemzone. Zwar nehmen ältere Erwachsene tendenziell etwas weniger Kalorien zu sich als die junge Generation, aber sie bewegen sich auch weniger. Außerdem ist das Essverhalten der älteren Generation von den Mangelerfahrungen der Kriegs­und Nachkriegszeit geprägt, was zu einer ungesunden Vorliebe für viel Fleisch mit fetten Sossen geführt. haben;. kann."Die Jüngeren haben jetzt viel bessere Chancen, gesund zu bleiben, meint Trippo.

ar

dam.de/2000meta/0018/d oor.htm einzusehen.

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