Titel
Antikörper nach Maß
Uni-Wissenschaftler nutzen Immunsystem
Antikörper sind eine wichtige Komponente der Immunabwehr von Wirbeltieren gegen Infektionserreger und wahrscheinlich auch gegen Krebszellen. Die Besonderheit der Antikörper ist ihre ungeheure Vielfalt. Man nimmt an, dass in jedem Menschen mehr als 10 verschiedene Antikörper vorhanden sind.
Dabei synthetisiert jede Zelle, die überhaupt Antikörper produziert, Antikörper einer einzigen Spezifität. Das heißt, es müssen so viele verschiedene Zellen beziehungsweise Zellklone vorhanden sein, wie verschiedene Antikörper im Organismus zirkulieren. Dadurch. ist das. Immunsystem für das „Unvorhersehbare“ gerüstet und kann faktisch gegen jede neue Substanz und damit auch gegen jeden neuen Infektionserreger mit Antikörpern reagieren. Damit keine Antikörper gegen körpereigene Substanzen entstehen; existieren‘ mehrere Sicherungssysteme, die zum Beispiel diejenigen Zellen beseitigen, die gegen den eigenen Organismus reagieren würden. Wenn diese Systeme versagen, kommt es zu Erkrankungen, bei denen das Immunsystem, wie etwa. bei einigen Rheumäformen, gegen den eigenen Körper reagiert— so genannte Autoimmunerkrankungen.
“Fremd” und“Selbst”
Eine wichtige Grundlage der normalen Funktionsweise des Immunsystems ist damit die Unterscheidung von„Fremd“ und„Selbst“. Die Tatsache, dass das Immunsystem gegen die unterschiedlichsten fremden Substanzen reagiert, erlaubt auch die: Herstellung. von Antikörpern gegen Substanzen, die‘- eigentlich‘‘nichts; mit Infektionserregern‘ zu‘ tun haben. Derartige Antikörper binden diese Substanzen(die in der Immunologie als Antigene bezeichnet werden) und können deshalb für den Nachweis und die Isolierung von Fremdsubstanzen eingesetzt werden. Antikörper sind damit zu Werkzeugen. geworden, die unter
anderem in der Medizin, Veterinärmedizin, Lebensmittelindustrie, Umweltbiologie oder Grundlagenforschung ihren festen Platz gefunden haben. Jeder kennt ihren uralten Einsatz zur Bestimmung der Blutgruppen des Menschen. Das„einzige“ Problem für alle Anwendungen ist, dass man den speziellen Antikörper für seinen ganz bestimmten Einsatz in cent: sprechender Menge ständig zur Verfügung haben muss.
Antikörper im Visier
An der Professur für Biotechnologie der Uni Potsdam laufen mehrere Projekte zur Herstellung und Modifikation spezifischer. Antikörper für unterschiedliche Anwendungsbereiche: Dafür... müssen. die Antikörper produzierenden Zellen isoliert und durch Zellfusion „unsterblich“ gemacht werden, so: dass sie ständig. für. die Produktion monoklonaler Antikörper.(Antikörper,...die von einem Klon‘stammen und deshalb eine einzige Spezifität haben) eingesetzt werden können. Mit bestimmten Methoden ist es möglich, auch die Antikörpergene zu isolieren und zum Beispiel in Bakterien zu übertragen, so dass mit Hilfe von Gentechnik Antikörper produziert werden. Die eingesetzten Antikörper stammen in erster Linie aus Mäusen.
Die Projekte
Zu den wichtigsten Aufgaben der: Arbeitsgruppe,| die. in Kooperation mit anderen biologischen, biochemischen und chemischen. Gruppen. der Universität Potsdam sowie mit weiteren Partnern durchgeführt werden, gehört die Arbeit am Projekt„Herstellung von katalytischen Antikörpern“.
Die Forschung geht von der Annahme aus, dass in der großen Vielfalt von Antikörpern auch einige vorhanden sind, die„ihr“ Antigen nicht nur binden, sondern. in ähnlicher Weise wie Enzyme auch; spalten. Als Antigene für diese. Unter
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suchungen werden Herbizide eingesetzt.
Auch das Projekt„Bispezifische Antikörper“ besitzt einen herausragenden Stellenwert. Hier wird an Antikörpern gearbeitet, die im Gegensatz zu konventionellen Antikörpern zwei verschiedene Bindungsstellen haben. Derartigei Antikörper könnten als Therapeutika interessant sein oder dort eingesetzt werden, wo zwei biologisch aktive Moleküle, zum Beispiel Enzyme, in einen engen Kontakt gebracht werden sollen.
Im ebenfalls wichtigen Projekt „Unterdrückung spezifischer Immunreaktionen“ geht es um die Gewinnung von Antikörpern, mit denen das Immunsystem beeinflusst werden kann. Die Wissenschaft ist heute zwar in der Lage, eine Immunreaktion gegen bestimmte Krankheitserreger hervorzurufen, es fehlt jedoch noch immer an der Möglichkeit, eine spezifische Immunreaktion abzuschalten, ohne das Immunsystem insgesamt zu schädigen. Ein solches Vorgehen hätte erhebliche medizinische Konsequenzen bei der Bekämpfung von Allergien und Autoimmunerkrankungen sowie in der Transplantationsmedizin.
Wichtige Werkzeuge
Drei weitere Projekte beschäftigen‘ sich damit,„spezifische Antikörper gegen Kohlenhydrate, gegen Phosphoproteine sowie gegen Krebsgenprodukte zu. gewinnen,:die von den Kooperationspartnern für pflanzenphysiologische, zellbiologische und onkologische Untersuchungen genutzt werden. Mit der Fertigstellung‘- dieser Projekte könnten einige neue Werkzeuge zur Verfügung stehen; die. sowohl‘ für- die Grundlagenforschung als auch für. den. Finsatz.:in der Diagnostik und in der Medizin wertvolle Dienste leisten.
Prof. Dr. Burkhard Micheel/Institut für Biochemie und Biologie
Überall Muskeln
Die quergestreifte Muskulatur macht fast ein Viertel des Körpergewichts eines normal gebauten Menschen aus. Unter dem Mikroskop würde man, wenn man ein Stück der Muskulatur betrachtet, die typischen Streifenmuster in den Muskelzellen sehen.„Aber wie schafft es die Natur, gleich kiloweise solche regelmäßigen Strukturen in unserem Körper herzustellen?“, fragt Professor Dr. Dieter Fürst, Zellbiologe an der Universität Potsdam.
Dabei interessieren sich die Biochemiker und Biologen der Arbeitsgruppe Fürst weniger für die Mechanik dieser kontraktilen Zellen und müssen auch passen, wenn Sportler nach Tipps zum Aufbau von mehr Muskelmasse fragen. Die reine Masse an Muskeln hat schr wenig mit Kraft zu tun, erklärt der drahtige Professor.
Fürst und seine Mitarbeiter untersuchen vielmehr, wie aus undifferenzierten Stammzellen Muskelzellen entstehen können und welche Eiweißverbindungen im Innern dieser Zellen dabei entscheidend sind. An Zellkulturen von Mäusen können sie diese Prozesse genau beobachten, indem sie beispielsweise Proteine mit fluoreszierenden Stoffen markieren und verfolgen, welche Bin
‚dungen diese Moleküle einge
hen. Bei bestimmten Muskelerkrankungen sind diese Prozesse gestört. Auf lange Sicht könnte daher die Grundlagenforschung Hinweise auf erfolgversprechende Therapien bei Muskelschwund und Herzkrankheiten geben.
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Pressemitteilungen der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam. de/u/pressmitt/index.htm
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