PUTZ 3/01
Von Viren und Zellen
Arbeitsgruppe konzentriert sich auf Bakteriophagen
Ein Grippe-Virus dockt an die Wirtszelle an- die Infektion kann beginnen. Dabei bindet sich das Influenza-Virus mit einem Protein auf seiner Aussenfläche an ein Kohlenhydrat auf der Oberfläche der Wirtszelle.
Solche Bindungen von Proteinen an Kohlenhydratstrukturen spielen ein große Rolle, nicht nur bei Viruserkrankungen, sondern beispielsweise auch
Dreidimensionales Modell der beiden gebundenen Moleküle am Beispiel des Salmonella-Phagen P22. Das Kohlenhydrat wird in einer flachen Grube gebunden, die seiner lang gestreckten Gestalt angepasst ist.
bei Wurzelknöllchen von Erbsen oder Sojabohnen, wo sich Stickstoff bindende Bakterien ansiedeln, die für die Pflanze nützlich sind. Wenn man solche Wechselwirkungen zwischen
Proteinen und Kohlenhydraten gezielt
beeinflussen könnte,
Computergrafik: Seckler
hätte man nicht nur Zugang zu neuen Medikamenten, sondern könnte vielleicht auch wichtige Nutzpflanzen verbessern.
Kohlenhydratmoleküle können
Die Sprache der Zellen
Zoophysiologen erforschen Sehprozess
Wenn nach der Befruchtung einer Eizelle neues Leben entsteht, wenn wir unsere Muskeln bewegen, unser Herz schlägt, wenn wir weinen oder wenn uns das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn Hormone ausgeschüttet werden, sich Erregungsvorgänge und damit Informationen in unserem Nervensystem ausbreiten oder Zellen untergehen, immer sind CalciumIonen als chemische Boten beteiligt.
Damit sie derartig vielfältige Funktionen wahrnehmen können, besitzen tierische Zellen
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ein subtil ineinandergreifendes Repertoire von Mechanismen, welche die Konzentration dieses Ions in den Zellen in komplexer Weise zeitlich und räumlich regulieren. Die Erforschung dieser Regulationsmechanismen und der Calcium-vermittelten Signalübertragung erfordert hochempfindliche biophysikalische Messmethoden. Unverzichtbar ‚sind auch die neuen
abbildenden Verfahren, mit denen sich die teilweise sehr schnellen Änderungen(im
Millisekundenbereich) der sehr niedrigen Calcium-Konzentra
tion mit hoher räumlicher Auf
aus einer Vielzahl unterschiedlicher Bausteine zusammengesetzt sein, so dass kettenförmige oder verzweigte Oligosaccharide entstehen. Kohlenhydrate sind deshalb eine ganz besonders variable Gruppe biochemischer Substanzen, und biologische Zellen und Organismen nutzen diese Moleküle häufig als Erkennungssignale. Das genau ist ein Forschungsschwerpunkt der Professur für Physikalische Biochemie an der Universität Potsdam. Bisher ist darüber erst wenig bekannt, wie Proteine zwischen verschiedenen Oligosacchariden unterscheiden. Das liegt unter anderem daran, dass komplexe Oligosaccharide aus natürlichen Quellen nur in kleinsten Mengen zu gewinnen sind und synthetisch nur mit sehr großem Aufwand hergestellt werden können. Daher arbeitet die Grundlagenforschung mit Modellsystemen, für die diese Einschränkung nicht gilt.
Die Arbeitsgruppe Seckler konzentriert sich auf Bakteriophagen. Die Viren befallen Bakterien und binden sich im ersten Schritt der Infektion mit stachelartigen Proteinen(”Spikes”) an Kohlenhydratstrukturen auf der Zelloberfläche von harmlosen Bakterien oder von Krankheitserregern wie Salmonellen oder Shigellen. In diesem Fall handelt es sich bei den Kohlenhydratstrukturen um: so genannte
lösung(im Tausendstelmillimeterbereich) analysieren lassen.
Die Rolle der Calcium-Ionen ist eines der Forschungsgebiete, auf dem Zoophysiologen des Instituts für Biochemie und Biologie der‘ Uni seit. vielen Jahren erfolgreich/ arbeiten: Schwerpunktmäßig erforschen sie den Sehprozess; bei dem lichtempfindliche Photorezeptorzellen Licht absorbieren und in die Sprache des Nervensystems, also in‘: ‚elektrische Erregung, übersetzen. In einem weiteren Projektkreis werden die Mechanismen untersucht,
Titel
Lipopolysaccharide, die man in ausreichender Menge isolieren kann, weil die Bakterien leicht zu züchten sind. Die SpikeProteine werden mit gentechnischen Methoden hergestellt, so dass sie auch gezielt verändert werden können. Die Wissenschaftler können so untersuchen, welche Molekülregionen eines Proteins besonders wichtig für die Bindung an das entsprechende Kohlenhydrat sind. Unverzichtbar für solche Untersuchungen ist ein genaues, dreidimensionales Modell der beiden gebundenen Moleküle. Neben grundlegenden Erkenntnissen über die Wechselwirkungen von Proteinen mit Kohlenhydraten erwarten die Biochemiker, auch. praktischen Nutzen von ihren Bakteriophagen-Proteinen. Denn. solche Proteine könnten zukünftig auch für den. schnellen und zuverlässigen Nachweis von Bakterien eingesetzt werden, die Durchfallerkrankungen verursachen. Bisher ist ein solcher Nachweis nur ‚ durch, ‚eine umständliche und langwierige mikrobiologische Untersuchung zu erbringen, Ein chemaliger Doktorand der Arbeitsgruppe will diese Idee als Mitbegründer einer jungen Biotechnologiefirma nun verwirklichen.
Prof. Dr. Robert Seckler/ Institut für Biochemie und Biologie
die nach hormoneller oder nervöser Reizung die Sekretionstätigkeit in Speicheldrüsen bewirken. Beide Vorgänge sind Calcium abhängig. Als Modellobjekte für diese Untersuchungen dienen vorwiegend die Augen, Sehzellen und Speicheldrüsen von Insekten, in denen molekulare Teilprozesse ablaufen, wie sie auch in vielen Zellen und Organen anderer Tiere und des Menschen anzutreffen sind. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert diese Arbeiten durch umfangreiche Sach- und Personalmittel.
Prof. Dr. Bernd Walz/ Institut für Biochemie und Biologie