Heft 
(1.1.2019) 03
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Titel/Forum

PUTZ 3/01

Reporter in der Analytik

Keine Forschung im Elfenbeinturm

Die Bedeutung der Analytik in unserem Alltag wird uns durch so aktuelle Probleme wie BSE-Nachweis oder die Pränatale Diagnostik vor Augen geführt. Auch an der Uni Potsdam erfolgen Lehre und Forschung auf diesem innovativen Gebiet.

Enzyme und Antikörper werden schon seit mehreren Jahrzehnten als Reagenzien in der Klinischen Diagnostik und der Lebensmit­telanalytik eingesetzt. Im Jahr 1984 brachte die Akademie der Wissenschaften der DDR mit dem Glukometer GKM 01 den ersten kommerziellen Analysator mit Biosensoren in Europa auf den Markt. Die Biosensorik basiert auf der Kombination von biochemischen Erkennungssys­

temen mit physikochemischen Signalwandlern, so dass die zu ermittelnde Substanz nicht nur qualitativ, sondern auch quanti­tativ bestimmt wird.

Im InnovationskollegBio­molekulare Erkennungssysteme für die biochemische Analytik, das von der Deutschen For­schungsgemeinschaft von 1995 bis 2001 gefördert wurde, wer­den neue Werkzeuge Hürfdie Bioanalytik, beispielsweise für die Bestimmung von Herbi­ziden, entwickelt. Viele der anwendungsrelevanten For­schungsergebnisse sind in den Anwendungsverbund BioHyTec eingeflossen, in dem gemeinsam mit 15 Firmen der Region die Produkte bis zur Marktreife gebracht werden.

Beispiele dafür sind Bio-Chips zum Nachweis von Schimmel­pilzgiften, Geflügelviren und antioxidativen Schutzsubstanzen in Kosmetika. Für die klinische Diagnostik entwickelt man Biosensoren für die nichtinvasive Lungendiagnostik und Bio­Chips zum Nachweis von krebs­erregenden Stoffen.

Ein weiterer Forschungsschwer­punkt der Professur für Analy­tische Biochemie liegt in der

Verknüpfung von Enzymen, Antikörpern und Nuklein­säuren, mit elektrochemischen

und optischen Signalwandlern in Biosensoren und Bio-Chips.

Dabei konnte die Empfindlich­keit von Enzymelektroden um den Faktor 1000 gesteigert wer­

den. Diese Enzymelektroden werden in der Umweltanalytik und bei der Rauschgiftdetektion gebraucht. Aggressive Sauer­stoffmoleküle können mit in vivo-Sensoren nachgewiesen werden.

In Zukunft sollen insbesondere zwei Ziele verfolgt werden: Zum einen die Weiterentwicklung der Bio-Chip- Technologie und zum anderen die Entwicklung von ultra-miniaturisierten Sensoren für die Echtzeitanalyse von Genprodukten und ihren entsprechenden Stoffwechsel­produkten.

Prof. Dr. Frieder W. Scheller /Institut für Biochemie und Biologie

Leserbriefe:

Die Ausgabe 1-2/01 der Universitätszeitung PUTZ befasste sich in ihrer Titelgeschichte mit dem Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Die Redaktion erhielt daraufhin mehrere Leserbriefe, die das Thema aufgriffen. Wie angekündigt, veröffentlichen wir sie. Da der Platz jedoch für alle nicht ausreicht, besteht die Möglichkeit, weitere Zusendungen in der Redaktion zu bestellen.

Folgenreich und erfolgreich?

Zuvor Gratulation und Dank für die Beiträge zum Potsdamer Modell der Lehrerbildung in Nr. 1-2/01 der PUTZ. Alle Beiträge haben einen wichtigen beden­kenswerten Punkt getroffen. Dass auch Kritik nicht

bleiben konnte, versteht sich: Modelle können keine Realität vorwegnehmen, die eigenen, anderen Vorgaben folgt. Pläne sind Absichtserklärungen, ihre Verwirklichung geschieht durch Menschen, die immer auch ihre Gesichtspunkte einbringen. Modelle haben eine Vorge­schichte, sie selber sind nur ein Orientierungsmoment in eine Zukunft, die aus Handeln und Gestalten, also Geschichte, her­vorgeht. Und dann haben diese Modelle denn auch eines schö­nen Tages ausgedient. Nicht aber vielleicht die Prinzipien, die

aus­

das Modellhafte des Modells ausmachen.

Bevor nach zehn Jahren kri­tisiert, bilanziert oder restruk­turiert. wird, sei aneinige Eckpunkte erinnert, die das Potsdamer Modell bis heute auszeichnen, damals aber durch­

aus nicht Sselbstverständlich waren. Potsdam konnte und wollte

damals für ein berufsorientiertes Lehramtsstudium eine Vorreiter­rolle übernehmen, was sich auf­grund vielfacher Empfehlungen zur Reform der Lehrerbildung bestätigt. Es scheint sich inzwi­schen.herumgesprochen zu haben, dass angehende Lehrer handlungsrelevantes operatives Wissen an die Hand bekommen müssen und dass der wichtigste Lernort die Schule ist, dass dies aber nur gelingt, wenn die

Praxisbedeutung der Theorie und die Aufklärungsbedürf­tigkeit der Berufspraxis durch Theorie erfahrbar wird. Das war folgenreich für. die kritische Bewertung der üblichen Wis­sensproduktion durch Univer­sitätspädagogen und deren Selbstrechtfertigungen. Das Potsdamer Modell musste dem­zufolge gegen heftige Demar­chen und Kritiken aus der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft vertei­digt werden. Die Strukturierung eines theorie- und berufsorien­tierten Lehramtsstudiums gelang durch Profilbildung bei den Professuren, durch VWeiter­

führung der zahlreichen

Praktika, Aufrechterhaltung der Kooperation mit den Schulen und mit einer Pädagogischen Psychologie, die sich nicht in die Diplom-Psychologie verflüchti­gen sollte.

Nur in Potsdam bekam die Päda­gogik eine Struktur, andernorts wurde nach dem Ende der DDR nur westdeutsche Beliebigkeit installiert. Ob sich daraus best practice ergeben würde, konnte 1991/92 allenfalls erhofft wer­den. Denn wichtige Voraussetzung für eine optimale Umsetzung der Modell­Absichten für die Potsdamer Lehrerbildung konnte im Grün­

eine

Fortsetzung auf Seite 20

Schulgeschichte einmal anders...

Foto: Tribukeit

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