Titel/Forum
PUTZ 3/01
Reporter in der Analytik
Keine Forschung im Elfenbeinturm
Die Bedeutung der Analytik in unserem Alltag wird uns durch so aktuelle Probleme wie BSE-Nachweis oder die „Pränatale Diagnostik“ vor Augen geführt. Auch an der Uni Potsdam erfolgen Lehre und Forschung auf diesem innovativen Gebiet.
Enzyme und Antikörper werden schon seit mehreren Jahrzehnten als Reagenzien in der Klinischen Diagnostik und der Lebensmittelanalytik eingesetzt. Im Jahr 1984 brachte die Akademie der Wissenschaften der DDR mit dem Glukometer GKM 01 den ersten kommerziellen Analysator mit Biosensoren in Europa auf den Markt. Die Biosensorik basiert auf der Kombination von biochemischen Erkennungssys
temen mit physikochemischen Signalwandlern, so dass die zu ermittelnde Substanz nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ bestimmt wird.
Im Innovationskolleg„Biomolekulare Erkennungssysteme für die biochemische Analytik“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft von 1995 bis 2001 gefördert wurde, werden neue Werkzeuge Hürfdie Bioanalytik, beispielsweise für die Bestimmung von Herbiziden, entwickelt. Viele der anwendungsrelevanten Forschungsergebnisse sind in den Anwendungsverbund BioHyTec eingeflossen, in dem gemeinsam mit 15 Firmen der Region die Produkte bis zur Marktreife gebracht werden.
Beispiele dafür sind Bio-Chips zum Nachweis von Schimmelpilzgiften, Geflügelviren und antioxidativen Schutzsubstanzen in Kosmetika. Für die klinische Diagnostik entwickelt man Biosensoren für die nichtinvasive Lungendiagnostik und BioChips zum Nachweis von krebserregenden Stoffen.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt der Professur für Analytische Biochemie liegt in der
Verknüpfung von Enzymen, Antikörpern und Nukleinsäuren, mit elektrochemischen
und optischen Signalwandlern in Biosensoren und Bio-Chips.
Dabei konnte die Empfindlichkeit von Enzymelektroden um den Faktor 1000 gesteigert wer
den. Diese Enzymelektroden werden in der Umweltanalytik und bei der Rauschgiftdetektion gebraucht. Aggressive Sauerstoffmoleküle können mit in vivo-Sensoren nachgewiesen werden.
In Zukunft sollen insbesondere zwei Ziele verfolgt werden: Zum einen die Weiterentwicklung der Bio-Chip- Technologie und zum anderen die Entwicklung von ultra-miniaturisierten Sensoren für die Echtzeitanalyse von Genprodukten und ihren entsprechenden Stoffwechselprodukten.
Prof. Dr. Frieder W. Scheller /Institut für Biochemie und Biologie
Leserbriefe:
Die Ausgabe 1-2/01 der Universitätszeitung PUTZ befasste sich in ihrer Titelgeschichte mit dem Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Die Redaktion erhielt daraufhin mehrere Leserbriefe, die das Thema aufgriffen. Wie angekündigt, veröffentlichen wir sie. Da der Platz jedoch für alle nicht ausreicht, besteht die Möglichkeit, weitere Zusendungen in der Redaktion zu bestellen.
Folgenreich und erfolgreich?
Zuvor Gratulation und Dank für die‘ Beiträge zum Potsdamer Modell der Lehrerbildung in Nr. 1-2/01 der PUTZ. Alle Beiträge haben einen wichtigen bedenkenswerten Punkt getroffen. Dass auch Kritik nicht
bleiben konnte, versteht sich: Modelle können keine Realität vorwegnehmen, die eigenen, anderen Vorgaben folgt. Pläne sind Absichtserklärungen, ihre Verwirklichung geschieht durch Menschen, die immer auch ihre Gesichtspunkte einbringen. Modelle haben eine Vorgeschichte, sie selber sind nur ein Orientierungsmoment in eine Zukunft, die aus Handeln und Gestalten, also Geschichte, hervorgeht. Und dann haben diese Modelle denn auch eines schönen‘ Tages ausgedient. Nicht aber vielleicht die Prinzipien, die
aus
das Modellhafte des Modells ausmachen.
Bevor nach zehn Jahren kritisiert, bilanziert oder restrukturiert. wird, sei‘ an’“einige Eckpunkte erinnert, die das Potsdamer Modell bis heute auszeichnen, damals aber durch
aus nicht Sselbstverständlich waren. Potsdam konnte und wollte
damals für ein berufsorientiertes Lehramtsstudium eine Vorreiterrolle übernehmen, was sich aufgrund vielfacher Empfehlungen zur Reform der Lehrerbildung bestätigt. Es scheint sich inzwischen.herumgesprochen‘ zu haben, dass angehende Lehrer handlungsrelevantes operatives Wissen an die Hand bekommen müssen und dass der wichtigste Lernort die Schule’ ist, dass‘ dies aber‘ nur gelingt, wenn die
Praxisbedeutung der Theorie und die Aufklärungsbedürftigkeit der Berufspraxis durch Theorie erfahrbar wird. Das war folgenreich für. die kritische Bewertung der üblichen Wissensproduktion durch Universitätspädagogen und deren Selbstrechtfertigungen. Das Potsdamer Modell musste demzufolge gegen heftige Demarchen und Kritiken aus der Deutschen Gesellschaft‘ für Erziehungswissenschaft verteidigt werden. Die Strukturierung eines theorie- und berufsorientierten Lehramtsstudiums gelang durch Profilbildung bei den Professuren, durch VWeiter
führung der zahlreichen
Praktika, Aufrechterhaltung der Kooperation mit den Schulen und mit einer Pädagogischen Psychologie, die sich nicht in die Diplom-Psychologie verflüchtigen sollte.
Nur in Potsdam bekam die Pädagogik eine Struktur, andernorts wurde nach dem Ende der DDR nur westdeutsche Beliebigkeit installiert. Ob sich daraus best practice ergeben würde, konnte 1991/92 allenfalls erhofft werden. Denn wichtige Voraussetzung für eine optimale Umsetzung der ModellAbsichten für die Potsdamer Lehrerbildung konnte im Grün
eine
Fortsetzung auf Seite 20
Schulgeschichte einmal anders...
Foto: Tribukeit
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