PUTZ 3/01
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dungssenat nicht durchgesetzt werden: die Gründung einer eigenen Fakultät für Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften. Damit aber blieb auch die Situation und Funktion der Fachdidaktiken in der Schwebe und die der inzwischen aufgelösten Zentren für Unterrichts-, Lehr- und Lern-Forschung.
Die Fachdidaktiken als Brücken zwischen Fachwissenschaften und fachlichem Berufswissen
verloren sich wieder in der Diaspora der Fächer in den verschiedenen Fakultäten. Immerhin ist es gelungen, an der Universität Potsdam für die Lehramtsstudien einen Studiengang zu etablieren, während sonst an den Universitäten nur ein Studienabschluss existiert, der sich aus relativ beliebigen Bruchstücken zusammensetzt.
Kein eigener Diskussionsbeitrag findet sich in Nr. 1-2/01 der PUTZ zu einem weiteren unverzichtbaren Kernstück des
Potsdamer Modells: der Forschung. Ihr sollten die Zentren dienen und vor allem hier sollte sich auch die Fort-‘und Weiterbildung anlagern. Ohne eine Graduate Education würde das Potsdamer Modell seinen eigenen Anspruch nicht erfüllen.
Thematischer Kernbereich sollte eine“psychologische, insbesondere Entwicklungs- und kognitionspsychologische Didaktik” sein. Was betreiben BLK- und DFG-Schwerpunktprogramme
School of
Forum
zuletzt als auf(TIMSS:
heute nicht Schreckreaktion Eben dies. Allem Anschein nach hat das Potsdamer Modell noch längst nicht als Modell ausgedient. Weil es folgenreich war und ist, ist es als Modell erfolgreich.
Prof. Dr. Ulrich Herrmann/ Universität Ulm, Mitglied des Gründungssenats der Universität Potsdam und Mitautor des Potsdamer Modells
Noch nicht ausgereift
Ob es dem angeblich plötzlich aufgetretenen Lehrermangel geschuldet ist, dass man sich an der Universität Potsdam wieder
einmal der Lehrerbildung zuwendet?| Die Gelegenheit jedenfalls ist günstig, das
Potsdamer Modell kritisch zu betrachten.
Fachwissen allein nützt dem Lehrer: nichts: Er muss’ es auch vermitteln können, und auch diese Vermittlung muss ihm zunächst einmal beigebracht werden. Der Ort dafür sind in erster Linie die Fachdidaktiken, deren. Sıtuation... an der Universität Potsdam jedoch kontinuierlich geschwächt wird. Nicht nur in der MathematischNaturwissenschaftlichen Fakultät ist zu beobachten, wie die entsprechenden Professuren in der Stellenstruktur der Institute dem Schicksal anheimfallen, zumindest auf lange Zeit nicht neu zu besetzt. werden. Die Qualität. einer didaktischen Ausbildung bemisst sich übrigens an: ihrem.“ Bezug. zur schulischen Wirklichkeit. Daraus folgt nicht unbedingt, dass sie
allein von Schulpraktikern durchgeführt werden muss, denn auch die theoretische
Reflexion didaktischer Inhalte an der Universität kann durchaus ihren Sinn haben. Dass- die universitären Didaktiker jedoch den Kontakt zur Schule nicht verlieren, sollte man dutchaus von ihnen erwarten können.
Dabei schaffen die Fachdidaktiken zumindest halbwegs das, was die Erziehungswissenschaften über ihre didaktischen Modelle offenbar manchmal vergessen: die Studierenden
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darauf vorzubereiten, was sie vor einer Schulklasse eigentlich erwartet, und wie sie sich in Unterrichtssituationen verhalten können. Ein Blick in die erziehungswissenschaftlichen Fächer zeigt zumindest einige der Schwachstellen des Potsdamer Modells: Eine“professionsorientierte Ausbildung vom ersten Semester an” will die Psychologie durch eine Ringvorlesung von drei Semester
Auch im Schulmuseum Reckahn zu sehen: alte Bänke von anno dazumal. Foto: Tribukeit
wochenstunden Umfang erreichen.:Wie viel Zeit dabei für jedes:. einzelnew der sechs Teilgebiete wirklich bleibt, lässt sich leicht ermessen, ebenso die Möglichkeiten einer“Vertiefung” in Modul zwei: Gerade einmal drei Seminare finden normalerweise Platz im psychologischen Stundendeputat. Mit ihnen soll der Student gleich drei Wünsche auf einmal erfüllen: Die Inhalte der Ringvorlesung vertiefen, seinen eigenen Interessen nachgehen—
und, gleichsam nebenbei, auch noch genug Wissen für das Staatsexamen ansammeln, für das er bis zu drei Prüfungsthemen aus dem Bereich Psychologie angeben ‚muss. Eine Konzentration auf bestimmte Kernbereiche(etwa: Entwicklung, Lernverhalten, Kommunikation) könnte die Qualität der Ausbildung in diesem Teilgebiet - das ansonsten eine anerkennenswerte Verknüpfung von Theorie und: Praxisbeispielen bietet- daher verbessern.
Die Pädagogik nimmt für sich ebenfalls in Anspruch, praktische Erfahrungen mit theoretischer Reflexion zu verbinden. Die erlebte Wirklichkeit sieht leider anders aus: Ohne irgendeine Form von Gegenwartsbezug werden in Vorlesungen didaktische Modelle vorgestellt, die Binsenweisheiten wie“Unterrichtssituation und gesellschaftliches Umfeld bedingen sich” in komplizierte Schaubilder fassen; in Seminaren kann man sich ausführlich mit Sozialformen des Unterrichts befassen, ohne diese jemals; selbst». mit‘ Schülern auszuprobieren— oder zumindest zu diesem Thema zu hospitieren. Es stellt: sich ‚die: Frage, was: ‚eigentlich.— ‚zwischen Allgemeiner. Didaktik ‚und Geschichte des. Erziehungswesens— die zentralen Aspekte des: ‚Faches: sind; ‚die den Studierenden vermittelt werden sollen.
Dass zu: den Sozialwissenschaften im Potsdamer Modell schließlich kein eigener Artikel erschienen ist verwundert kaum, lag doch das Monopol für diesen Ausbildungsteil bis vor wenigen Semestern. noch nahezu /ausschließlich bei der Professur für Didaktik der Politischen
Bildung. Einen Bezug zur Schule und zur gesellschaftlichen Situation Jugendlicher, in der sich Unterricht vollzicht, haben die Seminare, von wenigen Ausnahmen abgeschen, nicht; eine klare Konzeption für diesen Studienteil fehlt vollkommen.
Und: noch. eines. fehlt: Die Kooperation und Vernetzung der erziehungswissenschaftlichen Fächer! Höchst. selten kommt es einmal vor, dass zwei Dozenten unterschiedlicher Gebiete sich zu einer Lehrveranstaltung zusammentun; immer.\noch‘‘herrscht die isolierte Sicht der einzelnen Fächer vor- als ob sich Unterricht in eine pädagogische, psy
chologische und, sozialwissenschaftliche Komponente trennen ließe. Pädagogen
beschäftigen sich mit Fragen der Leistungskontrolle und Bewertung ebenso wie Psychologen— warum nicht in gemeinsamen Seminaren? Didaktiker fragen nach den Rahmenbedingungen des Systems Schule— warum nicht zusammen mit Soziologen? Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.
Gut gemeint ist das Potsdamer Modell der Lehrerbildung sicherlich— an manchen Stellen aber eben auch noch immer nicht ausgereift— oder, wie das Beispiel der Fachdidaktiken zeigt, bereits wieder demontiert. Es weiter zu verbessern ist nicht
unmöglich, man muss die Akzente nur setzen— die derzeitige Diskussion sollte dazu
genutzt werden.
Peter. Riedel/ Lehramtsstudent Geschichte, Chemie