Heft 
(1.1.2019) 03
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Forschung

PUTZ 9/00

Mein Freund ist Franzose

Forschungsprojekt zu Toleranz und Differenz

Mein Freund ist Franzose, meine Pizza ist italienisch, mein Auto ist japanisch. Dieser Verweis auf Multikul­turalität hört sich auf den ersten Blick gut an. Der Amerikanist Prof. Dr. Rüdiger Kunow ist mit solchen Sprü­chen allerdings weniger glück­lich. Vielmehr zeige sich, dass der Umgang mit Differenz in den Gesellschaften des Wes­tens, so auch in Deutschland, oft verharmlost werde. Und der Aufruf zur Toleranz löse die Probleme nicht wirklich. Um gegen Fremdenfeind­lichkeit, Rechtsradikalismus und Rassismus vorzugehen, initiierte das Land Brandenburg 1998 das Projekt.Tolerantes Branden­burg. Es trug allerdings bisher nicht entscheidend dazu bei, die Zahl ausländerfeindlicher Über­griffe zu verringern. Kunow ist sich im Klaren darüber, dass Wis­senschaftler Skinheads nicht von ihren Überzeugungen kurieren können.Wir können und müssen aber Fragen stellen. Einen Beitrag zu diesen wis­senschaftlichen Debatten will das ProjektToleranz und Diffe­renz. an der Universität Potsdam leisten. Prof. Rüdiger Kunow, der Romanist Prof. Dr. Ottmar Ette und der Erhiker Prof. Dr. Christoph Menke haben sich zusammengetan, um Fragestellungen im Schnitt­punkt von Moralität, Kultur und Politik nachzugehen.

Die Fragen nach Toleranz und Differenz. beleuchten Perspek: tiven, Möglichkeiten und auch Grenzen von Akzeptanz des Anderen in modernen Gesell­schaften. Bei allen guten An­sätzen überwiegt bei ehrlicher Betrachtung bisher eher Ratlo­sigkeit, so das Fazit der Forscher. Sie resultiert unter anderem daraus, dass zusammenwöächst, was nicht zusammengehört. Theoretisch betrachtet heißt das, der Begriff der Toleranz muss im Zusammenhang mit dem Pro­blem der Differenz weiterent­wickelt werden.

Es sei irrtümlicherweise üblich zu denken, dass Toleranz in einem demokratischen Staat kein Problem darstellt. Intoleranz und mangelnder Umgang mit Differenz sind vielmehr oft

schon in der Struktur des Staates angelegt. Kunow verweist auf Amerika. Dort sei die Nation von Anfang an auf Differenz gegründet worden. Anders als bei den europäischen Nationen hat Amerika keine gemeinsame Geschichte, gibt es keine Staats­territorien. Die Frage; was Amerika also zusammenhält, war seit der Gründung der USA zen­

(cHSEHE NICHT WEG!

Weltbevölkerung ist unterwegs. Daraus entstehen Konflikte. Viele Menschen sagen von sich, sie seien nicht ausländerfeindlich und können dann doch nicht mit den Lebensweisen anderer Kulturen in ihrer unmittelbaren Lebensnähe umgehen.

Nach Auffassung der drei Initiatoren des Projektes stellen

diese neuen Entwicklungen

BoOFINGER

Abb.: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung

tral für die politische Kultur des Landes. Heute ist sie deutlicher denn je zu beobachten. Sowohl Globalisierung von oben als auchGlobalisierung von unten sind weltweit unüberseh­bare Tendenzen. Einerseits be­steht ein verstärkter Austausch von Gütern, Kapital und Infor­mationen. Produkte wie Coca Cola oder Nike kennt man auf der ganzen Welt, sie werden weltweit hergestellt und ver­marktet. Eine andere Tendenz ergibt sich aus den ständig anwachsenden Migrationsströ­men. Zehn* Prozent der

unsere bisher scheinbar unver­rückbaren konzeptionellen Schemata in Frage.Die Nation als Akteur im wirtschaftlichen wie im soziokulturellen Rahmen wird geschwächt. Daraus ergibt sich die Frage, wie sich unter diesen neuen Bedingungen Toleranz. denken und leben lässt. Klar ist für die Wissen­schaftler, dass Differenz nicht mehr als Zwischenstadium auf dem Weg zu Homogenität oder als Faktor der Außenbeziehun­gen von Nationen verstanden werden kann. Differenz. ist heute nicht mehr die Ausnahme,

sondern die Regel. Deshalb erweisen sich solche Differenz­kategorien wie Geschlecht, Klasse, Rasse, Sexualität, Alter oder Ethnizität national wie global zunehmend als titätsstiftend. Es gehe heute weniger um das Aushalten von Verschiedenheiten innerhalb einer Einheit, einer Nation beispielsweise, als vielmehr um die Akzeptanz der Verschieden­heit ohne Einheit. Deshalb sind sich die Wissenschaftler einig, dass der Toleranzbegriff eine veränderte Zielstellung erhalten muss. Das heißt, der Begriff muss die Akzeptanz des Fremden in Anders­artigkeit beinhalten und nicht von der Duldung des Anderen ausgehen. Denn Toleranz setzt Anstrengungen, also Interesse, nicht Gleichgültigkeit voraus.

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B.E:

Promotionsstipendien

Die Deutsch-Französische Hochschule(DFH) in Saar­brücken fördert auch in diesem Jahr mit Mitteln der Robert Bosch Stiftung deutsch-franzö­sische Promotionsverfahren. Die Besonderheit deutsch­französischen Promotion liegt in der gemeinsamen Betreuung und Begutachtung durch einen deutschen und französischen Hochschullehrer. Ein längerer Forschungsaufenthalt an der französischen Partnerhoch­schule sowie das Ablegen der Doktorprüfung in beiden Sprachen vor einer paritätisch besetzten Prüfungskommission gehören ebenfalls dazu.

Die Stipendiaten erhalten für einen Zeitraum von maximal zehn Monaten neben Reise- und Sachkosten eine monatliche Förderung von bis zu 1.600 DM. Anträge für eine solche Förderung sind in allen wis­senschaftlichen Fachdisziplinen möglich.

Vorliegen müssen sie bis zum 30. April dieses Jahres,

Weitere Informationen unter: http: //www.dfh-ufa.org

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