PUTZ 3/01
Forschung
Das Kreuz mit dem Kreuz
Operation bleibt die Ausnahme
Es ist wie bei einem gut getakelten Schiff. Den Mast in der Mitte halten Leinen zu beiden Seiten. Stimmt ihr Zusammenspiel nicht, ändert sich die Lage am Mast. Das Segel arbeitet anders als geplant. Jene Rolle des Mastes übernimmt im menschlichen Körper die Wirbelsäule. Gibt es bei ihr oder um sie herum Probleme, merkt der Mensch
oft sehr schmerzhaft, dass etwas nicht stimmt. Mit so genannten radikulären
und pseudoradikulären Syndromen, deren Ursachen, Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten beschäftigen sich auch die Mitarbeiter um Prof. Dr. Gernot Badtke aus dem Institut für Sportmedizin und Prävention der Uni Potsdam. Gemeinsam ist beiden Erscheinungen zwar die Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit bei den Betroffenen durch die oft vorhandenen Schmerzen, doch sie gehen auf unterschiedliche Tatsachen zurück.
Ursachen verschieden
Während, die, Ursache für pseudoradikuläre Syndrome im Bereich der Muskulatur liegt und es die Bedrängung einer Nervenwurzel nur vortäuscht, liegt beim Radikulärsyndrom eine reale mechanische Störung der Wurzel eines Rückenmarknervs: vor.- Hier können ein Bandscheibenvorfall, ein Tumor oder knöcherne. Strukturen, beispielsweise durch spondyJarthrotische Anbauten,“im Wege” sein. Sie führen nicht selten zu Beeinträchtigungen der Empfindungen und/oder der Muskelfunktionen mit Ausstrahlung etwa in bestimmte Bereiche der Extremitäten. Sicheres Zeichen ihres Vorhandenseins sind Ausfallerscheinungen im Bewegungsapparat. Um letzte Klarheit über das wirkliche Krankheitsbild zu schaffen, setzen die Mediziner heute die Computertomographie oder auch die Kernspintomographie ein.“Hier kann der Fachmann genau sehen, was vorliegt”, erläutert Badtke. Ist die Diagnose gestellt, beginnt die Therapie. Für den
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vom pseudoradikulären Syndrom Betroffenen heißt dies, dass eine Einflussnahme auf
seine Muskulatur erfolgt. Im anderen Fall geht es darum, den geschädigten Wurzelnerv frei zu
Beim klassischen Bandscheibenvorfall wird die Wurzel eines Rückenmarknervs mechanisch unter Druck gesetzt. Je nach Höhe der Wirbelsäulenetage, in der das Ereignis stattfindet, gibt es Missempfindungen und Lähmungserscheinungen in den von diesem Nerv versorgten Bereichen. Die Beschwerden klingen erst ab, wenn die Nervenwurzel wieder frei liegt.
legen. Arzt und Patient entscheiden zwischen Operation und konservativer Behandlung. “Die noch vor Jahren vorherrschende Operationsfreudigkeit jedoch ist nicht mehr so ausgeprägt”, schätzt der UniWissenschaftler die heutige Situation ein. Operiert würden etwa zehn Prozent der Bandscheibenvorfälle. Bei den übrigen Patienten kommen zunächst konservative Behandlungsverfahren zum Einsatz. Erforderliche operative Maßnahmen sind heutzutage für den Patienten weitaus weniger belastend: als früher.‘ Denn: zum Einsatz kommt immer mehr die moderne Mikrochirurgie. Sie vermindert technisch bedingte Begleitverletzungen und sichert bessere Dauerresultate.
Jedes Alter betroffen
Ob:operativer Eingriff oder physiotherapeutische Maßnahmen, die Kranken hoffen auf die Beseitigung oder zumindest Linderung ihrer Beschwerden. Oft liegt. noch ein langes
Arbeitsleben vor ihnen, in dem sie bestehen müssen.“Wir betreuen Patienten mit radikulären und pseudoradikulären Syndromen schon vom Ende des zweiten Lebensjahrzehnts ab”,
Foto: Repro
erzählt Badtke und weist auf die weite Verbreitung der Krankheitsbilder bei beiden Geschlechtern hin. Jene zwei Syndrome sind auch Gegenstand einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, Physiotherapeuten, Spartwissenschaftler, Studenten und interessierte Mitarbeiter. Organisiert wird sie vom UniInstitut für Sportmedizin und Prävention gemeinsam mit dem Landesverband Brandenburg der Gesellschaft für Sportmedizin e.V. und dem Brandenburgischen Verein für Gesundheitsförderung e.V. Die öffentliche Tagung findet. am 21. April 2001 ab 9.00 Uhr auf dem Campus Am Neuen Palais, Haus 12, in der Oberen Mensa statt.
P.G.
Auskünfte zur Arbeitstagung “Radikuläre& Pseudoradikuläre Syndrome” erteilt Jeanette Giesch unter. Tel.: 977-1768, Fax: 977-1296 oder per E-Mail: giesch@rz.uni-potsdam.de
Rückenschmerzen lindern
Rückenerkrankungen und damit verbundene Arbeitsausfälle nehmen Aständig(zu. Deshalb rückt Prävention verstärkt ins Blickfeld. Seit 1997 gibt es auf diesem Gebiet ein Projekt, an dem das Institut für Sportmedizin und Prävention der Uni Potsdam und die AOK Brandenburg gemeinsam arbeiten. Entwickelt und praktisch” umgesetzt wurden spezielle Konzepte einer Sportmedizinischen Trainingstherapie. Jetzt wird die Kooperation im Rahmen eines auf vier Jahre angelegten Projektes fortgeführt. Ziel ist die Erarbeitung eines Gesamtprogramms zu Prävention, Vorbeugung und Therapie von Rückenerkrankungen. Zum Einsatz kommen dabei an der Uni Potsdam entwickelte Diagnose- und Therapiegeräte wie der+Wirbelfix"und das Triflexometer. Beteiligt sind auch der Brandenburgische Verein für Gesundheitsförderung e.V. sowie die InnoTrend GmbH; eine Ausgründung aus der Uni Potsdam.
B.E.
Unterstützung gesucht
Für eine anonyme Untersuchung von Dr. Klaus Rodax aus der Universität Erfurt werden Bildungsläufe von Frauen in Ostdeutschland gesucht. Voraussetzung dabei ist, dass die Erlangung der Hochschulreife zwischen 1950 und erfolgt se sein muss, An W he