Heft 
(1.1.2019) 03
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PUTZ 3/01

Forschung

Das Kreuz mit dem Kreuz

Operation bleibt die Ausnahme

Es ist wie bei einem gut ge­takelten Schiff. Den Mast in der Mitte halten Leinen zu beiden Seiten. Stimmt ihr Zusammenspiel nicht, ändert sich die Lage am Mast. Das Segel arbeitet anders als geplant. Jene Rolle des Mastes übernimmt im menschlichen Körper die Wirbelsäule. Gibt es bei ihr oder um sie herum Probleme, merkt der Mensch

oft sehr schmerzhaft, dass etwas nicht stimmt. Mit so genannten radikulären

und pseudoradikulären Syndro­men, deren Ursachen, Behand­lungs- und Präventionsmög­lichkeiten beschäftigen sich auch die Mitarbeiter um Prof. Dr. Gernot Badtke aus dem Institut für Sportmedizin und Präven­tion der Uni Potsdam. Gemein­sam ist beiden Erscheinungen zwar die Einschränkung der Bewegungsmöglichkeit bei den Betroffenen durch die oft vorhandenen Schmerzen, doch sie gehen auf unterschiedliche Tatsachen zurück.

Ursachen verschieden

Während, die, Ursache für pseudoradikuläre Syndrome im Bereich der Muskulatur liegt und es die Bedrängung einer Nervenwurzel nur vortäuscht, liegt beim Radikulärsyndrom eine reale mechanische Störung der Wurzel eines Rückenmark­nervs: vor.- Hier können ein Bandscheibenvorfall, ein Tumor oder knöcherne. Strukturen, beispielsweise durch spondy­Jarthrotische Anbauten,im Wege sein. Sie führen nicht sel­ten zu Beeinträchtigungen der Empfindungen und/oder der Muskelfunktionen mit Ausstrah­lung etwa in bestimmte Bereiche der Extremitäten. Sicheres Zei­chen ihres Vorhandenseins sind Ausfallerscheinungen im Bewe­gungsapparat. Um letzte Klar­heit über das wirkliche Krank­heitsbild zu schaffen, setzen die Mediziner heute die Computer­tomographie oder auch die Kernspintomographie ein.Hier kann der Fachmann genau sehen, was vorliegt, erläutert Badtke. Ist die Diagnose gestellt, beginnt die Therapie. Für den

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vom pseudoradikulären Syn­drom Betroffenen heißt dies, dass eine Einflussnahme auf

seine Muskulatur erfolgt. Im anderen Fall geht es darum, den geschädigten Wurzelnerv frei zu

Beim klassischen Bandscheibenvorfall wird die Wurzel eines Rückenmarknervs mechanisch unter Druck gesetzt. Je nach Höhe der Wirbelsäulenetage, in der das Ereignis stattfindet, gibt es Missempfindungen und Lähmungserscheinungen in den von diesem Nerv versorgten Bereichen. Die Beschwerden klingen erst ab, wenn die Nervenwurzel wieder frei liegt.

legen. Arzt und Patient ent­scheiden zwischen Operation und konservativer Behandlung. Die noch vor Jahren vorherr­schende Operationsfreudigkeit jedoch ist nicht mehr so aus­geprägt, schätzt der Uni­Wissenschaftler die heutige Situation ein. Operiert würden etwa zehn Prozent der Band­scheibenvorfälle. Bei den übri­gen Patienten kommen zunächst konservative Behandlungsver­fahren zum Einsatz. Erforderliche operative Maß­nahmen sind heutzutage für den Patienten weitaus weniger belas­tend: als früher. Denn: zum Einsatz kommt immer mehr die moderne Mikrochirurgie. Sie vermindert technisch bedingte Begleitverletzungen und sichert bessere Dauerresultate.

Jedes Alter betroffen

Ob:operativer Eingriff oder physiotherapeutische Maßnah­men, die Kranken hoffen auf die Beseitigung oder zumindest Linderung ihrer Beschwerden. Oft liegt. noch ein langes

Arbeitsleben vor ihnen, in dem sie bestehen müssen.Wir betreuen Patienten mit radiku­lären und pseudoradikulären Syndromen schon vom Ende des zweiten Lebensjahrzehnts ab,

Foto: Repro

erzählt Badtke und weist auf die weite Verbreitung der Krank­heitsbilder bei beiden Ge­schlechtern hin. Jene zwei Syndrome sind auch Gegenstand einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung für Ärzte, Physiotherapeuten, Spartwissenschaftler, Studenten und interessierte Mitarbeiter. Organisiert wird sie vom Uni­Institut für Sportmedizin und Prävention gemeinsam mit dem Landesverband Brandenburg der Gesellschaft für Sportmedi­zin e.V. und dem Brandenbur­gischen Verein für Gesundheits­förderung e.V. Die öffentliche Tagung findet. am 21. April 2001 ab 9.00 Uhr auf dem Campus Am Neuen Palais, Haus 12, in der Oberen Mensa statt.

P.G.

Auskünfte zur Arbeitstagung Radikuläre& Pseudo­radikuläre Syndrome erteilt Jeanette Giesch unter. Tel.: 977-1768, Fax: 977-1296 oder per E-Mail: giesch@rz.uni-potsdam.de

Rückenschmerzen lindern

Rückenerkrankungen und damit verbundene Arbeitsaus­fälle nehmen Aständig(zu. Deshalb rückt Prävention ver­stärkt ins Blickfeld. Seit 1997 gibt es auf diesem Gebiet ein Projekt, an dem das Institut für Sportmedizin und Prävention der Uni Potsdam und die AOK Brandenburg gemeinsam arbeiten. Entwickelt und prak­tisch umgesetzt wurden spezielle Konzepte einer Sport­medizinischen Trainingsthera­pie. Jetzt wird die Kooperation im Rahmen eines auf vier Jahre angelegten Projektes fortge­führt. Ziel ist die Erarbeitung eines Gesamtprogramms zu Prävention, Vorbeugung und Therapie von Rückener­krankungen. Zum Einsatz kommen dabei an der Uni Potsdam entwickelte Dia­gnose- und Therapiegeräte wie der+Wirbelfix"und das Triflexometer. Beteiligt sind auch der Brandenburgische Verein für Gesundheits­förderung e.V. sowie die InnoTrend GmbH; eine Ausgründung aus der Uni Potsdam.

B.E.

Unterstützung gesucht

Für eine anonyme Unter­suchung von Dr. Klaus Rodax aus der Universität Erfurt wer­den Bildungsläufe von Frauen in Ostdeutschland gesucht. Voraussetzung dabei ist, dass die Erlangung der Hochschul­reife zwischen 1950 und erfolgt se sein muss, An W he