Heft 
(1.1.2019) 03
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Forschung

PUTZ 3/01

Unterwegs zum Weltbewusstsein

Alexander von Humboldts Antwort auf Globalisierung

Längst ist der Begriff der Globalisierung zum Schlag­wort und zum Etikett einer Selbstvergewisserung unserer Zeit geworden. Von Seiten der Philosophie, der Kulturtheo­rie und der Theologie haben in jüngster Zeit mehrere Beiträge dem Selbstverständ­nis am Ausgang der Moderne wichtige Impulse vermittelt.

Spricht man heute von diesem Phänomen, so vergisst man leicht, dass die Neuzeit von mehreren Phasen beschleunigter Globalisierung geprägt wurde. Nach der sogenannten Ent­deckung derNeuen Welt und der nachfolgenden kolonialen Expansion der berischen Mächte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dürfen vor allem die zweite Hälfte des 18., das letzte Drittel des 19. und schließlich das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts als Phasen begriffen werden, in denen sich die Globalisierungsprozesse aus­gehend von Europa und(seit 1889) den USA beschleunigten.

Kein Ruf nach Weltethos

Was, so ließe sich fragen, hat dies alles mit einem Mann zu tun, den die Stadt Potsdam noch vor Berlin zu ihrem Ehrenbürger machte, der mehr als zwei Jahrzehnte lang in Sanssouci, Charlottenhof und besonders gerne im Zwischengeschoss des Potsdamer Stadtschlosses lebte und arbeitete. Eine ganze Menge. Denn Alexander von Humboldt versuchte, erfolg­reich und öffentlichkeitswirksam Antworten auf jene zweite Globalisierungswelle zu geben, die mit den Entdeckungsfahrten von Bougainville, James Cook und La Perouse, aber auch mit seiner eigenen Forschungsreise in die amerikanischen Tropen (1799-1804) eine neue Qualität erhalten hatte.

Seine Antwort hierauf war nicht der Ruf nach Weltethos, sondern die Entwicklung eines neuen Wissenschaftsverständnisses und der Entwurf eines den verän­derten Verhältnissen angepass­ten menschlichen Selbstver­ständnisses, das er als Weltbewusstsein bezeichnete. Das Projekt der Moderne im

Sinne von Jürgen Habermas ist unvollendbar. Unvollendet aber

blieb auch Alexander von Humboldts Projekt der Moderne. Die sogenannte Humboldtian Science ver­

schwand. Die Berliner Univer­sität ist nach beiden Brüdern benannt, geprägt aber wurde sie (bislang) von Wilhelm, der in der Havelstadt geboren wurde und wie sein Bruder. ein Semester ander I Viadrina studierte. Alexander, weltoffen wie stets, schrieb damals,mit

Alexander von Humboldt lebte von 1769 bis 1859. In seinem Hauptwerk Kosmos, Entwurf einer physischen Weltbeschreibung fasste er das ge­samte naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit zusammen.

Foto: zg.

einem wenig Philosophie werde manbald gewahr, dass der Mensch für jeden Erdstrich, und also auch für die frostigen Üfer der Oder, geboren sei.

Demokratisierung und Interkulturalität

Die Einsicht, dass das Eigene Ohne eine Einbeziehung des Anderen nicht zu denken ist, bildete zusammen mit der ethi­schen Fundierung seines Welt­bewusstseins die Grundlage für eine Wissenschaft, deren Wis­sensvermittlung er demokra­tisieren und deren Ausrichtung er interkulturell orientieren wollte. Alexander von Hum­boldts Ansatz war nicht inter­disziplinär, sondern transdiszi­plinär: spezialisiert auf ver­schiedene Spezialisierungen jen­

seits disziplinärer Grenzen, aus­gerichtet an einem Gesamtzu­sammenhang, den er in seinem zum größten Teil in Potsdam

verfasstenKosmos als ein Gewebe, ein Netzwerk beschrieb.

Neue Zeitschrift

Humboldts Denken ist aktueller denn je. Angesichts dieser für unsere Zeit so wichtigen Anstöße verwundert es nicht, dass in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Aka­demie der Wissenschaften an der Universität Potsdam eine trans­disziplinäre und dreisprachige elektronische Zeitschrift ge­gründet wurde. Ihr Name? Natürlich HiN- Alexander von Humboldt im Netz. Zu finden ist sie im Internet| unter der Adresse: http://www.uni-pots­dam.de/u/romanistik/hum­boldt/hin.htm.

Prof. Dr. Ottmar Ette/ Institut für Romanistik

Unterwegs zum Weltbewusstsein: Alexander von Humboldt lautete auch das Thema eines Vortrages während einer kürzlich ver­anstalteten Tagung an der Hochschule. Es handelte sich dabei um den 3. lag der Amerikas, dessen inhaltlicher Schwerpunkt Globalisierung/ Kulturen der Differenz darstellte. Organisiert hatten die wis­senschaftliche Tagung die

Institute für Anglistik und Amerikanistik Romanistik.

sowie für

Verlängert Die Deutsche Forschungs­gemeinschaft(DFG) unter­

stützt das Forschungsprojekt Schüler LehrerjundSSchulall­tag der Schulen in den Franckeschen Stiftungen. Vom Beginn bis Todelides zweiten Direktors von Prof. Dr. Juliane Jacobi(Universität Potsdam Prof Dr Peter Menck(Universität-Gesamt­hochschule Siegen) und Dr. Thomas Müller-Bahlke(Archiv der Franckeschen Stiftungen Halle) mit einer Sachbeihilfe. Drei Mitarbeiter werden in diesem Projekt die umfangrei­chen Bestände des Schularchivs der Franckeschen Stiftungen in Halle erschließen und aus­werten. Das Projekt wurde für weitere zwei Jahre bewilligt und ist an die Universität Potsdam gebunden. Zuvor lief esibereits seit{1999:

zum

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Neu bewilligt

Die Deutsche Forschungs­gemeinschaft hat Prof. Dr. Ullrich Scherf aus dem Institut für Physikalische Chemie und Theoretische Chemie Wider Universität Potsdam eine Sachbeihilfe für das Forschungs­projektChirale Macrocyclen als chiral dopands für lichtemit­tierende LC- Polymere bewil­ligt. Die Bewilligung erfolgte für zwei Jahre!

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Außenstelle in Golm

Das Fraunhofer-Institut für Bio­medizinische Technik(IBMT) in St. Ingbert, Saarland, will eine Außenstelle in Golm aufbauen. Mit einer Anschubfinanzierung von 24 Millionen DM wird aus einer Projektgruppe, die bereits 1999 in Golm gegründet wurde, nun ein eigenständiger Instituts­teil entwickelt. Die Außenstelle soll 2005 fertig sein und etwa 60 Mitarbeiter beschäftigen. Da in Berlin-Brandenburg be­reits jetzt eine der dynamisch­sten Biotechnologie-Regionen in Deutschland existiert, wird sich die neue Einrichtung, wie Fachleute urteilen, schr gut in die bestehende Wissenschafts­landschaft einfügen.

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