Forschung
PUTZ 3/01
Unterwegs zum Weltbewusstsein
Alexander von Humboldts Antwort auf Globalisierung
Längst ist der Begriff der Globalisierung zum Schlagwort und zum Etikett einer Selbstvergewisserung unserer Zeit geworden. Von Seiten der Philosophie, der Kulturtheorie und der Theologie haben in jüngster Zeit mehrere Beiträge dem Selbstverständnis am Ausgang der Moderne wichtige Impulse vermittelt.
Spricht man heute von diesem Phänomen, so vergisst man leicht, dass die Neuzeit von mehreren Phasen beschleunigter Globalisierung geprägt wurde. Nach der sogenannten Entdeckung der”Neuen Welt” und der nachfolgenden kolonialen Expansion der berischen Mächte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dürfen vor allem die zweite Hälfte des 18., das letzte Drittel des 19. und schließlich das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts als Phasen begriffen werden, in denen sich die Globalisierungsprozesse ausgehend von Europa und(seit 1889) den USA beschleunigten.
Kein Ruf nach Weltethos
Was, so ließe sich fragen, hat dies alles mit einem Mann zu tun, den die Stadt Potsdam noch vor Berlin zu ihrem Ehrenbürger machte, der mehr als zwei Jahrzehnte lang in Sanssouci, Charlottenhof und besonders gerne im Zwischengeschoss des Potsdamer Stadtschlosses lebte und arbeitete. Eine ganze Menge. Denn Alexander von Humboldt versuchte, erfolgreich und öffentlichkeitswirksam Antworten auf jene zweite Globalisierungswelle zu geben, die mit den Entdeckungsfahrten von Bougainville, James Cook und La Perouse, aber auch mit seiner eigenen Forschungsreise in die amerikanischen Tropen (1799-1804) eine neue Qualität erhalten hatte.
Seine Antwort hierauf war nicht der Ruf nach Weltethos, sondern die Entwicklung eines neuen Wissenschaftsverständnisses und der Entwurf eines den veränderten Verhältnissen angepassten menschlichen Selbstverständnisses, das er als Weltbewusstsein bezeichnete. Das‘ Projekt der Moderne im
Sinne von Jürgen Habermas ist unvollendbar. Unvollendet aber
blieb auch Alexander von Humboldts Projekt der Moderne. Die sogenannte Humboldtian Science ver
schwand. Die Berliner Universität ist nach beiden Brüdern benannt, geprägt aber wurde sie (bislang) von Wilhelm, der in der Havelstadt geboren wurde und wie sein Bruder. ein Semester ander I Viadrina studierte. Alexander, weltoffen wie stets, schrieb damals,„mit
Alexander von Humboldt lebte von 1769 bis 1859. In seinem Hauptwerk “Kosmos, Entwurf einer physischen Weltbeschreibung” fasste er das gesamte naturwissenschaftliche Wissen seiner Zeit zusammen.
Foto: zg.
einem wenig Philosophie“ werde man„bald gewahr, dass der Mensch für jeden Erdstrich, und also auch für die frostigen Üfer der Oder, geboren“ sei.
Demokratisierung und Interkulturalität
Die Einsicht, dass das Eigene Ohne eine Einbeziehung des Anderen‘ nicht zu denken ist, bildete zusammen mit der ethischen Fundierung seines Weltbewusstseins die Grundlage für eine Wissenschaft, deren Wissensvermittlung er demokratisieren und deren Ausrichtung er interkulturell‘ orientieren wollte. Alexander von Humboldts Ansatz war nicht interdisziplinär, sondern transdisziplinär: spezialisiert auf verschiedene Spezialisierungen jen
seits disziplinärer Grenzen, ausgerichtet an einem Gesamtzusammenhang, den er in seinem zum größten Teil in Potsdam
verfassten“Kosmos” als ein Gewebe, ein Netzwerk beschrieb.
Neue Zeitschrift
Humboldts Denken ist aktueller denn je. Angesichts dieser für unsere Zeit so wichtigen Anstöße verwundert es nicht, dass in Zusammenarbeit mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an der Universität Potsdam eine transdisziplinäre und dreisprachige elektronische Zeitschrift gegründet wurde. Ihr Name? Natürlich HiN- Alexander von Humboldt im Netz. Zu finden ist sie im Internet| unter der Adresse: http://www.uni-potsdam.de/u/romanistik/humboldt/hin.htm.
Prof. Dr. Ottmar Ette/ Institut für Romanistik
“Unterwegs zum Weltbewusstsein: Alexander von Humboldt” lautete auch das Thema eines Vortrages während einer kürzlich veranstalteten Tagung an der Hochschule. Es handelte sich dabei um den 3. lag der Amerikas, dessen inhaltlicher Schwerpunkt “Globalisierung/ Kulturen der Differenz” darstellte. Organisiert hatten die wissenschaftliche Tagung die
Institute für Anglistik und Amerikanistik Romanistik.
sowie für
Verlängert Die Deutsche Forschungsgemeinschaft(DFG) unter
stützt das Forschungsprojekt “Schüler LehrerjundSSchulalltag der Schulen in den Franckeschen Stiftungen. Vom Beginn bis Todelides zweiten Direktors” von Prof. Dr. Juliane Jacobi(Universität Potsdam Prof Dr Peter Menck(Universität-Gesamthochschule Siegen) und Dr. Thomas Müller-Bahlke(Archiv der Franckeschen Stiftungen Halle) mit einer Sachbeihilfe. Drei Mitarbeiter werden in diesem Projekt die umfangreichen Bestände des Schularchivs der Franckeschen Stiftungen in Halle erschließen und auswerten. Das Projekt wurde für weitere zwei Jahre bewilligt und ist an die Universität Potsdam gebunden. Zuvor lief esibereits seit{1999:
zum
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Neu bewilligt
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat Prof. Dr. Ullrich Scherf aus dem Institut für Physikalische Chemie und Theoretische Chemie Wider Universität Potsdam eine Sachbeihilfe für das Forschungsprojekt“Chirale Macrocyclen als chiral dopands für lichtemittierende LC- Polymere” bewilligt. Die Bewilligung erfolgte für zwei Jahre!
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Außenstelle in Golm
Das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik(IBMT) in St. Ingbert, Saarland, will eine Außenstelle in Golm aufbauen. Mit einer Anschubfinanzierung von 24 Millionen DM wird aus einer Projektgruppe, die bereits 1999 in Golm gegründet wurde, nun ein eigenständiger Institutsteil entwickelt. Die Außenstelle soll 2005 fertig sein und etwa 60 Mitarbeiter beschäftigen. Da in Berlin-Brandenburg bereits jetzt eine der dynamischsten Biotechnologie-Regionen in Deutschland existiert, wird sich die neue Einrichtung, wie Fachleute urteilen, schr gut in die bestehende Wissenschaftslandschaft einfügen.
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