Heft 
(1.1.2019) 03
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Absolventen

PUTZ 3/01

Umweltmanagement im Kosovo

Gespräch mit einemEhemaligen

Frank Eibisch ist bei der UNO Zivilverwaltung im Kosovo (UNMIK) als Regional Environmental Officer für die südliche UN Verwaltungs­region Prizren verantwortlich. Der Diplom-Geograph machte 1998 seinen Abschluss am Institut für Geoökologie der Universität Potsdam in den Fachrichtungen Physische Geographie und Stadtpla­nung. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst für zwei Jahre in einem. großen Berliner Ingenieurbüro für Umweltplanung, bevor er sich entschloss, eine Arbeitsstelle bei der UNO anzunehmen. Mit Frank Eibisch unterhielt sich Karl Geldmacher vom Institut für Geoökologie.

Wie,: kommt. man als Potsdamer Diplom-Geograph dazu, gerade bei der UN im Kosovo zu arbeiten?

Eibisch: In einem deutschen Planungsbüro ist man oft sehr eng in bestehende Regulierun­gen und Vertragsverhältnisse eingebunden. Dadurch wurde beim Planfeststellungsverfahren für den Transrapid ein wesent­licher, Teil. meiner täglichen Arbeit als Projektleiter be­stimmt. Das war zwar eine wichtige Erfahrung, aber auf Dauer weder sehr kreativ noch besonders interessant. Auch halte ich neben Studienaufent­halten die Arbeitserfahrung im Ausland für essentiell. Deshalb hatte ich mich, bei der UNO beworben. Die Arbeit im Kosovo ist für mich sehr heraus­fordernd. Ich muss hier mein Aufgabengebiet abstecken, Inhalte definieren, Prioritäten setzen und daraus Strategien entwickeln. Gleichzeitig bin ich für deren praktische Umsetzung verantwortlich. Ich kann hier mein. gesamtes an der Uni erworbenes Fachwissen in gesellschaftliche Prozesse ein­bringen, bin also im eigentlichen Sinne auch politisch tätig.

Welchen persönlichen Hinter­grund haben Sie, um als Naturwissenschaftler in einem so sensiblen politischen Span­

nungsfeld wie dem Kosovo zurechtzukommen?

Eibisch: Vor allem hilft mir dabei, dass ich bereits während des Studiums in verschiedenen kulturellen Zusammenhängen

Wie kann man sich Ihr Aufgabengebiet bei der UN Zivilverwaltung vorstellen?

Eibisch: Die gleiche Frage habe ich beim Einstellungsgespräch in New York selbst auch gestellt.

Frank Eibisch(rechts) im Gespräch mit einem KFOR-Soldaten. Im Kosovo küm­mert sich der Absolvent der Universität Potsdam um Umweltbelange aller Art. Foto: KFOR

und in interdisziplinären Grup­pen gearbeitet habe. Für ganz besonders wichtig halte ich dabei meine Erfahrungen aus mehreren Studienaufenthalten in Tansania. Dort habe ich ein halbes Jahr in einem National­park gearbeitet und mich um den Ausgleich zwischen ver­schiedenen Interessengruppen bemüht. Zwei Jahre später habe ich beim UNO-Kommissariat für Flüchtlingshilfe Vorschläge zur Integration von Umwelt­belangen bei der Einrichtung großer Flüchtlingslager erarbei­tet. Diese waren in Tansania über Nacht als Resultat des Völkermordes in Ruanda aus dem Boden gewachsen.

Fachlich helfen mir hier auch meine ergänzenden Studien in Liverpool und am Fachbereich Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, ‚weil... neben fundierten naturwissenschaft­lichen Kenntnissen auch die Arbeit in Planungsteams wichtig ist.

Antwort: Alles, wovon Sie im Studium mal was gehört haben und noch viel, viel mehr. Damit haben Sie meine Tätigkeit ziem­lich exakt beschrieben. Inner­halb einer der fünf. Verwal­tungsregionen des Kosovo bin ich für sämtliche Umwelt­belange zuständig. Das bedeutet konkret, in Bereichen wie der geregelten Entsorgung kommu­naler und industrieller Abfälle, der Analyse von Umwelteingrif­

fen, der Erarbeitung von Flächennutzungsplänen, dem Wiederaufbau der National­

parkverwaltung und der KErar­beitung von Programmen zur Umwelterziehung verantwort­lich tätig zu sein. Dabei werden ständig Antworten erwartet, die man sichselbst erst noch erar­beiten muss. Um fatale Fehler zu vermeiden, ist es sehr wichtig, alle Interessengruppen einzu­binden und eher moderierend als. dirigierend zu wirken. Gerade vor dem Hintergrund der ethnischen Spannungen

erfordert das ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl.

Wie stellen sich denn für Sie die aktuelle Situation und die Chancen für eine friedliche Entwicklung des Kosovo dar? Eibisch: Nach den Kommu­nalwahlen im Kosovo, bei denen ich als Wahlbüroleiter eingesetzt war, bestätigt sich für michSderä Trend Sdassfsichädie Kosovaren nach einem ruhigen, familiären Leben in geregelten Verhältnissen sehnen. Die para­militärischen Kräfte fanden nur geringe Unterstützung im Volk. Das ist der erste Schritt zur Aussöhnung zwischen Serben

und Albanern. Allerdings müssen von beiden Seiten noch viele viele weitere Schritte

aufeinander zu gemacht wer­den.

Die UNO-Mission im Kosovo wird nicht ewig dauern. Wie gehts persönlich weiter?

Eibisch: Die UN-Mission endet vorerst am 30. Juni 2001, wird aber Misicherlich durch Wdie Vollversammlung verlängert. Inwiefern ich meine Arbeit ebenfalls verlängern will und kann, weiß ich noch nicht. Ich bin, was meine. berufliche Zukunft angeht, nicht festgelegt und habe auch nicht vor, mich beruflich einzuengen. Ich könn­te mir sowohl eine eher fach­politische Arbeit in Potsdam oder Berlin als auch eine wis­senschaftliche Tätigkeit in der Antarktis oder Afrika vorstellen.

Vielen Dank für das Gespräch

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