Absolventen
PUTZ 3/01
Umweltmanagement im Kosovo
Gespräch mit einem„Ehemaligen“
Frank Eibisch ist bei der UNO Zivilverwaltung im Kosovo (UNMIK) als Regional Environmental Officer für die südliche UN Verwaltungsregion Prizren verantwortlich. Der Diplom-Geograph machte 1998 seinen Abschluss am Institut für Geoökologie der Universität Potsdam in den Fachrichtungen Physische Geographie und Stadtplanung. Nach seinem Studium arbeitete er zunächst für zwei Jahre in einem. großen Berliner Ingenieurbüro für Umweltplanung, bevor er sich entschloss, eine Arbeitsstelle bei der UNO anzunehmen. Mit Frank Eibisch unterhielt sich Karl Geldmacher vom Institut für Geoökologie.
Wie,: kommt. man als Potsdamer Diplom-Geograph dazu, gerade bei der UN im Kosovo zu arbeiten?
Eibisch: In einem deutschen Planungsbüro ist man oft sehr eng in bestehende Regulierungen und Vertragsverhältnisse eingebunden. Dadurch wurde beim Planfeststellungsverfahren für den Transrapid ein wesentlicher, Teil. meiner täglichen Arbeit als Projektleiter bestimmt. Das war zwar eine wichtige Erfahrung, aber auf Dauer weder sehr kreativ noch besonders interessant. Auch halte ich neben Studienaufenthalten die Arbeitserfahrung im Ausland für essentiell. Deshalb hatte ich mich, bei der UNO beworben. Die Arbeit im Kosovo ist für mich sehr herausfordernd. Ich muss hier mein Aufgabengebiet abstecken, Inhalte definieren, Prioritäten setzen und daraus Strategien entwickeln. Gleichzeitig bin ich für deren praktische Umsetzung verantwortlich. Ich kann hier mein. gesamtes an der Uni erworbenes Fachwissen in gesellschaftliche Prozesse einbringen, bin also im eigentlichen Sinne auch politisch tätig.
Welchen persönlichen Hintergrund haben Sie, um als Naturwissenschaftler in einem so sensiblen politischen Span
nungsfeld wie dem Kosovo zurechtzukommen?
Eibisch: Vor allem hilft mir dabei, dass ich bereits während des Studiums in verschiedenen kulturellen Zusammenhängen
Wie kann man sich Ihr Aufgabengebiet bei der UN Zivilverwaltung vorstellen?
Eibisch: Die gleiche Frage habe ich beim Einstellungsgespräch in New York selbst auch gestellt.
Frank Eibisch(rechts) im Gespräch mit einem KFOR-Soldaten. Im Kosovo kümmert sich der Absolvent der Universität Potsdam um Umweltbelange aller Art. Foto: KFOR
und in interdisziplinären Gruppen gearbeitet habe. Für ganz besonders wichtig halte ich dabei meine Erfahrungen aus mehreren Studienaufenthalten in Tansania. Dort habe ich ein halbes Jahr in einem Nationalpark gearbeitet und mich um den Ausgleich zwischen verschiedenen Interessengruppen bemüht. Zwei Jahre später habe ich beim UNO-Kommissariat für Flüchtlingshilfe Vorschläge zur Integration von Umweltbelangen bei der Einrichtung großer Flüchtlingslager erarbeitet. Diese waren in Tansania über Nacht als Resultat des Völkermordes in Ruanda aus dem Boden gewachsen.
Fachlich helfen mir hier auch meine ergänzenden Studien in Liverpool und am Fachbereich Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, ‚weil... neben fundierten naturwissenschaftlichen Kenntnissen auch die Arbeit in Planungsteams wichtig ist.
Antwort: Alles, wovon Sie im Studium mal was gehört haben und noch viel, viel mehr. Damit haben Sie meine Tätigkeit ziemlich exakt beschrieben. Innerhalb einer der fünf. Verwaltungsregionen des Kosovo bin ich für sämtliche Umweltbelange zuständig. Das bedeutet konkret, in Bereichen wie der geregelten Entsorgung kommunaler und industrieller Abfälle, der Analyse von Umwelteingrif
fen, der Erarbeitung von Flächennutzungsplänen, dem Wiederaufbau der National
parkverwaltung und der KErarbeitung von Programmen zur Umwelterziehung verantwortlich tätig zu sein. Dabei werden ständig Antworten erwartet, die man sich‘selbst erst noch erarbeiten muss. Um fatale Fehler zu vermeiden, ist es sehr wichtig, alle Interessengruppen einzubinden und eher moderierend als. dirigierend zu wirken. Gerade vor dem Hintergrund der ethnischen Spannungen
erfordert das ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl.
Wie stellen sich denn für Sie die aktuelle Situation und die Chancen für eine friedliche Entwicklung des Kosovo dar? Eibisch: Nach den Kommunalwahlen im Kosovo, bei denen ich als Wahlbüroleiter eingesetzt war, bestätigt sich für michSderä Trend Sdassfsichädie Kosovaren nach einem ruhigen, familiären Leben in geregelten Verhältnissen sehnen. Die paramilitärischen Kräfte fanden nur geringe Unterstützung im Volk. Das ist der erste Schritt zur Aussöhnung zwischen Serben
und Albanern. Allerdings müssen von beiden Seiten noch viele viele weitere Schritte
aufeinander zu gemacht werden.
Die UNO-Mission im Kosovo wird nicht ewig dauern. Wie geht‘s persönlich weiter?
Eibisch: Die UN-Mission endet vorerst am 30. Juni 2001, wird aber Misicherlich durch Wdie Vollversammlung verlängert. Inwiefern ich meine Arbeit ebenfalls verlängern will und kann, weiß ich noch nicht. Ich bin, was meine. berufliche Zukunft angeht, nicht festgelegt und habe auch nicht vor, mich beruflich einzuengen. Ich könnte mir sowohl eine eher fachpolitische Arbeit in Potsdam oder Berlin als auch eine wissenschaftliche Tätigkeit in der Antarktis oder Afrika vorstellen.
Vielen Dank für das Gespräch
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