Heft 
(1.1.2019) 04
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UNI aktuell

PUTZ 4/01

Das Prinzip Leistung

Uni-Wissenschaftler über neues Dienstrecht

Das deutsche Universitätssys­tem soll gründlich reformiert werden. Angesichts des bevor­stehenden Generationswech­sels bei den Professoren will die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn schon in

nächster Zeit ein neues Dienstrecht etablieren. Dessen Schwerpunkte sollen die

Nachwuchsförderung, unter anderem bei nicht mehr oblig­atorischer Habilitation, und eine Besoldung mit finan­ziellen Leistungsanreizen sein. Thomas Pösl von der Presse­stelle befragte Wissenschaftler der Uni Potsdam zu den möglichen Veränderungen.

Foto: Zzgl.

Dr. Axel Schalk, Habilitation am Institut für Germanistik

Prinzipiell ist es nie falsch, wenn lange geltende Strukturen hinterfragt und verändert wer­den. Selbstredend ist es aber auch ambivalent. Bei den ge­planten strukturellen Verän­derungen besteht die Gefahr, dass die Arbeit an den Univer­sitäten zunehmend unter rein ökonomischen Aspekten betrach­tet wird. Die Frage bleibt jedoch, inwiefern die Qualität von Wissenschaft, Lehre und Forschung dadurch wirklich verbessert wird, wenn Wis­senschaftliche Verfahren abge­kürzt werden, nicht zuletzt mit Blick gerade auf die pädagogi­sche Eignung. Bildung und Ausbildung brauchen eben Zeit. Die massive Beschleunigung in der Maske der Reform, die nun also auch die Universitäten erre­

icht, wird... ihre zentrale gesellschaftliche Funktion als impulssetzende Ideengeberin

möglicherweise langfristig cher schwächen als stärken.

Dr. Lutz

Partenheimer, Historisches Institut

«Doktor Lehrer) bedeutet, sagen weder Pro­motion noch Habilitation darüber etwas aus. Es gibt aus­gezeichnete Wissenschaftler, deren Lehrveranstaltungen Stu­dierende abschrecken. Ihre Forschungskompetenz ist noch keine hinreichende Vorausset­zung. für eine gute Lehre. Natürlich muss die Forschung bei jemandem, der auch nach der Dissertation weiter Wissen­schaftler sein will, fortgesetzt werden. Ob die Ergebnisse in Form von Aufsätzen, Büchern oder als Habilitation veröf­fentlicht werden, erscheint mir dabei zweitrangig. Hauptsache, Exaktheit und intellektueller Tiefgang rangieren vor Massen­ware. Es soll am Rande des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation Völker­stämme geben, deren Wissen­schaftsbetrieb noch nie eine Habilitation kannte, und die doch zur Zeit mehr Nobelpreise sammeln als wir. Allerdings geben deren Häuptlinge auch wesentlich mehr für Wissen­schaft aus als unsere.

Obwohl

Foto: Fritze

Prof. Dr. Volkmar Dietrich, Studienkolleg Die hundert Jahre alten Zöpfe

deutscher Professorenschaft

abzuschneiden, das geht nur mit regelmäßiger Evaluation, durch Wettbewerb und dadurch, dass man sich den Studierenden stellt. Die Auswüchse unter dem Synonym der Freiheit der For­schung und Lehre bei manchen Hochschullehrern beruhen doch vor allem auf der grenzenlosen Sicherheit des Beamtenstatus. Deshalb ist es auch richtig, dass endlich über Heine gerechte Bewertung nachge­dacht wird, da ein Großteil der jetzigen Professoren Leistung nur als Drittmitteleinwerbung versteht. Dringlichste Aufgabe müsste es doch sein, qualitativ anspruchsvolle Lehrveranstal­tungen zu gestalten. Leider ist dem nicht so. Denn das würde bei vielen bedeuten, zunächst einmal hochschuldidaktische und-methodische Qualifikatio­nen zu erwerben. Insofern ist es richtig, dass jüngere Mitarbeiter als Juniorprofessoren tätig wer­

leistungs­

den, weil gerade hier der Lehrkompetenz neben der Forschungskompetenz große

Bedeutung zukommt.

Prof. Dr. Giesbert Fanselow, Institut für Linguistik/All­gemeine Sprachwissenschaft

Die Dienstrechtsreform ist mehr als überfällig. Wichtig scheint mir, Nachwuchswissen­schaftlern frühzeitig die Chance auf dauerhafte Anstellung zu geben, damit wenigstens formal internationale Konkurrenz­fähigkeit erreicht und die Universitätslaufbahn in Fächern mit breitem ausseruniversitären Arbeitsmarkt eine realistische Alternative wird. Alle formalen Stolpersteine besonders die mit stark ritualen Aspekten wie die der Habilitation- gehören endlich ausgeräumt. Selbstver­ständlich muss die frühe Chance einer Daueranstellung die Eta­blierung eines Systems der Leistungskontrolle und-bewer­tung nach sich ziehen, auch für

die zur Zeit schon Professoren. Ich würde mir eine Flexibilisierung der Dienst­obliegenheiten wünschen, so dass jeder sein ganz spezifisches Leistungsprofil optimal für Lehre und Forschung einbrin­gen kann. Von einer Professio­nalisierung akademischer Selbst­verwaltung würde ich mir auch viel erwarten. Alle formalen Änderungen werden aber keine Effekte zeigen, so lange nicht die chronische Unter­finanzierung der Hochschulen ein Ende findet.

tätigen

Transfer im Mittelpunkt

IQ Brandenburg, das Netzwerk der Technologietransferstellen der brandenburgischen Hoch­schulen, lädt am 14. Juni 2001 zum ersten. Technologie­Transfer Tag Brandenburg an die Universität Potsdam ein. Thema dieser Veranstaltung ist der Wissens- und Technologie­transfer an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und dessen Bedeu­tung für die regionale Ent­wicklung im Land Branden­burg. Die begleitende Ausstellung Neue Ideen braucht das Land informiert über Trans­ferpotenziale der brandenbur­gischen Hochschulen. Höhe­punkt der Veranstaltung wird die erstmalige Verleihung des von der Technologie Stiftung Brandenburg ausgelobten und mit: 20.000 DM dotierten Technologietransferpreises sein. Die Veranstaltung findet im Uni-Komplex Am Neuen Palais, Haus 8, Auditorium maximum statt und beginnt am 14. Juni um 10.00 Uhr. PUTZ

Das Programm sowie weitere Informationen können ange­fordert werden bei: Pots­damer Innovations- und Technologie-Transfer (PITT), Brunhilde Schulz, Tel. 0331/977-1117, Fax 0331/977-1143, E-Mail: brunschu@rz.uni­potsdam.de,

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