Heft 
(1.1.2019) 04
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PUTZ 4/01

Titel

Wie funktioniert das Denken?

Der Profilbereich Kognitionswissenschaften an der Universität Potsdam

Die Kognitionswissenschaften sind ein Paradebeispiel für In­terdisziplinarität und damit zu­gleich einer der acht Profilbe­reiche der Uni. In Potsdam arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den ver­schiedensten Fachrichtungen zu­

sammen. Aus der Physik und Informatik, der Linguistik und der Allgemeinen Sprachwissen­schaften und natürlich aus der Psychologie kommen die Methoden und Fragestellungen, mit denen die Wissenschaftler herausfinden wollen, wie das Denken und die

Sprache funktionieren. Nur einige der spannenden For­schungsprojekte können hier

vorgestellt werden: Über Fragen des Spracherwerbs der Jüngsten bis zu den geistigen Leistungen der Ältesten laufen zur Zeit große Versuchsreihen. Für Patienten,

die nach einem schweren Schlag­anfall die Sprache verloren ha­ben, wird neues Testmaterial ent­wickelt. Und was die Blicke beim Lesen über die Vorgänge im Gehirn verraten, fand ein Pots­damer Physiker durch eine math­ematische Analyse heraus. ar

Mit Gedanken rechnen

Informatik und Kognitationswissenschaften arbeiten im Profilbereich eng zusammen

Maschinelles Denken lässt sich mit der Aufgabe vergleichen, ein Flugzeug zu bauen, meint Professor Torsten Schaub vom Institut für Informatik der Universität Potsdam. Natür­lich könne man sich an einem Vogel mit seinen schlagenden Flügeln orientieren, aber ein Flugzeug kommt auch ohne diese komplizierte Ausstat­tung aus. Wenn sich Schaub also mit dem maschinellen Denken beschäftigt, meint er keineswegs die menschenähn­lichen Maschinen aus Science­Fiction-Filmen, die an De­pressionen leiden und Ge­dichte schreiben, sondern eher Systeme, welche in kom­plizierten Schaltkreisen Fehler aufspüren.

Die ersteDenkmaschine ent­warf der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wil­helm Leibniz(1646- 1716)- als Vision, die ‚sich. seiner Voraussage nach in etwa 300 Jahren erfüllen würde. Diese Maschine sollte mit logischen Aussagen; rechnen wie mit Zahlen und zu gültigen Schlüs­sen kommen und so beispiels­weise einen Streit zwischen Philosophen entscheiden kön­nen. Die logischen Schlussregeln mußten dafür auf ausführbare Rechenoperationen abgebildet werden. Leibniz hatte gut geschätzt: Tatsächlich gelang der Durchbruch um 1965, und zwar. mit so genannten Resolutionsregeln, aus denen die Programmiersprache Prolog entwickelt wurde.

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Mit solchen Regeln und einer als Antwortmengenprogrammie­rung bezeichneten Methode beschäftigt sich auch die interna­tionale Arbeitsgruppe von Infor­

durchgesehen werden. Auch zur Konfigurierung bei Space­Shuttle-Flügen verwendet die NASA inzwischen diese Methoden in Simulationen.

diskutiert wurde, sagt Schaub. So arbeitet er beispielsweise in der ForschergruppeKonfli­gierende

Linguisten

mit dem Gisbert

Regeln Prof:

John Napiers Rechenhilfe aus dem Jahr 1614 führt langwierige Multiplikationen auf Additionen zurück, kann aber noch

nicht mit logischen Argumenten rechnen.

matikern, die. Torsten Schaub um sich versammelt hat. Damit werden Probleme aus den ver­schiedensten Bereichen be­herrschbar. Beispiele! sind Stundenpläne und hochkom­plexe Modellierungen, aber auch neue Verschlüsselungs­methoden, die so auf logische Fehler und auf ihre Schlüssigkeit

Die Zusammenarbeit mit den Kognitionswissenschaftlern erweist sich in der Regel für beide Seiten als anregend.Wir sind oft diejenigen,. die Gedanken auch mal auf den Punkt bringen, indem wir in einer formalen Sprache)auf­schreiben, was bis dahin auf einer mehr: intuitiven Ebene

Foto: Repro Fanselow zusammen. Man ist sich einig: Widersprüche und Unvollständigkeiten kommen in jeder natürlichen Sprache vor. Aber auch, Maschinen müssen damit umgehen kön­nen, wenn sie auf: wirkliche Probleme reagieren sollen.

ar