PUTZ 4/01
Titel
Wie funktioniert das Denken?
Der Profilbereich Kognitionswissenschaften an der Universität Potsdam
Die Kognitionswissenschaften sind ein Paradebeispiel für Interdisziplinarität und damit zugleich einer der acht Profilbereiche der Uni. In Potsdam arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den verschiedensten Fachrichtungen zu
sammen. Aus der Physik und Informatik, der Linguistik und der Allgemeinen Sprachwissenschaften und natürlich aus der Psychologie kommen die Methoden und Fragestellungen, mit denen die Wissenschaftler herausfinden wollen, wie das Denken und die
Sprache funktionieren. Nur einige der spannenden Forschungsprojekte können hier
vorgestellt werden: Über Fragen des Spracherwerbs der Jüngsten bis zu den geistigen Leistungen der Ältesten laufen zur Zeit große Versuchsreihen. Für Patienten,
die nach einem schweren Schlaganfall die Sprache verloren haben, wird neues Testmaterial entwickelt. Und was die Blicke beim Lesen über die Vorgänge im Gehirn verraten, fand ein Potsdamer Physiker durch eine mathematische Analyse heraus. ar
Mit Gedanken rechnen
Informatik und Kognitationswissenschaften arbeiten im Profilbereich eng zusammen
Maschinelles Denken lässt sich mit der Aufgabe vergleichen, ein Flugzeug zu bauen, meint Professor Torsten Schaub vom Institut für Informatik der Universität Potsdam. Natürlich könne man sich an einem Vogel mit seinen schlagenden Flügeln orientieren, aber ein Flugzeug kommt auch ohne diese komplizierte Ausstattung aus. Wenn sich Schaub also mit dem maschinellen Denken beschäftigt, meint er keineswegs die menschenähnlichen Maschinen aus ScienceFiction-Filmen, die an Depressionen leiden und Gedichte schreiben, sondern eher Systeme, welche in komplizierten Schaltkreisen Fehler aufspüren.
Die erste“Denkmaschine” entwarf der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz(1646- 1716)- als Vision, die‘ ‚sich. seiner Voraussage nach in etwa 300 Jahren erfüllen würde. Diese Maschine sollte mit logischen Aussagen; rechnen wie mit Zahlen und zu gültigen Schlüssen kommen und so beispielsweise einen Streit zwischen Philosophen entscheiden können. Die logischen Schlussregeln mußten dafür auf ausführbare Rechenoperationen abgebildet werden. Leibniz hatte gut geschätzt: Tatsächlich gelang der Durchbruch um 1965, und zwar. mit so genannten Resolutionsregeln, aus denen die Programmiersprache Prolog entwickelt wurde.
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Mit solchen Regeln und einer als Antwortmengenprogrammierung bezeichneten Methode beschäftigt sich auch die internationale Arbeitsgruppe von Infor
durchgesehen werden. Auch zur Konfigurierung bei SpaceShuttle-Flügen verwendet die NASA inzwischen diese Methoden in Simulationen.
diskutiert wurde”, sagt Schaub. So arbeitet er beispielsweise in der Forschergruppe“Konfligierende
Linguisten
mit dem Gisbert
Regeln” Prof:
John Napiers Rechenhilfe aus dem Jahr 1614 führt langwierige Multiplikationen auf Additionen zurück, kann aber noch
nicht mit logischen Argumenten rechnen.
matikern, die. Torsten Schaub um sich versammelt hat. Damit werden Probleme aus den verschiedensten Bereichen beherrschbar. Beispiele! sind Stundenpläne und hochkomplexe Modellierungen, aber auch neue Verschlüsselungsmethoden, die so auf logische Fehler und auf ihre Schlüssigkeit
Die Zusammenarbeit mit den Kognitionswissenschaftlern erweist sich in der Regel für beide Seiten als anregend.“Wir sind oft diejenigen,. die Gedanken auch mal auf den Punkt bringen, indem wir in einer formalen Sprache)aufschreiben, was bis dahin auf einer mehr: intuitiven Ebene
Foto: Repro Fanselow zusammen. Man ist sich einig: Widersprüche und Unvollständigkeiten kommen in‘ jeder natürlichen Sprache vor. Aber auch, Maschinen müssen damit umgehen können, wenn sie auf: wirkliche Probleme reagieren sollen.
ar