PUTZ 4/01
Forschung
Böden als Quellen oder Speicher
Uni-Wissenschaftler untersuchen Bindung von Kohlenstoff
“WINE Klimakonferenz gescheitert”, so oder ähnlich stand es im November vergangenen Jahres in vielen Zeitungen. Vertreter aus 160 Staaten waren in Den Haag zusammen gekommen, um konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz zu Vereinbaren. Dass das Treffen scheiterte, lag unter anderem daran, dass keine Einigung möglich war, inwieweit Wälder und landwirtschaftliche Nutzflächen als Kohlendioxid-Speicher betrachtet werden können. Neben Ozeanen und Vegetation sind es auch die Böden selbst, die als Kohlendioxidquellen oder-speicher wirken.
gebunden, nur rund 19 Prozent in der Vegetation.
Eine Schlüsselrolle spielt hier der Humus, der durch die Verrottung organischer Substanzen entsteht, aber auch selbst einer ständigen chemischen, physikalischen und mikrobiellen Umwandlung unterworfen ist. Der Humus kann Kohlenstoff binden. Bei seiner Umwandlung kann es aber auch zur Freisetzung von Kohlendioxid(CO2) kommen.
Wenn es gelingt, die dabei wirksamen Mechanismen zu verstehen, wäre eines Tages vielleicht eine aktive Gestaltung der CO2Abgabe über die Böden
möglich. Böden könnten dann gezielt genutzt werden, um dem
stoff tatsächlich als CO2 bei der Umwandlung des Humus freigesetzt wird.
Umgekehrt kann auch der CO2Gehalt der Luft einen Einfluss auf die Vorgänge im Boden haben. Auskunft über die dabei vorliegenden Zusammenhänge erhoffen sich die Wissenschaftler unter anderem von Bodenproben aus einem Dauerversuch, der in der Nähe von Halle läuft. Dort werden, im so genannten“Ewigen Roggenbau”, Felder seit 1878 ausschließlich mit Roggen bepflanzt. Die regelmäßig entnommenen Proben zeigen, wie sich der Boden bei immer gleicher Bebauung aufgrund variierender Umweltbedingungen verändert hat.
Unser Foto zeigt ein Lasersystem zur empfindlichen Analyse mehrerer Gase auf der Basis von Laserdioden in einem äußeren Quelle: Joachim Sacher Lasertechnik, Marburg
Resonator.
Mit dieser Thematik beschäftigt sich ein im vergangenen Jahr gestarteter Forschungsschwerpunkt. der Deutschen. Forschungsgemeinschaft, Wissenschaftler aus mehr als 20 Universitäten und Forschungsinstituten- darunter auch die Uni Potsdam— wollen dabei in knapp dreißig Einzelprojekten der Frage auf den Grund gehen, welche Mechanismen bei der Bindung von Kohlenstoff im Boden eine Rolle spielen.
Immerhin sind etwa 81 Prozent der Kohlenstoffvorräte, die auf dem Festland vorkommen und am aktiven Kohlenstoffkreislauf teilnehmen, in den Böden
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Treibhauseffekt wirken.
Bis dahin ist allerdings noch ein weiter. Weg. zurückzulegen. Zunächst müssen viele grundlegende Fragen geklärt werden. Zum Beispiel wie sich Bepflanzung oder Düngung auf die Einlagerung des Kohlenstoffs in die organische Bodensubstanz auswirken oder welche Rolle mechanische und physikalische Eigenschaften sowie die chemische Zusammensetzung der nicht-organischen Bodenanteile bei der Kohlenstoffbindung spielen. Von besonderer Bedeutung sind daneben Arbeiten, die untersuchen, wie viel Kohlen
entgegenzu
Die Potsdamer Chemiker um Professor Hans-Gerd Löhmannsröben und Dr. Frank Schael interessieren sich unter anderem für die Stabilität des Humus. Sie wollen der Frage nachgehen, wie sich ein erhöhter CO2-Gehalt‘ der Bodenluft darauf auswirkt. Dazu werden sie Böden unterschiedlicher chemischer und(mikro)biologischer Zusammensetzung, aber auch Böden mit unterschiedlicher Bepflanzung analysieren.
Die Experimente werden mit einem laserspektroskopischen Messsystem in einer so genannten Bodenkammer durchgeführt, in der gezielt das Verhal
ten verschiedener Böden in Luft mit unterschiedlichem CO2Gehalt untersucht werden kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, in unterschiedlichen Höhen der_Bodenproben Laserlicht mittels einer Glasfaser einzukoppeln. Analysiert wird,
wie das Licht mit der Bodenprobe reagiert. Die Wissenschaftler messen zum
Beispiel, wie hoch die Lichtabsorption ist oder ob Fluoreszenz auftritt. Aus diesen Messungen kann dann auf räumliche oder zeitliche Veränderungen des Humus geschlossen werden. Darüber hinaus ist es mit dem Laser-Spektrometer möglich, die Konzentrationen verschiedener Gase, wie Kohlendioxid, Sauerstoff, Wasserdampf oder Methan, in der Bodenluft zu messen. Dazu werden spezielle Lasersysteme mit großem Wellenlängenbereich eingesetzt, um das Gas über den Böden zu analysieren, Die Bodenluft in den Böden selbst kann mit optischen Sensoren, die an Glasfasern angebracht sind, verfolgt werden. So wollen die Wissenschaftler die Stabilität des Humus unter verschiedenen Bedingungen ermitteln— eine Eigenschaft, die direkt mit der Funktion der Böden als Quellen oder Senken für CO2 gekoppelt ist.
urs
Erfolg
OpTecBB ist eine Initiative von etwa 60 Firmen und' wissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin und Brandenburg aus dem Bereich Optische Technologie, darunter auch Siemens, Infineon, Osram, die drei Berliner Universitäten und die Universität Potsdam. Gemeinsam wollen sie. den Begriff Optische Technologie aus Berlin und Brandenburg zu einem international bekannten Markenzeichen entwickeln und die besonderen Stärken der Region betonen. Einen ersten Erfolg kann die Op Tec-Initiative schon. verbuchen: Im bundesweiten Wettbewerb um die besten Kompetenznetze Optische Technologien zählt sie zu den sieben Siegern.
ar Weitere Informationen: http: //www.optecbb.de