Heft 
(1.1.2019) 04
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PUTZ 4/01

Forschung

Klezmer, jiddische Lieder, Purimspiele

Religionswissenschaft mit neuem Forschungsprojekt

Ein in Deutschland gänzlich neues Forschungsthema zur jüdischen Musik wird an der Universität Potsdam in An­griff genommen. Dabei geht es um die Auswertung von insgesamt 230 Wachszylindern (spezielle Tonträger aus Wachs) und 60 weichen Schallplatten, die in den zwan­ziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bei For­schungen in Weißrussland von den beiden jüdisch-russischen Musikethnologen Sofia Magid und Moische Beregovski auf­gezeichnet wurden. Geld für die Realisierung des Projekts kommt von der Volkswagen­Stiftung. Sie hat rund

600.000 DM zur Verfügung gestellt.

sorgten zum Beispiel Klezmer-Kapellen. Die Bearbeitung der jüdischen Volksmusik aus dem Osteuropa des beginnenden 20. Jahrhun­derts, die zugleich in einem weit greifenden internationalen For­schungskontext steht, erfolgt in Zusammenarbeit von Karl Erich Grözinger, Professor für Reli­gionswissenschaft, und Werner Beidinger, Professor für Ele­mentare Musikpädagogik. Jene Tondokumente beinhalten 200 jiddische Volkslieder, 67 Num­mern instrumenteller Klezmer­musik und etwa 104 Einheiten aus Purimspielen. In Potsdam will man das Material, das aus St. Petersburg stammt und noch

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dort digitalisiert wurde, zu­nächst abhören, notieren und transkribieren, um die Ergeb­nisse später in eine multimediale Datenbank einzuarbeiten und schließlich in Buchformat zu veröffentlichen. Das jetzige Vor­haben ist zwar neuartig, baut jedoch auch auf vorhandene Er­fahrungen der Potsdamer auf. So erfolgte hier bereits zuvor die Bearbeitung von Purimspielen ­vor vier Jahren wurde sogar ein jiddisches Purimspiel einstu­diert. Experten sind sich darüber einig, dass die Purimspiele im 15-0 Jahrhundert Unter dem Einfluss des deut­schen Fastnachtsspiels erhielten sie ihre gültige Form als drama­tisch musikalisch biblische Stoffe. Dabei spielen

entstanden.

inszenierte

vor allem der Esther-Stoff, aber auch der Verkauf Josefs sowie David und Goliath eine wichtige Rolle.

Die Arbeit an jiddischen Volks­liedern allerdings nimmt einen noch kaum begonnenen Faden auf. Grund dafür ist auch, dass die Erforschung dieser Musik erst sehr spät einsetzte. Erst ge­gen Ende des 19. Jahrhunderts begannen Ethnographen münd­liche jiddische Volksdichtung zu sammeln. Noch 1861 behaup­tete Moses Berlin, ein russischer Ethnograph, dass synagogale Gesänge die einzigen Lieder seien, die die Juden kennen.

Eine erste große Sammlung jid­discher Volkslieder kam schließ­lich 1901 in St. Petersburg he­raus. Viele Impulse gingen zu­dem von der 1908 in St. Peters­burg gegründeten Gesellschaft für Jüdische Volksmusik aus, so auch S. An-Skis(Schlomo Zajn­wil Rapoports) erste jüdische ethnographische Expedition in über siebzig russischen Schtetln in den Jahren 1911-1912 und 1914-1916. Das ist der Kontext, aus dem die jetzt in Potsdam zu bearbeitenden Sammlungen, zu denen auch mehrere tausend Seiten Typoskripte, Notenauf­zeichnungen und Transkriptio­nen gehören, hervorgingen.

Dass sich diese überhaupt an der brandenburgischen Uni befin­den, ist kein Zufall: Prof. Dr.

Jüdische Volksmusik hatte im Osteuropa des beginnenden 20. Jahrhunderts verschiedeneGesichter. Für Unterhaltung

Foto: Repro Karl Erich Grözinger hatte sich nachhaltig darum bemüht. Dies geschah in enger Kooperation mit Wissenschaftlern aus St. Petersburg, Groningen und Jerusalem, die auch künftig zusammenarbeiten. Aber auch das Wiener und Berliner Phonographische Institut sowie das Helmholtz Zentrum der Humboldt Universität zu Berlin wurden könsultiert. Heute besitzt Grözingers Arbeits­gruppe das ausschließliche Pu­blikationsrecht an Ton­materialien.

den

PS.

Komplexität

Neu bewilligt

Die Deutsche Forschungsge­meinschaft(DFG) hat Dr. Ulrike Feudel und Prof. Dr. Jürgen Rullkötter vom Institut für Physik eine Sachbeihilfe für das ProjektNichtlineare Dy­namik in. Modellen für das Wattsystem Strukturbildung, und kritische Übergänge bewilligt. Die Bewilligung erfolgt für zwei Jahre und wird für das dritte Jahr unter Vorbehalt in Aus­sicht gestellt.

Zum ThemaLaserspektros­kopische Untersuchungen der Struktur-Wirkungsbeziehun­gen in Metall-Siderophor­Komplexen wurde Prof. Dr. Hans-Gerd Löhmannsröben und Dr. Michael Kumke vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie von der DFG ebenfalls eine Sachbeihilfe für die Dauer von zwei Jahren bewilligt.

Ihre finanzielle Unterstützung hat die Gesellschaft zudem Dr. Carsten Henkel vom Institut für Physik zugesagt. Hier gibt es eine Sachbeihilfe im Rahmen des Schwerpunktprogramms Photonische Kristalle.

Prof. Dr. Bernd Müller-Röber vom Institut für Biochemie und Biologie erhält gleich zwei Sach-beihilfen der DFG im Rahmen des Schwerpunktpro­grammsMolekulare Analyse der Phytohormonwirkung. Die Gesellschaft stellt Mittel für das ThemaMolekulargeneti­sche Analysen zur Hormon­signaltransduktion in Schließ­zellen für ein Jahr und das ProjektFunktion des ChoR­Proteins in der ABA-Signal­transduktion für zwei Jahre zur Verfügung.

Auch Prof. Dr. Dieter Fürst vom Institut für Biochemie und Biologie erhält eine Sachbei­hilfe der DFG für das Thema Analyse der in vivo Phosphorylierungen und Identifikation neuer Liganden der M-Bandenproteine Myo­mesin und M-Protein für die Dauer eines Jahres.

PUTZ