Heft 
(1.1.2019) 04
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Forschung_

PUTZ 4/01

Keine Landung auf Datenfriedhof

Kooperation mit Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik

Ohne Zweifel, amtliche Sta­tistiken sorgen für Infor­mation. Wissen, das stark zu­sammengefasst und anony­misiert an die interessierte Öffentlichkeit dringt. Doch immer mehr Wissenschaftler wollen auch hinter die Fassade der Zahlen sehen. Insbeson­dere die empirisch arbeitende Wirtschafts- und Sozialfor­schung ist am besseren Zu­gang zu den Einzelbezie­hungsweise Mikrodaten inte­ressiert, um sie genauer zu untersuchen. Die strengen Datenschutzbestimmungen allerdings stellen die Experten oft vor große Probleme. Das Team um Hans Gerhard Strohe, Professor für Statistik und Ökonometrie an der Universität Potsdam, hat nach einer Lösung gesucht. Und sie gefunden.

Nachdem es bereits seit 1997 eine Zusammenarbeit mit dem jetzigen Landesbetrieb für Da­tenverarbeitung und Statistik (LDS) gibt, ist die Kooperation nun auf eine neue Stufe gestellt worden. Zum beiderseitigen Nutzen, versteht sich. Die Wis­senschaftler erhalten den ange­strebten Einblick in konkretes

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Beschäftigungs­ströme

Le

Datenmaterial, der Landes­betrieb glänzt mit einem wei­teren handfesten Argument gegenüber dem Steuerzahler für die Notwendigkeit der oft kost­spieligen Datenerhebungen. Beide Seiten profitieren zudem vom Erkenntnisgewinn.

Das Projekt

Analyse von Beschäftigungs­entwicklung und Beschäfti­gungsdynamik in den branden­burgischen Industriebetrieben des produzierenden Gewerbes anhand einzelbetrieblicher Da­tenider amtlichen Statistik heißt das Uni-Projekt. Wie es genau durchgeführt wird, legt eine Vereinbarung mit dem Kooperationspartner fest. Um es vorwegzunehmen: der Weg ist nicht ganz neu. Das Modell findet in Baden-Württemberg bereits seit längerem seine Anwendung. Es hat die Potsdamer überzeugt.

Hinter Daten geblickt

Uni-Mitarbeiterin Laurence Rambertfarbeitet als Daten: Analystin einen Tag in der Woche Gdirekt vor Ort aim Landesbetrieb. Das sichert die Vermeidung von Reibungsver­lusten.Ich kann dadurch sofort

Ergebnisse prüfen, Programme und Datenbankeinträge kor­rigieren, Sonderfälle und so genannte Ausreißer identifi­zieren, erklärt sie das Vor­gehen. Ramberts Tätigkeit zielt darauf, bisher ungenutzt geblie­bene Informationen aus den vorhandenen Mikrodaten he­rauszufiltern und zu analysieren. Grundlage dafür ist eine einzel­betriebliche Datenbank, die Angaben von rund 2500 Be­trieben im Rahmen der Indus­trieberichterstattung seit 1995 enthält.

Während der LDS beispielsweise lediglich darüber informieren würde, dass die Beschäftigten­anzahl in dem verarbeitenden Gewerbe zwischen zwei Zeit­punkten gleich geblieben ist, geht es den Wissenschaftlern jetzt um die Interpretation des Ergebnisses. Deshalb hat sich Rambert zunächst mit den Ein­zelströmen der Beschäftigungs­entwicklung auseinandergesetzt. Damit will man der tatsächlich eingetretenen Entwicklung auf die Spur kommen. Doch die Untersuchung der verschiede­nen Ströme über die Zeit ist nur ein Teil der Analyse der Be­schäftigung. Wie der dynami­sche Aspekt dabei aussieht,

interessiert gegenwärtig noch mehr.

Klar ist, dass 1997 offensichtlich ein entscheidendes Jahr für die Beschäftigungsentwicklung in der brandenburgischen Indus­trie war. Die Fluktuationen haben stark abgenommen. Eine Verlangsamung des noch ein Jahr zuvor drastischen Beschäf­tigungsrückgangs setzte ein. In den Jahren 1998 und 1999 ver­lor das verarbeitende Gewerbe trotzdem noch 2,2 Dbezie­hungsweise 1,5 Prozent der Arbeitsplätze. Was jedoch genau passiert ist und warum wollen die Potsdamer Forscher weiter klären. Sowohl Uni-Forscher als auch LDS erhoffen sich damit nähere Erkenntnisse zur Struk­tur und zu den Komponenten der Beschäftigungsentwicklung und-dynamik der Brandenbur­ger Wirtschaft, bevor sie ge­meinsam nächste Ziele an­steuern.Es gibt noch ein immenses Programm, das vor uns steht, betont Hans­Gerhard Strohe die eigentliche Größe der Aufgabenstellung. Wir möchten zum Beispiel auch gern wissen, welche Wech­selbeziehungen zwischen dem Produktionswert und der Be­schäftigtenzahl bestehen oder welchen Einfluss die einzelnen Größengruppen von Betrieben auf die Beschäftigtenentwick­lung haben. Doch noch stehen jene Fragen nicht auf(der Tagesordnung. P.G.

Bruttogewinn an Arbeitsplätzen

Bruttoverlust an Arbeitsplätzen

Neu auftretende

Verschwindende

Analyse der Beschäftigungsströme auf der Mikroebene

Betriebe

Wachsende Betriebe

Schrumpfende Betriebe

Betriebe

Um der konkreten Beschäftigungsveränderung im brandenburgischen verarbeitenden Gewerbe seit 1995 näher auf den Grund zu gehen, haben sich Wissenschaftler von der Universität Potsdam auch mit den einzelnen Beschäftigungsströmen auseinandergesetzt. Insgesamt vier von ihnen machten sie dabei aus: Bewegungen durch wachsende und schrumpfende Betriebe sowie durch neuauftretende und verschwindende Betriebe.

Abb.: Repro 21