Forschung_
PUTZ 4/01
Keine Landung auf Datenfriedhof
Kooperation mit Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik
Ohne Zweifel, amtliche Statistiken sorgen für Information. Wissen, das stark zusammengefasst und anonymisiert an die interessierte Öffentlichkeit dringt. Doch immer mehr Wissenschaftler wollen auch hinter die Fassade der Zahlen sehen. Insbesondere die empirisch arbeitende Wirtschafts- und Sozialforschung ist am besseren Zugang zu den Einzelbeziehungsweise Mikrodaten interessiert, um sie genauer zu untersuchen. Die strengen Datenschutzbestimmungen allerdings stellen die Experten oft vor große Probleme. Das Team um Hans Gerhard Strohe, Professor für Statistik und Ökonometrie an der Universität Potsdam, hat nach einer Lösung gesucht. Und sie gefunden.
Nachdem es bereits seit 1997 eine Zusammenarbeit mit dem jetzigen Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) gibt, ist die Kooperation nun auf eine neue Stufe gestellt worden. Zum beiderseitigen Nutzen, versteht sich. Die Wissenschaftler erhalten den angestrebten Einblick in konkretes
=
Beschäftigungsströme
Le
Datenmaterial, der Landesbetrieb glänzt mit einem weiteren handfesten Argument gegenüber dem Steuerzahler für die Notwendigkeit der oft kostspieligen Datenerhebungen. Beide Seiten profitieren zudem vom Erkenntnisgewinn.
Das Projekt
“Analyse von Beschäftigungsentwicklung und Beschäftigungsdynamik in den brandenburgischen Industriebetrieben des produzierenden Gewerbes anhand einzelbetrieblicher Datenider amtlichen Statistik” heißt das Uni-Projekt. Wie es genau durchgeführt wird, legt eine Vereinbarung mit dem Kooperationspartner fest. Um es vorwegzunehmen: der Weg ist nicht ganz neu. Das Modell findet in Baden-Württemberg bereits seit längerem seine Anwendung. Es hat die Potsdamer überzeugt.
Hinter Daten geblickt
Uni-Mitarbeiterin Laurence Rambertfarbeitet als Daten: Analystin einen Tag in der Woche Gdirekt vor Ort aim Landesbetrieb. Das sichert die Vermeidung von Reibungsverlusten.“Ich kann dadurch sofort
Ergebnisse prüfen, Programme und Datenbankeinträge korrigieren, Sonderfälle und so genannte Ausreißer identifizieren”, erklärt sie das Vorgehen. Ramberts Tätigkeit zielt darauf, bisher ungenutzt gebliebene Informationen aus den vorhandenen Mikrodaten herauszufiltern und zu analysieren. Grundlage dafür ist eine einzelbetriebliche Datenbank, die Angaben von rund 2500 Betrieben im Rahmen der Industrieberichterstattung seit 1995 enthält.
Während der LDS beispielsweise lediglich darüber informieren würde, dass die Beschäftigtenanzahl in dem verarbeitenden Gewerbe zwischen zwei Zeitpunkten gleich geblieben ist, geht es den Wissenschaftlern jetzt um die Interpretation des Ergebnisses. Deshalb hat sich Rambert zunächst mit den Einzelströmen der Beschäftigungsentwicklung auseinandergesetzt. Damit will man der tatsächlich eingetretenen Entwicklung auf die Spur kommen. Doch die Untersuchung der verschiedenen Ströme über die Zeit ist nur ein Teil der Analyse der Beschäftigung. Wie der dynamische Aspekt dabei aussieht,
interessiert gegenwärtig noch mehr.
Klar ist, dass 1997 offensichtlich ein entscheidendes Jahr für die Beschäftigungsentwicklung in der brandenburgischen Industrie war. Die Fluktuationen haben stark abgenommen. Eine Verlangsamung des noch ein Jahr zuvor drastischen Beschäftigungsrückgangs setzte ein. In den Jahren 1998 und 1999 verlor das verarbeitende Gewerbe trotzdem noch 2,2 Dbeziehungsweise 1,5 Prozent der Arbeitsplätze. Was jedoch genau passiert ist und warum wollen die Potsdamer Forscher weiter klären. Sowohl Uni-Forscher als auch LDS erhoffen sich damit nähere Erkenntnisse zur Struktur und zu den Komponenten der Beschäftigungsentwicklung und-dynamik der Brandenburger Wirtschaft, bevor sie gemeinsam nächste Ziele ansteuern.“Es gibt noch ein immenses Programm, das vor uns steht”, betont HansGerhard Strohe die eigentliche Größe der Aufgabenstellung. “Wir möchten zum Beispiel auch gern wissen, welche Wechselbeziehungen zwischen dem Produktionswert und der Beschäftigtenzahl bestehen oder welchen Einfluss die einzelnen Größengruppen von Betrieben auf die Beschäftigtenentwicklung haben.” Doch noch stehen jene Fragen nicht auf(der Tagesordnung. P.G.
Bruttogewinn an Arbeitsplätzen
Bruttoverlust an Arbeitsplätzen
Neu auftretende
Verschwindende
Analyse der Beschäftigungsströme auf der Mikroebene
Betriebe
Wachsende Betriebe
Schrumpfende Betriebe
Betriebe
Um der konkreten Beschäftigungsveränderung im brandenburgischen verarbeitenden Gewerbe seit 1995 näher auf den Grund zu gehen, haben sich Wissenschaftler von der Universität Potsdam auch mit den einzelnen Beschäftigungsströmen auseinandergesetzt. Insgesamt vier von ihnen machten sie dabei aus: Bewegungen durch wachsende und schrumpfende Betriebe sowie durch neuauftretende und verschwindende Betriebe.
Abb.: Repro 21