Heft 
(1.1.2019) 06
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UNI aktuell

PUTZ 6/01

Die Saat ist aufgegangen

Spannende Diskussionen, aber leider zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Petrus hatte ein Einsehen. Statt des üblichen Regens schien die Sonne. Für so man­chen war dies ein Grund mehr, um beim großen Jubiläumsfest der Uni Pots­dam vorbeizuschauen. Die Stippvisite lohnte. Ob Aus­stellung, Symposium oder Festakt, Sport- oder Hoffest, Konzerte auf den Bühnen, nicht zuletzt Speis und Trank, alles besaß seinen Reiz. Die Organisatoren, das Vorberei­tungskomitee mit Prof. Dr. Manfred Görtemaker an der Spitze und das Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit sowie zahlreiche andere Helfer hatten ganze Arbeit geleistet. Alles lief wie am Schnürchen. Fast kam ein bisschen Traurigkeit auf, als schließlich gegen 22.00 Uhr am 20. Juni die Lichter wieder ausgingen...

Gerade am ersten der zwei Tage wurde auch viel geredet. Gele­genheit dazu bot ein fast acht­stündiges Mammut-Symposium über Geschichte und Gegenwart der Alma mater im Auditorium maximum. Manhatte sozu­sagen zur Diskussion geladen. Eine Chance, die teilweise noch "zu wenige nutzten.

Nicht Angst und Orientie­rungslosigkeit, sondern der Wille zum Neuanfang war bei der überwiegenden Mehrheit derMittelbauern nach An­sicht von Dr. Brigitte Krüger damals dominierend. In dieser Zeit hat auch der Gründungs­dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Rolf Grawert, Erfah­rungen sammeln können, die er nicht missen möchte. Zunächst erlebte der insbesondere im Gründungssenat große Span­nungen, die nicht zuletzt aus der unterschiedlichen Sozialisation der Menschen resultierten. Über die Arbeit und den Willen, eine Universität mit eigenem Profil aufzubauen, habe man schließ­lich Vertrauen zueinander ge­funden. Es sei ein schwieriger und konfliktreicher Prozess, ver­bunden mit oft sehr emotional geführten Debatten gewesen. Viele Perlen dieser Uni sind im Gründungssenat entstanden, so Gründungsrektor Prof. Dr. Rolf Mitzner. Schnelle und pragma­tische Entscheidungen mussten damals getroffen werden, um den Studienbetrieb sichern zu können. Denn die Uni entstand nicht auf der grünen Wiese.

Inzwischen hat sich die Uni zu einerganz normalen Hoch­

Am ersten Tag der Jubiläumsfeierlichkeiten gab es viele Gelegenheiten zur Diskussion über Vergangenheit und Zukunft der Uni. Leider fanden diese span­nenden Diskussionsrunden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Warum?

Es herrschte zu Wendezeiten auch an der heutigen Uni Pots­dam Aufbruchstimmung. Darin waren sich die Teilnehmer der PodiumsdiskussionNeubeginn an historischem Ort Vorge­schichte und Gründung der Universität Potsdam einig.

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Foto: Fritze

schule entwickelt, was allgemein bedauert wurde. Dennoch ist Spezifisches, was im Grün­dungskonzept festgeschrieben wurde, erhalten geblieben, so die Kooperation der Uni mit außeruniversitären Forschungs­einrichtungen und in die Uni­

Struktur integrierte interdiszi­plinäre Zentren.Nicht alle Mitarbeiter der Uni haben das Gefühl, gleichberechtigte Mit­glieder der Einrichtung zu sein, dies bedauerte Brigitte Krüger sehr. Und Thomas Pösl, ehema­liger Student und heutiger Mitarbeiter der Uni, hätte die anarchischen Zustände der Gründungszeit gerne noch länger gehabt. Fazit also aus der ersten Runde des Symposiums: Grund zum Feiern und Grund zum Traurigsein.

Die Gegenwart braucht Visionen

Eine reine Männerrunde war es, die sich den Strukturen, Er­fahrungen und Perspektiven der fünf Uni-Fakultäten widmete. Nachdem man zunächst die eigene Fakultät kurz in ihren Besonderheiten vorgestellt hatte> ging es um mehr: Die Verständigung über zentrale Probleme, die zu bewältigen sind, soll die Zukunft gemeis­tert werden. Dem Zuhörer fiel dabei auf, ‚dass schon ver­meintlich leichtere Aufgaben zu den Dingen zu gehören schei­nen, die schwer zu machen sind. Ihm nämlich stellte sich die Frage: Reden die Fakultäten nun miteinander oder nicht? Konsens dazu gab es Keinen. Im Gegenteil, die Einschätzungen schwankten erheblich. Während Hanno Schmitt, Dekan der Humanwissenschaftlichen Fakultät, noch urteilte, die Ko­operation zwischen den Fakul­täten sei weit entwickelt, man pflege einen halbwegs vernünfti­gen Stil untereinander, bemän­gelte Gerhard-Multhaupt von der Mathematisch- Naturwissen­schaftlichen Fakultät:Was fehlt, ist das Gespräch zwischen den Fakultäten. Dass dieses be­züglich finanzieller Probleme zwar laufe, bestritt er dabei gar nicht.Es mangelt aber an der Verständigung über inhaltliche Verflechtungen und Zukunfts­vorstellungen, untermauerte der Physiker seinen Vorwurf. Man dürfe nach dessen Ansicht nicht verpassen, in der Ausbil­dung auf tatsächlich vorhandene

gesellschaftliche Herausfor­derungen zu reagieren.Wir müssen den Studierenden das anbieten, was auch gefragt ist, unterstrich er weiter. Deshalb gehörten sogar so genannte Modetrends ins Ausbildungs­Reservoir der Uni.

Das alte Modell hat ausgedient

Dass neue Wege beschritten werden müssen, um| die Wissenschaftsentwicklung Bran­denburgs wieder ins rechte Lot zu bringen, daran ließ Wissen­schaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka in ihrem Vortrag keinen Zweifel. Gerade habe sie

Zeit zu Ausführungen über die Hoch­schulpolitik nahm sich Ministerin Wanka. Sie will langfristig das Ru­der herumreißen. Die Teilnehmer hörten es gern.

Foto: Fritze

eine entsprechende Kabinetts­vorlage eingebracht, die Vor­schläge dazu enthielte. Klar sei, man müsse aufbauen, nicht abbauen. Und das nicht nur quantitativ, sondern auch quali­tativ.

Für sie stehe fest, dass das bisher gehandhabte staatliche Steue­rungssystem nicht mehr funk­tioniere.Wenn man weiß, dass es nicht mehr geht, muss man etwas ändern, lautete ihre Schlussfolgerung deshalb. Nach Wankas Ansicht sollten den Hochschulen mehr Kompeten­zen übertragen werden, brauch­ten diese neue Leitungsstruk­turen, eine neue Organisation. Es muss in Zukunft gewährleis­tet sein, dass die Hochschulen entsprechend ihren Leistungen