UNI aktuell
PUTZ 6/01
„Die Saat ist aufgegangen“
Spannende Diskussionen, aber leider zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit
Petrus hatte ein Einsehen. Statt des üblichen Regens schien die Sonne. Für so manchen war dies ein Grund mehr, um beim großen Jubiläumsfest der Uni Potsdam vorbeizuschauen. Die Stippvisite lohnte. Ob Ausstellung, Symposium oder Festakt, Sport- oder Hoffest, Konzerte auf den Bühnen, nicht zuletzt Speis und Trank, alles besaß seinen Reiz. Die Organisatoren, das Vorbereitungskomitee mit Prof. Dr. Manfred Görtemaker an der Spitze und das Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit sowie zahlreiche andere Helfer hatten ganze Arbeit geleistet. Alles lief wie am Schnürchen. Fast kam ein bisschen Traurigkeit auf, als schließlich gegen 22.00 Uhr am 20. Juni die Lichter wieder ausgingen...
Gerade am ersten der zwei Tage wurde auch viel geredet. Gelegenheit dazu bot ein fast achtstündiges Mammut-Symposium über Geschichte und Gegenwart der Alma mater im Auditorium maximum. Man‘hatte sozusagen zur Diskussion geladen. Eine Chance, die teilweise noch "zu wenige nutzten.
Nicht Angst und Orientierungslosigkeit, sondern der Wille zum Neuanfang war bei der überwiegenden Mehrheit der“Mittelbauern” nach Ansicht von Dr. Brigitte Krüger damals dominierend. In dieser Zeit hat auch der Gründungsdekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Rolf Grawert, Erfahrungen sammeln können, die er nicht missen möchte. Zunächst erlebte der insbesondere im Gründungssenat große Spannungen, die nicht zuletzt aus der unterschiedlichen Sozialisation der Menschen resultierten. Über die Arbeit und den Willen, eine Universität mit eigenem Profil aufzubauen, habe man schließlich Vertrauen zueinander gefunden. Es sei ein schwieriger und konfliktreicher Prozess, verbunden mit oft sehr emotional geführten Debatten gewesen. “Viele Perlen dieser Uni sind im Gründungssenat entstanden”, so Gründungsrektor Prof. Dr. Rolf Mitzner. Schnelle und pragmatische Entscheidungen mussten damals getroffen werden, um den Studienbetrieb sichern zu können. Denn die Uni entstand nicht auf der grünen Wiese.
Inzwischen hat sich die Uni zu einer“ganz normalen” Hoch
Am ersten Tag der Jubiläumsfeierlichkeiten gab es viele Gelegenheiten zur Diskussion über Vergangenheit und Zukunft der Uni. Leider fanden diese spannenden Diskussionsrunden fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Warum?
Es herrschte zu Wendezeiten auch an der heutigen Uni Potsdam Aufbruchstimmung. Darin waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion“Neubeginn an historischem Ort— Vorgeschichte und Gründung der Universität Potsdam” einig.
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Foto: Fritze
schule entwickelt, was allgemein bedauert wurde. Dennoch ist Spezifisches, was im Gründungskonzept festgeschrieben wurde, erhalten geblieben, so die Kooperation der Uni mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und in die Uni
Struktur integrierte interdisziplinäre Zentren.“Nicht alle Mitarbeiter der Uni haben das Gefühl, gleichberechtigte Mitglieder der Einrichtung zu sein”, dies bedauerte Brigitte Krüger sehr. Und Thomas Pösl, ehemaliger Student und heutiger Mitarbeiter der Uni, hätte die anarchischen Zustände der Gründungszeit gerne noch länger gehabt. Fazit also aus der ersten Runde des Symposiums: “Grund zum Feiern und Grund zum Traurigsein.”
Die Gegenwart braucht Visionen
Eine reine Männerrunde war es, die sich den Strukturen, Erfahrungen und Perspektiven der fünf Uni-Fakultäten widmete. Nachdem man zunächst die eigene Fakultät kurz in ihren Besonderheiten vorgestellt hatte> ging es um mehr: Die Verständigung über zentrale Probleme, die zu bewältigen sind, soll die Zukunft gemeistert werden. Dem Zuhörer fiel dabei auf, ‚dass schon vermeintlich leichtere Aufgaben zu den Dingen zu gehören scheinen, die schwer zu machen sind. Ihm nämlich stellte sich die Frage: Reden die Fakultäten nun miteinander oder nicht? Konsens dazu gab es Keinen. Im Gegenteil, die Einschätzungen schwankten erheblich. Während Hanno Schmitt, Dekan der Humanwissenschaftlichen Fakultät, noch urteilte, die Kooperation zwischen den Fakultäten sei weit entwickelt, man pflege einen halbwegs vernünftigen Stil untereinander, bemängelte Gerhard-Multhaupt von der Mathematisch- Naturwissenschaftlichen Fakultät:“Was fehlt, ist das Gespräch zwischen den Fakultäten.” Dass dieses bezüglich finanzieller Probleme zwar laufe, bestritt er dabei gar nicht.“Es mangelt aber an der Verständigung über inhaltliche Verflechtungen und Zukunftsvorstellungen”, untermauerte der Physiker seinen Vorwurf. Man dürfe nach dessen Ansicht nicht verpassen, in der Ausbildung auf tatsächlich vorhandene
gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren.“Wir müssen den Studierenden das anbieten, was auch gefragt ist”, unterstrich er weiter. Deshalb gehörten sogar so genannte Modetrends ins AusbildungsReservoir der Uni.
Das alte Modell hat ausgedient
Dass neue Wege beschritten werden müssen, um| die Wissenschaftsentwicklung Brandenburgs wieder ins rechte Lot zu bringen, daran ließ Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka in ihrem Vortrag keinen Zweifel. Gerade habe sie
Zeit zu Ausführungen über die Hochschulpolitik nahm sich Ministerin Wanka. Sie will langfristig das Ruder herumreißen. Die Teilnehmer hörten es gern.
Foto: Fritze
eine entsprechende Kabinettsvorlage eingebracht, die Vorschläge dazu enthielte. Klar sei, man müsse aufbauen, nicht abbauen. Und das nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ.
Für sie stehe fest, dass das bisher gehandhabte staatliche Steuerungssystem nicht mehr funktioniere.“Wenn man weiß, dass es nicht mehr geht, muss man etwas‘ ändern”, lautete ihre Schlussfolgerung deshalb. Nach Wankas Ansicht sollten den Hochschulen mehr Kompetenzen übertragen werden, brauchten diese neue Leitungsstrukturen, eine neue Organisation. “Es muss in Zukunft gewährleistet sein, dass die Hochschulen entsprechend ihren Leistungen