PUTZ 6/01
Forschung
Preiswerte Superrechner
Antrittsvorlesung von Bettina Schnor über Cluster Computing
Wettervorhersagen, Klimamodellierungen, aber auch Crash-Simulationen für die Entwicklung neuer Fahrzeugmodelle werden durch große nichtlineare Gleichungssysteme beschrieben. Solche numerischen Probleme erfordern enorme Rechnerkapazitäten, um in einer gegebenen Zeit gute Näherungslösungen zu berechnen. Bis vor etwa zehn Jahren konnten Aufgaben dieser Art nur mit Hilfe von extrem teuren Supercomputern bearbeitet werden, die das Gleichungssystem sozusagen auf viele Rechenknoten verteilten und parallel lösten.
nic” wurden auf einem preisgünstigen Cluster erzeugt. Im Sommer 1997 brachte die kalifornische Firma Digital Domains einen Cluster aus 105 DECAlpha-Prozessoren zum Laufen. In nur drei Monaten berechneten sie darauf rund 300 000 einzelne Bilder, die so hochaufgelöst und detailliert waren, dass manche den Umfang von 100 Megabyte erreichten.
Ein Cluster aus einzelnen Rechnern funktioniert nur, wenn die Kommunikation und das Datenmanagement effizient geregelt sind. Und dies sei keineswegs trivial, erklärte Schnor. Denn
obgleich die
Cluster Computing Technik kommt immer häufiger zum Einsatz. Selbst die
Trickeffekte im Kinofilm“Titanic” entstanden mit ihrer Hilfe.
Doch in den letzten Jahren sind auch die gewöhnlichen PCProzessoren so leistungsfähig geworden, dass Informatiker Standardrechner zu einem virtuellen Superrechner vernetzen können und so nahe an die Rechenleistung der teuren Maschinen herankommen.
Dieses so genannte: Cluster Computing ist auch das Forschungsgebiet von Prof. Dr. Bettina Schnor, die seit April 2000 an der Universität Potsdam lehrt und nun ihre Antrittsvorlesung gehalten hat.
Trickeffekte für Titanic
Den bislang vielleicht spektakulärsten Erfolg der Cluster Computing Technik konnte man vor einiger Zeit im Kino begutachten: Denn die. Trickeffekte für den Kinofilm“Tita
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Foto: Repro
Hardware immer besser und schneller geworden ist, hinkt die Softwareunterstützung hinterher.
Wissenschaftler, die an der Leistungsgrenze ihrer Rechner arbeiten wollen, müssen daher in der Regel auch. die Software selbst weiterentwickeln. Die Informatikerin schwört deshalb auf das Open-Source Betriebssystem Linux. Denn hier steht der Quellcode jedem zur Verfügung, und Optimierungen sowie die Behebung von Fehlern sind viel einfacher möglich als bei dem aufgeblähten Betriebssystem Windows.
Unter den besten 500
Clusterrechner haben heute schon längst ihren festen Platz unter den. 500 schnellsten Rechnern der Welt erobert. Für
die Suchmaschine Google sind zum Beispiel 8000 Prozessoren zu einem Cluster zusammengeschaltet, um so schnell wie möglich das Internet zu durchforsten.
Der Clusterrechner„Ägäis“ in der Arbeitsgruppe von Bettina Schnor wirkt dagegen auf den ersten Blick recht bescheiden. Er besteht nur aus acht Doppelprozessoren, aber diese sind mit einer Gigabit-Ethernet-Verbindung vernetzt, die eine besonders schnelle Kommunikation ermöglicht(ein Gigabit pro Sekunde).
Schnelle Kommunikation
Doch derzeit kommen im Cluster Computing noch Standardtransportprotokolle wie TCP/IP zum Einsatz, die auch im Internet verwendet werden. Dadurch liegt der erzielte Informationsdurchsatz weit unter den technischen Möglichkeiten des Gigabit Ethernets. Die Arbeitsgruppe Schnor beschäftige sich daher mit der Entwicklung und Erprobung von Leichtgewichtprotokollen, die weniger“umständlich” sind und eine schnellere Kommunikation erlauben. Ein weiteres Forsehungsgebiet von Bettina Schnor ist das Ressourcenmanagement für die so genannten CluMPs(Cluster of Multiprocessors). Da sich die Prozesse einer parallelen Anwendung durch die Kommunikation regelmäßig synchronisieren, bremst der langsamste Prozess in der Regel die gesamte parallele Anwendung aus. Eine Karawane aus Kamelen kommt auch nur so schnell voran wie das langsamste Tier. Eine ungleiche Lastsituation kann daher für eine parallele Anwendung fatal sein. Die Karawanenführer versuchen deshalb, die Last geschickt zu verteilen, damit die schwachen Tiere nicht zurückbleiben und das Tempo der Gruppe so hoch wie möglich bleibt. Die Potsdamer Informatiker wenden dieses Karawanenprinzip auf ihren Clusterrechner an und suchen. neue Strategien zur Lastverteilung.
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‚Aus dem Leben
von Elektronen
Seit dem Stern-Gerlach-Experiment(1921) ist bekannt, dass Elektronen einen Elektronenspin besitzen. Der Eigendrehimpuls des Elektrons(englisch: Spin) erzeugt ein kleines magnetisches Feld, welches entweder„up“ oder„down“ gerichtet ist. Der Spin ist dabei starren Gesetzen unterworfen, so dass man durch seine Messung genaue Informationen über die chemischen Bindungen in
Molekülen gewinnen kann. Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Peter Strauch vom Institut für
Im Labor zu Hause: Prof. Peter Strauch Foto: Tribukeit
Anorganische Chemie der Universität Potsdam arbeitet mit der Methode der ElektronParamagnetischen Resonanz (EPR), die oft auch als ElektronSpin Resonanz(ESR) bezeichnet wird. Diese Methode ist mit der magnetischen Kernresonanz (NMR) eng verwandt, die inzwischen auch in der Medizin häufig eingesetzt wird. In seiner Antrittsvorlesung stellte Peter Strauch die Methode der Elektron-Paramagnetischen Resonanz ausführlich vor und zeigte ihre Möglichkeiten auf. Dafür wählte er Beispiele aus seinem Forschungsgebiet, der Koordinationschemie von Haupt- und Nebengruppenelementen.
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