PUTZ 6/01
Studiosi
Mit Leidenschaft bei der Sache
Urania-Chefin holt Wissenschaftler aus Elfenbeinturm
Ihre Energie und ihr Tatendrang scheinen keine Grenzen zu kennen. Seit Januar dieses Jahres ist Karin Flegel die Leiterin der Urania in Potsdam. Die in Leipzig geborene Mutter von vier Kindern wohnt seit 1979 in Brandenburgs Landeshauptstadt. Sie arbeitete nach ihrem Chemieund Biologiestudium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam im Institut für Physik der Erde. Mit der Ehemaligen unterhielt sich PUTZ-Redakteurin Dr. Barbara Eckardt.
Als Sie noch im Institut für Physik der Erde arbeiteten, befassten Sie sich unter anderem mit der Herstellung von synthetischen Diamanten. Heute beschäftigt Sie Anderes. Sie beendeten 2000 ihr Architekturstudium an der Fachhochschule Potsdam. Wie sind Sie denn als Naturwissenschaftlerin zur Architektur gekommen?
Flegel: Eigentlich wollte ich schon nach dem Abitur Architektur studieren. Ich hatte in Weimar schon die Zulassung nach bestandener Eignungsprüfung und habe dann doch gekniffen. Mit meinem Architekturstudium hat sich für mich ein Kreis geschlossen. Zeitweilig habe ich es als Mangel empfunden, zu viele Dinge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, mit großer Leidenschaft zu betreiben. Aber ich habe mich in meinem Leben glücklicherweise bisher immer mit Dingen beschäftigt, an denen ich auch Spaß hatte. Oft musste ich mich allerdings auch durchbeißen. Kunst und Architektur als Spiegel der Gesellschaft interessierten mich schon immer, weil an der Architektur gesellschaftliche Entwicklungen ablesbar sind. Zum Beispiel in Potsdam. Ich habe große Freude daran, meinen Architektur-Studenten diese Zusammenhänge in Vorlesungen nahe zu bringen.
Mit diesen vielseitigen Interessen und Kenntnissen sind Sie bei der Urania offensichtlich
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genau an der richtigen Stelle. Kann es sein, dass Sie auch deshalb den Zuschlag für die Stelle bekommen haben, weil man Ihnen als Mutter von vier Kindern Managementqualitäten zutraut?
Flegel: Das wird bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Meine jetzige Tätigkeit hat sehr viel mit Organisation zu tun. Natürlich muss man auch fachlich fit sein. Man muss die Fähigkeit haben, strukturiert arbeiten und Prioritäten setzen zu können. Die Familie ist eine ganz andere Welt daneben, die zwar auch Kraft kostet, aus der ich aber sehr viel Lebensfreude und Leidenschaft schöpfe. Vieles parallel laufen lassen zu müssen, birgt auch Gefahren. Manchmal habe ich schon das Gefühl, am Anschlag zu sein.
Sie gehören nicht zu den Menschen, die nach dem Motto verfahren, neue Besen kehren gut. Dennoch: Welche Visionen haben Sie?
Flegel: Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, das zu erhalten, was bisher aufgebaut wurde. Das allein ist schon ein hohes Ziel. Ich muss aufpassen, dass ich die Geschicke der Urania so bewege, dass alles im Lot bleibt. Die Menschen sollen weiterhin gerne zu uns kommen, sich hier zu: Hause. fühlen. Natürlich möchte ich meine eigene Handschrift in die Arbeit einbringen. Die Grundidee der Urania, die Popularisierung von Wissenschaft für eine breite Öffentlichkeit, ist. für. ‚mich. schr wichtig. Ich möchte die Wissenschaftler aus ihren Laboratorien, Studierzimmern und Hörsälen holen und sie dazu bewegen, sich von ihrer strengen Fachsphäre zu entfernen und den Laien ihren Forschungsgegenstand allgemein verständlich zu verdeutlichen.
Potsdam müsste für die Umsetzung dieser Idee eine gute Adresse sein.
Flegel: Unbedingt, denn Potsdam ist die Wissenschaftsstadt in
Deutschland. Jeder vierte Bewohner ist beruflich mit der Wissenschaft verbunden. Ich kann mir also vorstellen, dass die Forscher auch ein Interesse daran haben, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das betrifft natürlich nicht
Will
Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm holen: Potsdams Urania-Chefin Karin Flegel.
Foto: Fritze
zuletzt die Universität Potsdam. Ich würde gerne Veranstaltungen organisieren, bei denen Wissenschaftler öffentlich interdisziplinär diskutieren. Damit wird den Bürgern der Stadt die Möglichkeit gegeben, neueste Forschungsergebnisse wahrzunehmen. Begonnen haben wir damit, Begleitveranstaltungen zu Fachtagungen oder Ausstellungen zu organisieren. Derzeit läuft gerade ein Begleitprogramm zur Exposition“Minervas Mythos” im Potsdamer Alten Rathaus.
Wie ist aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit von Urania und Universität Potsdam zu intensivieren?
Flegel: Ich denke, dass die Universität Potsdam die Urania stärker benutzen sollte. Bisher treten wir immer an die Wissenschaftler heran. Selten kommen Uni-Mitarbeiter mit ihren Ideen und Interessen zu uns. Warum sollten Urania und Universität nicht gemeinsame Tagungen veranstalten? Zum Beispiel auch hier in Form von Begleitprogrammen ‚der. Urania: bei
Konferenzen der Uni.
Mit dem 1. Juni dieses Jahres ging die Trägerschaft des Astronomischen Zentrums “Bruno H. Bürgel” im Potsdamer Neuen Garten an die Urania über. Damit stehen Sie vor einer neuen Herausforderung. Warum bewarben Sie sich um das Planetarium?
Flegel: Das Planetarium zu schließen, wäre unverantwortlich. Also haben wir es als unsere Pflicht angesehen, uns um die Trägerschaft zu bewerben. Und wer sollte es tun, wenn nicht die Urania, die ja die Muse der Himmelskunde ist? Wir planen jetzt Veranstaltungen im Planetarium. Stärker als bisher möchten wir uns mit unseren Angeboten an Kinder und Jugendliche wenden, um ihnen naturwissenschaftliche Themen nahe zu bringen. Daneben soll es außer den astronomischen Vorführungen Musikalische Abende, Lesungen, Hörspiele‘ und Vorträge unter dem Sternenzelt geben.
Welche Highlights hält die Urania im Sommer für die Potsdamer und ihre Gäste bereit?
Flegel: Bleiben wir gleich beim Planetarium. Dort läuft jeden Freitag eine Veranstaltung in der Reihe“Sternstunden in Potsdam”. Am 21. Juli führt eine Exkursion in das Olympische Dorf von 1936. Die BUGA geht natürlich auch an uns nicht spurJos. vorüber. ‚Am. 28. Juli beispielsweise gibt es eine Botanische Führung mit Dr. Konrad Näser. Sehr beliebt sind die Führungen durch den Einsteinturm auf dem Telegrafenberg. Die nächste findet am 4. August statt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Weitere Infos sind telefonisch unter 0331/291741 erhältlich oder im Internet unter der Adresse: http://www.urania-pots- dam.de abrufbar..