Heft 
(1.1.2019) 06
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PUTZ 6/01

Studiosi

Mit Leidenschaft bei der Sache

Urania-Chefin holt Wissenschaftler aus Elfenbeinturm

Ihre Energie und ihr Taten­drang scheinen keine Grenzen zu kennen. Seit Januar dieses Jahres ist Karin Flegel die Leiterin der Urania in Pots­dam. Die in Leipzig geborene Mutter von vier Kindern wohnt seit 1979 in Branden­burgs Landeshauptstadt. Sie arbeitete nach ihrem Chemie­und Biologiestudium an der Pädagogischen Hochschule Potsdam im Institut für Physik der Erde. Mit der Ehemaligen unterhielt sich PUTZ-Redakteurin Dr. Barbara Eckardt.

Als Sie noch im Institut für Physik der Erde arbeiteten, befassten Sie sich unter an­derem mit der Herstellung von synthetischen Diamanten. Heute beschäftigt Sie An­deres. Sie beendeten 2000 ihr Architekturstudium an der Fachhochschule Potsdam. Wie sind Sie denn als Naturwis­senschaftlerin zur Architektur gekommen?

Flegel: Eigentlich wollte ich schon nach dem Abitur Archi­tektur studieren. Ich hatte in Weimar schon die Zulassung nach bestandener Eignungsprü­fung und habe dann doch gekniffen. Mit meinem Archi­tekturstudium hat sich für mich ein Kreis geschlossen. Zeitweilig habe ich es als Mangel empfun­den, zu viele Dinge, die eigent­lich nichts miteinander zu tun haben, mit großer Leidenschaft zu betreiben. Aber ich habe mich in meinem Leben glück­licherweise bisher immer mit Dingen beschäftigt, an denen ich auch Spaß hatte. Oft musste ich mich allerdings auch durch­beißen. Kunst und Architektur als Spiegel der Gesellschaft inte­ressierten mich schon immer, weil an der Architektur gesell­schaftliche Entwicklungen ables­bar sind. Zum Beispiel in Pots­dam. Ich habe große Freude daran, meinen Architektur-Stu­denten diese Zusammenhänge in Vorlesungen nahe zu bringen.

Mit diesen vielseitigen Interes­sen und Kenntnissen sind Sie bei der Urania offensichtlich

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genau an der richtigen Stelle. Kann es sein, dass Sie auch deshalb den Zuschlag für die Stelle bekommen haben, weil man Ihnen als Mutter von vier Kindern Managementquali­täten zutraut?

Flegel: Das wird bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Meine jetzige Tätigkeit hat sehr viel mit Organisation zu tun. Natürlich muss man auch fachlich fit sein. Man muss die Fähigkeit haben, strukturiert arbeiten und Prioritäten setzen zu können. Die Familie ist eine ganz andere Welt daneben, die zwar auch Kraft kostet, aus der ich aber sehr viel Lebensfreude und Leidenschaft schöpfe. Vieles parallel laufen lassen zu müssen, birgt auch Gefahren. Manchmal habe ich schon das Gefühl, am Anschlag zu sein.

Sie gehören nicht zu den Men­schen, die nach dem Motto verfahren, neue Besen kehren gut. Dennoch: Welche Visio­nen haben Sie?

Flegel: Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, das zu erhalten, was bisher aufgebaut wurde. Das allein ist schon ein hohes Ziel. Ich muss aufpassen, dass ich die Geschicke der Urania so be­wege, dass alles im Lot bleibt. Die Menschen sollen weiterhin gerne zu uns kommen, sich hier zu: Hause. fühlen. Natürlich möchte ich meine eigene Hand­schrift in die Arbeit einbringen. Die Grundidee der Urania, die Popularisierung von Wissen­schaft für eine breite Öffent­lichkeit, ist. für. ‚mich. schr wichtig. Ich möchte die Wissen­schaftler aus ihren Laboratorien, Studierzimmern und Hörsälen holen und sie dazu bewegen, sich von ihrer strengen Fach­sphäre zu entfernen und den Laien ihren Forschungsgegen­stand allgemein verständlich zu verdeutlichen.

Potsdam müsste für die Um­setzung dieser Idee eine gute Adresse sein.

Flegel: Unbedingt, denn Pots­dam ist die Wissenschaftsstadt in

Deutschland. Jeder vierte Be­wohner ist beruflich mit der Wissenschaft verbunden. Ich kann mir also vorstellen, dass die Forscher auch ein Interesse daran haben, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das betrifft natürlich nicht

Will

Wissenschaftler aus dem Elfenbeinturm holen: Potsdams Urania-Chefin Karin Flegel.

Foto: Fritze

zuletzt die Universität Potsdam. Ich würde gerne Veranstaltun­gen organisieren, bei denen Wissenschaftler öffentlich inter­disziplinär diskutieren. Damit wird den Bürgern der Stadt die Möglichkeit gegeben, neueste Forschungsergebnisse wahrzu­nehmen. Begonnen haben wir damit, Begleitveranstaltungen zu Fachtagungen oder Ausstel­lungen zu organisieren. Derzeit läuft gerade ein Begleitpro­gramm zur ExpositionMiner­vas Mythos im Potsdamer Alten Rathaus.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Zu­sammenarbeit von Urania und Universität Potsdam zu inten­sivieren?

Flegel: Ich denke, dass die Universität Potsdam die Urania stärker benutzen sollte. Bisher treten wir immer an die Wissen­schaftler heran. Selten kommen Uni-Mitarbeiter mit ihren Ideen und Interessen zu uns. Warum sollten Urania und Universität nicht gemeinsame Tagungen veranstalten? Zum Beispiel auch hier in Form von Begleitpro­grammen ‚der. Urania: bei

Konferenzen der Uni.

Mit dem 1. Juni dieses Jahres ging die Trägerschaft des As­tronomischen Zentrums Bruno H. Bürgel im Pots­damer Neuen Garten an die Urania über. Damit stehen Sie vor einer neuen Herausfor­derung. Warum bewarben Sie sich um das Planetarium?

Flegel: Das Planetarium zu schließen, wäre unverantwort­lich. Also haben wir es als unsere Pflicht angesehen, uns um die Trägerschaft zu bewerben. Und wer sollte es tun, wenn nicht die Urania, die ja die Muse der Himmelskunde ist? Wir planen jetzt Veranstaltungen im Plane­tarium. Stärker als bisher möch­ten wir uns mit unseren An­geboten an Kinder und Jugend­liche wenden, um ihnen natur­wissenschaftliche Themen nahe zu bringen. Daneben soll es außer den astronomischen Vor­führungen Musikalische Aben­de, Lesungen, Hörspiele und Vorträge unter dem Sternenzelt geben.

Welche Highlights hält die Urania im Sommer für die Potsdamer und ihre Gäste bereit?

Flegel: Bleiben wir gleich beim Planetarium. Dort läuft jeden Freitag eine Veranstaltung in der ReiheSternstunden in Pots­dam. Am 21. Juli führt eine Exkursion in das Olympische Dorf von 1936. Die BUGA geht natürlich auch an uns nicht spur­Jos. vorüber. ‚Am. 28. Juli beispielsweise gibt es eine Botanische Führung mit Dr. Konrad Näser. Sehr beliebt sind die Führungen durch den Ein­steinturm auf dem Telegrafen­berg. Die nächste findet am 4. August statt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Infos sind telefonisch unter 0331/291741 erhältlich oder im Internet unter der Adresse: http://www.urania-pots- ­dam.de abrufbar..