PUTZ 6/01
Studiosi
Große Politik gespielt
Einmal Bundesregierung simulieren
Vom 23. bis 25. Juni fand zum zweiten Mal an der Uni Potsdam das Planspiel TAU (“Technik—- Arbeit- Umwelt”) statt. TAU ist eine computergestützte PolitikSimulation für die Bundesrepublik Deutschland.
Diegrund 25 teilnehmenden Studentinnen und Studenten wurden in sechs Gruppen eingeteilt: das Kanzleramt, vier Ministerien sowie ein Medienteam. Aufgabe der Regierung war es, eine Vielzahl von Vorhaben zu beschließen und somit ihre Politik zu gestalten. Das Kabinett konnte aus nahezu 400 ganz unterschiedlichen Maßnahmen wählen und seine Akzente setzen. Verabschiedet wurden zum Beispiel viele Umweltschutzmaßnahmen, ein umfangreiches Programm zur Senkung der Lohnnebenkosten und die Verlängerung der OstFörderung.
Die TAU-Regierung aus SPD und PDS startete allerdings mit erheblichen Anfangsschwierigkeiten, welche an die Pannenserie nach dem Antritt der realen rot-grünen Bundesregierung im Jahr 1998 erinnerte.
Regierungskrise
Während grundlegende Fragen der Arbeitsorganisation noch ungeklärt waren, fiel die politische Arbeit sichtlich schwer. Als dann noch der Bildungsminister wegen der unsozialen Politik der Regierung zurück trat, kam es zur ersten Regierungskrise. Das Medienteam schlachtete jede Panne gierig‘aus, wonach manche Kabinettsmitglieder erbost Interviews verweigerten und der Computer. einen Vertrauensverlust in die Politik ermittelte.
Die TAU-Journalisten schlichen mit Stift, Papier und Digitalkamera bewaffnet durch die Ministerien, um Informationen und Bilder‘ zu erhaschen. Das Medienteam veröffentliche insgesamt zehn Zeitungen, welche manchmal einem Revolverblatt ähnelten.‘ Aber so ist die
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Wirklichkeit. Die Ministerien planten ihre Maßnahmen an Computern und buhlten ständig mit ihren Kabinettskollegen um Mehrheiten WW Fher lernten die Teilnehmer Politik, das Aushandeln Kompromissen unter realistischen Bedingungen:
von
Sofortmaßnahmen
Gespielt wurden drei Perioden (sechs Jahre). Nach jeder Peri
ode erstellte der Computer
einen Lagebericht sowie Zukunftsprognosen für bestimmte
Alles simuliert, selbst der Kontakt zu den Medien.
Indikatoren wie das Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosenquote oder Umweltschäden.ı Dadurch wurde den Teilnehmern bewusst, wie sich Staat: und Gesellschaft; auf. Grund ihrer Entscheidungen verändern. Die Spieler erkannten zum Beispiel, dass bestimmte Maßnahmen erst Jahre später Wirkung zeigen und Fördermaßnahmen nach dem Gießkannenprinzip wenig bringen.
Auch wenn am Ende die von der Regierung erhofften Effekte nicht in allen Bereichen eintraten, war das Planspiel ein voller Erfolg. Als plötzlich Hunderttausende durch Handy-Strah
lungen erkrankten, bildete die Regierung sofort einen Krisenstab, aktivierte den vorher angelegten Katastrophenfonds und meisterte gleichzeitig die Aufgaben der Tagespolitik.
Unterstützung
Das Ziel von TAU, die Erhöhung der Problemlösungsfähigkeit der Teilnehmer, wurde erreicht.
Leider hat sich der AStA aus ideologischen Gründen nicht an den: Kosten des Planspiels beteiligt. Deshalb ein großes
Foto: Glaeser
Dankeschön an die Fachschaftsräte vom Standort Griebnitzsee und die Firma PriceWaterhouseCoopers, welche mit mehreren. tausend. Mark die Finanzierung der Simulation sicher stellten. Große Unterstützung kam auch vom Team um Prof. Dr.,Jann, das für die exzellente Vorbereitung und Durchführung des Planspiels sorgte. Ein solches Engagement wäre auch von anderen Professuren wünschenswert.
TAU jedenfalls* hat! Spaß gemacht. Mein Prädikat: sehr empfehlenswert!
Peter Glaeser/ Student Rechtswissenschaften
Überfällige Abschlussfeier
Fünf Absolventinnen der Philosophischen und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam hatten eine ungewöhnliche Idee. Sie setzten einiges in Bewegung und luden zur “ersten inoffiziellen fächerübergreifenden Studienabschlussfeier Hein SSicelfandlam ZZ. a Juli auf dem Potsdamer Theaterschiff statt. Diese besondere Feier sollte zeigen, dass es ein außergewöhnliches und einmaliges Ereignis ist, ein Studium erfolgreich zu absolvieren. Für Silke Lieber, eine der Initiatorinnen, ist es nicht nur persönlich wichtig, eine solche symbolische Zeugnisfeier zu veranstalten. Ihr geht es auch darum, den“Eltern zu demonstrieren, dass wir es geschafft haben, denn ohne ihre Unterstützung wären wir nie so weit gekommen”.
Wie schon viele Studierende
vorher, kritisieren die fünf, dass sie das Abschlusszeugnis nach ihrem Studium mit der Post zugeschickt bekamen. Sie fanden, cs‘ schr schade, dass es weder einen“Gratulationshandschlag noch ein nettes Lächeln der Hochschullehrer gab” und sie den Campus ohne einen wirklichen Abschied verlassen hatten. Deshalb also diese Fete, wenn auch verspätet.
Nach der Feier sprachen einige Lehrkräfte die Hoffnung aus, class aus diesem Fest eine Tradition entstehen möge.
Anne Gensch/ Praktikantin im POK