Heft 
(1.1.2019) 06
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PUTZ 6/01

Studiosi

Große Politik gespielt

Einmal Bundesregierung simulieren

Vom 23. bis 25. Juni fand zum zweiten Mal an der Uni Potsdam das Planspiel TAU (Technik- Arbeit- Um­welt) statt. TAU ist eine computergestützte Politik­Simulation für die Bundes­republik Deutschland.

Diegrund 25 teilnehmenden Studentinnen und Studenten wurden in sechs Gruppen ein­geteilt: das Kanzleramt, vier Ministerien sowie ein Medien­team. Aufgabe der Regierung war es, eine Vielzahl von Vor­haben zu beschließen und somit ihre Politik zu gestalten. Das Kabinett konnte aus nahezu 400 ganz unterschiedlichen Maß­nahmen wählen und seine Akzente setzen. Verabschiedet wurden zum Beispiel viele Um­weltschutzmaßnahmen, ein um­fangreiches Programm zur Sen­kung der Lohnnebenkosten und die Verlängerung der Ost­Förderung.

Die TAU-Regierung aus SPD und PDS startete allerdings mit erheblichen Anfangsschwierig­keiten, welche an die Pannen­serie nach dem Antritt der realen rot-grünen Bundesregierung im Jahr 1998 erinnerte.

Regierungskrise

Während grundlegende Fragen der Arbeitsorganisation noch ungeklärt waren, fiel die politi­sche Arbeit sichtlich schwer. Als dann noch der Bildungsminister wegen der unsozialen Politik der Regierung zurück trat, kam es zur ersten Regierungskrise. Das Medienteam schlachtete jede Panne gierigaus, wonach manche Kabinettsmitglieder erbost Interviews verweigerten und der Computer. einen Vertrauensverlust in die Politik ermittelte.

Die TAU-Journalisten schlichen mit Stift, Papier und Digital­kamera bewaffnet durch die Ministerien, um Informationen und Bilder zu erhaschen. Das Medienteam veröffentliche ins­gesamt zehn Zeitungen, welche manchmal einem Revolverblatt ähnelten. Aber so ist die

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Wirklichkeit. Die Ministerien planten ihre Maßnahmen an Computern und buhlten ständig mit ihren Kabinettskollegen um Mehrheiten WW Fher lernten die Teilnehmer Politik, das Aus­handeln Kompromissen unter realistischen Bedingun­gen:

von

Sofortmaßnahmen

Gespielt wurden drei Perioden (sechs Jahre). Nach jeder Peri­

ode erstellte der Computer

einen Lagebericht sowie Zu­kunftsprognosen für bestimmte

Alles simuliert, selbst der Kontakt zu den Medien.

Indikatoren wie das Wirt­schaftswachstum, die Arbeits­losenquote oder Umweltschä­den.ı Dadurch wurde den Teilnehmern bewusst, wie sich Staat: und Gesellschaft; auf. Grund ihrer Entscheidungen verändern. Die Spieler erkann­ten zum Beispiel, dass be­stimmte Maßnahmen erst Jahre später Wirkung zeigen und Fördermaßnahmen nach dem Gießkannenprinzip wenig brin­gen.

Auch wenn am Ende die von der Regierung erhofften Effekte nicht in allen Bereichen eintra­ten, war das Planspiel ein voller Erfolg. Als plötzlich Hundert­tausende durch Handy-Strah­

lungen erkrankten, bildete die Regierung sofort einen Krisen­stab, aktivierte den vorher ange­legten Katastrophenfonds und meisterte gleichzeitig die Aufga­ben der Tagespolitik.

Unterstützung

Das Ziel von TAU, die Erhöhung der Problemlösungsfähigkeit der Teilnehmer, wurde erreicht.

Leider hat sich der AStA aus ide­ologischen Gründen nicht an den: Kosten des Planspiels beteiligt. Deshalb ein großes

Foto: Glaeser

Dankeschön an die Fachschafts­räte vom Standort Griebnitzsee und die Firma Price­WaterhouseCoopers, welche mit mehreren. tausend. Mark die Finanzierung der Simulation sicher stellten. Große Unterstützung kam auch vom Team um Prof. Dr.,Jann, das für die exzellente Vorbereitung und Durchführung des Planspiels sorgte. Ein solches Engagement wäre auch von anderen Profes­suren wünschenswert.

TAU jedenfalls* hat! Spaß gemacht. Mein Prädikat: sehr empfehlenswert!

Peter Glaeser/ Student Rechtswissenschaften

Überfällige Abschlussfeier

Fünf Absolventinnen der Philo­sophischen und der Mathema­tisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Pots­dam hatten eine ungewöhn­liche Idee. Sie setzten einiges in Bewegung und luden zur ersten inoffiziellen fächerüber­greifenden Studienabschluss­feier Hein SSicelfandlam ZZ. a Juli auf dem Potsdamer Theater­schiff statt. Diese besondere Feier sollte zeigen, dass es ein außergewöhnliches und einma­liges Ereignis ist, ein Studium erfolgreich zu absolvieren. Für Silke Lieber, eine der Initia­torinnen, ist es nicht nur per­sönlich wichtig, eine solche symbolische Zeugnisfeier zu veranstalten. Ihr geht es auch darum, denEltern zu demon­strieren, dass wir es geschafft haben, denn ohne ihre Unterstützung wären wir nie so weit gekommen.

Wie schon viele Studierende

vorher, kritisieren die fünf, dass sie das Abschlusszeugnis nach ihrem Studium mit der Post zugeschickt bekamen. Sie fan­den, cs schr schade, dass es weder einenGratulations­handschlag noch ein nettes Lächeln der Hochschullehrer gab und sie den Campus ohne einen wirklichen Abschied ver­lassen hatten. Deshalb also diese Fete, wenn auch ver­spätet.

Nach der Feier sprachen einige Lehrkräfte die Hoffnung aus, class aus diesem Fest eine Tradition entstehen möge.

Anne Gensch/ Praktikantin im POK