Heft 
(1.1.2019) 01
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Titel

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Segen und Katastrophe

Vulkane verändern Klima und Umwelt

Vulkanismus und Erdbeben sind spektakuläre Zeugnisse dafür, cioss unsere Erde einlebendes, sich ständig verändertes System darstellt. Ohne die Existenz vulkanischer Aktivität wären heute unser Klima und unsere Umweltbedingungen anders, wobei Segen und Katastrophe sehr dicht beieinander liegen.

W ir kennen auf der Erde mittlerweile 1300 Vulkane, von denen immerhin noch über 550 in historischer Zeit aktiv waren. In dieser Zahl sind neben den dau­eraktiven Vulkanen wie dem Ätna auf Sizilien oder dem Kilauea auf Hawaii auch solche Vul­kane enthalten, die sehr viel seltener und damit auch heftiger wieder zum Leben erwachen. Die­se Verbindung zwischen Dauer der Ruhezeit und Stärke einer Eruption wurde erst in den letz­ten Jahren wissenschaftlich fundiert untersucht. Dies stellt auch gleichzeitig eines der größten Probleme bei der Überwachung von aktiven Vul­kanen dar. Zum einen "vergessen die Bewoh­ner von gefährlichen Regionen katastrophale Eruptionen relativ schnell und siedeln sich nach einer Verwüstung wieder in den meist sehr fruchtbaren Gebieten an. Zum anderen sind Erkenntnisse über eine Eruption, die beispiels­weise vor 500 Jahren stattgefunden hat, nur über geologische Beobachtungen möglich. Paradoxer­weise zeigen manche großen Ereignisse aber nur dünne Ablagerungen, die innerhalb kurzer Zeit verdeckt werden. In seltenen Fällen existie­ren Mythen über Zerstörungen, wobei es hier für den Wissenschaftler schwer ist, die Grenze zwischen religiös motivierten Überlieferungen und tatsächlicher Beobachtung zu ziehen. Die zur erfolgreichen Frühwarnung nötigen Beob­achtungszeiträume sind dementsprechend lang

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Manuelle Gas-

'y *^' *5 Probenentnahme am Vulkangipfel

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Größere Gesteinslawine am Vulkan Merapi. Die abgehenden Gesteins­blöcke sind noch heiß und teilweise glühend. Sie erzeugen heim Auf­prallen auf den Vulkan feine Asche.

und verlangen viel Aufmerksamkeit und Geduld von den verantwortlichen Wissenschaftlern.

Dennoch, die instrumenteile Vulkanologie hat in den letzten Jahrzehnten einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, sei es bei der Früh­warnung selbst oder bei dem Verstehen über die Ursachen von Vulkanausbrüchen. In diesem Zusammenhang werden an dem Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam neben herkömmlichen Methoden der Geologie, Mineralogie und Geophysik zunehmend Verfah­ren eingesetzt, die auf sogenannter künstlicher Intelligenz oder Methoden der automatischen Sprachverarbeitung und Radartechnologie basie­ren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wer­den an einem zusammen mit dem GeoFor- schungsZentrum Potsdam und indonesischen Partnerorganisationen betriebenen seismischen Überwachungsnetz am Vulkan Merapi (Indone­sien) getestet.

Große Eruptionen kann und soll der Mensch auch in Zukunft nicht verhindern. Es scheint aber in ein paar Jahren durchaus möglich, prä­zise Frühwarnungen mit ähnlicher Sicherheit wie zum Beispiel dasDrei-Tage-Wetter zu geben. Nur durch diese Präzision lassen sich dann nötige Evakuierungen durchführen und das Verständnis der davon betroffenen Bevölke­rung verbessern.

Dr. Joachim Wassermann

Joachim Wassermann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Geophysik

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