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Permafrostboden als Klimaarchiv
Forschung für sichere Klimaprognosen
Was veranlasst Geowissenschafiler der Potsdamer Forschungsstelle des Alfred-Wegener-lnstitutsfür Polar- und Meeresforschung (AWl), ihre angenehmen Labor- und Computerarbeitsplätze auf dem Tele- grafenbergfur Monate zu verlassen, um zusammen mit russischen Kollegen in primitiven Feldcamps Nordsibiriens zu hausen und in Seesedimenten und Dauerfrostböden zu bohren und zu graben? Es ist ihr Wissen um die Schlüsselfunktion dieser arktischen Region zwischen Ural, Taimyrhalbinsel, Lenadelta und Laptewsee für die globale Klimaentwicklung und um den Wert der dort verborgenen Umwelt- und Klimadaten längst vergangener Zeiten.
M an stelle sich nur einmal vor, was passieren könnte, wenn sich die relativ sensiblen sibirischen Polarregionen infolge des Treibhauseffektes um einige Grade erwärmten. Die höheren Temperaturen würden das Auftauen der Permafrostböden verstärken und die Wasserverdunstung erhöhen. Abfließendes Bodenwasser und zusätzliche Niederschläge würden die großen sibirischen Flüsse anschwellen lassen. Die dadurch
bedingte Anreicherung der fla- Golfstromausläufer könnten chen Meere mit Süßwasser „aus dem Tritt“ kommen dürfte zu derart starken Veränderungen der Eisbildungsprozesse zum Beispiel in der Laptewsee führen, dass die von dort bedeutend beeinflusste Ozeanzirkulation bis in Regionen des Nordatlantiks und der Golfstromausläufer völlig „aus dem Tritt“ käme. In der Folge könnte es hierzulande kälter werden - oder auch wärmer wie an der Riviera .
Gab es das vielleicht schon einmal in der ver- gangenheit, auch ohne „Treibhauszutun“ der £
Menschen? Wie könnte die klimatische Zukunft aussehen?
Zu Tage geförderte Daten aus den nordsibirischen „Klimaarchiven“ an den Küsten, im Permafrostboden oder in Sedimenten (Ablagerungen) am Boden tiefer Seen, Erkenntnisse über das Abtauverhalten des Bodens und die damit verbundene Freisetzung von Treibhausgasen dürften, zusätzlich in Großcomputer für Modellrechnungen eingegeben, wesentlich zur Erhöhung der Treffsicherheit regionaler und globaler Klimaprognosen beitragen.
„Uns interessieren besonders jeweils eingefrorene Sedimentschichten, die sich über erdgeschichtliche Zeiträume Jahr für Jahr abgelagert haben. Sie liefern uns durch ihre chemische Zusammensetzung, ihren Eisgehalt, durch auffindbare Pflanzen- und Tierreste und anderes
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chronologisch gut auflösbare Informationen über die Klima- und Umweltentwicklung über Jahrzehntausende zurück“, erläutert Prof. Dr. Hans-Wolfgang Hub- berten, Leiter der Potsdamer Forschungsstelle des AWI und zugleich Professor an der Universität Potsdam. Durch chemische Analysen, mikroskopische Betrachtungen, Strahlungsmessungen an Kohlenstoff-, Sauerstoff und Wasserstoffisotopen in gesammelten Proben, durch Landschaftsbetrachtungen, Knochenfunde und ähnliches wurden bereits überraschende Erkenntnisse gewonnen: So gab es in der letzten Eiszeit vor etwa 20000 Jahren in den eigentlich kalten Untersuchungsgebieten keine nennenswerten Vergletscherungen, im Gegensatz zu unseren Regionen.
Jedoch wechselten sich in Nordsibirien Kalt- und Warmzeiten seit Millionen Jahren ständig ab. Vor etwa 12000 Jahren gab es beispielsweise einen weltweit deutlichen Temperaturanstieg. Der führte im Untersuchungsgebiet zu verstärkten Eisschmelz- und Auftauprozessen, zur Überschwemmung der Tundra mit Meerwasser, zu Bildung von Seesenken, zu extremen Veränderungen der Pflanzenwelt und dadurch bedingt zum Aussterben von Tierarten.
Die Hypothesen der Geoforscher zu Auswirkungen des Treibhauseffektes sind also durchaus nicht abwegig. Doch ist Nordsibirien seit rund 2500 Jahren zunächst einmal von einer allmählichen Abkühlung betroffen: Was heißt da Treibhauseffekt .
Armin Klein
In der letzten Eiszeit gab es keine nennenswerten Vergletscherungen
Die durchfrostete Küste der. Laptewsee bietet ein einzigartiges Bild. Helle Eiskeile und gefrorene Böden und Sedimente lassen einen ganzen Eis- kompleentstehen.
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