KEINE HAUSTIERE AN DER UNI
Manche Potsdamer Studenten und Studentinnen sind offenbar besonders tierlieb. Weil sie ihre Schützlinge nicht allein in der engen Studentenbude verkümmern lassen wollen, nehmen sie sie in die Vorlesungen mit. Nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Ratten und Kanariıenvögel hätten schon Vorlesungen und Seminare gestört, berichtet ein Mit arbeiter des Sicherheitswesens. Die Dozenten sind allerdings wenig begeistert, wenn sie mit Tanzmäusen und balgenden Hunden um die Aufmerksamkeit des geschätzten Publikums konkurnieren sollen. Darüber hinaus können Tiere auch Schaden anrıchten Deshalb weist der Rektor darauf hın, daß die Mitnahme von Tieren ın die Lehrveranstaltungen und Arbeitsräume der Universität, das betrifft Mitarbeiter wıe Studierende, nicht gestattet ist ar
Auch noch so schöne Hunde gehören nicht an
die Uni. Fotos: Richter/Fritze
Sorgt noch heute für Kontroversen; der Begründer der modernen Militärgeschichte, Hans Delbrück. Foto: Zg.
Im Nachgang des gerade vergangenen Jahres 1998 sei an eine Person erinnert, die in der Öffentlichkeit ihrer Zeit für Aufsehen sorgte und auch heute immer noch für Kontroversen nicht nur unter Historikern sorgt. Hans Delbrück, der Begründer der modernen Militärgeschichte, wäre 150 Jahre alt geworden.
Ihm zu Ehren fand ein Festakt an der Universität Potsdam statt, der gemeinsam von der Professur für Militärgeschichte und dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt veranstaltet wurde. In seiner Festansprache würdigte Prof. Dr. Wilhelm Deist aus Freiburg die Arbeit Delbrücks,
War Milıtärgeschichte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts lediglich ein Lehrfach für angehende Offiziere, die aus Schlachten der Vergangenheit strategische und taktısche Verhaltensweisen lernen sollten, so war Delbrück der erste, der die Quellen des Preußischen Generalstabes mit methodischen Überlegungen eines Historikers verknüpfte. Wenn Krieg nur die Fortsetzung der Politik mit anderen Mittel ist, wie Carl Philipp Gottfried von Clausewitz sagte, dann mußte es auch eine Wechselwirkung von Krieg und Politik geben. Die Verknüpfung von Diplomatiegeschichte und kriegsgeschichtlicher Forschung brachte nicht nur der Geschichtswissenschaft neue Erkenntnisse, sondern führte die Knegsgeschichte aus ihrer Randexistenz als reine General
Die schwedische Reformpädagogin Ellen Key nef um 1900 das zu Ende gehende Jahrhundert zum„Jahrhundert des Kindes“ aus. Und viele andere Pädagogen ın unterschiedlichen Ländern machten sich nach 1900 auf, eine Pädagogik vom Kinde aus zu konzipieren und zu realısieren. Ihre Ideen leben auch in Brandenburg fort. Das Institut für Grundschulpädagogik der Uni Potsdam eröffnete am 16. Dezember 1998 ein von der Professur für Schulpädagogıik mit dem Schwerpunkt Grundschulpädagogik eingerichtetes Reformpädagogısches Kabinett. Hier können Montessor-Materalien ausprobiert, studentische Arbeiten ausgestellt und diskutiert, Literatur zu historischen Reformmodellen eingesehen und Informationen zu aktuellen Schulreformmodellen und -entwicklungsbewegungen gesammelt werden. Regelmäßige Veranstaltungs- und Diskussionsrunden geben die Möglichkeit, die historische und aktuelle Reformbewegung von Schule kennenzulernen und zu hinterfragen. Das Reformpädagogische Kabinett befindet sich ım Haus 10 des Uni-Komplexes Golm. Zg./Foto: Fritze
BEGRÜNDER DER
MODERNEN MILITÄRGESCHICHTE Festakt zum 150. Geburtstag Delbrücks
stabswissenschaft heraus. Delbrück allerdings genet gleichermaßen in die Kntik der Militärs wie der Historiker. Ein Fach wie Militärgeschichte gehöre nicht an eine deutsche Universität, ließ ihn Leopold von Ranke wissen. Die Offiziere auf der anderen Seite wollten sich von einem Leutnant der Reserve nicht vorschreiben lassen, wie Schlachten der Weltgeschichte zu interpretieren seien, nachdem Delbrück wesentliche Elemente der Generalstahbsplanung als unrichtig erkannt und zudem die Kriegszüge des nationalen Heroen Fnedrich des Großen neu und nicht im Sinne der offiziellen Leseart beschneben hatte.
Nachdem Delbrück auf eine Professur an die Berliner Universität berufen wurde und 1896 die Nachfolge Treitschkes antrat, wurden seine Ideen zunehmend rezipiert und auch von anderen zur eigenen Arbeit genutzt. Zunächst wandte sich ihnen die Verfassungsgeschichte mit der Darstellung des Zusammenhanges zwischen Staatsverfassung und Militärverfassung zu, später nahm auch die Wirtschaftsgeschichte die Anregungen auf. Das Geheimnis der militänschen Großmachtpolitik Preußens vor dem Hintergrund seines vergleichsweise bescheidenen ökonomischen Potentials gilt es seitdem bis auf die heutigen Tage zu entschlüsseln. Gemeinsam blieb jedoch allen Forschern, daß Milıtärgeschichte nur Geschichte von Kriegen war. Das Verhältnis von Zivilbevölkerung und militärischer Gesellschaft in Fnedenszeiten interessierte damals noch nicht. Hier setzt die neue militärgeschichtliche Forschung an, die in Potsdam seit einigen Jahren ihr Zentrum in Forschung und Lehre gefunden hat. Olaf Gründel
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PUTZ 1-2/99