TRADITIONEN UND NEUE KONTAKTE
Eine Ehemalige über ihr Verhältnis zur Potsdamer Uni
Seit 1995, dem Abschluß ihres Zweiten Juristischen Staatsexamens, arbeitet Ingrid Schott als Richterin am Verwaltungsgericht in Potsdam. Sie hat nicht nur Vorgängereinrichtungen des Rechtswesens im Land Brandenburg kennengelernt, sondern auch die Neugründung der Juristischen Fakultät und die Gründung der Universität Potsdam miterlebt. Mit der Ehemaligen sprach Dr. Thomas Freitag für die PUTZ.
PUTZ: Welche Erinnerungen verbinden Sie als eine Ehemalige mit der Zeit um 1991, als die Juristische Fakultät und im Sommer dann die Universität gegründet wurden? Schott: Dies war eine turbulente und chancenreiche Zeit. Ich kam aus einer Vorgängereinrichtung, der Akademie für Staat und Recht, lernte zeitweilig die Hochschule für Recht und Verwaltung kennen, bevor die an Jahren junge, aber an der Universität älteste Fakultät, die Juristische Fakultät, errichtet wurde. Nach dem Studium war ich in der Zeit des Referendarnats als wissenschaftliche Assistentin bei Professor Loschelder tätig. Seit ich Richterin bin, verbleibt mir zu einer regelmäßigen wissenschaftlichen Tätigkeit leider nicht mehr die Zeit. Zu dieser Zeit war ich auch als gewählte Studentensprecherin hautnah am Geschehen. Damals hatten wir gute Kontakte zu den Professoren und den Beschäftigten. Heute ist die Uni viel größer geworden und es ist schwieriger, die Verbindung zu halten. PUTZ: Könnten Sie sich praktische Kontakte zu anderen Ehemaligen und zum Geschehen der Uni vorstellen? Schott: Wie das praktisch in großem Stil aussehen soll, kann ich nicht sagen. Die damalige Aufbruchsituation, von der ich sprach, die Chancen, die im Zuge der deutschen Wiedervereinigung eröffnet wurden, waren ganz elementare Erfahrungen in meinem Studentenleben. Es gab ein Empfinden von Zusammengehörigkeit, gerade auch über den Studienalltag hinaus. Beispielsweise gingen wir aus Babelsberg zum Fasching zum Neuen Palais, die Studenten von dort auch zu uns. Ich stelle mir vor, daß diese räumlichen Entfernungen, aber auch die zunehmende Anonymität aufgrund der größeren Zahlen der Studierenden Hürden für ein gemeinsames Uni-Leben darstellen. Es ist ja schon schwierig, Kontakt zu meinen ehemaligen Kommilitonen zu halten, und wir waren nur eine kleine Gruppe. Die Kontakte nicht abreißen zu lassen, ist mir aber sehr wichtig. Heute ist es für mich eine liebgewordene Tradition, jedes Jahr die Tagung des Kommunalwissenschaftlichen Instituts zu besu
chen und gleichzeitig„alte Bekannte“ wieder zu treffen. Außerdem lerne ich Studierende der Uni kennen, die als Praktikanten und sogar als Referendare am Verwaltungsgericht arbeiten. PUTZ: Erleben Sie die Universität noch auf andere Weise? Schott: Ja. Meine Tochter besucht das Helmholtz-Gymnasium in Potsdam. Dort bin ich Mitglied der Schulkonferenz. Weil die mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen an diesem Gymnasium eine besondere Präferenz besitzen, erlebe ich, wie die Arbeit mit zukünftigen Abiturienten aussieht. Die Verbindungen zwischen Gymnasium und Universität sind in dieser Hinsicht vielgestaltig. Außerdem will ich anmerken, daß ich Mitglied der Juristischen Gesellschaft bin und dort frühere Mitstreiter treffe. Gelegentlich nutze ich die gut ausgestattete Bibliothek der Juristischen Fakultät in Babelsberg.
PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.
Die ehemalige Studentin Ingrid Schott ist heute Richterin am Potsdamer Verwaltungsgericht. Foto: Tribukeit
EINSATZ FÜR MENSCHENRECHTE
50 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Anläßlich des 50. Jubiläums fand am 10. Dezember 1998, dem Jahrestag der Proklamation der Erklärung, die feierliche Abschlußveranstaltung des Jahresprogrammes des Menschenrechtszentrums der Universität Potsdam und die Preisverleihung des durch das Menschenrechtszentrum initiierten Schülerwettbewerbs im Potsdamer Alten Rathaus statt.
Dieser Festakt bildete den Abschluß einer Vortragsreihe zum Thema Menschenrechte, die unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Manfred Stolpe, stand. Dabei konnten durch den Direktor des Menschenrechtszentrums, Prof. Dr. Eckart Klein, unter anderem mit Prof. Dr. Thomas Buergenthal von der Universität Washington und Prof. Dr. Christian Tomuschat von der Humboldt-Universität zu Berlin zwei der weltweit bedeutendsten Völker- und Menschenrechtler sowie der damalige Bundesjustizminister, Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig, als Referenten gewonnen werden. Außerdem entstand in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Kunst eine Ausstellung, deren Reiz im Nebeneinander von juristischen Dokumentationen, Texttafeln zu Wurzeln,
Bedeutung und Auswirkung der Erklärung der Menschenrechte sowie künstlerischen Arbeiten lag.
Manfred Stolpe forderte in seinem Grußwort anläßlich der Feierstunde mehr Engagement gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit auch im Land Brandenburg. Der Staatssekretär im Bundesjustizministerium Dr. Hansjörg Geiger betonte, daß es Zeit werde, die Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzern und Völkermördern zu beenden und, wie im Pinochet-Fall, deren Immunität aufzuheben. Den Gastvortrag der Veranstaltung hielt der Generalsekretär des Europarates Dr. Hans Christian Krüger zum Thema„Die Entwicklung des Europäischen Menschenrechtsschutzes“, Höhepunkt des Abends war die Preisverleihung des Schülerwettbewerbes zum Thema„Allgemeine Menschenrechtserklärung“. Unter den 57 Einsendungen aus Schulen des Landes Brandenburg wurden die besten Arbeiten, vor allem Plakatentwürfe, mit Geldpreisen prämiert.
Ebenfalls anläßlich des 50. Jahrestages der Erklärung der Menschenrechte fand Anfang Januar in Jerusalem eine vom Menschenrechtszentrum gemeinsam mit der dortigen Universität organisierte internationale Tagung statt. Schwerpunkt der Beratung waren vor allem die Wurzeln der Menschenrechte und Menschenwürde. Jan Thiele
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