GUSSFEHLER IM MOTORBLOCK
Konturtomographie für zerstörungsfreie Werkstoffprüfung
Die dreidimensionale Computertomographie gehört inzwischen zu den Standardmethoden der medizinischen Diagnostik. Ohne den Menschen aufzuschneiden, sehen Ärzte auf den Aufnahmen, wo sich im Innern des Schädels Adern verengen oder Gewebe wuchern und können etwaige Eingriffe planen. Bei der Computertomographie fährt die Röntgenröhre um den Patienten herum und durchleuchtet ihn von allen Seiten. Aus der nichtabsorbierten Strahlung errechnet der Computer ein räumliches Bild der Dichte im Körper, auf dem Tumore und Anomalien sichtbar werden.
Für die Materialprüfung von Werkstücken der Industrie ist das aufwendige Verfahren jedoch viel zu teuer. Dabei besteht durchaus Bedarf an innerer Einsicht, gerade bei hochwertigen Werkstücken aus einem Guß. Bei der Motorenproduktion der Firma Porsche werden zum Beispiel die Motorenblöcke als Ganzes gegossen. Zur Zeit muß jeder hundertste Motorblock aufgesägt werden, um Fehler zu entdecken. Dabei wird dieser Motorblock natürlich zerstört. Mit der Konturtomographie könnte dagegen am Fließband jeder Motorblock überprüft werden, ohne daß er kaputtgeht.
Eine elegante, abgespeckte Version der dreidimensionalen Tomographie für die zerstörungsfreie Materialprüfung hat Prof. Dr. Peter Maaß von der Universität Potsdam entwickelt. Der junge Mathematiker beschränkt sich auf das Wesentliche. ‚Wir versuchen nicht wie in der Medizin die gesamte Dichte zu rekonstruieren, sondern wollen lediglich prüfen, ob die-Konturen im Inneren des Werkstücks Defekte aufweisen“, erklärt Maaß. Die Lösung für das Problem fanden Peter Maaß und Alfred Karl Louis von der Universität Saarbrücken schon im Jahr 1991. Damals entdeckten sie einen Algorithmus, mit dem sich Sprünge in der Dichte eines Materials charakterisieren lassen, die für Risse, Kanten und Lufteinschlüsse typisch sind. Seit 1996 haben Maaß und Louis diesen Algorithmus patentiert.
Die dreidimensionale Rekonstruktion von inneren Konturen ist allerdings trotzdem kein einfaches Problem. Das Ergebnis der Rechnung hängt empfindlich von den Meßdaten ab, die selbst mit einem Fehler behaftet sind. Ändert sich nur ein Hauch an den Ausgangsdaten, so sieht das errechnete Bild völlig anders aus. Solche Probleme nannten Mathematiker zu Anfang des Jahrhunderts„schlechtgestellt“. Erst in den 50er Jahren entdeckten sie, daß sich manche Fragen prinzipiell nicht besser stellen lassen. Maaß und seine Mitarbeiter können mit solchen Problemen allerdings umgehen, sie berechnen die Fehler und ermitteln, wie zuverlässig das Ergebnis ist. Für die Innenansicht eines Maschinenteils rekonstruiert ihr Programm zunächst die groben Strukturen, vergleicht das rekonstruierte Bild mit den experimentellen Daten und fügt Feinheiten dazu. Je feiner die Strukturen, desto höher werden die Unsicherheiten. Ab einer bestimmten Grenze bricht daher die Rechnung ab.
Zusammen mit Dr. Hartmut Schachtzabel, der ebenfalls als Mathematiker an der Uni Potsdam arbeitet, gründete Maaß 1995 die Firma WiSenT GmbH(der Name steht für
Wissenschaft, Softwareentwicklung und Technologietransfer). Inzwischen hat die Firma WiSenT in Kooperation mit der B.O.S. GmbH(Berliner Oberspree Sondermaschinenbau) einen Prototyp eines Konturtomographen gebaut. Neu daran ist vor allem die Steuerung der Röntgenröhre, die fest steht und nur den Röntgenstrahl hin- und herschwenkt. So wird die teure PräzisionsmeChanik eingespart, die in der Medizin zur dreidimensionalen Bewegung der Röntgenröhre benötigt wird. Das Untersuchungsobjekt steht in einem Hohlraum von der Größe einer Umzugskiste und dreht sich während der Untersuchung. Durch die Kombination von Drehung und Strahlbewegung tasten die Röntgenstrahlen das Objekt aus drei Raumrichtungen ab. Die
Das Röntgenbild eines aus einem Stück gegossenen Motorblocks(Modell Boxster der Firma Porsche) zeigt die verschiedenen Luft- und Treibstoffzuleitungen. Durch solche Aufnahmen lassen sich innere Defekte ausfindig machen, ohne den Motor aufzusägen.
Aufnahme: Silke Wündrich
ersten Feuerproben an einem Motorblock des Modells BOXSTER von Porsche hat das Gerät bereits bestanden. Während sich Patienten für mindestens zehn Minuten durchstrahlen lassen müssen, gibt es vom Motorblock schon nach 30 Sekunden ordentliche Bilder seines Innenlebens. Einen 3D-Konturtomographen könnte man also durchaus am Fließband aufstellen, wo er hochwertige Werkstücke auf Herz und Nieren prüfen könnte, bevor sie in die teure Weiterverarbeitung gehen. ar
PITT KOOPERIERT MIT US-EXPERTEN
Zu den Aufgaben des Potsdamer Innovations- und Technologie-Transfers(PITT), gehört das Patens-Marketing. Brian O’Riordan von der Springbourne Consultancy, einer Beratergesellschaft aus Brecksville in Ohio(USA), hält seit zwei Jahren engen Kontakt zum PITT und gab wichtige Unterstützung bei der Verbesserung des Serviceangebotes der Transferstelle im Bereich Patentverwertung. Zuletzt unterstützte er die Antragstellung im EXIST-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums.
Kürzlich informierte er in Potsdam über erfolgreiche Modelle des Transfers neuer Technologien und bei der Vermarktung von Patenten in den USA. Durch den Bayh-Dole Act, ein Gesetz aus dem Jahre 1980, wurden die Hochschulen in den USA in die Lage versetzt, von den Erlösen aus den Lizenzierung ihrer Patente und anderen gewerblichen Schutzrechten direkt zu profitieren.
Im Dezember überzeugte sich O’Riordan vor Ort von den Fortschritten bei der Vermarktung gewerblicher Schutzrechte der
Brandenburgischen Hochschulen. So besuchte der Gast aus den USA das Technologiezentrum Teltow und führte Gespräche im Wissenschaftsministerium Brandenburg und mit Erfindern der Region, darunter auch aus der Universität Potsdam sowie mit Vertretern des Netzwerkes der Brandenburger Hochschultransferstellen(IQ Brandenburg Transfer).
An der Abschlußpräsentation der Ergebnisse eines Projektes zum Behindertensport am Institut für Sportmedizin und Prävention der Uni nahm der Gast ebenso teil. Gemeinsam mit körperlich Behinderten diskutierten Studenten des Institutes mit Institutsdirektor Prof. Dr. Gernot Badtke und Projektleiter Dr. Dieter Lazik sowie Vertretern von Behinderteneinrichtungen und Landessportbund Ideen für neue Sportgeräte und technische Lebenshilfen speziell für diese Zielgruppe. Von diesem Projekt angetan zeigte sich auch Brian O’Riordan. Neue Patentideen und marktfähige Produkte nicht nur für Behinderte könnten seiner Meinung nach hierbei entstehen.
Seite 14
PUTZ 1-2/99