Heft 
(1.1.2019) 1/2
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STANDORTBESTIMMUNG DES MENSCHEN

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Brigitte Sändig

Den TitelBedrohte Freiheit: Zur Stand­ortbestimmung des Menschen bei Benja­min Constant gab Brigitte Sändig, Pro­fessorin für romanische Literaturwissen­schaft am Institut für Romanistik der Uni­versität Potsdam, ihrer Antrittsvorlesung, die sie am 1. Dezember 1998 hielt.

Der Wissenschaftlerin ging es darum, sich gegen eine Vernachlässigung, ja Verleug­nung des Menschen zu wenden und den französischen ‚Vater des Liberalismus Benjamin Constant(1767 bis 1830) als Ver­teidiger von Freiheit und Privatsphäre des Menschen vorzustellen. Constant hatte ein lebenslanges Interesse an praktizierter menschlicher Freiheit an den Tag gelegt, er war jedoch selbst in Frankreich bis etwa zum Beginn der achtziger Jahre vor allem als Autor des kleinen RomansAdolphe bekannt. Ziel des Romans ist laut Constants Meinung dieBeobachtung des menschli­chen Herzens.Der Titelheld, so Brigitte Sändig,ein gelangweilter, seine Unabhän­gigkeit demonstrativ zur Schau stellender junger Adliger, bemüht sich heftig um eine ihm interessant erscheinende Frau; nach­dem diese sich unter großen Opfern für ihn entschieden hat, wird er ihrer und der Bindung überdrüssig, wagt aber nicht, die Geliebte zu verlassen und verursacht durch seine Unentschiedenheit deren Tod. Die Freiheit, die Adolphe zu Beginn inne­hatte und der er während der Liebesbezie­hung nachgetrauert hat, war die Freiheit

der Abgren­zung, die re­lative, nega­tive Freiheit, mit der sich das Indivi­duum staat­lich-gesell­schaftlicher Übergriffe erwehrt. Constants wesentliche Leistung, nämlich zu begründen, was man einen modernen Hu­manismus nennen könnte, wurde damals nicht wahrgenommen. Die Referentin hat seine Vielfältigkeit als Schriftsteller, Histori­ker, Philosoph und Soziologe in ihrer An­trittsvorlesung herausgearbeitet und wies darauf hin, daß auch innerhalb ein und des­selben Werkesdie Bereiche seiner Aktivi­tät nicht immer säuberlich voneinander zu trennen sind. Er bejahte die Ergebnisse der französischen Revolution und verteidig­te die Freiheit des Menschen auf allen Ge­bieten: in der Religion, Philosophie, Litera­tur, Produktion und Politik, wobei er aus­drücklich betonte, daß Freiheit sich nur bei Abwesenheit von Interesse etablieren und bewahren kann. Anleitung dafür zu geben, wieein Volk die Freiheit erlangt, konnte Constants Sache nicht sein.

Maria Pichottka

Prof. Dr. Brigitte Sändig Foto: Tribukeit

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Bundesstiftung Umwelt ergänzend zur Pro­jektförderung ein Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, das hochqualifizierte Nachwuchswissenschaft­ler durch Promotions- und Habilitationssti­pendien unterstützt. Das Stipendienpro­gramm richtet sich an Bewerber, die an deutschen Hochschulen oder Forschungs­einrichtungen angewandte Forschungsthe­men mit klarem Bezug zu aktuellen Umwelt­problemen in Deutschland bearbeiten und mit ihrer Arbeit zur Lösung dieser Probleme beitragen. Jährlich werden von der Stiftung 50 Stipendien vergeben. Bewerbungstermi­ne sind der 15. Januar und 15. Juli eines Jah­res. Grundsätzlich können sich Wissen­schaftler aller Fachrichtungen bewerben. Voraussetzung ist ein überdurchschnittlich guter Universitätsabschluß. Informationen sind zu erhalten über das Referat Stipen­dienprogramm der Deutschen Bundesstif­tung Umwelt, Postfach 1705, 49007 Osna­brück, Telefon 0541/9633-363, E-mail: j.heidbrink@dbu.de. nl.

Henry Ford European

Conservation Awards

Zum 16. Mal soll 1999 der Henry Ford Preis, mit 500.000 US-$ der höchstdotierte von der Wirtschaft verliehenen Bürgerpreis, verge­ben werden. Er wird vom Europarat, dem UNESCO-Zentrum für das Weltkulturerbe und der Conservation Foundation unter­stützt. Ausgezeichnet werden Gemein­schafts- und Einzelprojekte zum Schutz der Umwelt oder zur Bewahrung des Kultur­erbes in den Kategorien Naturschutz, Kulturerbe, Umwelttechnologie sowie Kin­der- und Jugendprojekte.

Der Bewerbungsschluß ist der 26. Februar 1999. Die Ausschreibungsunterlagen befin­den sich im Dezernat 1. gr.

Programm Raphael

Im Programm Raphael können jetzt Anträ­ge für Projekte in 1999 eingereicht werden. Diese müssen Merkmale des gemeinsa­men kulturellen Erbes und grenzübergrei­fende Strömungen herausstellen, die zur Entstehung eines gemeinsamen kulturel­

len Erbes beigetragen haben. Frist für die Antragstellung ist der 26. März.1999.

Informationen sind erhältlich unter http:// europa.eu.int/eur-lex/de/oj/index.html. Leitfaden und Antragsformulare liegen im Dezernat 1 vor. gr.

Aspekte der Energieeffizienz

SAVE ist der Aufruf der Generaldirektion XVII im Mehrjahresprogramm zur Förde­rung nichttechnologischer Aspekte der Energieeffizienz. Das Programm besteht aus drei Hauptkomponenten: Den energiepoliti­schen Direktiven, Pilotmaßnahmen zur Um­setzung dieser Direktiven und zum Test wei­terer Energieeinsparmaßnahmen sowie Stu­dien als Begleit- und Unterstützungsförde­rung zu Direktiven und Pilotprojekten. Die Höhe der EU-Zuschüsse beträgt bis zu 100 Prozent für Studien und Monitoring sowie Evaluierungsaktivitäten und bis zu 50 Pro­zent für Plotmaßnahmen. Es müssen minde­stens zwei Partner aus zwei verschiedenen Mitgliedstaaten Anträge einreichen, wobei auch ein Partner aus einem Land des euro­päischen Wirtschaftsraums oder aus einem assoziierten Land der Beitrittskandidaten aus Mittel- und Osteuropa sowie Zypern kommen kann. Die Frist für das Einreichen der Vorschläge ist der 31.03.1999 für folgen­de Bereiche: Rationelle Energienutzung in Gebäuden; in Anlagen, im Verkehr, in der Industrie, Nachfragesteuerung und inte­gnierte Ressourcenplanung, Förderung der Kraft-Wärmekopplung, Studien im Hinblick auf die Umsetzung von Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene, Überwachung der Fortschritte der Energieeffizienz, Informa­tions- und Informationsverbreitungsmaßnah­men, Einrichtung regionaler und lokaler Energieagenturen. Weitere Informationen sind unter http://europa.eu.int/en/comm/ dg17/save.htm abrufbar. gr.

5. Forschungsrahmenprogramm

Seit dem 18. November 1998 steht das Gesamtbudget von 14,96 Milliarden ECU für das 5. Rahmenprogramm fest. Davon entfal­len 13,7 Mrd. ECU auf die vier thematischen und drei horizontalen Programme und 1,26 Mrd. ECU auf die Fusions- und Nuklear­forschung im Rahmen des EURATOM-Ver­trages. Mit den ersten Ausschreibungen wird im März 1999 gerechnet. gT.

Förderangebote

Die Volkswagenstiftung hat ihrPartner­schaftsprogramm" mit natur- und ingenieur­wissenschaftlichen Institutionen in Afrika, Asien und Lateinamerika durch zusätzliche finanzielle und instrumentelle Fördermög­lichkeiten ausgebaut und auf wirtschafts­wissenschaftliche Themen ausgeweitet. Der SchwerpunktNeuroimmunologie, Ver­halten und Befinden wurde dagegen mit sofortiger Wirkung beendet. 8

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