STANDORTBESTIMMUNG DES MENSCHEN
Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Brigitte Sändig
Den Titel„Bedrohte Freiheit: Zur Standortbestimmung des Menschen bei Benjamin Constant“ gab Brigitte Sändig, Professorin für romanische Literaturwissenschaft am Institut für Romanistik der Universität Potsdam, ihrer Antrittsvorlesung, die sie am 1. Dezember 1998 hielt.
Der Wissenschaftlerin ging es darum, sich gegen eine Vernachlässigung, ja Verleugnung des Menschen zu wenden und den französischen ‚Vater des Liberalismus“ Benjamin Constant(1767 bis 1830) als Verteidiger von Freiheit und Privatsphäre des Menschen vorzustellen. Constant hatte ein lebenslanges Interesse an praktizierter menschlicher Freiheit an den Tag gelegt, er war jedoch selbst in Frankreich bis etwa zum Beginn der achtziger Jahre vor allem als Autor des kleinen Romans„Adolphe“ bekannt. Ziel des Romans ist laut Constants Meinung die„Beobachtung des menschlichen Herzens“.„Der Titelheld“, so Brigitte Sändig,„ein gelangweilter, seine Unabhängigkeit demonstrativ zur Schau stellender junger Adliger, bemüht sich heftig um eine ihm interessant erscheinende Frau; nachdem diese sich unter großen Opfern für ihn entschieden hat, wird er ihrer und der Bindung überdrüssig, wagt aber nicht, die Geliebte zu verlassen und verursacht durch seine Unentschiedenheit deren Tod. Die Freiheit, die Adolphe zu Beginn innehatte und der er während der Liebesbeziehung nachgetrauert hat, war die Freiheit
der Abgrenzung, die relative, negative Freiheit, mit der sich das Individuum staatlich-gesellschaftlicher Übergriffe erwehrt.“ Constants wesentliche Leistung, nämlich zu begründen, was man einen modernen Humanismus nennen könnte, wurde damals nicht wahrgenommen. Die Referentin hat seine Vielfältigkeit als Schriftsteller, Historiker, Philosoph und Soziologe in ihrer Antrittsvorlesung herausgearbeitet und wies darauf hin, daß auch innerhalb ein und desselben Werkes„die Bereiche seiner Aktivität nicht immer säuberlich voneinander zu trennen sind“. Er bejahte die Ergebnisse der französischen Revolution und verteidigte die Freiheit des Menschen auf allen Gebieten: in der Religion, Philosophie, Literatur, Produktion und Politik, wobei er ausdrücklich betonte, daß Freiheit sich nur bei Abwesenheit von Interesse etablieren und bewahren kann. Anleitung dafür zu geben, wie„ein Volk die Freiheit erlangt, konnte Constants Sache nicht sein“.
Maria Pichottka
Prof. Dr. Brigitte Sändig Foto: Tribukeit
Fortsetzung von Seite 15
Bundesstiftung Umwelt ergänzend zur Projektförderung ein Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, das hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftler durch Promotions- und Habilitationsstipendien unterstützt. Das Stipendienprogramm richtet sich an Bewerber, die an deutschen Hochschulen oder Forschungseinrichtungen angewandte Forschungsthemen mit klarem Bezug zu aktuellen Umweltproblemen in Deutschland bearbeiten und mit ihrer Arbeit zur Lösung dieser Probleme beitragen. Jährlich werden von der Stiftung 50 Stipendien vergeben. Bewerbungstermine sind der 15. Januar und 15. Juli eines Jahres. Grundsätzlich können sich Wissenschaftler aller Fachrichtungen bewerben. Voraussetzung ist ein überdurchschnittlich guter Universitätsabschluß. Informationen sind zu erhalten über das Referat Stipendienprogramm der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Postfach 1705, 49007 Osnabrück, Telefon 0541/9633-363, E-mail: j.heidbrink@dbu.de. nl.
Henry Ford European
Conservation Awards
Zum 16. Mal soll 1999 der Henry Ford Preis, mit 500.000 US-$ der höchstdotierte von der Wirtschaft verliehenen Bürgerpreis, vergeben werden. Er wird vom Europarat, dem UNESCO-Zentrum für das Weltkulturerbe und der Conservation Foundation unterstützt. Ausgezeichnet werden Gemeinschafts- und Einzelprojekte zum Schutz der Umwelt oder zur Bewahrung des Kulturerbes in den Kategorien Naturschutz, Kulturerbe, Umwelttechnologie sowie Kinder- und Jugendprojekte.
Der Bewerbungsschluß ist der 26. Februar 1999. Die Ausschreibungsunterlagen befinden sich im Dezernat 1. gr.
Programm Raphael
Im Programm Raphael können jetzt Anträge für Projekte in 1999 eingereicht werden. Diese müssen Merkmale des gemeinsamen kulturellen Erbes und grenzübergreifende Strömungen herausstellen, die zur Entstehung eines gemeinsamen kulturel
len Erbes beigetragen haben. Frist für die Antragstellung ist der 26. März.1999.
Informationen sind erhältlich unter http:// europa.eu.int/eur-lex/de/oj/index.html. Leitfaden und Antragsformulare liegen im Dezernat 1 vor. gr.
Aspekte der Energieeffizienz
SAVE ist der Aufruf der Generaldirektion XVII im Mehrjahresprogramm zur Förderung nichttechnologischer Aspekte der Energieeffizienz. Das Programm besteht aus drei Hauptkomponenten: Den energiepolitischen Direktiven, Pilotmaßnahmen zur Umsetzung dieser Direktiven und zum Test weiterer Energieeinsparmaßnahmen sowie Studien als Begleit- und Unterstützungsförderung zu Direktiven und Pilotprojekten. Die Höhe der EU-Zuschüsse beträgt bis zu 100 Prozent für Studien und Monitoring sowie Evaluierungsaktivitäten und bis zu 50 Prozent für Plotmaßnahmen. Es müssen mindestens zwei Partner aus zwei verschiedenen Mitgliedstaaten Anträge einreichen, wobei auch ein Partner aus einem Land des europäischen Wirtschaftsraums oder aus einem assoziierten Land der Beitrittskandidaten aus Mittel- und Osteuropa sowie Zypern kommen kann. Die Frist für das Einreichen der Vorschläge ist der 31.03.1999 für folgende Bereiche: Rationelle Energienutzung in Gebäuden; in Anlagen, im Verkehr, in der Industrie, Nachfragesteuerung und integnierte Ressourcenplanung, Förderung der Kraft-Wärmekopplung, Studien im Hinblick auf die Umsetzung von Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene, Überwachung der Fortschritte der Energieeffizienz, Informations- und Informationsverbreitungsmaßnahmen, Einrichtung regionaler und lokaler Energieagenturen. Weitere Informationen sind unter http://europa.eu.int/en/comm/ dg17/save.htm abrufbar. gr.
5. Forschungsrahmenprogramm
Seit dem 18. November 1998 steht das Gesamtbudget von 14,96 Milliarden ECU für das 5. Rahmenprogramm fest. Davon entfallen 13,7 Mrd. ECU auf die vier thematischen und drei horizontalen Programme und 1,26 Mrd. ECU auf die Fusions- und Nuklearforschung im Rahmen des EURATOM-Vertrages. Mit den ersten Ausschreibungen wird im März 1999 gerechnet. gT.
Förderangebote
Die Volkswagenstiftung hat ihr„Partnerschaftsprogramm"“ mit natur- und ingenieurwissenschaftlichen Institutionen in Afrika, Asien und Lateinamerika durch zusätzliche finanzielle und instrumentelle Fördermöglichkeiten ausgebaut und auf wirtschaftswissenschaftliche Themen ausgeweitet. Der Schwerpunkt„Neuroimmunologie, Verhalten und Befinden“ wurde dagegen mit sofortiger Wirkung beendet. 8
Seite 16
PUTZ 1-2/99