Heft 
(1.1.2019) 1/2
Einzelbild herunterladen

Fortsetzung von Seite 17

von einem Bach teilweise freigelegt wor­den. Der Farmer Dwight Fowler, dessen Familie langfristiger Pächter des Schlages ist, erinnerte sich daran, daß um 1940 sein Vater das ausgediente Gerät dort stehenge­lassen hatte, Nun läßt sich unter Einbezie­hung von Geländevermessungen berech­nen, wieviel Boden seither verlagert wurde. An diesen Standorten wurden mit Werten von über 150 Tonnen pro Hektar und Jahr geradezu gigantische Bodenverlagerungen nachgewiesen. Die ersten weißen Siedler kamen um 1850 nach Oregon, Washington und Idaho und schufen mit der landwirtschaftlichen Nut­zung Bedingungen, die eine starke Boden­erosion begünstigten. Die Landnutzungs­geschichte dieser letzten 150 Jahre ist- im Vergleich zu Mitteleuropa, wo bereits seit 7000 Jahren Ackerbau betrieben wird- gut dokumentiert. Das macht den Nordwesten der USA zu einem idealen Standort für die Erforschung von Zusammenhängen zwi­schen der Nutzung einer Landschaft und Bodenverlusten durch Erosion.

So traten neben die Feldarbeiten umfang­reiche Nachforschungen in Bibliotheken, Museen und Archiven. Zudem konnten in zahlreichen Gesprächen mit Farmern und Mitarbeitern von Behörden und Universitä­ten viele Fragen beantwortet und wichtige Kontakte geknüpft werden.

Zurück in Potsdam, gilt es nun, die von den Wissenschaftlern mitgebrachten Daten und Erkenntnisse in Diplomarbeiten und Dis­sertationen umzusetzen. Tilo Schnur

Um die Bodenerosion quantitativ zu bestimmen, sind die Wissenschaftler aufZeitmarken ange­wiesen. Auf dem Foto erkennt man eine helle Ascheschicht, die vom Vulkanausbruch des Mt. St. Helen 1980 stammt und auch einen alten Pflug, den ein Farmer um 1940 abgestellt hatte.

Foto: Schnur

NUR MUT

Plädoyer für ein Studienstipendium

Beate Fischer studiert seit 1992 an der Universität Potsdam Soziologie, Psycho­logie und Germanistik/Sprachwissen­schaft. Ende 1997 erwarb sie im Anschluß an einen längeren Studienaufenthalt in Edinburgh den Grad eines Masters of Social Sciences in Social Research. Jetzt steht sie kurz vor dem Diplom. Ihr Bericht über Erfahrungen als Stipendiatin einer Stiftung soll andere Studierende ermuti­gen, sich zu bewerben.

Seit April 1994 genieße ich die Förderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Nachdem ich die Bestätigung in der Tasche hatte, kam allerdings niemand und fragte, wie denn meine Bewerbung aussah oder erkun­digte sich nach meinen Erfahrungen bei der Auswahltagung. Zunächst mußte ich mich fast verteidigen:...Nein, nein, ich mußte nicht in die CDU eintreten, ich habe auch keinen Schwur auf den(damaligen) Kanzler abgelegt. Die Stiftungen wollen vor allem Studenten mit politischem Interesse und gesellschaftlichem Engagement för­dern. Natürlich sollte deren Weltanschau­ung nicht im krassen Gegensatz zu den Stiftungsstatuten stehen, aber totale Anpas­sung ist nicht gefragt.

Warum aber sind es nur so wenige, die sich um ein Studienstipendium bei einer Stiftung bewerben? Die Adressen sind leicht zu fin­den: Im Vorlesungsverzeichnis der Uni Pots­dam unterFördernde Einrichtungen oder im Stiftungsverzeichnis der Bibliothek. Wer von einer Stiftung ein Stipendium bekommt, erhält nicht nur monatlich Unterhalt und Büchergeld; er steht auch am Ende des Stu­diums ohne BAföG-Schulden da- außerdem veranstalten die Stiftungen Seminare, vermit­teln Praktikumsplätze und Kontakte und un­terstützen Auslandsstudienaufenthalte. Ich nehme nicht nur mit großem Interesse an vielen Seminaren teil, sondern habe auch mit Hilfe eines Auslandsstipendiums ein Jahr in Edinburgh/Schottland studiert und dort den Master of Arts-Abschluß erworben. Für die größte Herausforderung halte ich die Entscheidung, bei welcher Stiftung man sich bewerben will. Ausschlaggebend sollte nicht die finanzielle Seite sein, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem je­weiligen Credo einer Studienstiftung, ihren Traditionen und den gesellschaftlichen Gruppen, die sie repräsentieren. Mehrfach­bewerbungen sind immer ein Grund für die Ablehnung eines Antrags.

Der nächste Schritt ist die schriftliche Be­werbung. Den sorgfältig ausgefüllten Be­werbungsunterlagen sind Zeugniskopien

und Nachweise beizufügen, die belegen, daß man sich gesellschaftlich engagiert. Unverzichtbar sind auch Gutachten von Lehrern, Professoren oder Vereinsvorsitzen­den, die den Bewerber fachlich und persön­lich als geeignet einschätzen. In meinem Fall hat dieser Teil der Bewerbung drei Monate in Anspruch genommen, eine Zeit, die beiSchwerstbegabung sicher auch unterboten werden kann. Hat man das Aus­wahlgremium mit seiner schriftlichen Be­werbung schon fast überzeugt, erhält man eine Einladung zur Auswahltagung. Hier haben die Kandidaten Gelegenheit, in Gruppendiskussionen, schriftlichen Aufsät­zen und persönlichen Gesprächen ihre Förderungswürdigkeit zu demonstrieren. Das Prozedere ist spannend, die Mitbewer­ber Hochstapler, Über- oder Tiefflieger und die Jury ein geheimnisvolles Gremium, de­ren Auswahlkriterien im Dunkeln bleiben. Die beste innere Haltung ist immer noch die: Wenn sie mich nicht so haben wollen wie ich bin, haben sie die Chance verpaßt, mich zu kriegen.

Von einigen Stiftungen gibt es Stipendiaten­gruppen, Bei denen sich interessierte Stu­denten informieren können. Für die Konrad­Adenauer-Stiftung stehe ich unter Telefon 0331/71 15 21 gerne zur Verfügung. Also nur Mut und ran ans Telefon. Probieren geht über Studieren.

HÖCHSTSTAND AN STUDIERENDEN

Die Zahl der Studierenden an den elf bran­denburgischen Hochschulen hat im Winter­semester 1998/99 mit 27.575 einen Höchst­stand erreicht. Damit studieren dort neun Prozent(2.224) mehr als im Voynahr. Allein an den- drei Universitäten absolvieren 18.263 junge Leute ihre Ausbildung, wobei die Universität Potsdam die mit Abstand größte Anzahl von Studierenden, 11.722, hat. Weiter teilt das Landesamt für Daten­verarbeitung und Statistik mit, daß über die Hälfte der Studierenden(14.053) Frauen sind. Zur Zeit haben sich 2.403 Ausländer an den Hochschulen eingeschrieben. Am stärksten frequentiert ist nach wie vor die Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozlalwissenschaften. Im ersten Studien­fach sind hier 11.391 Studierende einge­schrieben. Es folgen die Fächergruppen Sprach- und Kulturwissenschaften, Inge­nieurwissenschaften, Mathematik, Natur­wissenschaften, Kunst, Kunstwissenschaft, Sport sowie Agrar-, Forst- und Ernährungs­wissenschaften. LDS

Seite 18

PUTZ 1-2/99