Peter Binstadt& Uwe A. Michelsen
Die Vermittlung optimaler Lösungsstrategien
Abb. 1
nur die gesuchte Größe und die gegebenen Größen vorkommen. Tabelle 1 verdeutlich, daß der relativ überschaubare Lehrstoff„Stromstärke, Spannung und Widerstand im Gleichstromkreis‘ bereits eine recht beachtliche Zahl von Formeln zur Lösung der innerhalb dieses Themenbereichs konstruierbaren Aufgabentypen enhält. Mit Hilfe dieser Formeln können sämtliche Aufgabentypen des betrachteten Lehrstoffes gelöst werden. Offensichtlich aber wäre es unklug, alle diese Formeln zu lehren. Wir fragen daher, ob es nicht Kriterien gibt, die es erlauben, den mit Tabelle 1 vorliegenden„Formel-Wust‘‘ zu strukturieren, ihn auf wenige, möglichst einfache Zusammenhänge zurückzuführen. Ob eine bestimmte Formel einfach oder kompliziert ist, kann erst entschieden werden, wenn feststeht, was als„Formel“ gilt und was„Einfachheit“ bedeutet. Deshalb vereinbaren wir die folgenden Kriterien, die zwar nicht„empirisch gesichert‘, aber in hohem Maße plausibel sind:
K 1 Formeln sind Äquivalenzbeziehungen zwischen einer linearen Größe und der Verknüpfung anderer Größen.
Beispiel: W/t= U*1I gilt daher nicht als Formel, wohl aber die Gleichung W=U*1*t,
K2 Formeln mit n Größen sind einfacher als solche, in denen n+ k Größen mit k> O verknüpft werden. Beispiel: W=P#*t ist einfacher als W=U*1*t,
K3 Eine Verknüpfung durch Addition ist einfacher als durch Subtraktion. Beispiel: K=S+ M ist einfacher als S=K-M.
K4 Eine Verknüpfung durch Multiplikation ist einfacher als durch Division.
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Tab. 1
{U} /{W, R, t}
{U} /{R, I}
{}/{P, R}
{1} /{P, U}
{R} /{U, P} {P}/{U, R} {P}/{W, t} {wW} /{R, I, t} {t} /{W, R, I}
Beispiel: U=R*T ist einfacher als I1=U/R.
K 5 Wenn die Größen einer Formel additiv und multiplikativ miteinander verknüpft sind, ist jene Formel am einfachsten, in der die verknüpften Größen nur einmal auftreten. Beispiel: L=(A+C)*D ist einfacher als L= A*D+C*D.
K 6 Verknüpfungen in Potenzschreibweise sind einfacher als Verknüpfungen, in denen Wurzeln auftreten. Beispiel: P= R*1? ist einfacher als 1=VP/R.
K 7 Potenzen werden im Linearfaktoren zerlegt, wenn dadurch mindestens zwei Größen einer Formel durch
I1= PR 6. ı?= p/rR
5)
K 2[R*I=U] P= U*I I= /W/(R*t) RS. ı®?= —K7_W= R*I*I*Mt
K 2[U*I=P]_ w= p*t
SE A Sl SSL 2=
{U} /{P, R} {U} /{P, I} {1} /{W, U, t} {R} /{U, W, t} {R} /{U, I} {P} /{R, I} {W}/{U, R, t} {w} /{P, t}
{t} /{W, U, I}
RA A
W/(R*t) A121. wW=
{U} /{W, 1, t} {1} /{W, R, t} {}/{U, R} {R} /{P, I} {R} /{W, I, t} {P} /{U, I} {w} /{U, I, t} {t} /{W,R, U}
{t} /{W, P}
Substitution zu einer Größe vereinigt werden können.
Beispiel: Aus W=R*[J?*t= R*1I*I*t und U=R*I wird W= U*p#t.
Wenn wir die Menge der Formeln, auf die sich der ‚„„Formel-Wust‘“ eines Lehrgebietes mit Hilfe der Kriterien K 1 bis K 7 reduzieren läßt, als Stammformeln bezeichnen, dann ist es möglich, die in Tabelle 1 aufgeführten Formeln auf die Stammformeln U= R*1I[Stammformel (1)], P=U*1I[Stammformel(2)] und W=P*t[Stammformel(3)] zurückzuführen. Diese Reduktion wird für I= VP/R und 1=VW/R*t beispielhaft
durchgeführt: Ps R*I2_R7, p=
R*1*I
R*ID«t
K_2[R*I=U]_ w= U*I*t
5 Mit dem Einfachheitskriterium K 2 und der Substitution von R*1I durch U(vgl. Tab. 1) wird
P= U*J).
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XIV, Heft 2, 1988