Zeitschrift 
Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
Seite
122
Einzelbild herunterladen

Gisela Friedrich+ Sprachentwicklungsdiagnostik und-förderung bei entwicklungsrückständigen Kindern

hängt vom Erfolg bzw. Mißerfolg des Kindes bei der Lösung der vorherge­henden Aufgabe ab(individualisiertes Einzeltraining).

Ziel: Aufholen und/oder Vermeiden von Entwicklungsrückständen beim Auf­bau ereignis- und situationsspezifischer Wissensstrukturen und deren Verbali­sierung

Zusammenfassung

Wir versuchten, einen Beitrag zur Un­tersuchung des Erwerbs einiger Haupt­klassen zwischenbegrifflicher seman­tischer Relationen im Vorschulalter zu leisten, verdeutlichten den engen Zu­sammenhang zwischen Sprachfähigkeit und intellektueller Leistungsfähigkeit im

Vorschulalter und wiesen die hohe pro­gnostische Qualität verschiedener Kom­poneneten der Sprachfähigkeit im frü­hen Vorschulalter nach.

Desweiteren veranschaulichten wir die erhebliche interindividuelle Variabilität. Im Entwicklungsniveau der untersuch­ten zwischenbegrifflichen semantischen Relationen zeigten sich zwischen den Kindern Unterschiede von einem Jahr. Aber wir demonstrierten auch, daß es beim Erwerb der Sprachfähigkeit eine große intraindividuelle Stabilität gibt. Kinder verändern selten ihren Platz in einer Rangreihe hinsichtlich ihrer Sprachentwicklung.

Untersuchungen an sprachentwick­lungsrückständigen Kindern belegten, daß diese Kinder bereits in sehr frühem Alter durch erhebliche semantische De­

fizite auffallen. Diese Tatsache veran­laßte uns, aus unserer Forschungs­methode ein diagnostisches Inventar zu entwickeln, das es ermöglicht, in ca. 20 Minuten die verbale Verfügbarkeit der fünf Hauptklassen zwischenbegriffliche semantischer Relationen zu erfassen. Mit dieser Analyse gelingt die Einschätzung des Entwicklungsniveaus eines der we­sentlichsten Bereiche des kindlichen Spracherwerbs.

Der immer wieder propagierten Einheit von Diagnose und Intervention tragen wir mit der Erarbeitung eines Förder­programms zur Verbesserung der ver­balen Verfügbarkeit der zwischenbe­grifflichen semantischen Relationen und damit einer Förderung der sprachlichen Strukturierung des ereignis- und situa­tionsbezogenen Wissens Rechnung.

Literatur

Bronfenbrenner, U.(1989). Die Ökologie der menschlichen Entwicklung. Frankfurt/M.: Fischer.

Bruner, J.(1987). Wie das Kind sprechen lernt. Verlag Hans Huber. Bern, Stuttgart, Toronto.

Friedrich, G.(1989). Empirische Befunde zur Ontogenese begrifflichen Wis­sens bei Vorschulkindern eine Längsschnittstudie. Dissertation A (unveröffentlicht), Leipzig: Universität.

Friedrich, G.(1991). Sprachentwicklung im Vorschulalter Voraussetzung zur Entwicklung kindlicher Kompetenz In: Mönks, Franz und Lehwald, Gerhard(Hrsg.): Neugier, Erkundung und Begabung bei Kleinkindern. München: Reinhard Verlag.;

Friedrich, G.& Lehwald, G.(1992). Frühindikatoren geistiger Entwicklung im sprachlichen Bereich. In: Hany, Ernst A. und Nickel, Horst(Hrsg.): Begabung und Hochbegabung. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle: Verlag Hans Huber.

Friedrich, G.& Lehwald, G.(im Druck). Einflüsse einiger Sozialisations­bedingungen auf die Sprachentwicklung von Vorschulkindern vor und nach der Wende. In: Trommsdorff, G.(Hrsg.): Psychologische Aspekte von Transformationsprozessen in den neuen Ländern.

Grimm, H.& Schöler, H.(1978). Heidelberger Sprachentwicklungstest. Braun­schweig, Göttingen: Hogrefe.

Häuser, D.& Kasielke, E.(1987). Theoretische Grundlagen und

erste empirische Befunde für ein Sprachentwicklungsverfahren. Berlin: Humboldt-Universität. Forschungsbericht(unveröffentlicht).

Häuser, D.(1989). Zu Grundlagen der Diagnostik der Sprachentwicklung im Vorschul- und frühen Schulalter. Berlin: Humboldt-Universität. Dissertation B(unveröffentlicht).

Adresse der Autorin:

Dr. Gisela Friedrich Fachbereich Psychologie Universität Leipzig Tieckstraße 2

D-04275 Leipzig

122

Hoffmann, J.(1986). Die Welt der Begriffe. Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften.

Klix, F.(Hrsg.)(1976). Psychologische Beiträge zur Analyse kognitiver Prozesse. Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften.

Klix, F.(Hrsg.)(1984). Gedächtnis Wissen Wissensnutzung. Berlin: Deutscher Verlag der Wissenschaften.

Lehwald, G.& Friedrich, G.(1987). Entwicklungspsychologische Probleme der Früherkennung von Begabungen. In: Psychologie für die Praxis. Ergänzungsheft.

Lehwald, G.(1992). Plädoyer für eine kindgemäße und entwicklungsgerechte

ogik. In: Ebert, S.(Hrsg.): Mit Kindern leben im gesellschaftli­chen Umbruch. München, Wien: Profil.

Schmidt, H.-D., Immisch, O.& Zemlin, C.(1984). Kinderpsychologische Erkundungsuntersuchungen zur Bilderbuchrezeption im Kleinkindalter. In: Psychologie für die Praxis, Heft 3, Berlin.

Schmidt, H.-D.(1991). Das Bild des Kindes und seine pädagogischen Konse­

uenzen. In: Schmidt/Schaarschmidt/Peter(Hrsg.): Dem Kinde zugewandt. N Oberlegangemund Vorschläge zur Erneuerung des Bildungswesens. Ho­hengehren: Schneider.

Schmidt, H.-D.(1992). Anmerkungen zu einem entwicklungszentrierten Erziehungsverständnis. In: Ebert, S.(Hrsg.): Mit Kindern leben im gesell­schaftlichen Umbruch. München, Wien: Profil.

Szagun, G.: Sprachentwicklung beim Kind. Eine Einführung. München, Weinheim, 3. Auflage 1986.

Szalai, S.(1992). Bemerkungen zur Spracherwerbsproblematik aus(sozio-) linguistischer Sicht. Leipzig, Universität.Diss. A(unveröffentlicht).

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XIX, Heft 3, 1993