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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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stischen Lesetests und des Diagnosti­schen Rechtschreibtests für die ersten beiden Klassen von R. Müller unter­sucht(vgl. Abschnitt Vor- und Nachtest unten). In die Studie wurden Kinder mit einem Prozentrang von kleiner 15 in mindestens einem der beiden Tests aufgenommen. Die Eltern von 10 Kin­dern machten von unserem Förderange­bot Gebrauch. Von den restlichen 28 Kin­dern wurden 10 Kinder ausgesucht, die nach den Leistungen im Lese- und Recht­schreibtest und in bezug auf mehrere Hintergrundsvariablen wie Alter und Geschlecht in etwa mit einem der För­derkinder übereinstimmten.

Als Intelligenztest wurden Ravens Coloured Progressive Matrices(deut­sche Bearbeitung von Schmidtke, Schal­ler& Becker, 1980) durchgeführt. Es handelt sich dabei um einen sprachfreien Intelligenztest. Der durchschnittliche Intelligenzquotient der Fördergruppe betrug 102(Bereich: 85112), derjenige der Kontrollgruppe 103(Bereich: 91 112). Die Fördergruppe setzte sich aus sieben Jungen und drei Mädchen zusam­men(durchschnittliches Alter: 8;3(8 Jahre und 3 Monate), Bereich: 7;39;4), die Kontrollgruppe aus acht Jungen und zwei Mädchen(durchschnittliches Alter: 8;0, Bereich 7;69;0) zusammen.

Förderung

Die zehn Kinder der Fördergruppe wur­den zweimal wöchentlich einzeln je ca. 50 Minuten durch zwei Mitarbeiter so­wie zwei Studierende am Institut für Psychologie gefördert. Insgesamt wur­den 20 Sitzungen abgehalten, wobei je­des Kind durchgehend vom gleichen Betreuer gefördert wurde. Das Training basierte auf der beschriebenen Förde­rung nach Bradley(1980) und Bryant & Bradley(1985). Bei der Auswahl der geübten Wörter orientierten sich die Betreuer an Vorschlägen des Kindes, vor allem aber auch an Wörter, die gerade im Rechtschreibunterricht in der Schule behandelt wurden. In der Regel wurden zu jedem neu eingeführten Wort zwei bis drei alliterierende oder reimen­de Wörter geübt. Zum Beispiel zu Pferd

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wurden als alliterierende Wörter Pfanne und Pfingsten geübt oder zu Haufen wurden als reimende Wörter laufen und saufen vorgeschlagen.

Bei den zum Auflegen der Wörter ver­wendeten Plastikbuchstaben waren die Vokale rot gefärbt und die Konsonanten grau. Dadurch sollte die Silbenstruktur der Wörter verdeutlicht werden. Ein weiterer Unterschied zu der oben skiz­zierten Übungsanleitung war, daß das Kind beim Nachlegen der Wörter bzw. beim Abschreiben sowie beim Schrei­ben ohne Vorlage anstelle der Buchsta­bennamen die Lautwerte der Grapheme während des Schreibvorganges produ­zierte. Dadurch sollte der Bezug der Schreibung zu der Lautstruktur des Wortes transparenter werden.

Um die Förderung aufzulockern, wurde mit dem Kind in jeder Fördereinheit auch gelesen, wobei u.a. Teile des För­derprogramms von Gutezeit(1987) ver­wendet wurden. Den Kern jeder Förder­stunde bildete jedoch das Vorgehen nach Bradley. Wörter, die das Kind in der Stunde trotz der Einübung nicht ohne Vorlage schreiben konnte, sollte das Kind in der beschriebenen Weise zu Hause üben.

Vor- und Nachtest

(1) Lesetest: Als Vor- und Nachtest wurden Kurzformen des Diagnostischen Lesetests für die 1. und 2. Klasse(DLT 12) von R. Müller in der Bearbeitung für österreichische Verhältnisse(Weyer­müller& Zlabinger, 1978) verwendet. Für den Vortest wurde jedes zweite der 66 Wörter des Tests verwendet. Als Nachtest wurde die andere Hälfte der 66 Wörter verwendet. Der Test ergibt einen Wert für die Lesegenauigkeit(An­zahl richtig gelesener Wörter) und einen Wert für die Lesegeschwindigkeit(Zeit für das Lesen aller Wörter). für die Be­nützung der Prozentrangtabellen wur­den die Fehlerzahlen und die Lesezei­ten für die Testhälften verdoppelt.

(2) Rechtschreibtest. Als Vortest wurde der Diagnostische Rechtschreibtest für die 1. und 2. Klasse(DRT 12) von R. Müller(österreichische Bearbeitung von

Heinz Wimmer und Michael Hartl* Phonologisch, multisensorische Förderung bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

Weyermüller, Sebanz& Bodner, 1978) verwendet; als Nachtest der Diagnosti­sche Rechtschreibtest für die 2. Klasse (DRT 2+) von R. Müller(österreichische Bearbeitung von Weyermüller& Burg­staller, 1975). Bei beiden Tests wird das zu schreibende Wort zuerst einzeln vor­gegeben, dann in einem Satz, um die Er­kennung durch Spezifikation der Bedeu­tung zu erleichtern, und dann nochmals einzeln. Das Kind hat das Wort in die Lücke des jeweiligen Satzrahmens zu schreiben,

Der DRT 12 beinhaltet 25 Wörter, beim DRT 2+ sind es 32 Wörter. Bei der Auswertung wurde zwischen ortho­graphisch richtigen und phonetisch rich­tigen Schreibungen unterschieden. Bei einer orthographisch richtigen Schrei­bung mußte auch die richtige Groß­bzw. Kleinschreibung gegeben sein. Für orthographisch richtige Schreibungen liegen Prozentrangwerte vor. Als pho­netisch richtige Schreibungen wurden orthographisch falsche Schreibungen ge­wertet, bei denen die Lautabfolge des Zielwortes in akzeptabler Weise in Gra­pheme umgesetzt war. Die Markierung von Vokallänge(z.B. durch Vokalver­doppelung) bzw. von Kurzvokal(durch Verdoppelung des nachfolgenden Konso­nanten) war für eine phonetisch akzep­table Schreibung nicht erforderlich.

Ergebnisse und Diskussion

Tabelle 1 zeigt die Lesezeit und die An­zahl der richtig gelesenen Wörter der Förder- und Kontrollkinder im Vor- und Nachtest. Für jede dieser Variablen sind arithmetisches Mittel Median, Streuung und Wertebereich ausgewiesen.

Der Effekt der Förderung wurde mit zwei separaten Varianzanalysen für Le­sezeit und Leserichtigkeit überprüft, wo­bei Vor- vs. Nachtest als Innerhalb- und Gruppenzugehörigkeit als Zwischen-Ver­suchspersonenfaktor eingeführt wurde. In keiner dieser Varianzanalysen war eine Wechselwirkung zwischen diesen beiden Faktoren zu erkennen. DieWerte für die Interaktion waren jeweils nicht signifikant(p>.30). Bei einem be­

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991