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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Heinz Wimmer und Michael Hartl* Phonologisch, multisensorische Förderung bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

Tab. 1: Anzahl richtig gelesener Wörter und Lesezeit in den Testhälften des DLT 12 der Förder- und Kontrollkinder im Vor- und Nachtest

Tab. 2: Anzahl orthographisch richtiger und orthographisch+ phone­tisch richtiger Schreibungen der Förder- und Kontrollkinder im DRT 12(Vortest) und im DRT 2+(Nachtest)

Fördergruppe

Lese

Vortest Nachtest

Anzahl

richtig M(Md) 23(26) 21:27) SD 8.6 2.8 Min-Max 130 2030

Lese­

zeit(Sek.) M(Md) 170(103) 106(105) SD 120 36 Min-Max 72-500 62-192

deutsamen Förderungseffekt wäre eine signifikante Interaktion zu erwarten ge­wesen, da die Fördergruppe sich stärker als die Kontrollgruppe hätte verbessern müssen, Wie jedoch die Mittelwerte in Tabelle 1 zeigen, war die Verbesserung der Lesezeit und der Leserichtigkeit bei Förder- und Kontrollkindern in etwa gleicher Weise gegeben. Der Faktor Vor­vs. Nachtest erwies sich als signifikant, F(1,18)11.2, p<.01, für Lesezeit und F(1,18)=5,8, p<.03, für Anzahl richtig gelesener Wörter,

Aus Tabelle 1 ist auch ersichtlich, daß die Förderung zu einer Verringerung der Un­terschiede zwischen den Kindern führte. Die Streuung der Lesezeit und der An­zahl richtig gelesener Wörter war im Nachtest der Fördergruppe signifikant kleiner als im Vortest und auch signifi­kant kleiner als die Streuungen der Kon­trollgruppe im Nachtest. Die F-Werte der beiden Streuungsvergleiche entspre­chen jeweils einem p<.05. Wie noch ausführlicher in der Einzelfalldarstellung erläutert wird, ist diese Verringerung der Streuung in der Fördergruppe darauf zurückzuführen, daß bei dem am Beginn mit Abstand schwächsten Förderkind eine bedeutende Verbesserung der Lese­leistung eintrat, die bei dem vergleich­baren Kind der Kontrollgruppe nicht gegeben war. Dieser Unterschied wird aus dem Vergleich der Minima- und Maxima-Werte in Tabelle 1 deutlich, So konnte z.B. das schwächste Förderkind anfänglich nur ein Wort richtig lesen, während es nach der Förderung 20 Wör­

Vortest

Kontrollgruppe

Nachtest

Anzahl orthograph.

Fördergruppe

Vortest

Kontrollgruppe

Nachtest Vortest Nachtest

23@2DU) 26(29) korrekt 9.5 8.1 M(Md) 7.2(8.3) 11.2(11.5) 6.7(9) 9.2(11) 3-30 7-32 SD 4.9 6.6 3.0 5.0 Min-Max 0-13 2-21 0-13 0-16 Anzahl orthograph., 161(120) 109(78)+ phonet. korrekt 132 9l M(Md) 15.9(19) 22.6(26.5) 16.7(21.5) 21.9(25.5) 50-571 42-344 SD 9.0 8.7 8.8 9,8 Min-Max 024 832 0-23 2-32

ter richtig las. Beim anfänglich vergleich­baren Kontrollkind war nur eine Ver­besserung von 3 auf 8 Wörter gegeben. Anzumerken ist noch, daß für die Mehr­zahl der Kinder der Fördergruppe die Leseleistungen auch nach der Förderung relativ schwach waren. Das Mittel der richtig gelesenen Wörter im DLT ent­spricht einem Prozentrang von 14, bei der Lesezeit entspricht das Mittel einem Prozentrang von 5.

Tabelle 2 zeigt Mittel, Mediane, Streuun­gen sowie die jeweiligen Minima- und Maxima-Werte der Anzahl orthogra­phisch und der Anzahl phonetisch kor­rekt geschriebener Wörter von Förder­und Kontrollkindern im Vor- und Nach­test. Bei den phonetisch korrekten Schreibungen sind auch die orthogra­phisch korrekten beinhaltet. Dabei ist zu beachten, daß im Vortest 25 und im Nachtest 32 Wörter zu schreiben waren und daß die Wörter des Nachtests ten­denziell schwieriger sind als die Wörter des Vortests. Der Effekt der Förderung konnte daher hier nur durch den Ver­gleich der Nachtestleistungen von För­der- und Kontrollgruppe bestimmt wer­den. Die Leistungen im Vortest zeigen lediglich die Vergleichbarkeit von För­der- und Kontrollgruppe.

Wie aus den Mittelwerten des Nachtests in Tabelle 2 ersichtlich, erzielten die För­derkinder sowohl bei der Anzahl ortho­graphisch richtig geschriebener Wörter als auch bei der Anzahl phonetisch rich­tig geschriebener Wörter nur geringfügig bessere Werte als die Kontrollkinder.

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991

Diese Mittelwertsunterschiede wurden mit t-Tests überprüft und erwiesen sich für beide Variablen als nicht signifikant, #(18) jeweils> 1. Im Unterschied zu Lesezeit und Leserichtigkeit waren bei den Schreibvariablen die Streuungen der Förderkinder im Nachtest nicht kleiner als im Vortest(bei orthographisch kor­rekt sogar größer). Anzumerken ist, daß die Rechtschreibleistungen von Förder­und Kontrollkindern im Nachtest mehr­heitlich als schwach zu bewerten sind, Das Mittel der Fördergruppe entspricht einem Prozentrang von 9,

Insgesamt wird durch diesen Auswer­tungsschritt deutlich, daß die Förde­rung zu keiner bedeutsamen Leistungs­steigerung beim Lesen und Rechtschrei­ben führte. Zwei Gründe erscheinen für dieses enttäuschende Ergebnis maßgeb­lich. Zum einen ist anzumerken, daß die phonologische Komponente des Trai­nings(Lautieren beim Schreiben, Su­chen alliterierender bzw. reimender Wörter) für die Mehrzahl der hier un­tersuchten Kinder als überflüssig er­scheint. Wie die Mittelwerte für laut­treue Schreibungen in Tabelle 2 zeigen, hatte die Mehrzahl der untersuchten Kinder geringe Schwierigkeiten mit der Lautanalyse von Wörtern, Desgleichen deuten die Mittelwerte für richtige Wortlesungen in Tabelle 1 darauf hin, daß die Mehrzahl der Kinder zum laut­orientierten Erlesen fähig war. Der zweite Grund für das unbefriedigende Ergebnis der Förderung dürfte darin liegen, daß das multisensorische Ein­

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