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Heilpädagogische Forschung : Zeitschrift für Pädagogik und Psychologie bei Behinderungen
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Regelschullehrer in Integrationsklassen mit verhaltensgestörten Schülern

eine Literaturübersicht

Von Herbert Goetze

In dieser Literaturanalyse sind Untersuchungsergeb­nisse zu Einstellungen und Kompetenzen von Regel­schullehrern hinsichtlich der integrierten Beschu­lung Verhaltensgestörter aus dem anglo-amerikani­schen Sprachraum verarbeitet worden, Lehrerein­stellungen scheinen bezogen auf Integration und bezogen auf das Klientel eher negativ zu Sein, Die Zielgruppe der Schüler mit Verhaltensstörungen scheint Lehrkräfte physisch und emotional stark zu beanspruchen, Einstellungsänderungen scheinen nur schwer durchsetzbar zu sein. Regelschullehrer sind eher selten gute Integrationslehrer, und wenn sie welche sind, fühlen sie sich schlecht auf die besonde­ren Belastungen vorbereitet. Ein Regelinventar von Lehrerkompetenzen wird nicht ausreichen, den Inte­grationsunterricht mit Verhaltensgestörten erfolg­reich bewältigen zu können. Eine besondere unter­richtliche Kompetenz im Umgang mit Verhaltensge­störten wird nicht sichtbar.

In this paper research results about attitudes and competencies of regular school teachers for inte­grating behavior disturbed students into the regular classroom are reviewed, Regular school teachers attitudes towards mainstreaming and towards the target population in particular are not favorable, Behavior disturbed students are a strong physical and emotional burden for regular teachers. Attitude changes are hardly to be achieved, Regular teachers seldom are good mainstreamers, and if they are, they feel not well prepared for this job. Regular teachers competencies do not seem to be sufficient to deal with the mainstreamed behavior disturbed pupil. They do not seem to possess special survival competencies necessary for the successful integra­tion of behavior disordered students into the regular classroom,

Einleitung

Das Problem der integrierten Beschu­lung von verhaltensgestörten Schülern gerät mehr und mehr in den Brennpunkt schulpädagogischen und-politischen In­teresses, bringt doch diese Zielgruppe Integrationsbemühungen aufgrund un­günstiger Verhaltensvoraussetzungen schnell zum Scheitern(vgl. Bach, 1989; Braaten et al., 1988; Freie und Hanse­stadt Hamburg, 1989; Neukäter, 1989; Will, 1986). Die Zielgruppe Verhaltens­gestörter ist im Anschluß an Kauffman (1989), Knoblock(1983) und anderen (vgl. Goetze& Neukäter, 1989) nicht als lediglich disziplin-, sondern als in ei­

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ner Weise persönlichkeitsgestört defi­niert, daß sie für den Regelunterricht als nicht tragbar erscheint und deshalb Anlaß für Überlegungen zur Sonderbe­schulung bzw.-unterrichtung gibt. Die Zielgruppe Verhaltensgestörter stellt des­halb also ein besonderes Problem für die gemeinsame Unterrichtung dar,

Für die Forschung ist der Bereich der Integration ein außerordentlich kom­plexer Gegenstand. Wer sich diesem Thema forschungsbezogen nähert, wird sich einem unübersichtlichen Geflecht von miteinander verwobenen Einfluß­größen und Bezugsebenen gegenüber­sehen. Für Untersuchungszwecke er­scheint es legitim, die Komplexität des

Gegenstandes auf wenige Einflußgrößen zu reduzieren, nämlich in Schüler-, El­tern-, Instruktions- und Lehrervariablen, obwohl diese Einflußgrößen natürlich in Wechselbeziehung miteinander stehen. So wird die Einstellung von Eltern nicht behinderter Kinder für bzw. gegen die gemeinsame Unterrichtung Auswirkun­gen auf die Einstellung der Kinder ha­ben(vgl. Cohen, 1987). Unterrichts­konzepte sind nicht zu trennen von de­nen, die sie vertreten und umsetzen(vgl. Tausch& Tausch, 1979). Ein mächti­ger, integrative Bemühungen geradezu determinierender Faktor scheint jedoch die Lehrerperson zu sein, ist sie es doch, die den Kurs festlegt und für Strategien

HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991