und Taktiken der Umsetzung verantwortlich ist.
In die Diskussion der interessierten FachÖffentlichkeit zum Einsatz von Integrationslehrern gehen häufig unhinterfragte Selbstverständlichkeiten ein(vgl. dazu den Referrentenentwurf der Freien und Hansestadt Hamburg, 1989), die nichtsdestoweniger Annahmen sind, die der empirischen Überprüfung bedürfen, So wird bei Integrationslehrern z.B. von einem hohen pädagogischen Ethos ausgegangen, das die Bereitschaft zu erhöhtem Engagement und zu vermehrter psychischer und physischer Belastung mit sich bringen soll.
In diesem Beitrag soll danach gefragt werden, welche Einflüsse tatsächlich von Regelschullehrern in Hinblick auf die gemeinsame Unterrichtung von Regelschülern und Schülern mit Verhaltensstörungen ausgehen. Diese Einflüsse lassen sich einerseits an Kognitionen und Attitüden, andererseits an den Kompetenzen festmachen. Damit bewegt sich diese Arbeit mehr auf pragmatisch-korrelativem als theoretischem Niveau. In Ermangelung einer überprüfbaren„Integrationstheorie‘ können Hypothesen lediglich auf dem Hintergrund von Annahmen generiert werden, die schulpolitisch orientierte Debatten beherschen. In diesem Sinne soll hier, bezogen auf Lehrereinstellungen und-kompetenzen, den folgenden Hypothesen nachgegangen werden:
1. Lehrereinstellungen
— Lehrpersonen weisen grundsätzlich positive Einstellungen allgemein zur Integration und zum zu integrierenden Klientel, den Schülerinnen und Schülern mit Verhaltensstörungen, auf,
2. Lehrerkompetenz
— Gut ausgebildete, erfahrene Lehrpersonen werden heterogen zusammengesetzte Schulklassen mit Verhaltensgestörten genauso kompetent leiten und unterrichten können wie homogen zusammengesetzte.
— Wenn sich Kompetenzdefizite manifestieren sollten, können diese
Herbert Goetze*
Regelschullehrer in Integrationsklassen
Tab. 1: Einstellungen von Lehrern und Lehrstudenten vor und nach Durchführung eines Trainings mit leicht behinderten Kindern (nach McCloskey& Quay, 1987)
Lehrerstatus
Klassenlehrer
Lehrerstudenten
Gesamtgruppe
leicht durch Lehrertrainings und tertiäre Ausbildungsmaßnahmen abgebaut werden.
Zur Bearbeitung dieser Probleme wird eine Analyse der Literatur(bis 1980 zurückreichend) durchgeführt, die das Lehrpersonal als Variable im Integrationsprozeß Verhaltensgestörter zum Gegenstand hat. Zum Auffinden der einschlägigen Arbeiten werden computergestützte Literaturzentren befragt. Die Literatursuche ergibt 19 verwertbare Veröffentlichungen, die allerdings sämtlich dem_anglo-amerikanischen Sprachraum entstammen. Entsprechend sind bei der Sichtung und Interpretation der Ergebnisse anglo-amerikanische Schulverhältnisse zu berücksichtigen. So wird z.B. unsere Zielgruppe in vielen Arbeiten, um Etikettierungseffekte zu vermeiden, als„leicht behindert“(mildly handicapped) bezeichnet, wobei in diese Kategorie auch Lernstörungen eingehen können. Da ganz unterschiedliche Untersuchungen— bezogen auf Fragestellung, Stichprobe, Methode— eingehen werden, wird die Analyse lediglich qualitativ-deskriptiv erfolgen können. Die Replizierbarkeit unserer Schlüsse ist jedoch durch die Zugänglichkeit der referierten Literatur gewährleistet.
Ergebnisse zu Einstellungen und Kompetenzen von Lehrkräften der Allgemeinen Schule
Lehrereinstellungen zur Integration
Zahlreiche Berichte weisen darauf hin, daß Regelschullehrer im allgemeinen negative Einstellungen zur Integration aufweisen(vgl. Johnson 1981). Solche Voreinstellungen scheinen nur schwer
HEILPÄDAGOGISCHE FORSCHUNG Band XVII, Heft 2, 1991
vorher nachher 50.19 49.31 60.35 56.153 53.21 52.73
veränderbar zu sein. Dies hat eine Untersuchung von McCloskey und Quay (1987) ergeben:
Vor und nach Durchführung eines gut kontrollierten, 4wöchigen Unterrichtsversuchs mit 26 verhaltens- und lerngestörten Kindern wurde 26 Lehrerstudenten und den ihnen zugeordneten Klassenlehrern ein standardisierter Fragebogen(Educational Attitude Survey), der administrative und pädagogische Aspekte schulischer Integration mißt, verabreicht.
Aus Tabelle 1 sind die Mittelwerte für Lehrer, Lehrerstudenten vorher und nachher ablesbar.
Die varianzanalytische Datenverarbeitung zeigte hochsignifikante Haupteffekte für die Variablen Lehrerstatus und Meßzeitpunkt. Wie Tabelle 1 zeigt, wiesen die Klassenlehrer zeitstabile und eher ungünstige Einstellungen auf, während Lehrerstudenten vorher und nachher vergleichsweise positiver eingestellt waren, Ihre positive Einstellung änderte sich allerdings signifikant in Richtung auf die der sie betreuenden Praktiker, nachdem sie in den Integrationsprozeß eingebunden waren. Mit Recht kann von den Autoren aus diesem Ergebnis geschlossen werden: Realistische Einstellungen der Lehrerstudenten zur Integration lösen eher idealistische aufgrund des Praxiskontaktes ab; es dürfte erhebliche Probleme mit sich bringen, Einstellungsänderungen bei Lehrerstudenten zu erreichen, wenn negative Einstellungen der sie betreuenden Lehrkräfte zur Integration nicht ebenfalls geändert werden(McCloskey& Quay, 1987, S. 433).
Hoover(1984) ging in seinem Kontrollgruppenversuch ebenfalls der Frage nach, inwiefern Felderfahrungen(200 Unterrichtsstunden) von 31 Lehranwärtern („preservice elementary students‘) mit
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